Toxische Gilette-Edeka-Erziehungseffekte und Co.KG

Da ich mich nicht in meiner Filterblase einmauere, ist mir klar, dass manche Menschen die Diskussion über sogenannte „toxische“ Männlichkeit für wichtig und gut halten. Eine Diskussion über „wie sollten sich Männer benehmen und wie lieber nicht“, ist ja auch gut, wenn a.) das ergebnisoffen ist, b.) Männer mitmachen dürfen, und c.) _alle_ Männer mitmachen dürfen. Kein Mensch ist toxisch.

Der übliche Verdächtige mal wieder:

Gilette und Co wollten „uns“ Männern einfach nur helfen, indem sie „uns“ sagten, dass „wir“. wenn „wir“ wollten, „uns“ besser benehmen könnten und „unseren“ Söhnen vorleben, dass „wir“ „uns“ nicht wie Arschlöcher benehmen müssten. Gute Sache, oder? Ja, aber: nein.

Erstens, wenn ich jemanden sage, soe könne sich wie ein besserer Mensch verhalten, dann meine ich, soe solle das auch tun. Zweitens, wenn ich das sage, dann impliziere ich, dass soe kein guter Mensch ist (sondern ein Arschloch). Und drittens mache ich das nicht, weil ich dem betreffenden Menschen helfen will, sondern aus entweder Eigeninteresse, aus Mitleid mit den anderen Opfern des Arschlochs oder generell fürs Gemeinwohl, aber nicht, weil mit das Wohlergehen des Arschlochs so am Herzen liegt. Das hat, wenn überhaupt, meine geringste Priorität.

Jetzt mag jemand einwenden, dass, wenn ICH das so mache, ich ja trotzdem nicht bei allen anderen von derselben Motivation ausgehen kann, und weiterhin wird gesagt:

Genau dieses selbst auferlegte Männerbild sorgt gerade unter den Männern selbst für Leid und ungewollte Probleme.

Kurz gesagt würde eine Veränderung dieses Männerbildes den Männern selbst helfen, und nicht den Frauen. Okeee. Dazu ein paar Einwände in Listenform:

  1. gibt es irgendeinen Beweis, dass dieses Männerbild „selbst auferlegt“ ist? Bestimmte Aspekte, die Männern schaden, nutzen nämlich im Umkehrschluss Frauen.
  2. gibt es irgendeinen Beweis, dass dieses Männerbild genau EIN Männerbild ist? Dass es z.B. auch so sein kann, dass die Idee, dass der Mann sich für andere opfert, und die Idee, dass der Mann möglichst viele Frauen abgreift, nicht notwendigerweise dasselbe sind, habe ich schon mal hier und hier thematisiert.
  3. warum genau wird angenommen, dass alles, was Männer tun, nur einem wie auch immer entstandenen Männerbild dient und nicht deren Vergnügen? Womit ich nicht sagen will, dass Vergnügen immer eine lobenswerte Sache ist, aber die Annahme hinterfrage ich dennoch.
  4. wenn man davon ausgeht, dass Männer sich ihretwegen ändern müssen, würde es reichen zu sagen: „Du musst nicht viel Geld verdienen, um eine Dich liebende Frau zu finden, mit der Du eine Familie gründen kannst.“ oder „Du darfst Schwächen zeigen, ohne dass wir uns über Dich und Deine Privilegien lustig machen.“ s.a. hier, danke Genderama.
  5. kann es sein, dass dieses Männerbild einfach ein Klischee ist? Die Existenz von Männern, die dieses Klischee erfüllen, will ich nicht abstreiten, aber es gibt auch dumme Blondinen, ohne dass die Wissenschaft daraus den Schluss zieht, alle Blondinen seien dumm. Und ohne dass Gillette einen Spot dreht: „Blondinen, geht studieren!“
  6. der Vorgang, der hier anscheinend stattfinden soll, heißt „Erziehung“. Jetzt ist es aber nicht nur so, dass es etwas beleidigend ist, Erwachsene wie Kinder zu behandeln, es ist weiterhin so, dass nicht Männer, sondern Frauen den ganz überwiegenden Anteil von Erziehungsarbeit übernehmen. Wenn die es nicht schaffen, männliche Kinder und Jugendliche zu Männern heranzuziehen, die ihren Wünschen entsprechen, wird das mit Erwachsenen erst recht nicht klappen. (Oder Männer sind schon so, wie Frauen das gerne hätten, dann verstehe ich die Beschwerde nicht.)

Also gut, ich bin weder von den männerfreundlichen Absichten noch von der Validität dieses kritisierten Männerbildes so richtig überzeugt, aber der eigentlich Grund, warum ich die ganze Idee, Männer (oder Frauen) als Arschlöcher (oder sinngemäß) zu bezeichnen, für BLÖDSINN halte, ist folgender:

Wenn man mir sagt, ich solle kein Arschloch sein, und ich bin kein Arschloch, muss ich mein Verhalten nicht ändern (außer, dass ich beleidigt bin, und meinen Rasierer wechsel). Wenn man mir das sagt, und ich bin tatsächlich ein Arschloch, werde ich mein Verhalten nicht ändern (Arschloch sein ist weniger ein Verhaltenskodex, sondern ein generelles Desinteresse den Wünschen und Interessen anderer gegenüber. Aber vllt. wechsel ich meinen Rasierer.). Das einzige Szenario, in dem ich mein Verhalten tatsächlich ändern würde, wäre das, in dem ich kein Arschloch bin, mich aber ohne Absicht wie eines verhalte und mein Verhalten ändere, sobald man mich darauf anspricht. Und ja, ich kann im Einzelfall doof oder ungeschickt sein. Heißt im Umkehrschluss, Männer seien generell zu doof und ungeschickt, um zu merken, dass sie sich arschig verhalten, und außerdem ohne Feminismus Frauen unfähig, das beste für sich selbst zu erkennen, damit diese Aktionen oben einigermaßen SINNVOLL wären.

Und eine Einstellung, die einem Geschlecht intellektuelle, moralische oder sonstige Überlegenheit gegenüber dem anderen zuschreibt, nennt man Sexismus.

 

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