Der Geschlechtergraben bei den jungen Erwachsenen wird immer tiefer. Frauen verorten sich vermehrt links, Männer bleiben stehen mit Tendenz nach rechts. Prägungen hindern Männer daran, in Würde vom Sockel des Patriarchats zu steigen.
Geil! Hier steht mal nichts von „driften“, sondern dass Männer rechts „stehen bleiben“. Also genau so links, mittig oder rechts sind wie „vorher“. Nebenbei, die Mitte „der“ (also einer) Gesellschaft ist nicht automatisch die Mitte des demokratischen Spektrums, und „links“ im Iran ist evt was anderes als „links“ in den USA, was die globalen Tendenzen nochmal relativiert, aber der Unterschied ist andererseits auch nicht vernachlässigbar gering.
Die heute 18-30-Jährigen trennt ein immer tieferer Geschlechtergraben. Diese Analyse sorgt dieser Tage für Schlagzeilen. Ihr Fundament sind internationale Statistiken, die zeigen: Während sich immer mehr 18-30-jährige Frauen für Menschenrechte, Feminismus, Chancengleichheit und Klimaschutz einsetzen, bekämpfen immer mehr gleichaltrige Männer diese «linken» Anliegen.
Tja, da kann man dem Anfang ja soo gut zustimmen, aber dann: „bekämpfen“ ist falsch. Bei der Feminismustabelle bezeichnen sich 43% aller Gen-Z-Männer als Feministen, also genausoviele wie Gen-X-Männer, auch, wenn es bei den Millenials 52% sind, so groß ist der Unterschied also nicht. Aber vor allem: nur, weil man sich nicht als Feminist bezeichnet, bekämpft man noch keinen Feminismus. Andernfalls würden auch die 100-61=39% aller Gen-Z-Frauen, die sich nicht als Feministinnen identifizieren, Feminismus bekämpfen, und das halte ich in der Form für offensichtlich absurd. „Aber Mycroft, Jesus sagt, wer nicht für ihn ist, sei gegen ihn!“ – „Ihr seid nicht Jesus. Ihr seid noch nichtmal Anakyn. Wer nicht für Euch ist, dem seid Ihr meist bloß wumpe.“
Auch für die Schweiz zeigen Daten der Forschungsstelle Sotomo, dass sich doppelt so viele junge Männer (43 Prozent) politisch «rechts» verorten als junge Frauen – Tendenz steigend.
Was heißt „junge“ Männer und Frauen? Link? Was heißt konkret „rechts“? Wie viele alte Männer und Frauen verorten sich im Unterschied dazu als rechts, und wie viele junge Männer und Frauen verorten sich jeweils als links? Link? Und was heißt konkret „links“? LINK???
Ich beschäftige mich seit über 20 Jahren mit Geschlechterfragen und habe soeben eine Expertise über männlichkeitsideologische Radikalisierung veröffentlicht. Deshalb überrascht mich dieser Befund nicht.
So krass überraschend ist das ja auch wirklich nicht.
Während über Frauenemanzipation und -empowerment der Generation #MeToo bereits viel geschrieben wurde, bleibt die Analyse des männlichen Wegkippens nach rechts blass.
Empathie-Gap, anyone? „Wegkippen“ wäre es, wenn es deutlich weniger junge männliche Feministen gäbe als ältere, ODER, wenn die Zahl der echten Frauenfeinde deutlich gestiegen wäre. Was ja gar nicht abgefragt wurde.
Eine Einordnung in fünf Punkten.
Yäy, Liste!
- Damit aus einem Jungen ein «richtiger Mann» wird, muss er gesellschaftliche Männlichkeitsanforderungen erfüllen. Härte, Stärke, Souveränität, Dominanz und Kontrolle sind die zentralen Bausteine. Sie gelten bis heute.
Ist es diskriminierend an Frauen, dass Männer so sein müssen, oder ist es diskriminierend an Frauen, dass Frauen nicht so sein dürfen? Nebenbei, warum genau sollte man (ich) nicht froh darüber sein, wenn er (ich) nicht mehr so sein müsste?
Denn die traditionellen Normen haben sich – trotz aller Kritik an toxischer Männlichkeit – nicht im Kern gewandelt. Sondern bloss erweitert.
Achwas? Ja, auch schon aufgefallen. Kein Mensch ist übrigens toxisch.
Neu sollen Männer auch einfühlsam, sozial kompetent und achtsam sein. Indem sich widersprüchliche Erwartungen überlappen, werden an Jungen und junge Männer verwirrende Doppelbotschaften adressiert: … Diese Aufgabe ist unlösbar,
Ihr könntet sie als Oder-Aufgabe formulieren. Oder – ganz schlau – ihr könntet sie einfach lassen. Ihr, liebe Feministinnen und -nisten, IHR könntet sagen: „Männer, seid so, wie Ihr persönlich jeweils am liebsten wäret, und versucht nicht, es anderen Recht zu machen.“ Oder nein, könnt Ihr nicht. Weil: geht nicht.
2. Aktuelle Untersuchungen legen nahe, dass sich die männliche Bevölkerung aktuell in drei Gruppen einteilen lässt: Ein Drittel der (jungen) Männer sucht nach Wegen, um fair, nachhaltig, feministisch Mann zu sein.
Link? Wirklich (einigermaßen) genau ein Drittel? Und ist Nachhaltigkeit und Feminismus echt so deckungsgleich verteilt? Außerdem: 43% sind deutlich mehr als 1/3…
Ein Drittel lähmt sich im widersprüchlichen Bestreben, sich als Mann zu modernisieren, ohne sich mit Männlichkeit auseinandersetzen zu müssen.
Dazu dieselben Fragen wie oben, einschließlich: Link?
Ein Drittel fordert offensiv die alte Geschlechterordnung zurück, in der Männer Frauen dominieren, führen und zur Erfüllung ihrer Bedürfnisse nutzen dürfen.
Wann hat es diese Geschlechterordnung zuletzt gegeben? Und WO? Ok, dass schließt ja nicht aus, dass manche Männer etwas „zurück“ haben wollen, was sie nie hatten, und ihre Väter und Großväter auch nicht, aber hier stellt Theunert die Vergangenheit etwas düsterer dar, als sie war, und die männliche „Jugend von heute“ genauso finster.
3. Diese männliche Überlegenheitsillusion ist gut erforscht. Ihr Fundament bildet der Glaube, Männlichkeit sei gott- oder naturgegeben und finde seine Bestimmung im Kampf.
Dass Männer von „Natur“ oder „Gott“ aus überlegen seien, ist natürlich Quatsch. Es ist aber sehr offensichtlich so, dass Männer von der Gesellschaft für den Kampf und andere Gefährlichkeiten vorgesehen sind, mit der exakt einen Ausnahme, dass die Risiken von Schwangerschaft und Geburt von Frauen übernommen wurden.
Männlich ist, wer kein Risiko scheut und niemanden braucht, zuschlagen kann und unter keinen Umständen Selbstzweifel, Gefühle und Schwäche zulässt.
Wie gesagt, wenn es „nur“ das ist, wäre ich und vermutlich eine Menge anderer Männer froh, wenn sie damit einfach aufhören könnten.
Gesellschaftlich haben Männer Anspruch auf Macht, Geld und Status.
Ja, das ist eben der Deal. Für Risikobereitschaft, Stärke und Artverwandtes gibt es Geld, Macht und Status.
Männliche Privilegien kann es nicht geben, weil Männer ein natürliches Recht auf das grössere Stück vom Kuchen haben.
Naja, bestreitet jemand, dass es Privilegien gibt, oder wird nur bestritten, dass diese Privilegien unverdient seien? Bzw., man kann auch argumentieren, dass es ein Privileg sei, nicht zum Bund zu müssen, aber Keks.
4. So übertrieben sie klingen mögen, so sehr sind diese Überzeugungen bis heute prägend für unsere patriarchale Kultur.
Ich sag mal so: vom Grundsatz her würde ich dem deskriptiven Teil zustimmen, und hätte absolut nichts dagegen, wenn der Deal abgeschafft würde.
Genau mit dieser Einsicht konfrontiert uns die feministische Bewegung. Das Problem: Für Männer, die ernsthaft davon überzeugt sind, dank Penis und Testosteron die Krönung der Schöpfung darzustellen, ist das mehr als eine Provokation.
Ach, viel simpler: sie sind mit dem bisherigen Deal einfach zufrieden. Insbesondere, wenn Dinge verlangt werden, in denen sie gut sind, haben sie kein Interesse daran, wenn ihnen die Gegenleistung gestrichen werden sollte.
Sie fühlen sich durch die Forderung nach Egalität und Privilegienverzicht in ihrer Existenz bedroht. Sie fürchten um ihren «verdienten Lohn» für die patriarchale Selbstzurichtung.
Die Gänsefüßchen kann man weglassen. Es ist tatsächlich ein Geschäftsmodell, um nicht nur Geld, sondern auch soziale Anerkennung und persönliche Zufriedenheit zu erhalten. Kann man kritisieren, ja. Aber man kann es trotzdem rational und emotional nachvollziehen.
Gleichzeitig ist die Einsicht zu schmerzhaft, wieviel Gewalt sie sich selbst antun, um bloss keine Zweifel an ihrer Männlichkeit aufkommen zu lassen.
Soooo viel Gewalt ist das oft gar nicht, aber gut, das mag hinzukommen. Umgekehrt ist es auch schmerzhaft, wenn genau diejenigen, die von der Gewaltbereitschaft profitieren (sollen) einerseits diese Gewaltbereitschaft kritisieren, andererseits keinerlei Anstalten machen, mit dem profitieren aufzuhören…
Deshalb müssen sie Infragestellung fundamental abwehren und frontal bekämpfen.
Joah. Warum sollte man sich auf einem neuen Deal einlassen, bei dem man evt. schlechter abschneidet?
So wird plötzlich verständlich, weshalb diese Männer glauben, es gäbe wirklich so etwas wie «Gender-Terror».
„Gender-Terror“ ist ebenso übertrieben wie die Behauptung, Männer, die sich nicht als Feministen bezeichnen, bekämpften Feminismus.
5. Was im Einzelfall tragisch ist, wird in einer politischen Perspektive zur realen Gefahr für die offene Gesellschaft und die demokratischen Institutionen.
Genauso übertrieben. Aber gut, in einer offenen Gesellschaft, wo jeder Mann Männlichkeit so performen kann, wie er will, wäre das kein Problem; die sportlichen Männer und die, die gut in Mathe sind, und die künstlerischen talentierten und musikalischen Männer machen eben alle ihr Ding, und konkurrieren nicht mehr mit anderen Männern, sondern maximal mit anderen Sportlern, Musikern oder je, nachdem.
Denn es ist ebenso beleg- wie sichtbar, dass patriarchale Bedrohungsgefühle von den rechtspopulistischen Parteien und autoritären Regimes dieser Welt systematisch und strategiegeleitet bewirtschaftet werden.
Ja, aber dass das so einfach ist, liegt daran, dass der Feminismus kein besseres Gegenangebot macht. Oder überhaupt ein Gegenangebot. Wenn man so ein Klischeemann sein will, wie Theunert in darstellt, findet man eine Blase, die das zu schätzen weiß und sicher auch entsprechenden sozialen Druck und soziale Belohnungen aufbaut. Aber der Feminismus will ja nicht, dass Männer machen, was sie wollen, aber belohnt auch keine Männer, die machen, was der Feminismus will. Jetzt kann man gerne sagen: „Man kann auch Dinge ohne Belohnung tun!“, aber nunja…
Archaisch-wehrhafte Männlichkeit wird als göttlicher Auftrag überhöht, Gender, Vielfalt und Feminismus als teuflischer Plan abgewertet.
Man könnte, so als Mann, sich auch einfach nur um sich selbst kümmern.
Darin sind Figuren wir Vladimir Putin und Donald Trump, Xi Jingping und Javier Milei echte Brüder im Geiste. Verunsicherten Männern bieten sie mit ihren Botschaften einen einfachen, bestärkenden und dadurch extrem attraktiven Ausweg.
Wenn „stirb im Schützengraben“ ein attraktiverer Ausweg ist als irgendwas, was „der“ Feminismus anbietet, muss das Angebot des Feminismusses doch wirklicher Dreck sein, oder? Rechtspopulisten so: „Wir mögen Männer, die (lange Liste, die „echte“ Männer natürlich erfüllen) tun“; Feministen so: „Wir mögen keine Männer, aber wenn die (lange Liste an Forderungen, darunter viele aus der Rechtspopulistenliste wie „Frauen verteidigen“) tun, hören wir auf, sie zu hassen.“ ECHTE Männer sind übrigens die, die sich mit solchen Schuldgefühlen motivieren lassen und dann überhaupt nicht überrascht sind, wenn sie im GeschlechterSchützengraben sterben.
Die gute Nachricht: Bildung, (Selbst-)Liebe und männerspezifische Unterstützungsangebote schützen vor den Verheissungen der männlichkeitsideologischen Verführer.
Ja, genau: lasst Euch von Theunert nicht verführen, dem verheißungsvollen Männlichkeitsideologen.
Die schlechte Nachricht: Unsere eigenen patriarchalen Prägungen verhindern die Einsicht, wie dringend nötig es wäre, Buben und Männer dabei zu unterstützen
Ja, das ist die Ausrede, warum Feministen immer wollen, dass Männer den Weißen Ritter für Frauen geben. Ihre WaschKampfkraft macht sie so ergiebignützlich.
in Würde vom Sockel des Patriarchats zu steigen.
„Hier liegt ein gefall’ner Gott, sein Absturz war kein kleiner,
Den Sockel nur trugen wir bei, ein hoher, schmaler, feiner.“
Es ist nicht die Schuld des Patriarchates, wenn Feministen es nicht schaffen, ein weniger hartes, weniger forderndes und weniger strengeres Männerbild aufzustellen als das Patriarchat, da das patriarchaische Männerbild tatsächlich recht hart, streng und fordernd ist. Aber selbst, wenn das feministische Männerbild nur genau so schlimm wäre wie das patriarchale, gewänne das patriarchale, weil das Patriarchat nicht den Anspruch erhebt, es wolle Männern helfen (auch nicht „auch“ helfen, oder „auch Männern“ helfen, sondern „gar nicht“ helfen), und so ehrlicher rüberkommt.
Xi Jingping in die Liste zu tun ist hart; Trump und Milei sind Shitlords; Xi ist von ganzem Herzen totalitärer Kommunist, und Putin mehr Mafia-Boss.
Aber niemand davon mag Feministen. Niemand. Sollte einem zu denken geben.
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2. Aktuelle Untersuchungen legen nahe, dass sich die männliche Bevölkerung aktuell in drei Gruppen einteilen lässt: Ein Drittel der (jungen) Männer sucht nach Wegen, um fair, nachhaltig, feministisch Mann zu sein.
Da geht das Problem schon los: Niemand verlangt von Frauen, dass sie fair zu Männern sind – und ein widerwärtiges Ekelpaket ist es erst recht nicht. Allein die Fühlifühli der Frauen zählen, während Männer als Trennungsväter entsorgt werden – mit Segen der Feministinnen (m/w) – und dann obdachlos unter der Brücke zu liegen.
Männliche Privilegien kann es nicht geben, weil Männer ein natürliches Recht auf das grössere Stück vom Kuchen haben.
Wer backt denn den Kuchen, Hä? Und ist das überhaupt so? Das Geschlecht, dass sich zu Tode malocht, Jahre früher ins Gras beißt, hat das größere Stück? Wirklich?
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