
Jetan ist eine Schachvariante von Edgar Rice Burroughs, die ich sowohl von der Herkunft her als auch von den Regeln interessant finde, und außerdem wegen des Menschenbildes dahinter (im weiteren Sinne). Sie gehört zu seinen Barsoom-Romanen. Die Regeln sind relativ gut erklärt, auch wenn es kleinere Ungenauigkeiten gibt; die Interpretation gemäß Wiki gilt als „gut spielbar“, auch wenn sie recht oft zu unentschieden führt.
Zunächst mal die Regeln:
- alle Figuren machen Züge, die aus einer genau definierten Anzahl und Art von Schritten bestehen, die ein diagonal oder orthogonal benachbartes Feld führen, wobei die Richtung nach jedem Schritt geändert werden kann. Sofern nichts Gegenteiliges ausgesagt wird, sind diese Schritte keine Sprünge und können blockiert werden. Geschlagen wird mit dem letzten Schritt (wie beim FIDE-Schach).
- kein Feld darf je Zug mehrmals betreten werden; diese Regel ist wichtig, weil man sonst bei Figuren mit gradzahliger Schrittzahl einen Zero hätte, und das kann niemand wollen, und man weiterhin die genau-x-Schritte-Regel umgehen könnte. Außerdem ist es mit der martialischen Kultur Barsooms nicht zu vereinbaren, auf der Stelle im Kreis zu laufen.
- die Figuren werden aufgestellt wie dargestellt, im Unterschied zum FIDE ist die Aufstellung also punktsymmetrisch statt spiegelsymmetrisch, es gibt keine Farbe, die immer anfängt zu ziehen, sondern man kann es sich aussuchen. Bei mehr als einer Partie darf der
VerliererSieger der vorigen entweder den ersten Zug machen oder den Gegner dazu auffordern. - es herrscht Zugpflicht, aber nicht Schlagpflicht, es gibt kein Selbstschachverbot, und keine Ansagen wie „Schach“ oder „Gardez“. Infolgedessen gibt es auch kein Patt, allerdings verschiedene Arten von Remis.
- Ziel ist es, entweder die gegnerische Prinzessin (Dame) mit einer eigenen Figur zu schlagen oder den gegnerischen Anführer (König) mit dem eigenen Anführer zu schlagen, schlägt man den Anführer mit einer anderen Figur, gilt die Partie als unentschieden. Dasselbe passiert, wenn beide Parteien nur noch 3 Steine haben und es nicht schaffen, in 10 Zügen (5 je Seite) einen Sieg zu erreichen.
- Der Panthan (Shogistein) kann genau einen Schritt orthogonal oder diagonal ziehen, solange er sich nicht von der gegnerischen Grundlinie entfernt (das dürfen nur die Offiziere), er wird anders als FIDE-Bauern nicht befördert. Schlagen funktioniert wie ziehen, es gibt auch kein en passant und keinen Doppelzug aus der Ausgangsposition.
- Der Thoat (Springer) zieht genau je einen orthogonalen und diagonalen Schritt.
- Der Krieger (Bauer) zieht zwei orthogonale Schritte weit.
- Der Padwar (Damestein) zieht zwei diagonale Schritte weit.
- Der Dwar (Turm) zieht drei othogonale Schritte weit.
- Der Flieger oder Odwar (Läufer) zieht drei diagonale Schritte weit und kann nicht blockiert werden.
- Die Prinzessin (Dame) zieht eine beliebige Kombination aus insgesamt drei orthogonalen oder diagonalen Schritten und kann ebenfalls nicht blockiert werden, sie kann aber auch nicht schlagen. Statt einer Rochade hat sie als Fluchtzug einmal im Spiel die Möglichkeit, ein beliebiges anderes Feld zu erreichen.
- Der Anführer (König) zieht ebenfalls eine beliebige Kombination aus insgesamt drei orthogonalen oder diagonalen Schritten, kann dabei aber blockiert werden. Ein Fluchtzug ist in der martialischen Kultur Barsooms für Anführer natürlich nicht vorgesehen.
Wenn man das nachspielen will, brauch man ein 10×10-Damebrett mir entsprechend 20 Damesteinen von jeder Farbe und ein normales Set Schachfiguren. Statt Shogi-Steinen nimmt man einfache Damesteine für die Panthans und doppelte Damesteine sind die Padwars.
Gibt es eigentlich auch Artikel zum offensichtlichen Matriarchat im FIDE-Schach? Der arme, schwache König muss dort beschützt bzw. mattgesetzt werden, und die entscheidende Rolle spielt dabei die Dame. In den Partien, die als die schönsten gelten, wird diese regelmäßig geopfert, in der „Immergrünen“ https://www.chess.com/de/terms/immergruene-partie genauso wie in der „Unsterblichen“ https://www.chess.com/de/terms/unsterbliche-partie#operagame (und natürlich auch in x Lehrbüchern) …
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Früher war die Dame ähnlich zum Jetan die schwächste Figur im Spiel, die jeweils nur 1 Feld diagonal ziehen durfte.
BTW: Auf Wikipedia steht, dass der _Gewinner_ (nicht Verlierer) entscheiden darf, wer die nächste Partie beginnt. Ergibt auch mehr Sinn bei der martialischen Kultur imho.
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Upps
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