Wer B sagt, muss auch H sagen

Hachja.

KANN ICH FEMINISTISCH SEIN UND (K)EINEN BH TRAGEN?

Das ist doch keine Frage – wer feministisch ist und einen BH trägt, ist nicht nur kein wahre/r/s FeministIn(m/w/d), sondern generell ein schlechter Mensch.

Feminist*innen tragen nie einen BHs, und wer BHs anzieht, macht dadurch automatisch mit dem Patriarchat gemeinsame Sache

Weil das Patriarchat ja auch die ganzen Oben-Ohne-Bars verbietet.

das ist so natürlich Quatsch.

Ach, DAS merken die?

Die Abkürzung BH steht für Büstenhalter

Hmm, wenn sogar ICH das weiß, wem muss man das jetzt erklären?

Aber will jede Büste gehalten werden?

Manche halten auch von alleine, ja.

Die Version, die wir kennen, hat die Amerikanerin Mary Phelps Jacob entwickelt, um das unbequeme Korsett abzulösen.

Und Korsette machte man aus „Fischbein“, das sind Bartenwalbarten. Das war also gut für die Emanzipation UND den Artenschutz. Props an die kluge Frau!

 In den 1920er Jahren war der BH ein Symbol der Befreiung, vor allem moderne Frauen zogen ihn an und galten damit als rebellisch, weil sie auf das Korsett verzichteten.

Hachja, die Zeit vor Hundert Jahren, als Frauen in Industrienationen noch härtere Probleme hatten.

Warum so viele Menschen heute Feminismus mit BH-Losigkeit verbinden, liegt an den BH-Verbrennungen in den späten 1960ern.

Auch die waren in mehrfacher Hinsicht härtere Zeiten als heute.

Das änderte sich in den 1990er Jahren mit dem Push-Up. Durch Schaumstoff- oder Gelpolster wurden aus unterschiedlich geformten natürlichen Brüsten unechte, aufgepumpte und immer gleich aussehende Kunstkugeln, die ein vollkommen unrealistisches Bild vermittelten.

Naja, Männer kaufen sich angeblich Porsche, um gewissen körperliche Unzulänglichkeiten zu kompensieren. Da müssen Frauen zum Glück weniger tief in die Tasche greifen.

Brüste wurden versteckt, verformt und vergrößert.

Ich würde das jetzt nicht „verstecken“ nennen, aber ok.

Um möglichst sexy zu wirken – aus Männersicht.

Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.

Seit einigen Jahren geht der Trend aber immer weiter weg vom Push-Up und mehr in Richtung Bralette ohne Polster oder Bügel.

Diese Fische sind deutlich intelligenter als eine Forelle, geradezu lernfähig. Das zweiundrölfzige Schaumstoffersatzprodukt hat dann nicht mehr den gewünschten Effekt.

Mode wird von gesellschaftlichen Veränderungen beeinflusst. Und da tut sich beim Thema BH eine ganze Menge.

Angebot und Nachfrage sind eigentlich keine gesellschaftlichen Veränderungen, aber Markt regelt halt.

Inzwischen gibt es nämlich wachsende Bewegungen, die sich dafür einsetzen, dass Menschen mit Brüsten keinen BH tragen sollen oder müssen.

Aber Menschen ohne Brüste schon? Ok, es gibt seltsameres.

Unzählige sehr bekannte, weniger bekannte und gänzlich unbekannte Aktivist*innen haben seitdem ihre BHs abgelegt und unterstützen Bewegungen wie „Free the Nipple“ oder „NoBra”.

Ja, wenn man alle anderen Rechte und Freiheiten schon hat, bleibt nur noch die Resterampe.

Nicht nur, weil sie BHs unbequem finden.

Das wäre technisch zu lösen.

Sondern auch als politisches Statement.

Analog zur Movemberkritik käme jetzt die Frage auf, ob BH-Losigkeit nicht das Frauenbild unterstützt, was man bekämpfen will. Aber Movemberkritik richtet sich ja auch gegen Männer.

Frauen wollen sich nicht vorschreiben lassen, was sie anzuziehen haben.

Männer auch nicht. Aber für bestimmte Zwecke benötigt man bestimmte Mittel.

Laut Gesellschaft sollen sie einen BH tragen und damit ihre Brüste gleichzeitig zeigen und verbergen.

„Laut“ Gesellschaft? Wer soll das sein? Und nur die Push-Up-Dinger „zeigen“ Brüste.

Was ziemlich paradoxer Nonsens ist.

Ja, habt IHR Euch ausgedacht.

Eine Frau kann ihren Körper oder Teile ihres Körpers

Nieren? Leber? Hirn?

und dazu gehören auch Brüste

Achwas?

nicht unbekleidet in der Öffentlichkeit zeigen,

Ja, es gibt ein Nacktheittabu.

ohne dass ihre (teilweise) Nacktheit mit Sex in Verbindung gebracht und ihre Attraktivität bewertet wird.

Nackte Erwachsene werden mit Sex in Verbindung gebracht. Das liegt hauptsächlich daran, dass sie sich häufig vorm Sex entkleiden. Dass man die Attraktivität von Nackten besser beurteilen kann, hat rein pragmatische Gründe.

Das ist übergriffig, nervig und einschränkend.

Wenn Frauen die Attraktivität von Männern nur im bekleidetem Zustand begutachten würden, wäre das tatsächlich ein Argument.

Besonders weibliche Brustwarzen werden sexualisiert – und deswegen zensiert; männliche hingegen nicht.

Das mit der Zensur ist mWn vor allem Facebook. Gut, dass ich nicht bei Facebook bin.

Das sieht man zum Beispiel in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram.

Ach, Instagramm auch? Gut, dass ich auch nicht da bin. Es müsste generell mehr Plattformen geben als die Monopolisten.

Männliche Brustwarzen dürfen jedoch munter weiter den Stream füllen.

Ist nicht meine Schuld. Ich hätte nichts gegen weibliche Brüste.

Warum soll sich der eine Teil der Menschheit für seine Brustwarzen schämen, der andere aber nicht?

Ja, echt mal. Den Nachteil, den ich infolge der allg. Wehrpflicht habe, kann ich beziffern. Und Ihr so?

Eine Frau, die unter ihrem T-Shirt oder Pulli keinen BH trägt, wird oft angestarrt.

Bei einem Pulli kann man das aber nicht so gut erkennen.

Dabei gilt dann absurderweise nicht das übergriffige Glotzen als Problem, sondern dass die Frau keinen BH trägt.

Wird die dann eingesperrt? Ok, in manchen Ländern bestimmt, aber hier?

Maskuline Menschen können sogar komplett oben in der Öffentlichkeit herumlaufen, ohne behelligt zu werden – feminine Menschen auf gar keinen Fall.

Es sind schon mal Männer verprügelt worden, weil sie zu sexualisiert waren. Aber dies wäre tatsächlich ein Argument, wenn Exhibitionismus für beide Geschlechter strafbar wäre, und nicht nur für Männer.

Das ist eine Doppelmoral; es gelten unterschiedliche Regeln für die Geschlechter.

Sag ich doch.

Das liegt daran, dass in einer patriarchalen Gesellschaft Männer bestimmen, wie die anderen Geschlechter gesehen werden – und dass Brüste immer mit Sex zu tun haben.

Dieselbe patriarchale Gesellschaft erklärt einerseits Frauenbrüste für sexuell UND verbietet ausschließlich Männern, sich zu entblößen. Ja, wirklich etwas unlogisch.

Damit viele Frauen also auch weiter brav BHs tragen, wird durch Mythen indirekt Druck aufgebaut

Das ist jetzt aber nicht das ruhm- und ehrenreiche Patriarchat, sondern die BH-erzeugende Industrie.

so sollen Brüste ohne BH angeblich mit der Zeit schlaff werden und hängen.

Oh, nein, wie schrecklich. Die Evolution in ihrer Weisheit arbeitet sicherlich noch daran.

Außerdem berichten viele Menschen, dass sie ohne BH besser atmen können und sich freier fühlen.

DAS kann ich bestätigen. Ich habe mein ganzes Leben keinen BH getragen und keinerlei Atemprobleme. Allerdings bin ich auch Nicht-Raucher.

Doch das trifft längst nicht auf alle zu. Es gibt zum Beispiel Menschen mit größeren Brüsten oder weicherem Gewebe, die lieber mehr Halt haben möchten.

Ja, IHR erzählt doch, dass das das böse Patriarchat ist.

Jede*r kann selbst spüren, ob es den eigenen Brüsten mit oder ohne BH besser geht.

Ok, die üblen Machenschaften der BH-Industrie sind das eine, aber IHR macht doch aus jeder Privatsache ein Politikum.

Alle Menschen sollen selbst über ihren Körper und ihre Kleidung bestimmen dürfen. Und sonst niemand.

Ich warte ab, bis irgendein Feminismus sich gegen das Exhibitionistengesetz einsetzt.

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