Pinkstinks doppel plus

Hier und hier.

Verhütung ist keine Lösung

und

Viagra ist nicht nur Frauensache

Spoiler: egal was, Männer müssen Ihr Verhalten ändern.

Beim Viagra-Artikel beschwert sich immerhin niemand, dass da eine halbnackte Frau zu sehen ist, wohl, weil sexualisierte Werbung – und nicht einmal SO sexualisiert, wie denkbar – bei Produkten, die man im Zusammenhang von Sex verwendet, vllt. sogar einen gewissen Sinn haben. Aber natürlich ist es ein Problem, weil suggeriert wird, dass Sex nur mit Erektion Spaß macht. Wenn jemand Werbung für Rasenmäher macht, suggeriert das natürlich auch, dass Gartenarbeit ohne Rasenmähen keinen Spaß macht, aber niemand würde eine Kampagne gegen gemähte Rasen fahren, indem man „über Rasenmäher“ diskutiert. Es gibt tatsächlich Menschen, die natürliche Wiesen aus Umweltschutzgründen bevorzugen und dafür auch werben, sozusagen, aber tatsächlich auf der „für etwas“-Schiene (Wildwiesen mit Bienen und Schmetterlingen und so) und nicht auf der „gegen etwas“-Schiene (Modus Operandi von pink stinks). Wo war ich? Achja.

Auf der einen Seite sind Männer bzw. Erektionen nicht so wichtig, auf der anderen:

„Eigentlich müssten die Männer anfangen, für mehr Gleichberechtigung zu sorgen, aber so etwas tun Männer nicht von selbst.“

Weil Männer benachteiligt werden? Das wäre eigentlich der Grund, aber das ist bekanntlich nicht gemeint.

Der Mann, von dem dieses Zitat stammt, ist Sprecher des deutschen Urologenverbands und es ist ihm verdammt ernst.

Wenn es um Gesundheitsvorsorge ginge, wäre ein Urologe bestimmt der richtige Ansprechpartner. Aber nein.

Er meint nämlich das Thema Verhütung und das eklatante Desinteresse, welches viele Männer daran immer noch zeigen.

Es gibt Kondome. Kondome schützen vor Geschlechtskrankheiten und ungeplanten Schwangerschaften. Kondome sind nur mit Erektionen nutzbar, also sind Leute, die lieber Sex ohne Erektionen haben raus. Sex ohne Erektionen führt eher selten zu Schwangerschaften, kann aber trotzdem Geschlechtskrankheiten übertragen. Also löst das nicht aller Probleme.

Wolfgang Bühmann und seine Kolleg*innen sind immer wieder überrascht darüber, wie wenig Männer sich mit Verhütung auseinandersetzen.

Immerhin mehr als mit Prostatakrebs, schätze ich mal.

Verhütung, darauf scheinen wir uns gesellschaftlich mehr oder weniger geeinigt zu haben, ist Frauensache.

Okeee, beim nächsten Mal habe ich Kondome dabei. Ist ja gut.

Zugegeben, die Optionen sind für Männer nicht so zahlreich wie für Frauen.

Ist das die Schuld „der“ Männer oder „der“ Urologen?

Aber weder informieren wir uns ausreichend über die uns zur Verfügung stehenden Methoden, noch bauen wir genügend Druck auf, um Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet zu forcieren.

Was hieße in dem Zusammenhang „ausreichend“? Es wird in Richtung auf dem Gebiet geforscht. Und es gäbe auch eine Nachfrage, es ist einfach komplizierter.

Eigentlich müsste es doch in unserem ureigensten Interesse liegen, über unsere Reproduktion möglichst umfassend Kontrolle zu erlangen und von sexuell übertragbaren Krankheiten verschont zu bleiben.

Letzteres erreicht man mit der Pille aber auch nicht. Ernsthaft, ja, zuverlässige, aber reversible Verhütungsmethoden für den Mann hätten einen Markt, aber wenn man Geschlechtskrankheiten mit rein nimmt, gibt es Kondome und sonst nichts besseres.

Weil wir es irgendwie unsexy finden, uns in der „heißen Phase“ noch ein Kondom überstülpen zu müssen, und weil es anstrengend ist.

Naja, die „Pille“ für den Mann wäre voraussichtlich eher eine Spritze. Und der körperliche Eingriff ist beim Kondom noch am geringsten, insofern wird es auch mit der Anti-Baby-Spritze noch Männer geben, die lieber Kondome nutzen.

 Verhütung ist auch Arbeit. Sie kostet Zeit, Geld und Aufmerksamkeit, oft genug nervt und stresst sie.

Ja, ohne Sex hätte man mehr Zeit, mehr Geld und mehr andere Methoden der Zerstreuung. Und wenn jemand im Zusammenhang mit Sex nie genervt oder gestresst gewesen wäre, die oder der älter als 14 ist, halte ich das für geflunkert.

Also lässt mann das die andere machen und redet sich ein, dass das für Frauen ja sowieso relativ unproblematisch sei.

Ok, für einige Männer ist es wichtiger, selbst die Kontrolle darüber zu haben. Für andere ist es wichtiger, es bequemer zu haben. Das eine schließt das andere ja nicht aus, da es sehr viele Männer gibt, die sich in dieser Frage nicht verabreden.

Aber mal abgesehen davon, dass Spirale, Bestimmung der fruchtbaren Tage, hormonelle Verhütung und Co. nicht vor Geschlechtskrankheiten schützen, kann von unproblematisch nicht die Rede sein

Nichts außer Kondomen schützt vor Geschlechtskrankheiten, und alles, was wirkt, hat Nebenwirkungen. Bei einer großen Zahl von unterschiedlichen Möglichkeiten von Verhütungsformen für die Frau gibt es eine gewisse Auswahl, die Methode, die man am besten verträgt, zu nutzen. Aber ich sehe das Problem insofern schon. Andererseits ist es im Interesse der Frauen, über ihre Fruchtbarkeit selbst zu bestimmen, also ist das Problem ja nicht allzu groß.

Dies erscheint umso wichtiger, wenn man liest, dass dieser Tage über das genaue Gegenteil von verantwortlicher Verhütung durch Männern berichtet wird. Über Stealthing nämlich.

Das hat damit nichts zu tun. Ein Mann, der nicht nur nicht verhüten will, sondern die Frau diesbezüglich sogar belügt, hätte mit der Spritze für den Mann ja noch weniger Probleme: er könnte einfach behaupten, er nähme sie. Oder, das geht jetzt schon, sagen, er sei vasektomiert.

Weil es ihnen ein Gefühl der Macht gibt, sie an die „Überlegenheit des Mannes“ glauben und ihnen die Konsequenzen egal sind.

Warum auch immer. Ernsthaft, wieso sollten zwei, drei oder fünfundzwanzig Verhütungsmethoden für den Mann daran etwas ändern, der grundsätzlich nicht verhüten will?

Solchen widerlichen, frauenverachtenden Praktiken muss mit aller Entschiedenheit entgegnet werden.

Ja, ok. Aber das Problem ist ja nicht die Methode, die es nicht gibt, sondern die, die es gibt, aber absichtlich falsch benutzt wird. Natürlich kommt von „Männer sollten sich mehr um sich selber kümmern.“ immer die Kurve nach „Männer sind böse.“.

2 Gedanken zu “Pinkstinks doppel plus

  1. Ist Stealthing die umgekehrte Version von einem Mann ein Kuckuckskind unterschieben;D? Das Kind wird der Frau ja auch quasi „untergeschoben“ ohne das zugehörige Commitment, wobei sie es ja noch abtreiben kann. Wenn das einem Mann passiert ist es meist zu spät. Scheint jedenfalls kein kleiner werdendes Problem.
    Lustig zu sehen, dass Femisten, scheinbar auf jene Sorte lowlifer hereinfallen, die nix zu verlieren haben und sich das stealthing leisten können oder diejenigen, die es schaffen unerkannt zu verschwinden. Wenn dem nicht so wäre, hätte niemand erfahren, dass es überhaupt sowas gibt, wie stealthing.
    Ein „normaler“ Mann geht doch nicht das Risiko ein, bei irgendeiner dahergelaufenen noch 18 Jahre Unterhalt und Alimente nachzuwerfen. Ich würde sogar behaupten die Pille für den Mann, würde so ein Erfolg werden, dass die ganze Familienrechtssystem umgestaltet werden müsste, weil auf einmal soviele Kinder ohne Väter (also Zahler) dastehen.

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