Terrorismus ist verboten

Angesichts der Anschläge in Frankreich hat es sich Sascha Lobo zur Aufgabe gemacht, darüber nachzudenken, warum es aussieht, als wären Linke beim Thema Terror und Mordanschläge genauso voreingenommen und parteiisch wie Rechte.

Hier.

tl,dr: weil das auch so ist.

Nach einem rechtsextremen Mord ist Verlass auf linke Empörung in den sozialen Medien. Auf einen islamistischen Mord hingegen folgt Stille, linke Zerknirschtheit – und manchmal sogar Schlimmeres.

Tja. Reiz – Reaktion. Reiz – Reaktion. Reiz-Reaktion. Natürlich hat die Hufeisentheorie einige Schwächen, aber wenn man nicht will, per Hufeisen in die Nähe des politischen Gegners gedrückt zu werden, wären ein paar mehr Taten als Worte, oder wenigsten Worte statt Schweigen ganz gut.

Sondern den Umgang oder besser Nichtumgang der linken und liberalen Zivilgesellschaft mit diesem mutmaßlich terroristischen Mord, der auf einer faschistischen Ideologie beruht: zum Großteil Schweigen.

Ach, faschistisch, was heißt faschistisch? Mord ist illegal.

Kevin Kühnert hat dankenswerterweise bereits aufgeschrieben, dass die Linke in Deutschland sich mit diesem „wohl blindesten Fleck“ beschäftigen und lautstark Position gegen den mörderischen Islamismus beziehen müsse.

Dem mörderischen Islamismus ist es eigentlich ziemlich egal, was IHR von ihm haltet. Eure potentiellen Whlerinnen und Wähler müsst Ihr überzeugen, sonst springen die Euch von der Fahne.

Die Diagnose: Die deutsche Linke – und auch die Liberalen und Bürgerlichen – haben zweifellos versäumt, eine nichtrassistische Islamismuskritik zu entwickeln.

Jetzt schieb das nicht auf andere – weil Ihr hier nicht die Opfer seid, ist es kein Victim-Bläming, aber das ist Eure Schuld. Ich spreche Euch im Kollektiv an, das mögt Ihr ja am liebsten. Es ist hauptsächlich die Strategie der Linken, Kritik an bestimmten Gruppen als frauenfeindlich, rassistisch und/oder antisemitischen zurückzuweisen. Jetzt gibt es sicher Leute, die Ihre gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit hinter Argumenten verstecken, aber nicht alle, die Argumente verwenden, sind deshalb menschenfeindlich. Und selbst wenn, sind zumindest einige davon gut. Aber weil Ihr faul wart und es Euch zu einfach gemacht habt, habt Ihr es jetzt sauschwer.

Nach dem von Kühnert beschriebenen, bitteren Schweigen bestehen die zögerlich eintreffenden, linken Wortmeldungen nämlich aus einer eigentümlichen, betretenen Traurigkeit. Vergleichbar mit den Reaktionen auf eine Naturkatastrophe, gegen die man halt leider, leider nichts tun kann.

Achja, und wenn mehr von Euch zur Polizei gegangen wäre, wäre die Polizei nicht so rechtsbraunversifft. Jetzt seid Ihr auf dieselbe sächsische Polizei angewiesen, der Ihr irgendwie weniger vertraut als den Moslems. Wenn euch jetzt Polizei und Moslems gleichermaßen für weltfremde Idioten halten, kann man es ihnen verdenken?

Zum Mord in Paris schrieb jemand ernsthaft: „Ist nicht der Kapitalismus und sein Umgang mit armen Menschen und Ländern am islamistischen Extremismus schuld?“

Ach, und die Kolonialzeit. Und dass ein Opfer von Nizza eine Schwarze war, erzeugt irgendwie auch nicht die Sympathie und Solidarität, die man vermuten würde. Wie auch immer, Euer Viktimgebläme ist schon sehr speziell.

Das ist nicht nur bizarr geschichtsvergessen und stumpf.

Ja, aber die Hufeisentheorie. Die ist falsch. Weil Rechte ja bekanntlich nichts aus der Geschichte vergessen und spitz sind.

Es ist auch eine Form von Verniedlichungsrassismus, wenn man muslimischen Menschen und ganzen Ländern in toto die Verantwortung für ihr eigenes Handeln abspricht

Eigentlich fängt das mit der Frage nach der Verhältnismäßigkeit an. Wenn sagen wir Charlie Hebdo das geistige Oberhaupt einer nationalistischen Terrorgruppe wäre, die irgendwie nicht so richtig von der Polizei verfolgt würde, und jemand bringt diesen Hebdo um, und DAS würde jemand als erweiterte Notwehr verteidigen, könnte Verhältnismäßigkeit ein Argument sein.

und stattdessen offenbar glaubt, alles, was auf der Welt geschieht, sei ausschließlich eine Reaktion auf den bösen Kapitalismus der weißen Europäer und Amerikaner.

Darf man als Linke/r denn etwas anderes glauben? Also, als SPDler vllt. noch, aber das sind ja keine wahren Linken, sondern Ketz ää…Volksverrä äääh Klassenf  ääh Knechte des Kapitals.

Regelmäßig beobachte ich nach islamistischen Anschlägen wie in Dresden als erste linke Reaktion die Sorge über daraus resultierenden rechten Hass.

Hallo taz, übrigens. Darf der Lobo bei Ihnen eigentlich noch veröffentlichen, oder ist er Ihnen schon zu weit rechts?

Für viele Linke scheint es eine Menschenfeindlichkeit erster und eine Menschenfeindlichkeit zweiter Klasse zu geben.

Das kommt davon, wenn man die Welt in Freund und Feind einteilt. Fehler von Freunden verzeiht man, von Feinden nicht.

Bitter nachzuvollziehen etwa bei muslimischem Antisemitismus, der von links in Deutschland überraschend selten adressiert und manchmal sogar noch als „Israelkritik“ wohlwollend einsortiert wird.

Ach, es gibt auch linken Antisemitismus. Es gibt natürlich auch harte linke Anti-Antisemiten, da ist tatsächlich sowas wie Meinungsvielfalt vorhanden. Hallo Gregor Gysi. Jedenfalls, bei einigen von Euch glaube ich, die sind nur deshalb nicht offen antisemitisch, weil das die Rechten schon als Markenkern haben.

Die meisten Linken (ich auch) haben es anders erhofft – aber es gibt einen islamistischen Radikalisierungsprozess unter Geflüchteten.

Islamismuskritik ist per se NICHT rassistisch. Es gibt Rassisten, die Islam und Islamismus kritisieren. Damit könnte man argumentativ anders umgehen.

Es ist keine Option, diese Tatsachen in der Debatte von links elegant auszusparen und womöglich noch mit Islamisten gemeinsame Sache zu machen, weil man deren vorgebliches Eintreten gegen Rassismus für bare Münze nimmt.

Ähh, doch? Die Feinde meiner Feinde sind meine Freunde und so? Letztens las ich bei Twitter, dass Bürgerliche eher mit Rechten als mit Linken paktierten. Ich führe das darauf zurück, dass Rechte die Bürgerlichen nicht als erste erschießen. Aus analogen Gründen paktieren Zugewanderte eher mit Linken. Natürlich gibt es Bürgerliche, die eher links sind und Zugewanderte, die eher rechts sind. Aber mit sowas darf man Rechten und Linken nicht kommen, die beide dafür berüchtigt sind, sehr einfache Weltbilder zu haben.

Manche behaupten, das Schweigen käme daher, dass Linke Angst haben, bei jedweder Kritik des Islamismus als „rassistisch“ gebrandmarkt zu werden.

Von anderen Linken, oder wem? Nein, das machen die nicht, weil sie dieses Argument noch wiederverwenden wollen. Argumente sind selten und teuer. Klingt jetzt sehr nach Marktwirtschaft…

Meiner Ansicht nach steht dahinter aber eher Desinteresse einerseits und moralische Faulheit andererseits.

Ja, neue Argumente zu entwickeln, dann müsste man ja denken. Früher haben Linke das gemacht, weshalb ich sie für cooler halte als Rechte, aber naja.

Das Desinteresse besteht darin, sich von links selten bis gar nicht für die tatsächlichen migrantischen Sphären zu interessieren, die unendlich vielfältig und eigenständig und komplex sind.

Ja, eben. Was ist das für 1 Weltbild, in dem es mehr als Bourgoisie und Proletariat gibt? Unnötige Vielfalt erschwert die Entscheidung, wer Feind und wer Freund ist. Lobo, ey, nix gelernt?

Die moralische Faulheit wirkt noch schlimmer. In zu vielen linken Köpfen hat eine eigentlich schlichte Erkenntnis keinen Platz: Menschen können zugleich Opfer von (strukturellem) Rassismus sein und Täter in Sachen Menschenfeindlichkeit.

Hihihihihihhiaiahiahaiahiahihiahhhohohoohohohohohohoho! Nein. Es ist sogar NOCH einfacher: Man kann Rassist sein und Opfer von Rassismus. Mal von Ruanda gehört? Und natürlich können Rassismusopfer Sexisten sein und umgekehrt. Es gibt antisemitische Schwarze. Und – jetzt wird es wieder komplizierter – selbst, wenn man ein rassistisches Rassismusopfer ist, hat man es nicht notwendigerweise verdient.

Sie trifft einen essenziellen Punkt, nämlich die fehlende Bereitschaft allzu vieler deutscher Linker, Islamismus als die faschistoide Bedrohung der liberalen Demokratie zu betrachten, die er ist.

Ja, falls mal Argumentationsbedarf besteht, Erdogan ist politisch ungefähr so rechts wie Gauland. Und rechter als Trump. Das zu kritisieren ist nicht rassistisch. Es ist auch nicht türkenfeindlich, weil nicht „Türken“ im Kollektiv als „so rechts wie Gauland“ bezeichnet werden. („Aber Mycroft, die meisten Türken haben ihn aber doch gewählt.“ – „Tja, aber nicht alle.“)

Weil der islamistische Mörder von der Polizei erschossen wurde, finden sich in französischen sozialen Medien Begriffe wie „Märtyrer“ und sogar ohne jede Kenntnis der Situation Klagen über Polizeigewalt gegen den Attentäter.

Ja, die Täter-Opfer-Umkehr haben die Islamisten mit den Rechten gemein, aber Klagen über Polizeigewalt ist natürlich linker Standard. Wobei Islamisten natürlich auch nicht dumm sind und sich ihre Strategien auch selber ausdenken können.

Empört euch! Sonst könnt ihr euch eure Moral in die mit sicherlich fair gehandeltem, mikroplastikfreiem Shampoo gewaschenen Haare schmieren.

Oder, viele Linke hassen Kirchenbesucher, weil Religion Opium fürs Volk ist, und freuen sich auf eine bessere Welt, in der Religiöse sich gegenseitig ausgerottet haben. Man weiß es nicht. Aber gut, Terrorismus ist verboten, Mord ist verboten, und Mord aus „verletzten Gefühlen“ wird nicht irgendwie harmloser verurteilt. Vllt. reicht es, wenn Linke einfach in ihrer Blase bleiben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s