Problematisch

Jetzt mal wieder

Ist der Hashtah #yesallmen etwas unproblematisch?

Nicht alle, aber zu viele Männer

Auf Tiktok erklären Nutzer*innen mit anschaulichen Beispielen, was das Problem an der Aussage „Nicht alle Männer“ ist.

Erstens, statt Twitter Tiktok. Zweitens, wie viele Männer wären nicht zu viel? Drittens ist die Aussage wahr – wäre demnach eine unwahre Aussage irgendwie besser?

Der Femizid an Sarah Everad hat nicht nur in Großbritannien, sondern weltweit für Erschütterung gesorgt und eine neue Diskussion über Gewalt gegen Frauen ausgelöst.

Weltweit? Also auch in China? In Indien? Auf den Phillipinen?

Auch in sozialen Medien wie Tiktok teilten User*innen ihre persönlichen Gewalterfahrungen und machen deutlich, dass viele als weiblich wahrgenommene Personen in ihrem Leben mit Übergriffen und sexualisierter Gewalt konfrontiert werden.

Das bestreitet ja niemand. Bzw., es gibt Gesetze dagegen, wenn man meint, dass die nicht konsequent genug umgesetzt werden, sollte man mehr Geld in die Polizei investieren, aber andererseits, bei einem Verbrecher, der Polizist ist, muss man feststellen, dass man kein Risiko beliebig reduzieren kann.

Weltweit erlebt eine von drei Frauen mindestens einmal in ihrem Leben sexualisierte Gewalt, so die Weltgesundheitsorganisation.

Tja. Um den Link zu zitieren: „The lowest rates are found in Europe (16–23%)“ – also jede sechste bis vierte Frau. Ist natürlich nicht direkt gut, aber in den meisten Fällen ist das nicht: „Wurde mutmaßlich von einem Polizisten brutal ermordet.“ Das mal zur Einordnung.

Andere dagegen nehmen die Vorwürfe gegenüber Männern, die Gewalt an Frauen ausüben, als persönlichen Angriff wahr.

Wenn jemand sagt, Blondinen seien dumm, nehmen viele Blondinen das auch als persönlichen Angriff wahr. Und die Erklärung, nicht-dumme Blondinen müssten sich ja nicht angesprochen fühlen, klingt sehr nach Ausrede.

Mit der Aussage „nicht alle Männer“ halten sie Frauen und nicht-binären Menschen vor, sie würden verallgemeinern.

Ach, das stimmt so nicht. Sie werfen auch männlichen Menschen vor, zu verallgemeinern, wenn sie solche Sprüche raushauen.

Nicht alle Männer seien automatisch Täter seien.

Nicht alle Sätze automatisch Grammatik habend.

In den Kommentaren zu Beiträgen oder Tiktoks, die auf sexuellen Missbrauch aufmerksam machen, sammelte sich der Hashtag #notallmen.

Achwas. Nein. Wie das nur kommt? Haben die keine Empathie, um EXAKT diese Reaktion vorherzusehen?

Als Reaktion darauf erklärt die Tiktokerin Prithika Chowdhury anhand von bildlichen Vergleichen, dass es bei der Diskussion nicht darum geht, dass alle Männer gefährlich sind

Entweder bin ich gefährlich, dann wehre ich mich dagegen, für gefährlich gehalten zu werden, oder ich bin nicht gefährlich, dann wehre ich mich ebenfalls, für gefährlich gehalten zu werden. Aber bildliche Vergleiche. M-hm.

aber eben zu viele Männer. Und das führe dazu, dass sich weiblich gelesene Personen nicht sicher sein könnten, wem sie vertrauen könnten.

Männer können auch nicht sicher sein, wem sie vertrauen können. Wie gehen Männer damit um? Nun, zunächst sind sie zu einer höheren Risikobereitschaft erzogen worden als andere Menschen, und weiterhin betrachten sie ihre Mitmenschen (m/w/d) mit einer gewissen Grundvorsicht.

„Vor dir sind drei Türen, zwei davon sind sicher“, sagt Chowdhury in einem Tiktok-Video. „Öffnest du jedoch diese eine Tür, wirst du sterben. Würdest du mit diesem Wissen eine der Türen öffnen?“ Und gibt auch die Antwort: Wahrscheinlich ja wohl nicht.

Eine von drei Blondinen ist Dumm. Würdest Du mit diesem Wissen irgendeiner Blondine irgendeine Aufgabe geben? Wahrscheinlich ja wohl auch nicht. (Der Anteil von Vergewaltigern liegt bei unter 33,3 %, also was soll der Vergleich?)

In einem weiteren Beispiel verbildlicht sie, dass man sich beim Angeln schon unsicher fühle, sobald man einen einzigen Alligator entdecke.

Der Hauptunterschied zwischen Alligatoren und Männern ist der, dass die einen Tiere sind und die anderen nicht. Aber offenbar greifen die eher Schwimmer und Jogger statt Angler an.

Und würde man von zehn Käsekuchen, von denen zwei vergiftet sind, trotzdem einen Kuchen probieren, da ja 80 Prozent in Ordnung sind?

Angenommen, von 10 Kindern wären 2 nicht vom Ehemann der Mutter, sollte man sich als Ehemann trotzdem um seine Kinder kümmern? Ja? Nein? Ach, der tatsächliche Anteil liegt gar nicht bei 20% Prozent, sondern im niedrigen einstelligen Prozentbereich, so dass der Vergleich unfair übertrieben und auch schon recht pauschal beleidigend ist?

„Es waren nicht alle Türen, aber genug“, macht sie deutlich. „Es sind nicht alle Männer, es sind einfach zu viele. Zu viele Männer, vor denen man Angst haben muss.“

Die Zahlenwerte, mit denen sie operiert, sind sehr hoch. Es wäre wissenswert, welchen Anteil „gefährlicher Männer“ sie für akzeptabel hielte, und welchen für realistisch.

Immer mehr Nutzer*innen ziehen Beispiele heran, um zu zeigen, was an der Aussage „nicht alle Männer“ falsch ist.

Gar nix. Bzw., wenn man sagt, dass man bspw. 1 % für akzeptabel hielte, es aber in Wirklichkeit leider zwei Prozent seien, wäre das ja irgendwie eine konkrete Aussage und kein Främing. Aber dazu müsste man was anderes machen als:

Audrey Clare. Sie erzählt, dass sie in ihrer Kindheit von einem Hund, der viel größer war als sie, umgerannt wurde. Seitdem habe sie Angst vor Hunden.

Was Hunde und Alligatoren gemein haben, ist, dass beides Tiere sind. Ok, Kynophobie schadet vor allem Hunden, nicht den Leuten, die kynophob sind. Ach, reden wir doch von Menschen? Diese ganzen Tiermetaphern, immer. Der verräterische Hund, der geldgierige Alligator, die nachbarschaftliche Spinne.

Obwohl sie schon vielen lieben Hunden begegnet sei, werde sie trotzdem panisch, wenn sie auf einen Hund treffe.

Erwartet sie jetzt ernsthaft, dass die lieben Hunde die Verantwortung für die bösen übernehmen?

 „Die Wahrscheinlichkeit von einem Hund gebissen zu werden, liegt bei einer von 73 Personen. Die Wahrscheinlichkeit, vergewaltigt zu werden, liegt bei einer von fünf Frauen.“

Ja, die Hundebiss-Statistik sagt nicht aus, dass einer von 73 Hunden bissig ist (wenn es weniger Hunde als Menschen sind, wären es MEHR, wenn ein Hund öfter als einmal Menschen beißt, wären es weniger, d.h., man kann die Durchschnitts-Beißwahrscheinlichkeit nicht daraus ableiten. Die „Vergewaltigungsstatistik“ schließt jede Art von „sexual assault“ ein, was eine häufige Taktik ist, solche Statistiken übler wiederzugeben als eigentlich gerechtfertigt. Aber davon mal abgesehen – eine nicht gerade sinnvolle Angst vor einer Sache soll eine andere Angst rechtfertigen?

Auch die Tiktokerin Kristen Scott macht anhand eines anschaulichen Beispiels deutlich, wie wenig sinnvoll der Ausspruch „not all men“ ist: „Wenn ich dir eine Box Maltesers (Anm. d. Red.: Süßigkeit aus Schokolade) geben und sagen würde, dass einer von zehn eigentlich ein Stück Scheiße getunkt in Schokolade ist, dann würdest du doch bei allen vorsichtig sein, oder nicht?“

Wenn von zehn Personen, die die Polizei irgendwo festgenommen hat, eine einen Diebstahl begangen hat und die anderen neun unschuldig sind, würde Kristen Scott alle zehn verurteilen? Falls ja, wtf? Falls nicht, was erwartet sie dann für eine Reaktion? Übrigens finde ich die Tiervergleiche ganz plötzlich fast schon schmeichelhaft.

In dem Lied singt [die Irin Riona], dass nicht alle Wespen stechen und nicht alle Schlangen giftig sind. Und darüber, dass es schwer sei, den Unterschied zu erkennen.

Kein Mensch ist giftig. Aber hey, selbst, wenn ich nicht weiß, ob eine Schlange giftig ist oder eine Wespe mich stechen kann, ist deren Verhalten nicht so schwer vorhersagbar, dass man deren Angriff nicht vermeiden könnte. Ich brauche niemanden, der mich vor ihnen beschützt.

der User „big_boy_harry“ … meint: „Wenn du ein Mann bist und du dich wunderst, warum Frauen sagen ‚all men‘ – sie haben keine Zeit, um zu unterscheiden.“

Kommt mir mehr wie keine Lust vor. Aber ich „wundere“ mich nicht, ich akzeptiere bloß die Argumentation nicht.

Wenn über Vergewaltigungen, Femizide und die tägliche Diskriminierung von Frauen gesprochen wird, dann wird damit also im Normalfall nicht behauptet, dass alle Männer Täter sind und damit die Schuld tragen.

Im „Normalfall“. Wenn fünf von neun Leuten, die darüber sprechen, nicht meinen, dass alle Männer Täter sind oder jedenfalls die Schuld tragen, würdet IHR doch allen widersprechen und nicht versuchen, die vier herauszufinden, die das tatsächlich DOCH meinen, oder?

Das Problem ist das System, das sexistisch ist und Frauen nicht schützt.

Gut, dass das dann ja nicht meine Schuld ist, was? Dann muss ich mich weder ändern noch Verantwortung für andere übernehmen.

Aussagen wie „nicht alle Männer“ sind demzufolge Diskursverschiebungen, die den Fokus auf die Gefühle von Männer legen und Betroffene zum Schweigen bringen sollen.

Wenn schon Gegenargumente Betroffene zum Schweigen bringen würden, sind Betroffene aber leicht zu silencen….

Bist es nicht du, der sich einer Frau gegenüber falsch verhalten hat, dann ist es aber vielleicht einer deiner Freunde oder Bekannten gewesen.

Kollektivschuld und Sippenhaft. Dinge, die in einer aufgeklärten, demokratischen Gesellschaft nicht mehr existieren.

Irgendeine dumme Blondine wird es schon rein statistisch geben. Ich habe keine Zeit, die Klugen herauszufinden.

Irgendeine brünette Taschendiebin wird es schon rein statistisch geben. Ich habe keine Zeit, die Ehrlichen herauszufinden.

Und so weiter, und so fort.

edit:

Querverweis

2 Gedanken zu “Problematisch

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