Männer und Frauen und das Publikum

Zu gestern.

Eine Aussage, oder ein angeblicher Grund, warum man vor „Hunger Games“ keinerlei weiblichen Hauptfiguren in Action-Filmen hatte (schließt das nur Live-Action-Filme ein, oder zählte auch Trickfilm-Mulan?), wie die da, die da, die da oder die da, war, dass sich Männer und Frauen in männliche Hauptpersonen hineinversetzen könnten, aber nur Frauen in weibliche. Ähh, ja…

Erstens: gibt es irgendeinen Beleg, dass sich Frauen im Durchschnitt besser in Männern hineinversetzen können als umgekehrt? Oder ist das ein selbstverliebtes Vorurteil?

Zweitens: wenn man mal annimmt, dass das – Vorurteil oder nicht – etwas wäre, was die Produzenten von Actionfilmen dachten, gibt es schon bei vielen Filmen Gründe, warum eine bestimmte Rolle männlich ist. Ein männlicher Vietnam-Veteran, der von der Zivilgesellschaft nicht so richtig willkommen geheißen wird, und darum zur One-Man-Army mutiert, Ok. Mit einer Vietnam-Veteranin hingegen, also keine Vietnamesin jetzt, sondern ein weibliches, ehemaliges Mitglied der US-Streitkräfte, das in Vietnam an der Waffe gedient hätte, das keine zivile berufliche Perspektive mehr hätte und daher wegen Landstreicherei Ärger bekäme – ich sag mal so: DAS Szenario ist jetzt schon so fern der Wirklichkeit, dass eine One-Woman-Army das ganze wieder auf den Boden des Realismus zöge.

Drittens: bei einigen Filmen ist es tatsächlich reine Willkür, dass die Hauptrolle(n) männlich sind. Ghostbusters bspw., bei denen könnte man eine gewisse Voreingenommenheit annehmen, allerdings gibt es…

Viertens, Actionfilme, und zwar ziemlich erfolgreiche, bei denen die Hauptfigur weiblich ist. Wenn sich die männlich gedachte Hälfte des Action-Film-Publikums Terminator blöd fand, weil sie sich nicht mit Sarah identifizieren konnten, und Kyle ist ja am Ende leider gestorben – ja, sorry, Spoiler, wer den Film noch nicht gesehen hat, hat kein Mitleid mehr verdient – dann müsste Terminator doch eine besonders große weibliche Fan-Base haben, oder? Daran könnte man die Theorie leicht testen.

Für’s Protokoll: die Story, bzw. das Ausgangsszenario von Terminator macht es erforderlich, dass Sarah eine Frau ist, so wie das Ausgangsszenario von Rambo einen Mann erforderlich macht. Man kann sicher argumentieren, dass Terminator nicht gedreht wurde, um feministisch zu sein, aber ebensowenig ist Rambo, der Film, frauenfeindlich, weil Rambo, die Figur, ein Mann ist.

Es gibt die Geschichte, dass das Geschlecht der Rollen von Alien ausgewürfelt wurde. Keine Ahnung, ob es stimmt, aber wenn, dann fiel das Los glücklicherweise zweimal auf „weiblich“, weil das mit dem Bechdeltest sonst nicht geklappt hätte.

Hmmmm…

Oder, das hollywooder Vorurteil lautet, dass Actionfilme grundsätzlich lieber von Männern gekuckt werden, und man deshalb mehr männliche Action-Helden hat. Persönlich will ich nicht sagen, dass die in Hollywood keinerlei Vorurteile hätten, und ich will jetzt auch nicht in küchenpsychologischen Theorien schwelgen; die Ausgangsthese, warum es „früher“ weniger (aber nicht keine) weibliche Actionhelden gab als „heute“, halte ich für falsch.

Ein Gedanke zu “Männer und Frauen und das Publikum

  1. Sarah Connor und Ellen Ripley sind keine feministischen Figuren. Schließlich sind sie keine Mary Sue und entwickeln sich im Verlauf der Geschichte weiter.

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