Einst, in grauer Vorzeit…

…hatte ich eine Diskussion über die damals erstmalig angekündigte Mittelerdeserie bei Amazon. Inzwischen bekannt als „Die Ringe der Macht„. Mein damaliges Argument, keine Vorfreude zu entwickeln, war, dass ich bei so etwas viel zu oft enttäuscht wurde, wiewohl es sicher gute Beispiele gibt, dass Adaptionen klappen. Wie bei der HdR-Trilogie.

Daraufhin wurde mir gesagt, dass die Serie möglicherweise gar nicht für mich gemacht wurde, was ich zwar einerseits nach wie vor für ein Totschlagargument halte, andererseits wohl insofern stimmt, als dass ich nicht die Zielgruppe bin.

Die Zielgruppe wären Leute, die Fantasy mögen und gerne Serien bingen. Oder generell viel Fernsehen. Und dann ist es relevant, dass die Serie viel Geld für tolle Bilder investiert, Landschaften, Kulissen, Kostüme, Requisiten, etc.; also ein hohes Budget ist gut für eine hochwertiges Gesamterlebnis. Fantasy mag ich schon, aber tatsächlich lieber in Büchern.

Jedenfalls war das noch vor der Hautfarbendebatte. Wie ich betonen möchte, bei vielen Rollen ist es egal, welche Hautfarbe die Person hat. Dragonball Evolution wäre auch mit einem Japaner in der Hauptrolle ein schlechter Film geworden. Und bei Avatar: der Realfilm war schlechtes (faules) Casting einer von vielen, vielen Nägeln für den Sarg der Trilogie. Gute Beispiele, wo man dergleichen gescheit erklärt hat, waren GitS, auch wenn er insgesamt nicht so optimal war, oder, wenn in einer Robin-Hood-Verfilmung Morgan Freeman auftreten soll, dann braucht man nur eine gescheite Geschichte, die das erklärt. Zur Belohnung gibt’s Morgan Freeman im mittelalterlichen England und Dialoge wie diesen hier: „Wie habt Ihr [Idioten] es eigentlich geschafft, Jerusalem einzunehmen?“ – „Gott wollte es.“

Aber leider habe ich nicht ganz das Vertrauen, dass die bei Amazon Prime diesen Hirnschmalz investiert haben. Schwarzer Elb, ok. Schwarze, bartlose Zwergin aus Moria? Ernsthaft? Man hätte einfach ein Zwergenvolk erfinden können, was irgendwo anders lebt. Oder mehrere Zwergenvölker. Fairnisshalber: vllt. ist sie nicht in Moria geboren, sondern stammt von ganz woanders – die Serie spielt in einer grundsätzlich anderen Epoche als der Herr der Ringe. Dennoch wäre es interessant, warum sie keinen Bart hat.

Vor allem, wenn man Geschlechterklischees karikieren will, sind Elben und Zwerge prima. Die haben es nicht so mit Geschlechtsdimorphismus. „Männer sind so eitel. Stundenlang vorm Spiegel.“ – „So ein Bart braucht Pflege.“ – „Mein Bart braucht einmal Bürsten.“ – „Frauen sind halt faul.“ *Klatsch

Oder irgendwelche Menschen, die bei Elben und Zwergen nie wissen, welches Pronomen denn jetzt das richtige ist. Weil das Casting für manche Elben Frauen und manche Zwerginnen Männer aufgestellt hat. Der erste Halbling, der damit konfrontiert wird, macht sofort alles richtig, weil er oder sie einfach aufmerksamer ist (und an nicht ganz so viel Geschlechtsdimorphismus gewohnt ist), was zu der Feststellung führt, dass Menschenmänner wie große Zwerge aussehen, und Menschenfrauen wie nicht ganz so dünne Elbinnen, weil Menschen sonst Männer und Frauen nie auseinanderhalten könnten.

Und wir machen uns jetzt über diese Behinderung nicht lustig.

4 Gedanken zu “Einst, in grauer Vorzeit…

  1. Das interessante daran ist, dass Zwergenfrauen Bärte haben! Da gibt es einen entsprechenden Dialog zwischen Gimli und Eowin in „Die zwei Türme“. Gimli weist daraufhin, dass es auch Zwergenfrauen gibt, man diese jedoch schwer von den Männern unterscheiden könne, woraufhin Aragorn mit einer Geste einen Bart andeutet und leise zu Eowin sagt „das liegt an den Bärten“.

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  2. Ich finde es einfach respektlos dem Werk gegenüber das Tolkien erschaffen hat. Sie scheißen drauf und sind auch nicht annähernd fähig dazu etwas vergleichbares selbst zu erschaffen.

    Meinetwegen ändern sie eben so viele der vermutlichen weißen Figuren in Nichtweiße, mit ihrer idiotischen Begründungen das in Fantasy-Werken die Bevölkerung abgebildet werden sollte. Tun wir einfach so als oben sich Hautfarben nicht aufgrund von Umgebungsbedingungen und durch Selektion entwickelt haben und tun wir so als sein Mittelerde eine globalisierte Welt, in der es jeder Person mit etwas Geld möglich ist von Kontinent zu Kontinent zu reisen. Einfach ins nächste Flugzeug steigen. Tolkien hat Mittelerde als eine Welt ersonnen die dem englischen Mittelalter entsprach. Auch wenn das die woken Spinner von z.B. dem BBC nicht wahr haben wollen, war nahezu die komplette Bevölkerung damals weiß.

    Sie hätten die Serie ja auch gut in Harad oder Rhun ansiedeln können, wo die Menschen gem. Tolkien auch die politisch richtigen Hautfarben haben. Hätte erzählen können was die Ringgeister dort trieben, wie der Konflikt mit Gonder von dieser Seite aussieht und bei der Gelegenheit gleich auf die bösen weißen Gondoriten schimpfen können. Aber nö.

    Und Zwerginnen haben Bärte.

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    1. Bin dann mal auf die menschlichen Ringträger gespannt.
      Wenn ich mich richtig erinnere laut Tolkien alles Könige. Minestens ein Ostling dabei (auch einer aus Harad?). Irgendwas sagt mir, dass das alles weiße Männer sein werden…

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