Die Konvention gilt nichts im eigenen Land

Ausgerechnet die Türkei ist aus der Istanbul-Konvention ausgetreten.

Ausgerechnet die! Warum sollten Länder, in denen Istanbul nicht liegt, sich eigentlich noch daran halten?

Das Problem damit ist, dass sie sehr frauenlastig ist. tl,dr: Frauen sollen gegen alle Arten von Gewalt geschützt werden, Männer sollen zusehen, wo sie bleiben.

Aber gut, weil das in Istanbul verhacktstückt wurde, war die Türkei als gutes Vorbild…

…der erste Staat, der ihn 2012 ratifizierte und ihn damit von einer Willenserklärung zu einer verbindlichen Selbstverpflichtung erklärte. Ein Schritt, zu dem sich Deutschland erst im Oktober 2017 nach massiver Lobbyarbeit und vielen Protesten bereiterklärte.

Könnte vllt. auch daran liegen, dass in Deutschland schon ohne diesbezügliche Gesetze häufiger Gewaltopfer sind.

Ein Schritt, den Recep Tayyip Erdoğan für die Türkei nun per Dekret rückgängig gemacht hat, um sich nationalistischen und traditionalistischen Kräften anzudienen,

Das ist in der Formulierung Schwachsinn: Recep Tayyip Erdoğan dient sich keinen nationalistischen und traditionalistischen Kräften an, er ist selbst eine nationalistische, traditionalistische Kraft. Man würde ja auch nicht sagen, Gauland würde sich bloß den National-Traditionalisten „andienen“ – man ergänze: obwohl er selbst ja ganz anders ist – sondern Gauland ist genau DAS. Und Recep Tayyip Erdoğan ist der türkische Gauland. Oder Gauland der deutsche Erdoğan. Macht das unter Euch aus.

die finden, dass die Einhaltung der Konvention “der Einheit der Familie schade und Scheidungen fördere“.

Das ist so natürlich AUCH Schwachsinn, weil DAS nicht das Problem ist. Bzw., wenn man Teil einer gewalttätigen Partnerschaft ist, ist die Sorge um die Scheidungsstatistiken ja hoffentlich die geringste aller Sorgen.

Mit dieser blumigen Formulierung soll die Tatsache verdeckt werden, dass es hierbei um nicht weniger geht als die Aberkennung des Rechts auf Gewaltfreiheit und sexueller Selbstbestimmung von Frauen innerhalb einer Ehe.

Das Recht von Männern auf Gewaltfreiheit und sexuelle Selbstbestimmung ist natürlich irrelevant. Ein weiterer weiterführender Beitrag zum Thema, dass Feminismus auch Männern helfe.

Die Konvention besteht darauf, dass die rechtliche und tatsächliche Gleichberechtigung von Mann und Frau hergestellt wird, und sie verpflichtet die Vertragspartner, gegen Formen von psychischer, physischer und/oder sexualisierter Gewalt vorzugehen.

Die Konvention bezieht sich explizit auf „Frauen“, was verschiedentlich explizit betont wird. Das ist genau das Gegenteil von Gleichberechtigung, sondern unterstützt überkommene Narrative, dass männlichen Opfern geschlechtsspezifischer Gewalt nicht geglaubt wird.

Mindestens 300 Frauen wurden in der Türkei im vergangenen Jahr von Männern ermordet, mehrheitlich von (Ex)Partnern oder Familienmitgliedern.

In der Türkei passieren generell mehr Morde als in Deutschland. Sorry. Tötungsrate 3,2/100.000 Einwohnern im Unterschied zu 0,7/100.000 in D. (nota bene: nicht im selben Jahr); aber wenn sagen wir im letzten Jahr 3.000 Menschen in der Türkei ermordet wurden, und davon 300 Frauen, sind dann 2.700 Intersexuelle ermordet worden?

Die Aussetzung der Istanbul-Konvention soll konkret verhindern, dass Frauen sich sicher genug fühlen, den sogenannten ehelichen Beischlaf zu verweigern und sich gegebenenfalls von ihrem Mann gefahr- und gewaltlos trennen zu können.

Wohingegen Männer sich bekanntlich nie dem sogenannten ehelichen Beischlaf verweigern? Funfact, iirc steht im Koran, dass mangelnder Spaß im Bett ein legitimer Scheidungsgrund für SIE ist, was bedeutet, dass sie ihre Mitgift behalten darf. Ich weiß nicht, wie konsequent das in der laizistischen Türkei praktisch umgesetzt wird, aber die Idee, dass Ehemänner mit dem Thema nie Stress hätten, ist falsch.

Deswegen gehen insbesondere Frauen gerade zu Tausenden in der Türkei auf die Straße – weil sie wissen, dass es um ihr Leben geht und gegen ihre Ausradierung.

Ja, was sollen die Armenier und Kurden erst sagen? MWD?

Diese Gefahr ist allgegenwärtig. Und zwar nicht nur in der Türkei, sondern überall.

Was das Wort „allgegenwärtig“ beinhaltet. Frauen droht dieselbe Behandlung wie verfolgten Minderheiten. Weil… Keks.

Deshalb ist es nicht nur wichtig, sich mit den Protesten solidarisch zu zeigen, sondern auch herauszustellen, wer die Istanbul-Konvention gar nicht erst unterzeichnet hat (Vatikan),

Katholisch Priester haben vermutlich schon jedes Verbrechen und jede Sünde begangen, die man sich vorstellen kann, und noch ein paar ganz sonderbare, die man sich nur als katholischer Priester vorstellen kann, AUSSER Vergewaltigung der Ehefrau. An der Stelle ist diese Konvention etwas sinnlos.

wer sie nicht ratifiziert hat (unter anderem Großbritannien, Tschechien, Ungarn, Liechtenstein, Bulgarien, Slowakei und viel zu viele andere),

Ja, wenn die bei pinkstinks schon keine Lust haben, das alles zu copypasten…

wer Bedenken hat, weil damit angeblich die “Gender-Ideologie” ins Land getragen werden soll (Kroatien)

Ja, Kroatien mal wieder. Das ist doch keine Ideologie, das ist eine Religion!

und wer mit Austritt droht, weil die Ziele nicht mit dem eigenen rechtsnationalen Ansinnen übereinstimmen (Polen)

Ach, ich dachte Austritt aus der EU. Poxit.

Die Rechte von Frauen und Minderheiten sind überall zu leicht antastbar. Auch in Frankreich, wo gerade eine Frau in einem Scheidungsprozess für allein schuldig gesprochen wurde, weil sie ihrem gewalttätigen Mann den ehelichen Beischlaf verweigert hat.

Dazu gab es hier schon was. Man beachte, dass sie geschieden worden IST.

Weil sie als Konservative eine Republik bewahren wollten, deren Bundesgerichtshof 1966 festhielt, dass “die Frau ihren ehelichen Pflichten nicht schon damit genügt, dass sie die Beiwohnung teilnahmslos geschehen lässt.”

Oh, die Sechziger statt der Fünfziger. Inzwischen kann sich eine Frau scheiden lassen, wenn sie keine Lust mehr auf Sex mehr hat. Was ich jetzt tatsächlich für einen legitimen Grund halte. Ich weiß nicht, was die Alternative sein soll: „Ich will keinen Sex mehr mit Dir, aber ich will nicht, dass Du Dich scheiden lässt und eine Neue findest, mit der Du Sex haben kannst!“?

Und da sich innerhalb der Ehe vergewaltigen zu lassen offenbar nicht ausreichte, war es den Opfern gerichtlich “verboten, Gleichgültigkeit oder Widerwillen zur Schau zu tragen.”

Das „Schuldprinzip“ bei Scheidungen wurde 1976 in D. abgeschafft. Also auch, dass die eine Hälfte der anderen Sex verweigert, Widerwillen zur Schau trägt oder dergleichen mehr.

Sexuelle Einvernehmlichkeit ist niemals verpflichtend herzustellen. Nicht durch eine Forderung, nicht durch einen Vertrag, nicht durch Zwang und nicht Drohung und Gewalt.

Jaaa, aber wenn Ehemensch A keinen Sex mehr will, und Ehemensch B sagt, dass soe sich daher scheiden lassen will – ist das dann eine Drohung? Eine Forderung auf Vertragseinhaltung? Was?

Solange sexualisierte Gewalt nicht vollumfänglich geächtet und bestraft wird, gibt es keine Gerechtigkeit.

Also, solange die Istanbul-Konvention nicht „Frauen“ mit „Menschen ersetzt.

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