Matrix IV

Was heißt eigentlich „Matrix“?

Das ist die Feminin-Form des lateinischen Wortes „Mater“, dt. Mutter, also auf Deutsch eigentlich „Mütterin“. Nuuun, wird man vllt. einwenden, wieso benötigt von allen möglichen Wörtern ausgerechnet „Mutter“ eine Femininform?

Keine Ahnung, aber es hat im Lateinischen mehrere Bedeutungen:

  1. Gebärmutter
  2. Muttertier oder Zuchttier
  3. (Mutter)Stamm, von dem Zweige ausgehen
  4. Verzeichnis

Das nur mal vorab.

Außerdem, ich werde hier nicht auf Inhalte eingehen, sondern nur darauf, wie ich den Film auf der Feminismus-Maskulismus-Achse einordnen würde, also wer den Film nicht gesehen hat, weiß möglicherweise nicht genau, was ich meine. Allerdings, wer den Film sehen will, sei gewarnt. Eine Menge Dinge darin setzen voraus, dass man die Vorgängerfilme kennt. Nicht nur Insider-Jokes, sondern tatsächlich Grundlagen. Also so, wie man bei einem Robin-Hood-Film oder einem Vietnamfilm nicht erklärt bekommt, was das Mittelalter oder das Problem mit Vietnam war. (Und nebenbei halte ich die Idee von Menschen als Energiequelle immer noch für blöd, aber die etwas kompliziertere Idee von Menschen als biologische Computerchips ist halt zu kompliziert.)

Der erste Matrix-Film wurde bereits im letzten Jahrtausend gedreht, als die Wachowski-Geschwister, später Wachowski-Schwestern, noch Wachowski-Brüder waren. (Inzwischen ist nur noch die Häflte der Wachowskis dabei.) Eine völlig andere Epoche, aber der Film ist immer noch ein Meilenstein. Die beiden Fortsetzungen eher nicht so. Bzw., was mich betrifft, war die Philosophie darin nie die Hauptsache, aber in der Fortsetzung wurde die Philosophie immer flacher. Die Frage, was wahr oder echt ist, und wie man das herausfinden könnte, wurde über Teil 2+3 abgelöst durch die Frage „Freier Wille“ vs. „schicksalhafte Vorbestimmung“, was erstens ein anderes Problem ist und zweitens nichts mehr mit der Matrix zu tun hat. Wie soll die Matrix das Schicksal von Leuten bestimmen, die nicht (mehr) in der Matrix leben und sich der Matrix bewusst sind, wenn sie sie betreten? Oder wenn „Schicksal“ etwas ist, was außerhalb der Matrix liegt, was soll das sein? Was den ersten Teilen auch „gefehlt“ hat, war zu zeigen, wie das Leben in der Matrix sich anfühlt, einerseits, wenn man den Eindruck hat, dass etwas nicht stimmt, und andererseits, wenn man ein normales Leben führt, nicht perfekt, aber auch nicht mit unüberwindbaren Hindernissen. (Direkt vermisst hat das zwar niemand, aber wenn man schon einen neuen Film bringt, ist es sicher nicht das Dümmste, auch etwas neues zu zeigen.)

Jedenfalls, Matrix IV aka „Matrix Resurrection“ hat mir deutlich besser gefallen als 2+3, denn statt der Determinismus-Frage kommen Fragen nach „Eigene Entscheidung“ oder „Rollenerwartung“, was ja deutlich interessanter ist, weil die Fragen ja auch dann anwendbar sind, falls wir nicht in einer Simulation leben, die von übelwollenden KIs gesteuert wird. Fragen wie: „Habe ich Kinder, weil ich immer Kinder wollte, oder weil die Gesellschaft es von mir erwartet?“, „Melde ich mich für das Himmelsfahrtkommando freiwillig, weil es das ist, was ich für notwendig halte, oder weil ich meinen Posten sonst nie wieder kriege?“ und, natürlich: „Drehe ich einen 4. Matrix-Film, weil ich das will, oder weil die Warner Brothers – sic, nicht Warner Siblings – das Ding sonst ohne mich drehen?“ Lana Wachowski hat viel Selbstironie. Ich höre schon Cinema-Sins fluchen, wegen der vielen Steilvorlagen. „Satz, den man in der Vorbesprechung hätte sagen sollen, landet im Drehbuch.“ – „Satz, den man in der Vorbesprechung gesagt hat, landet im Drehbuch.“ – „Brainstorming bei der Vorbesprechung wird 1-1 per c&p ins Drehbuch übertragen. Mehrmals.“ – „Arschloch beißt nicht nur in einem Apfel, sondern lässt den Apfel danach zusätzlich erschießen, um uns mit der Nase reinzureiten.“ Lana Wachowski hat Humor, Selbstironie UND kennt Ihre Pappenheimer.

Achja, sie setzt auch die „Rote Pille, Blaue Pille“-Geschichte fort. Während die „Rote Pille“ inzwischen ein eigenes Kenning geworden ist wie das hier, und eine blaue Pille mehr hierfür steht, ist „rosa Brille“ eine Metapher für Menschen, die eine geschönte Wahrnehmung der Welt haben. Demensprechend tragen die Checker in Matrix IV natürlich blaue Brillen. Rosa-Blau-Falle, irgendwer? Andererseits gilt „Blauäugigkeit“ auch als Metapher für naive Arglosigkeit, aber die blauäugigste Figur im Film ist eher der argwöhnischste Zyniker. Dieser Kaninchenbau ist eher eine Spirale als ein senkrechter Schacht.

Falls sich jetzt jemand fragt: „Ist das jetzt maskulistisch oder feministisch?“, so lautet die Antwort: „Ja!“

Als Transperson sollte Wachoski sich darüber lange Gedanken gemacht haben, und klar haben beide Geschlechter in dem Film Probleme, die es zu überwinden gilt. Probleme wie „Kinder oder nicht“ wurden ja schon angesprochen. Und wenn ein Typ „Chad“ heißt, also wie das Incel-Feindbild, dann hat das wohl auch einen Grund.

Jedenfalls hat der Film die Botschaft, dass Mann und Frau Hand in Hand gegen das Böse kämpfen müssen, wenn sie siegen wollen. Das ist doch mal frisch und neu! Wenn man das mit anderen aufgewärmten Franchises mal vergleicht, wie die letzte Alien-Prequel, die letzte Predator-Sequel, Terminator soundso, und so weiter, ist das sogar überraschend GUT.

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