11 Gründe, warum nicht, 1-4

Es geht, wie könnte es anders sein, um Herr der Ringe der Macht: die Serie.

Siehe auch hier. Eine Serie, an der ich deutlich weniger interesse habe, als ich als langjähriger Tolkienfan erwarten würde.

Um das Argument vorwegzunehmen: ich beurteile das anhand von Trailer und Ankündigungen der Macher, ohne die Serie zu kennen. Das mag etwas kurz gegriffen sein, aber ich kann mich ja auch dagegen entscheiden, eine Partei zu wählen, weil mir ihr Wahlprogramm nicht gefällt. Fangen wir mit den „harmlosen“ Änderungen an. Solche Sachen wie: „Realfilm-Mulan ohne Mushu und ohne Lieder wäre ok gewesen, wenn der Rest in Ordnung wäre.“ oder: „Dass die Feuernation im Realfilm  nur vorhandenes Feuer bändigen können – wie der eine Typ in der ersten X-Men-Verfilmung – wäre ok, wenn der Rest kein kompletter Schwachsinn wäre.“

  1. es wird das 2. Zeitalter von Mittelerde storytechnisch stark erweitert. Das mag möglicherweise sogar das Beste sein, weil man vllt. keine gute Tolkienverfilmung hat, aber immerhin eine gute Fantasyserie. Und wenn man ignoriert, dass dauernd Namen und Orte aus Mittelerde erwähnt werden, könnte man es sogar für eine der besten Tolkien-Epigonen halten. Aber das will es ja nicht sein. Eine Viertel Milliarde Dollar – bei aller Liebe, das halte ich so oder so für zu viel.
  2. Hobbits im 2. Zeitalter. Jaaa, von einem puristischen Blickwinkel her kann man das kritisieren, weil Hobbits da nichts wichtiges oder bemerkenswertes gemacht haben. Hobbits haben das Auenland erst Mitte des 3. Zeitalters besiedelt; dennoch hat es ihre Vorfahren wohl schon früher gegeben, und weil in vielen Fantasygeschichten irgendwelche Landeier vorkommen, denen man – stellvertretend fürs Publikum – alles erklären muss, wäre das vermutlich die Rolle, die die Halblinge aus dem Trailer jetzt übernehmen. Halte ich für legitim.
  3. Schwarze Elben. Es ist einerseits plausibel, dass man alle Elben – auch Elbenvölker, deren Existenz am Rande erwähnt werden – für hellhäutig hält, aber es ist nicht zwangsläufig so. Die Figur mag am Ende sogar der beste Charakter der ganzen Serie werden. Aber dafür braucht man Hirnschmalz. Wenn man einen Mauren in einer Robin-Hood-Geschichte haben will, oder einen Araber in einer Beowulf-Adaption, muss man erklären, wie die dahinkommen. Bzw., bei Tolkien, woher die eigentlich kommen. Gründe, schwarze Elben einzuführen, kann es mehrere geben: a) man will einfach zeigen, dass Arda, also der „Planet“ von Mittelerde, viel größer ist als das, was man bis jetzt gesehen oder gelesen hat, und das wird u.a. durch schwarze Elben dargestellt. Dazu müsste man vllt. die Antwort auf Fragen geben oder zumindest kennen wie: „Liegt der Kontinent in den ‚Tropen‘, obwohl es noch keine ‚Tropen‘ gibt? Warum hat er ein bärtiges Gesicht als Wappen(?) auf seiner Brust? Welchen Grund hat er, seine Heimant zu verlassen?“ Elben in Arda gibt es schon länger als die Sonne dort. b) die Macher haben eine total tolle Idee für einen Charakter + Story, und der Schauspieler hat die Rolle am besten verkörpert. c) man will, dass Schwarze die Serie mögen. Ich habe keine Ahnung, ob das (in finaziell ergiebiger Weise) klappen wird – wenn jemand mit Tolkien und tolkieninspirierter Fantasy nichts anfangen kann, insbesondere, weil soe schwarz ist und das Personal in dieser Fantasy überwiegend oder ausschließlich weiß, ok. Aber sollte diese eine schwarze Figur daran etwas ändern? d) woke virtual signal. Wenn das ein sozialer Kommentar werden sollte, das klappt so gar nicht – welche Aussage macht die mögliche Geschichte oder schiere Existenz eines schwarzen Elben über die heutige Diskriminierung schwarzer Menschen? Keine. Es wäre höchstens ein Kommentar über die Macher. (Ich hoffe, dass a) zutreffen wird.)
  4. Actiongirl Galadriel. Im Herrn der Ringe ist sie Staatselbe und Magierin, aber sie hat tatsächlich die todlosen Lande verlassen, um Abenteuer zu erleben und Ruhm zu gewinnen, und hier soll die Geschichte wohl sein, wie sie ihren Ring und die zugehörigen magischen Fähigkeiten bekommt, wofür sie möglicherweise etwas aus ihrer Komfortzone kommen muss. Allerdings ist „Actiongirl“ trotzdem nicht ihre Kernkompetenz, oder gar der Grund, warum man ihren Chara mag. Insofern hätte man auch nicht-Action-Szenen zeigen sollen. Man zeigt bei einem neuen Tomb-Raider-Titel auch nicht Lara Croft, wie sie die ganze Zeit am Schreibtisch sitzt. Allerdings, auf der Pro-Seite, die Besetzung sieht gut aus; Galadriels Schauspielerin muss nicht aussehen wie Kate Blanchet, sondern wie Galadriel. Und die ist schon ziemlich groß für eine Elbenfrau. Minus-Punkt: wenn schon Rüstung, warum dann keinen Helm? Im Unterschied zu anderen Titeln wie Judge Dredd und X-Men kann Telepathie nicht der Grund sein; Galadriels Telepathie erfolgt durch Blickkontakt, da stört ein Helm nicht.

Bis hier bin ich noch der Ansicht, dass das was gescheites werden kann, obwohl man ohne Tolkiens Rechte aber mit dem Budget (zzgl. der eingesparten Kosten für die Rechte) auch eine tolle Serie hinbekäme, die bei Tolkienfans möglicherweise noch besser ankäme, ohne bei allgemeinen Fantasyfans Beliebtheitseinbußen auszulösen.

2 Gedanken zu “11 Gründe, warum nicht, 1-4

  1. Im Allgemeinen stimme ich dir zu.
    Nur beim letzten Punkt, dem Helm, wäre ich gnädiger. In den meisten Fantasy- oder Historienverfilmungen tragen die Hauptprotagonisten keinen (oder nur selten einen) Helm.
    Z.B. bei Game of Thrones (da tragen die im Norden noch nicht einmal Kapuzen), Herr der Ringe, Last Samurei, usw.
    In Kriegsfilmen setzen die Soldaten häufig den Helm an der Front ab, was so nie geschehen würde (habe ich in einem making of zu Band of Brothers gesehen).

    Der fehlende Helm ist also durchaus zu kritisieren. Ist aber vollkommen „normal“ in Film und Fernsehen.

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