Jenseitige ausschließende wurzelige Frauenistin

Statt lateinisch klingende Phrasen zu erfinden, einfach das Latein eindeutschen. Mehr Anti-Rowling geht nicht.

Oder halt doch, und man schließt sich denen an.

Hogwarts Legacy: 3 gute Gründe dafür es zu ignorieren

Ja, Spieletipps. Fragen wie: welches Spiel ist das schönste, beste oder originellste in seinem Genre? Wie kriegt man den Endgegner in demundden Level down? Kann man in demoderdem Game gewinnen, ohne Echtgeld zu investieren? Und natürlich: Welche Spiele sollte man „ignorieren“, aka „besser nicht kaufen“. Tipps halt. Natürlich sind einige solche Tipps Geschmackssache, andere aber sind selbst dann nachvollziehbar, wenn man als Leser andere Konsequenzen zieht. Hier ist das allerdings nur eine Sache etwas, was am Spiel selbst liegt. (Man mache mal den Test – welcher der folgenden drei Gründe könnte durch einen Patch verändert werden?)

Transfeindliche Aussagen von J.K. Rowling und Antisemitismus in Hogwarts Legacy sorgen für Debatten.

Ja – es geht aber im Folgenden nicht nur darum, über diese Debatten zu berichten, denn, wie die Überschrift schon zeigt, macht sich der Text eine Seite der Debatte zu eigen. Was natürlich nicht verboten ist, aber offenbar will der Text auch, dass die Leserschaft sich auch auf diese Seite schlägt. Was bei Kunstkritik sonst eher nicht der Fall ist.

Kann und sollte man das Spiel einfach kaufen, weil man Lust drauf hat oder sollte man einen Bogen um das Spiel machen?

Oder anders: gäbe es Gründe, sich das Spiel zu kaufen, außer „Lust“? Ist es bspw. ein schöner Zeitvertreib über Tage oder Wochen? Oder tritt man nach ein paar Stunden Spielzeit auf der Stelle, wenn man keine Buffs kauft?

Drei Gründe für den Boykott, erfahrt ihr hier.

Sprachmagie: selbst sehr vernichtende Kritiken von Film, Funk, Fernsehen, Büchern, Theaterstücken, Musik-Alben oder hat Computerspielen sagen typischerweise: „Spart Euch das Geld!“, nicht: „Boykottiert die Hersteller!“ Aber im Endeffekt ist das ja egal.

Grund 1: J.K. Rowling ist transfeindlich

Wohlgemerkt, das Spiel selbst ist offenbar nicht transfeindlich, hat keine transsexuellenfeindlichen Inhalte, vermittelt keinerlei derartiken Botschaften (soweit man das bislang feststellen kann), und dies ist ein Problem, dass man nicht ändern kann, indem man das Spiel ändert.

J. K. Rowling … ist in den vergangenen Monaten und Jahren immer wieder durch transfeindliche Äußerungen auf Twitter aufgefallen.

Jaaaa, irgendwie schon.

In ihren Tweets geht es oft darum trans Frauen als Gefahren für cis Frauen darzustellen und sie aus feministischen Diskursen auszuschließen.

Ob sie wirklich Transfrauen und nicht Cismänner, die sich als Transfrauen ausgeben, sei mal dahingestellt, aber natürlich kann auch Rowling niemanden von Diskursen ausschließen.

Allgemein spricht sie trans Personen oft ihr Geschlecht ab.

Auch Transmännern? Irgendwie geht das praktisch immer nur um Transfrauen.

Hermine-Darstellerin Emma Watson, Harry-Potter-Schauspieler Daniel Radcliffe und Autoren wie Stephen King stellen sich öffentlich gegen Rowlings Aussagen.

Was die Aussagen an sich weder bestätigt noch widerlegt. Gegentest – angenommen, Daniel Radcliffe und Emma Watson wären harte TERFs, aber Rowling nicht – wären dann die Filme, oder Spiele, in denen deren Stimmen vorkämen, zum Boykott „freigegeben“?

Viele, die sich schon auf das vermeintliche Rollenspiel-Epos freuen, können J. K. Rowlings persönliche Ansichten ausblenden.

Wieso „vermeintlich“? Also, es scheint ja Rollenspiel-Elemente zu haben, und ein „Epos“ im sinne einer umfangreichen Geschichte zu sein, also wäre hier die Stelle, um zu erklären, warum diese Beschreibung so nicht zutrifft.

Wenn sie die kontroversen Meinungen der Autorin nicht gerade selbst teilen, fällt im Diskurs darüber oft der Begriff „Death of the Author“ – oder zu Deutsch „Tod des Autors“.

Ja, das hier. Ist eigentlich nicht das, was gemeint ist. Man kann gegen Panzerlieferungen sein und trotzdem Panzergeneral zocken. Man muss sich als Spieler eines Games nicht für die Äußerungen der Autorin der Buchvorlage des Spieles rechtfertigen, und insbesondere sich nicht zur Frage äußern, ob man sie teilt. Aber gibt es hier die Möglichkeit, sich in die Toilettenräume des jeweils anderen Geschlechtes zu schleichen, und dort Vielsafttrank zu brauen, um sich in eine andere Person, inklusive einer des jeweils anderen Geschlechtes zu verwandeln?

Das Konzept beschreibt ein Phänomen, bei dem Intentionen und Gedanken des Autors in Hinblick auf sein Werk keine große Rolle mehr spielen.

Eigentlich ist das schon ein Schritt zuviel – man muss sich um die Interpretation eines Werkes, und hier sogar eines abgeleiteten Werkes, keine Gedanken machen, wenn man nicht will, ergo braucht ein Legacy-Zocker keine Meinung zu Rowlings Getwitter zu entwickeln. Eventuell wird das wieder wichtig, wenn diese derartig ins Spiel einfließen, dass man dieses nur mögen kann, wenn man Rowlings Ansichten teilt, oder man sonst Rage-quittet. Hallo TLOU II.

Wenn dieses nämlich einen bestimmten Status erreicht hat, wiegen Bedeutungen und Interpretationen der Fans schwerer als alles, was der Autor oder die Autorin ursprünglich darin ausdrücken wollte

Und das ist falsch, weil…? Bzw., mit DER Einstellung kann man immerhin erklären, warum sich die Ringe der Macht so sehr von Tolkien entfernt haben. Aber die, die RdM mögen, insbesondere wegen der Repräsentation durch dunkelhäutigen Figuren, würden ja argumentieren, dass jeder Rassismus, den Tolkien tatsächlich oder angeblich gehant haben mag, dadurch getilgt wurde, oder?

und was seine oder ihre persönlichen Ansichten sind.

Im konkreten Fall, welche Verbindung haben Rowlings Bücher, deren Verfilmungen oder die daraus abgeleiteten Computerspiele mit ihren persönlichen Ansichten zum Thema Transsexualität? Wenn man die nicht zeigen kann, ist diese spezielle Ansicht nämlich auch ohne Autorentod egal.

Fans verbinden so viel Positives mit der Marke, dass sie sich das von J. K. Rowlings privaten Meinungen nicht madig machen lassen wollen.

In der Konsequenz: ja. Aber andererseits wird hier ja versucht zu erklären, dass diese Einstellung der Fans unmoralisch sei. Um mehrere Ecken unmoralisch, aber die Moralkeule wird geschwungen.

Dem Werk und seiner Wirkung wird also mehr Bedeutung zugemessen als der wütenden Autorin.

Angenommen, Rowling wäre wirklich tot und würde entsprechend nicht twittern – könnte man anhand des Werkes ihre TERFtum erkennen? Oder wäre die Wirkung des Werkes oder hier des Computerspieles jedenfalls die, dass deren Publikum zu TERFs werden?

Dabei gibt es aber einen Haken: J. K. Rowling, und damit ihre diskriminierenden Aussagen, werden durch den Kauf von Hogwarts Legacy finanziell unterstützt.

Seht Ihr? DAS ist der Punkt, mit der man Leute Schuldgefühle eintrichtern will. Wenn ein Mitarbeiter einer Bäckerei ein Neo-Nazi ist, unterstützen alle, die da Brötchenkaufen, die Neo-Nazis. Aber weil man das nicht wissen kann, darf man nirgendwo mehr Brötchen kaufen.

Als Rechteinhaberin verdient die Autorin nämlich an dem Spiel, obwohl sie selbst nicht aktiv beteiligt ist.

Brötchenkauf canceln. Als Argument gegen die Existenz einer Cancel-Kultur wird oft angeführt, dass die angeblich gekänzelten dadurch mehr Aufmerksamkeit und Umsätze erzielen als ohne. Also sollte man das gar nicht erst versuchen.

Entweder direkt durch die Verkäufe oder indirekt dadurch, dass Warner Bros. ihr im Vorfeld eine riesige Summe Geld gezahlt hat.

So, wie man RdM gucken sollte, um die Tolkienstiftung zu unterstützen, nur mit umgekehrten Vorzeichen? Jaaaa…

Aus diesem Grund gibt es auch viele Langzeitfans, die das Spiel boykottieren.

So gesehen boykottiere ich Amazon: die kriegen kein Geld von mir. Aber ich fordere niemanden auf, Amazon auch kein Geld zu geben, oder erkläre alle, die es doch tun, für schlechte Menschen.

Oft stammt diese Ansicht aus queeren Kreisen, also von direkt Betroffenen, oder von „Allies“ – also Leuten, die sich für die Gleichberechtigung von LGBTQ-Personen einsetzen.

Ok, aber das ist eine rein politische Entscheidung, die nicht mit der Spielqualität zu tun hat.

Grund 2: Problematische Inhalte

Ok, DAS könnte man ändern, indem man das Spiel ändern. Und zwar?

Der erste Gameplay-Trailer reißt nämlich die Handlung des Spiels an, in der die Kobolde aus den Büchern und Filmen zu den Bösewichten degradiert werden. Das Schlimme daran? Die Kobolde sind wandelnde antisemitische Stereotype.

Nunja, das war jedenfall in den Filmen auch schon so, und direkt als „Helden“ wurden die da auch nicht  gerade dargestellt. Und die Koboldkriege wurden bereits in den Büchern erwähnt, insofern ist das etwas, was auch mit dem Tod des Autoren Teil des Inhaltes ist. Andererseits, wegen der Vorgeschichte, ist es dafür hier etwas schwierig zu sagen, dass man erst jetzt damit konfrontiert wurde und jetzt ein Zeichen dagegen setzen will.

Alles, was J.K. Rowling bisher zu den Kobolden geschrieben hat, lässt darauf schließen, dass sie einfach nur ihre Unterdrückung beenden wollen.

Ja, aber die Fans sehen das vllt. anders?

Als Protagonist oder Protagonistin, müsst ihr ihrer Auflehnung aber ein Ende setzen und ihnen ihren wahren Platz in der Gesellschaft zeigen.

Ach, ist das so? Vllt. bauen die einen Twist ein, und plötzlich muss man einen Kobold spielen, der sich an den Hexen und Zauberern rächt, indem er sie mit dem Golfschläger erschlägt?

Noch dazu kommt die Kontroverse um die Hauselfen im Harry-Potter-Universum.

JK Rowling ist auch sonst ganz böseUnd noch ein Grund, warum man zwischen Autor und Werk trennen sollte. Aber ja, eine recht fragwürdige Geschichte oder jedenfalls Nebenhandlung, die nie so ganz geklärt wurde, ist jetzt ein Argument gegen dieses Spiel von langjährigen Fans?

Grund 3: Avalanche wusste von Gamergate-Entwickler

Oh, no! Wer zum Geier ist das?

Troy Leavitt, der ehemalige Lead-Designer von Hogwarts Legacy, vertritt auf seinem YouTube-Kanal ein paar sehr problematische Ansichten.

Ich könnte Googlen, aber…

So hat er dort die hasserfüllte Gamergate-Bewegung unterstützt

Aaaah! Gamergate ist ein seeehr stark eskalierter Streit zwischen Computerspiel-Entwicklern und -Jounalisten. Wenn jemand aus letzterer Gruppe über jemanden aus ersterer Gruppe schreibt, ist eine gewisse Voreingenommenheit nicht auszuschließen.

und sich des Öfteren gegen Feminismus und andere progressive Bewegungen ausgesprochen.

Ähh, so progressiv finde ich Feminismus eigentlich gar nicht mehr.

Laut Leavitt wusste das Entwicklerstudio Avalanche von seiner Gesinnung, als er eingestellt wurde.

Okeeee, auch für ihn gilt der Autorentod – kann man aus der Handlung des Spieles Antifeminismus ableiten? Insbesondere gegen heutigen Antifeminismus, obwohl das Spiel im 19. Jahrhundert spielt?

Avalanche hatte ihm damals angeblich gesagt, dass sie seine Ansichten nicht befürworten, er aber trotzdem weiterhin neue Videos hochladen und alte auf seinem Kanal behalten darf.

Ein Arbeitgeber, der seinen Mitarbeitern erlaubt, sich politisch/künstlerisch/sonstwie auch dann zu betätigen, wenn ihm diese Politik/Kunst/Betätigung nicht passt? Das wäre in Hogwarts nie passiert! Nett aber, dass die das Video verlinken, in dem sich der Beschuldigte verteidigt.

YouTube / Troy Leavitt

Weiterhin:

Im März 2021 hat der Lead-Designer das Team freiwillig verlassen. Das Studio habe ihn jedoch nicht dazu gezwungen und hat ihn weiterhin unterstützt und sogar vorgeschlagen, dass er lediglich eine Pause einlegt.

Skandal! Er wurde nicht gecancelt! Das ist nämlich exakt der Vorwurf, der hier gemacht wird. Man hat einen Mann eingestellt, seine YT-Aktivitäten nicht gestoppt, und ihn nicht genötigt zu gehen, was er selbst bestätigt.

Warum sollte es auch Nichtbetroffene interessieren?

In Diskussionen über das Thema wird es schnell unschön.

Ja, warum wohl?

Die Seite, die vorhat das Spiel zu kaufen, fühlt sich bevormundet.

Das hat nichts mit Gefühlen zu tun. Wenn jemand sagt: „Ich kaufe mir dasunddas Spiel nicht, wegen fragwürdiger Inhalte und ebensolcher Autoren!“, ist das was anderes, als wenn man sagt: „Wer dasunddas Spiel kauft, unterstützt moralisch schlechte Menschen.“

Als ob ihr etwas von den Moralaposteln verboten oder weggenommen wird.

Nein. Weil die Moralapostel ihnen anscheinend nur deshalb nichts verbieten oder wegnehmen, weil sie es nicht können.

Die Boykott-Seite hingegen fühlt sich nicht gehört und bekommt den Eindruck, dass aktive Transfeindlichkeit einfach geduldet wird.

Bei manchen ist das wohl wirklich so. Aber soweit ich weiß, ist „Du magst Legacy ja nur nicht, weil Du trans bist.“ nicht als Blanko-Vorwurf verwendet worden. Im Unterschied zu: „Du magst RdM nur nicht, weil Du rassistisch bist.“

Die Debatte ist so aufgeladen an Emotionen, dass beide Seiten mehr damit beschäftigt sind ihre eigene Meinung zu verteidigen, als dass sie der anderen Seite zuhören.

Warum führt man auch sonst Debatten, wenn nicht, um sich zu verteidigen? Die anderen überzeugt man eh‘ nicht.

Und trotzdem ist es eine Debatte, die immer und immer wieder geführt werden muss. Diskriminierung muss angesprochen werden.

Ja, Rowlings Einstellungen sind noch relativ harmlos, nur ihr enormer Bekanntheitsgrad verschafft ihr eine große Plattform. Gewisse Probleme – einschließlich solchen, die Rowling wohl eher egal sind – haben mit dem Spiel anscheinend keinerlei inhaltliche Berührpunkte. Woher ich das weiß? Das wäre inzwischen geleakt…

Auch wenn gehypte Fans politische Themen am liebsten aus ihren Spielen verbannen würden, so ist dies eben nicht immer möglich.

Äh, doch. Wenn Umweltschutz in einem Spiel über Zombies nicht vorkommt, ist es verbannt.

Und es ist eben auch ein politischer Akt, wenn man ein Spiel kauft, das Diskriminierung indirekt finanziell belohnt.

Das private ist politisch und muss daher reglementiert werden. Aber, wie gesagt, dann dürfte man nie etwas kaufen, weil es immer sein kann, dass man die falschen unterstützt.

Was ist einem wichtiger: Dass man Spaß mit einem Spiel hat oder dass Diskriminierung nicht unterstützt wird?

Gegenfrage: würde Spieletipps ein total langweiliges, überteuertes und buglastiges Spiel empfehlen, wenn 10% der Gewinne an eine soziale Einrichtung gingen?

Beim Debattieren um dieses Thema geht es nämlich nicht unbedingt darum, Fans davon zu überzeugen, das Spiel nicht zu kaufen.

Ja, die, die es doch kaufen, müssen als schlechte Menschen gefrämt werden. Niemand wird kritisiert, wenn er das Spiel nicht kaufen will, wegen: „freies Land und so“.

Es geht darum, dass man wenigstens kurz innehält und sich dessen bewusst wird, wen und was man mit dem Kauf eines Spiels unterstützt.

Irgendeinen großen, teilweise anonymen und tendenziell geldgeilen Konzern? Also, so gesehen sollte man nie ein Spiel kaufen. Nebenbei, was ist mit dem neusten FIFA-Spiel? Ja, ist semi-whataboutistisch, aber wenn wir schon solche Fässer aufmachen, dann richtig.

2 Gedanken zu “Jenseitige ausschließende wurzelige Frauenistin

  1. „Als ob ihr etwas von den Moralaposteln verboten oder weggenommen wird.“

    — Haha! Man kann nichts verbieten und wegnehmen, dessen Produktion man verhindert!
    [Smart Move meme]

    Gefällt 1 Person

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