Frauenfilme 4: Hunger Games

Hier mal ein Beispiel für einen Frauenfilm mit einer nicht vernachlässigbar kleiner weiblichen Fanbase: Die vier Filme der „Tribute von Panem“-Trilogie.

Muss ich dazu noch viel sagen? Eigentlich nicht, andrerseits wird so ein Blog nicht voll, wenn man sich von dergleichen aufhalten ließe.

Die Tribute von Panem räumen mit dem Vorurteil auf, dass Frauen am liebsten Romantische Komödien sähen, denn ein Mensch könnte kaum weniger romantisch sein als Katniss Everdeen, ohne dazu kleine Katzen zu ertränken oder so. Was sie (im Buch, aber s.u.) fast gemacht hätte. Danke, Prim! Und besonders komisch ist sie auch nicht, in den Büchern entwickelt sie bisweilen einen sarkastischen Galgenhumor, aber – um die Jungs von Cinema Sins zu zitieren – das Buch ist scheißegal. In den Filmen hat sie jedenfalls noch weniger humorige Momente. (In einem Trailer macht sie sich etwas über Gale lustig, von wegen „keine fünf Meilen weit“. Von wegen. In den Büchern wären die 50 Meilen weit, bevor ihr Verschwinden überhaupt auffiele, aber die Bücher, nunja, s.o.) Ein anderes sexistische Vorurteil, das die Reihe nicht bedient, ist, dass Frauen generell empathischer und sozialkompetenter seien. Katniss ist jetzt zwar durchaus in der Lage, andere Menschen einzuschätzen, aber so richtig verlässt sie sich auf ihre „social skills“ nun wirklich nicht. Zum Beispiel kann sie sich kaum verstellen; kein Schauspielern, kein Bluffen, kein Lügen, nix. In den Filmen schafft sie es an einer Stelle mal, sich schlafend zu stellen, 10 Gummipunkte, bis sie etwas zu plötzlich „aufwacht“. Ansonsten gibt es in vier Filmen nur eine Stelle, wo sie irgendwem erfolgreich etwas vormacht, ohne dass Peeta daneben steht und ihr hilft. Und da sitzt er neben ihr und verhält sich so, dass ihr Verhalten echt wirkt, nur weiß er wohl nicht, dass sie sich verstellt (oder er weiß bzw. errät, was sie vorhat, und hilft ihr eben doch). Peeta umgekehrt ist extrem gut im Lügen (doch, das ist „social skill“. Was denn sonst?), was nicht heißt, dass er ein gewohnheitsmäßiger Lügner ist. Ehrliche Einblicke in sein Seelenleben gibt er mit derselben Überzeugungskraft ab wie die dreistesten Lügen. Je nachdem, was seinen Zielen am besten hilft. Und, wie Katniss erleben musste, die kränkendsten Äußerungen sind die, die wahr sind – wenn Peeta ihr damals kein Brot gegeben hätte, sondern den Schweinen, hätte er sich eine Menge Probleme erspart (hauptsächlich, weil er inzwischen tot wäre, aber trotzdem: kein Stress mit seiner Mutter, keine Folter durch das Kapitol, seine Familie wäre noch lebendig…). Von Peeta und Katniss, liebe Kinder, kann man etwas wichtiges lernen: Männer erreichen ihre Ziele mit Reden, Frauen mit Waffengewalt!

Zur etwas tiefergehenden Charakteranalyse Katniss‘: Sie lebt offensichtlich in einer Welt, wo es nicht opportun ist, sich emotional zu sehr an jemanden zu binden. Bei ihr war ursprünglich nur Prim ein so wichtiger Mensch*, und wenn man sieht, wie Katniss sich für Prim ins Zeug legt, kann sie keine Kapazitäten für weitere wichtige Menschen haben. Und wenn man mit einer unbewussten Hemmung herumläuft, sich an andere zu sehr zu binden, trainiert man eher weniger die Fähigkeiten, mit denen man andere an sich bindet. Woher ich wissen will, dass sie sich nicht zu sehr an andere Menschen binden will? In den Büchern (jaja, ich weiß, s.o.) erwähnt sie mal recht logisch, dass sie keine Kinder will in einer Welt, wo man die kaum satt bekommt und evt. in Gladiatorenspielen verliert; nun, spätestens seit Buch/Film 2 hat sie Zugang zur Pille oder dergleichen, keine Kinder zu kriegen hieße nicht, auf eine Beziehung zu verzichten. Oder mal ein nicht-sexuelles Beispiel: von verschiedenen Stellen, wo sie Gelegenheit hätte, sich mit ihrer Mutter auszusöhnen, ergreift sie genau Null. Als Gale mal Probleme hat, ist ihre Reaktion, sich ihnen in den Weg zu stellen. Haymitch übernimmt das Verhandeln.

Immerhin hat sie ein leichtes Helfersyndrom, wenn Leute in Gefahr geraten, springt Katniss ein. Was letztendlich dazu führt, dass durch ihr Beispiel das Unrechtssystem von Panem letztendlich beendet wird, von daher ist das zu was gut, aber trotzdem.

 

*Und evt. früher ihr Vater, da sie das Papakind in der Familie war und er ihr alles beigebracht hat, was ihr beim Überwinden ihrer Probleme nutzte, aber inwieweit sein Tod sie hätte ermutigen sollte, sich mit Leuten anzufreunden, weiß der Gilb.

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