Negativ, nein danke!

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Arrgs. das verdient erfordert eine längere Antwort-

„Wir sehen Männer nur negativ“.

Wer ist dieses „wir“, das da zitiert wird? Sie, ich, er, sie? WER? Und ich rege mich schon sehr darüber auf, wenn jemand „wir“ sagt, um nicht konkret zu werden, aber hier ist es doppelt ärgerlich, denn:

Das stört Markus Theunert

Also wäre der niemand von dem „wir“. Aber das, was er in seinem Artikel schreibt, ist nur negativ über Männer. Entweder es stört ihn, dann sollte er besser erstmal selbst damit aufhören, oder es stört ihn nicht, dann stimmt die Einleitung nicht.

Die Erwartung, dass Männer ihre Privilegien freiwillig abgeben, reiche nicht aus, um Gleichstellung zu erreichen, findet Psychologe Markus Theunert.

Privilegien sind eigentlich Sonderrechte, und solche Sonderrechte gibt es nicht mehr. Uneigentlich, wenn man damit „Vorteile“ meint, muss man feststellen, dass die meisten dieser Vorteile entweder Nachteile sind oder an Nachteile geknüpft sind. Aber ja, Ihr könnt gerne das Unfallrisiko eines Mannes haben.

Er zeigt zwei andere Wege auf

Wie nett von ihm. Das sind Psychotricks.

Gleichstellung ist nicht bloß Frau­ensache, sondern geht alle an.

Jaaa, vor allem ist Gleichstellung nicht Gleichberechtigung. Aber ja, beide Themen gehen auch Männer an.

Das ist unbestritten.

Es ist nur deshalb unbestritten, weil es trivial ist. Der eigentliche Streitpunkt liegt schon in der Frage, ob das überhaupt das ist, was alle wollen.

Aber was heißt das für Männer? Sie sind ja Vertreter des privilegierten Geschlechts, nicht?

Nicht. Priviligiert ist bereits ein Begriff, der zumindest irreführend ist. Polemik und rhetorische Tricks, der Psychokram kommt noch.

Also muss Gleichstellung für sie vor allem darin bestehen, Privilegien abzugeben und ansonsten einfach mal die Klappe zu halten?

Wieso „abgeben“? Angenommen, Männer hätten das gesetzlich verankerte Privileg, in Friedenszeiten Waffen zu führen, aber Frauen nicht. „Abgeben“ hieße, dass die Waffen und das zugehörige Privileg in Zukunft von Frauen übernommen würden, was natürlich weder Gleichstellung noch Gleichberechtigung wäre. Gleichberechtigung hieße, dass entweder alle oder niemand Waffen in Friedenszeiten führen dürfte, und Gleichstellung hieße, dass kontrolliert wird, ob genauso viele Frauen wie Männer das tatsächlich tun. Und Klappe halten wäre das Gegenteil von Gleichberechtigung.

Diese Erwartung ist weit verbreitet – gerade auch in den progressiv-feministischen Milieus.

Ja, ich weiß. Das ist tatsächlich das Hauptproblem mit den progressiv-feministischen Millieus.

Und die Haltung ist durchaus berechtigt.

Nein.

Denn wer eine geschlechterpolitische Zeitdiagnose vornimmt,

Ist das das Gegenteil von einer alterskohortenreligiösen Raumprognose? Fremdwörterkomposita kann ich auch bilden!

muss bei der Feststellung landen:

Ist das Vorschrift? Wird man dazu gezwungen? Ist das ein Naturgesetz? Wird man sonst erschossen?

Männer sind bis heute die Profiteure des kapitalistisch-patriarchalen Systems.

Auch die Männer, die wegen Übermüdung und mangelnder Arbeitssicherheit verunglückten? Auch die Männer, die in irgendwelchen Schützengräben verbluteten?

Sie verdienen um die 20 Prozent mehr und übernehmen nur in einem Viertel aller Familien ihre Hälfte der Verantwortung für die Haus- und Familienarbeit.

Dann würde ich vorschlagen, sie teilen Ihr Geld mit ihren Familien. Ach, machen sie ja schon! Ja, dann. Außerdem haben sie das zehnfache Risiko, einem Arbeitsunfall zum Opfer zu fallen. Diese „Privilegien“ sind praktisch immer nur dann Vorteile, wenn man die Nachteile dazu verdrängt. Außerdem: HIER!

Das Problem ist aber: Weshalb sollen Privilegierte freiwillig auf ihre Privilegien verzichten?

Ja, wenn Männer weniger in gefährlichen Berufen arbeiten und mehr im Haushalt, hieße das ja, dass  das bei Frauen umgekehrt wäre. Warum sollten Frauen das wollen oder tun?

Klar, Anstand, Verantwortungsgefühl und Gerechtigkeitssinn wären noble Gründe.

Schuldgefühle. Was er meint, sind Schuldgefühle. Aber keine Sorge, erleidet nicht an Wortfindungsdingsbums, sondern will Schuldgefühle anders främen.

Dass sie in der Praxis nicht ausreichen, um Gleichstellung zu erreichen, ist aber leider offenkundig.

Ja, aber Gleichstellung ist auch unnötig. Gleichberechtigung ist das Ziel.

Bleibt also nur der Zwang?

Gleichberechtigung handelt von gleichen Rechten, nicht von gleichen Zwängen.

Nein, eben gerade nicht!

Puh, Glück gehabt. Ich dachte schon das schlimmste.

Damit wir Gleichstellung verwirklichen, müssen wir unseren „Mindset“ so ändern,

Wer ist „wir“, und warum nimmt er an, dass alle in diesem „wir“ dasselbe „Mindset“ hätten? Das ist doch eine völlig unplausible und unbewiesene Annahme.

dass wir herauskommen aus dem Teufelskreis von Fairnessappell, Widerstand, Enttäuschung und Wut.

Toller Ruf, um Sportler anzufeuern: „Schuldgefühle, Schuldgefühle, Hass! Hass! Hass!“

Dafür gibt es zwei Wege:

Ich liebe Listen. Schade, dass diese hier etwas kurz ist.

Die erste Möglichkeit ist, den Nutzen aufzuzeigen, den Gleichstellung auch für Männer hat.

Genau! Das Patriarchat nutzt eben auch Frauen. Also weg mit den Privilegien von Frauen!

Erklären, wie sie selbst unter Geschlechtsrollenkorsetten leiden.

Die subtile Idee, das als Frauenkleidung zu främen, wird besonders die transphoben und transvestitenfeindliche Männer schnell ins Boot holen!

Aufzeigen, wie zerstörerisch der Wunsch wirkt, ein „echter Kerl“ zu sein.

Ich habe nie den Wunsch verspürt, ein „echter Kerl“ zu sein, und auch wenig in der Hinsicht unternommen. Komisch, dass Frauen das nicht wertschätzten.

Deutlich machen, wie viel Leid und Kosten durch „typisch männliches“ Risikoverhalten entstehen.

Kosten für andere, woll? Frauen leiden unter Kriegen ja bekanntlich am meisten. Irgendwie ist er kein guter Verkäufer.

Dafür braucht es die Bereitschaft, Männer nicht nur als Profiteure und Täter zu sehen

Wenn das von jemanden kommt, der tote Arbeiter und Soldaten weiter oben noch selbst als „Profiteure“ bezeichnet hat, müssten spätestens jetzt die Gegenbeispiele kommen.

und Frauen nicht nur als Benachteiligte und Opfer.

Achwas? Es ist evt. gar keine Benachteiligung, kein Berufsunfallopfer zu werden?

Das ist für viele schon zu viel verlangt.

Ja, für „viele“. Ist das eigentlich psychologisch deutbar, wenn man von sich selbst als „viele“ redet?

Männer als Gefangene sehen

Die zweite Möglichkeit ist eleganter und noch mutiger.

„Noch“ mutiger. Statt Gratismut extra-gratis-Mut mit Käse. Und die erste Möglichkeit ist überhaupt nicht „elegant“, sondern ziemlich plump und durchschaubar. Aber hey, bei Null anfangen und dann langsam steigern!

Denn sie unterstellt Männern eine Sehnsucht nach Gleichstellung

Ich hätte gerne Gleichberechtigung. Wenn es die schon gibt, bin ich durch mit dem Thema.

einen tiefverwurzelten Wunsch nach einem Leben jenseits des „Mann-sein-Müssens“

Ja, ich will so sein, wie ich bin, nicht so, wie Frauen mich gerne hätten. Aber das Leben ist halt kein Ponyhof.

einen Hunger nach Beziehungen ohne Hierarchie und Gewalt

Wieso nennt der das Hunger und nicht Durst? Und wird das, worauf man Hunger hat, nicht gegessen? Und das Wording von „Wunsch“ auf „Trieb“ abfallen zu lassen, ist ja auch nicht das positivste Männerbild. Nebenbei, führen alle Männer gewalttätige Beziehungen mit Hierachie?

auch sich selbst gegenüber.

Ja, ich bin mein eigener Vorgesetze, werde aber von mir gelegentlich geschlagen. Das kommt heraus, wenn man den Satz nicht zuende denkt.

Wenn wir daran glauben, dass diese Sehnsucht besteht,

Vielleicht habe ich gar keine „Sehnsucht“ nach Beziehungen? Oder ich habe sie, wäre aber glücklicher, wenn ich die nicht hätte? Was macht „Ihr“ dann, liebes „wir“, was macht Ihr dann? Und Glauben heißt nicht wissen. Wenn Ihr das wissen wolltet, könntet Ihr fragen. Da Ihr das nicht tut, unterstelle ich Euch Gleichgültigkeit in dieser Frage.

weil auch Männer Menschen waren, bevor sie sich zu Männern machen ließen

Du wirst nicht als Mann geboren, Du wirst durch eine Trainingsmontagesequenz bei Real-Mulan (nicht Realfilm-Mulan, sondern die richtige) dazu gemacht.

verändert sich die Dynamik.

Mag sein. Ich würde aber einen Psychologen vorziehen, der glaubt, dass Menschen auch dann noch Menschen sind, wenn sie zu Männern wurden. Nicht nur als Psychologen oder Journalisten, sondern auch als Mitbürger und Mitbewohner desselben Planeten wie ich. Was für eine männerfeindliche Kackscheiße. „Wir sehen Männer nur negativ“, buhuhu. Heul doch und reflektiere über Deine angeblichen Privilegien.

Denn nun stehen wir nicht mehr konfrontativ einem bockigen Profiteur gegenüber und versuchen, ihn auf unsere Seite zu ziehen.

Sondern konfontativ einem Ex-Menschen, der die Probleme anderer Leute lösen soll. Ich sehe jetzt nicht ganz, wie das Eurer Sache dienlich sein soll, aber ich bin auch nur ein Mensch und kein Psychologe.

Sondern wir stehen auf seiner Seite und versuchen mit ihm zusammen, Schritte ins Offene zu gehen

„Wir“ steht auf der Seite von „wir“. „Wir“ betrachtet den ehemaligen Menschen weiterhin nicht als Freund, sondern als Gegner, dem man seine „Privilegien“ wegnehmen will.

wir verbünden uns mit seiner Sehnsucht und kämpfen gemeinsam mit ihr gegen jenen fatalen Reflex

Ich halte es für unklug, einen Menschen, dessen Hilfe und Kooperation man haben möchte, als psychologischen Patienten zu betrachten. Wem soll geholfen werden, Männern oder Frauen?

den die Männer so verinnerlicht haben, dass sie es meist selbst gar nicht mehr merken: den Reflex, in ihrem Innern alles auszublenden und abzuspalten, was bedürftig ist.

Ich bin einen Schritt weiter: ich glaube Euch nicht, dass Ihr Euch um meine Bedürfnisse sorgt. Weniger gefährliche Arbeiten für Männer, Frauen, die mal den ersten Schritt wagen, sowas.

Männer heute sind Gefängniswärter und Gefangene in Personalunion.

Ja, und was von beiden ist nicht negativ? Knacki und Vollzugsbeamter? Kerkermeister und Freiheitskämpfer? Und was sind Frauen in dem Bild?

Solange wir sie als Gefängniswärter ansprechen, verhärten sie weiter.

Ein paar verhärten auch, weil sie Euch misstrauen. Eine Menge von männlichen Rollenverhalten dient den Interessen von Frauen, was mich vermuten lässt, dass dieses Verhalten von Frauen gewünscht und gefordert ist.

Begegnen wir ihnen aber (auch) als Gefangene, ist der erste Schritt zur Flucht aus dem Gefängnis bereits gemacht.

Wie wollt Ihr sicherstellen, dass die noch machen, was Ihr von ihnen wollt, wenn sie erstmal ihren eigenen Weg gehen? Ich frage nur aus Neugierde.

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