Out of the Umkleide

Männlichkeit und Krieg und so

Von der etwas kruden Ausgangsthese, die auf einer Anekdote beruht, die total plausible Folgehypothese.

Man kann also kein guter Bürger sein, man kann die Idee, dass die eigene Nation allen anderen überlegen ist, nicht vertreten, …

Mal abgesehen davon, dass auch nicht so nationalistisch gesinnte Menschen gute Bürger sein können – Wehrpflicht wurde explizit mit Liebe zu Frauen begründet. Bei den Nazis vllt weniger, aber allgemein. Und aus Menschenhass wird man bestimmt kein guter Bürger…

… wenn man in Liebe zu einem anderen Menschen verbunden ist.

Man könnte natürlich auch aus Angst in den Krieg ziehen. Hachja…

Theweleit untersucht die Briefe von Soldaten und Generälen, die den Krieg geradezu nutzen, um möglichst weit von ihren Geliebten und Familien fern zu sein.

Gab es bestimmt. Wie viel % aller Beteiligten waren das? Wie viele plünderten stattdessen für ihre Familien? Wie nervig so ein Artikel sein kann.

Es fällt vielen Männern einfacher ihr Land, die eigene (weiße) Hautfarbe oder ihren Erfolg zu lieben als Menschen.

Das wäre dumm. Aber ja, gibt es. Nur werden die genau sagen, dass sie ihre Familien und Mitbürger lieben, und sei es nur der Hautfarbe wegen. Liebe, ey. Man kann sich oft nur wundern…

Viele weiße Cis-Männer in meinem Umfeld hatten in den ersten 10 Jahren ihres Erwachsenseins einen run. Es lief alles wie geschmiert. Die Welt war für sie gemacht. Studium, Beziehung, Sport, Berufseinstieg: top. Doch beobachtete ich, dass … das, was die Gesellschaft als lebenswertes Bild vorgab, ihnen keine Freude bereitete.

Das kann ja sein. Ist aber, mal wieder, anekdotische Evidenz. Außerdem…

Im Gegensatz zu den Cis-Frauen und Queers.

Ja, das. Einer Welt, oder jedenfalls einer Gesellschaft, die für Männer, und zwar für die nicht-queeren, optimiert sein soll, kann das eigentlich nicht passieren. Insofern sollte man jetzt evt die VT vom Patriarchat mal hinterfragen…

„Sie sehnen sich nach einem früheren Zustand zurück, als ihre Kraft in der Unterdrückung der Frauen wurzelte. Sie vergessen, dass dieser politische Vorteil einen Preis hatte: Die Körper der Frauen gehören den Männern nur dann, wenn die Körper der Männer in Friedenszeiten der Produktion und in Kriegszeiten dem Staat gehören.“

Nein. Oder ja, das vergessen einige bestimmt, aber da das ein Deal ist, von dem Frauen ausweislich ihrer Lebenserwartung mehr profitieren, sind es weniger die Männer, die diesen Deal behalten wollen.

Ich meine und hoffe zu sehen, dass die aufgeklärten Männer in meinem Umfeld die Körper der Frauen nicht mehr unterdrücken wollen.

Amen

Ich weiß nicht, wie es Ihnen so geht auf diesem Planeten, aber ich habe ein Problem mit den lieben Männern.

Also können die ruhig doch in irgendwelche Schützengräben? Immer diese Widersprüche…

Eine Angst, dass sie mir körperlich etwas antun, direkt oder indirekt. Durch Fäuste, Wörter oder politische Entscheidungen.

Tja. Tatsächlich haben Männer ein größeres Risiko, Gewaltopfer zu werden. Ergo ist mein Risiko höher als das einer Frau.

Eine Angst, dass mein Körper sie begehrt und sie mich deshalb zerstören.

Der Vorteil von Heteras ist der, dass sie warten können, bis der Mann den ersten Schritt macht. Aber ja, als Hetero stehe ich auf Menschen, die typischerweise weniger Muskeln haben als ich. Andererseits, wenn eine Frau mich schlägt, wird von mir erwartet, dass ich nicht zurückschlage. Wo war ich? Achja, Kim hat auch Probleme…

Ich fürchte mich auch vor … dem Obdachlosen, der manchmal mit einem Messer durch die Trams meiner Stadt streicht.

Das glaube ich ja, aber ganz sicher wird Kim nicht von einem Obdachlosen unterdrückt. Einfacher Test – wer von beiden wollte lieber tauschen?

Oder fürchte ich mich nicht eher vor ihrer Männlichkeit, vor der Geschlechtlichkeit dieser Menschen, als vor den Individuen?

Nun, Männer werden häufiger Opfer als Frauen. D.h., ich kann diese Angst nachvollziehen. Und der Obdachlose hat außerdem ein Messer. Andererseits, gelegentlich werden Obdachlose von Mädchen ermordet, so ein Messer ist vllt nur Selbstschutz?

wie die Schweizer Politikerin Simonetta Sommaruga mal sagte: „Gewalt hat keine Ethnie, kein Alter und keine Klasse, aber sie hat ein Geschlecht.“

Muskelaufbau. Testosteron ist ein Dopingmittel. Gedopte Menschen können auch bei sonst gleicher Aggression härter zuschlagen. Pech.

Ich weiß, das ist jetzt kontra-feministisch-intuitiv, aber versetzen wir uns einmal in die Männer, die uns Angst machen.

Haha. Da wird noch jemand wegen Fraternisierung des Vereins verwiesen, was? Aber ja, versetzt Euch mal in die Situation anderer Leute, Ihr empathischen Over Lords. Ähh, Over Ladys…

Wie ist die Angstmacherei wohl für sie? Wie ist es in einem Körper zu leben, der nicht Liebe, sondern Angst inspiriert?

Diese Angst resultiert einerseits aus Eigenschaften, die von Frauen sonst sehr geschätzt werden, und andererseits wird diese Angst von Feministinnen angefacht. Schade, woll?

Der nicht Nähe und Zärtlichkeit, sondern Anerkennung und Verherrlichung suchen muss; Dinge, die nur aus der Distanz möglich sind?

Das ist eigentlich kein Widerspruch, aber, da es jetzt auch nicht gerade so ist, dass schüchterne Männer ohne Muskeln die besten oder meisten Chancen bei Frauen hätten – es ist Dir schon klar, dass Männer sowas hauptsächlich wegen Frauen machen?

Wie ist es, zu leben, ohne geliebt zu werden?

Interessiert Euch doch eh nicht.

… ich hege hier in mein Notizbüchlein kritzelnd die keuschen Träume von einer vergangenen und noch möglichen Männlichkeit, die sich die Liebe erlaubt, die sich Gewalt verbietet.

jaja

Eine Männlichkeit, die wir lieben können, ohne sie verherrlichen zu müssen. Wie könnte denn so eine Männlichkeit aussehen?

Anstatt zu machen, was andere von ihnen wollen, um geliebt zu werden, sollen Männer machen, was Kim von ihnen will. Um geliebt zu werden.

Ich will euch eure Männlichkeit nicht rauben.

Ja, dann…

Ich will mit euch die Möglichkeit männlicher Körper imaginieren, die nicht im WettKampf mit anderen Körpern stehen.

Sondern? Ich vermute mal, ein Wettkampf der Geister oder Seelen ist auch nicht das, was Kim hier vorschwebt.

Die die juvenilen Garderobenregeln brechen.

Na, dass ist doch noch das einfachste. Weil Umkleiden der speziell gelagerte Sonderfall sind.

Dafür, dass ihr ein Geschlechterstrauß unter vielen seid. Und nicht das Beste sein müsst.

Tja. Erzähl das mal Frauen. Wenn es nach denen ginge, bekämen 80 % aller Frauen 20 % aller Männer ab. Und der Rest wird lesbisch.

2 Gedanken zu “Out of the Umkleide

  1. … ich hege hier in mein Notizbüchlein kritzelnd die keuschen Träume von einer vergangenen und noch möglichen Männlichkeit, die sich die Liebe erlaubt, die sich Gewalt verbietet.

    Nein. Wir wollen nicht lieben, weder unsere Frauen noch unsere Kinder. Wir lieben es nur, dich zu hassen.

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    1. Erinnert mich an dieses alte Comic, das den Unterschied zwischen „Liebe“ und „Verliebtheit“ thematisiert: https://www.smbc-comics.com/comic/2012-02-01
      Auf der anderen Seite liest sich der Text gerade am Ende nach dieser pervertierten Symbiose, die manch Mensch mit Liebe verwechselt.

      „Theweleit untersucht die Briefe von Soldaten und Generälen, die den Krieg geradezu nutzen, um möglichst weit von ihren Geliebten und Familien fern zu sein.“ — sogenannter „Survivor Bias“, wenn man nur die Flugzeuge nach Einschusslöchern untersucht, die es in den Hangar zurückschaffen. Und daraus Schlüsse ziehen will, wie man die durch Einschüsse verursachten Abschüsse reudziert.

      „Dass die Gebrüder Italiens von einer starken – wenigstens blonden! – Frau angeführt werden, ist nur der heuchlerische Versuch ihren Sexismus und ihre Queerphobie zu verstecken.“ — No True Scotsman! Never good enough!

      „Nach wie vor werden geschlechtliche „Andere“ (Frauen und Queers) benutzt, um die Gesellschaft zu spalten und Stimmen zu fangen.“ — Liebe Kinder, wenn euch jemand so einen Passivsatz um die Ohren haut, fragt immer nach dem handelnden Subjekt! Die Antwort könnte die Bevölkerung verunsichern.

      „Heute ist der Nationalismus „nur“ die Religion der unteren Klasse; derjenigen, die vom Fortschritt abgehängt wurden und keine Möglichkeit auf soziale Mobilität durch Bildung haben.“ — Naja, bleibt noch die Religon derjenigen, die zu faul sind, sich dem Fortschritt aktiv, produktiv anzuschließen, und keine Möglichkeit auf soziale Mobilität wahrnehmen, weil sie das lebende Beispiel des Bonmots „Einbildung ist auch eine Form der Bildung“ darstellen. Worum geht’s noch gleich in dem Text?

      „Ob Sie da mitgehen oder nicht, ich würde sagen, dass Männlichkeit nach wie vor am selben Punkt ist wie früher.“ — Welches Früher? Das Früher, als Spartaner noch vorbehaltlos Spartaner lieben durften? Oder doch eher die Athener?

      „Es fällt vielen Männern einfacher ihr Land, die eigene (weiße) Hautfarbe oder ihren Erfolg zu lieben als Menschen.“ — Hat Kim gerade gesagt, dass Schwarze ihre eigene Hautfarbe nicht lieben können? Ich glaube, Kim hat gerade gesagt, dass Schwarze ihre eigene Hautfarbe nicht lieben können.

      „Eine Beobachtung, die zu einer weiteren groben These führt: Viele weiße Cis-Männer in meinem Umfeld hatten in den ersten 10 Jahren ihres Erwachsenseins einen run. […] Im Gegensatz zu den Cis-Frauen und Queers. Wir hatten Mühe, in die 20er reinzukommen. Suchten, therapierten, rangen.“ — Dieser Text legt weit mehr über Kims Weltwahrnehmung und Empathie offen als über die Welt selbst.

      „Ich möchte mit euch die Schönheit männlicher Körper erdreamen, die ihre Scham vor dem Wörtchen Liebe lauthals hinaus kichern, statt sie auf andere zu projizieren. Die die juvenilen Garderobenregeln brechen.“ — Das Department for unfortunate implications hat gerade angerufen, um zu informieren, dass erwachsene Menschen nicht juvenile Garderobenregeln brechen sollten.

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