taz kommt davon

Väterrechtler haben ein Problem mit der taz und wollen deren Berichterstattung nicht – no WAY!

Väterrechtler stellen sich gegen Ex-Mann

Wohlgemerkt, hiermit ist keine Transfrau gemeint…

Gekränkter Stolz

So denken die bei der taz über Männer – alles außer verletzter Gefühle kann kein Grund sein. Menschen, die bei der taz journalistisch tätig sind, sind übrigens alle super-empathisch und Menschenversteher.

Der „Väteraufbruch für Kinder“ lädt zur „Mahnwache“ vorm Haus des Ex-Mannes einer Prominenten. Die taz war eingeladen, durfte aber doch nicht mit.

Eine Runde Mitleid mit der armen taz. Die ist von Ausgrenzung betroffen, also eine Minderheit und so. Das haben die mit Arne Hoffmann übrigens auch schon so praktiziert, insofern bitte nicht mehr Mitleid, als die Höflichkeit gebietet.

Dafür ist die taz nicht gegründet worden:

Sexismus jetzt? Ich hoffe, die meinen Sexismus. Aber nunja…

Zunehmend eskaliert der öffentlich ausgetragene Streit zwischen einer Frau und ihrem Ex-Mann

Wen meinen die? Könnte so ziemlich jede sein, oder?

Zuletzt steht der Vorwurf im Raum, der Vater habe zwei, wenn nicht drei davon entführt, halte sie im benachbarten Ausland fest.

Ahhh, das berüchtigte elterliche Entfremdungs-Syndrom, oder wie das auf englich heißt. Nicht „mütterliches“, das wäre ja sexistisch. Elterlich.

Der so Beschuldigte wiederum wirft – ebenfalls im RTL-Interview – der Ex-Frau vor, den Kleinen gegenüber gewalttätig geworden zu sein, die deshalb gar nicht zu ihr zurückwollten.

Bei der Macht der Geschlechtertauschprobe! Ich stelle fest, dass die exakt symmetrische Situation – die Mutter hat die Kinder, weil der Vater ihnen gegenüber gewalttätig sei – auch vorkommt. Gleichberechtigung! Geschlechtergerechtigkeit! Eierkuchen!!!

Es geht einerseits um Christina Block, eine von drei Che­f:in­nen des gleichnamigen Hamburger Steakrestaurant-Imperiums und Lebensgefährtin des Sportreporters Gerhard Delling; andererseits um ihren Ex, Stephan Hensel, und sein Haus in Dänemark.

Die Namen sagen mir alle nichts. Schade übrigens, dass Kinder von Nicht-Promis mit solchen Eltern oft alleine gelassen werden. Aber nun gut, beispielhaft am prominenten Vorgang wird das Problem jezt also in die Öffentlichkeit gebracht.

Dort soll es am jetzt anstehenden Samstag eine „Mahnwache“ geben, in Anwesenheit Blocks, vielleicht auch Dellings.

Und einer Pseudononne mit Glocke, die dauernd „Schande“ ruft? Ohne GoT-Referenz kann man dergleichen heutzutage doch nicht mehr… ähh, sorry. Nein, es geht um die Kinder.

„Frau Block möchte darauf aufmerksam machen, dass ihre Kinder in Dänemark von ihrem Expartner, dem Vater der gemeinsamen Kinder, festgehalten wird“: So schrieb es am Donnerstag der „Väteraufbruch für Kinder – Landesverein Hamburg e.V.“ in einer Einladung an die örtlichen Medien.

Ok, nicht speziell an „die taz“. Aber das ist, ehrlich gesagt, nicht so überraschend. Bei mir in der Stadt sind bei den „Genug Tränen“-Plakaten auch weinende Mütter zu sehen, um zu zeigen, dass das keine Männer-vs.-Frauen-Veranstaltung sein soll. Außerdem heißt es „Väteraufbruch für KINDER“, nicht „Väteraufbruch fü Männer“ oder „Männeraufbruch für Väter“ oder sonstwie anders.

Und bot Berichterstattenden gleich noch an, mitzukommen nach Sonderburg, an Hensels Gartenzaun.

Das beinhaltet ja der Begriff „Einladung“. Aber möglicherweise betrachten die nicht alle Journalismusbetreibende als Berichterstattende, sondern zumindest teilweise als Voreingenommene, und die taz war – gendergerecht formuliert oder nicht – gar nicht mitgemeint?

„Unterstützer der ‚Genug Tränen‘-Kampagne nehmen an der Aktion teil“, hieß es dann noch

Wäre eigentlich auch ein Thema für Feministinnen, oder? Mal angenommen, man ist nach Amber Heard noch nicht völlig abgeschreckt.

„Genug Tränen“ ist ein „Aktionsbündnis“ …, das sich den Kampf gegen die gezielte „Entfremdung“ von Kindern und Elternteilen nach einer Trennung auf die Fahnen schreibt.

Tja, geschlechtergerechte Formulierung, geschlechtergerechter Inhalt. Yäy!!!

„Väteraufbruch für Kinder“ (VAFK) gehört zu seinen Partner- respektive Unterstützerorganisationen.

Und die taz schreibt natürlich nicht „Partnerinnen- respektive Unterstützerinnenorganisationen“, weil die bei der taz einfach davon ausgehen, dass das alles Männer wären. Klassiker.

Mit dem VAFK stellt sich da nun also eine ausdrücklich für die Rechte getrennter Väter streitende Vereinigung an die Seite einer Frau

Tja – wenn Frauen gegen Amber Heard sind, ist das ja auch nicht völlig unerhört. No Pun vermeidable. Aber ok, ist eine Situation, die man eher nicht erwartet hätte…

ein Ins-Tanzen-Bringen dessen, was man über die organisierten Väterrechtler zu wissen glaubte:

Nicht Instanzen, Ins Tanzen. Aber ja, „man“ ist die taz erstmal selbst. Möglicherweise lag sie einfach falsch? möglicherweise hat sie einseitig berichtet? Wer weiß das schon…

Das machte die leicht nach Kaffeefahrt klingende Ausflugseinladung interessant im journalistischen Sinne.

Angenommen, eine explizit feministische Organisation hätte genauso zu einer Mahnwache aufgerufen – würde die taz das auch „Kaffeefahrt“ nennen? Oder machen Feministinnen einfach keine Mahnwachen?

Haben die VAFK-Verantwortlichen einfach verstanden, dass die Solidarisierung mit Christina Block – wegen der Delling-Connection – maximale Aufmerksamkeit generiert?

Würde man einer explizit feministischen Organisation, die sich mit einem berühmten Mann solidarisierte, dasselbe unterstellen, oder solidarisieren sich explizit feministische Organisationen sowieso nie mit Männern? Ich frage für Johnny Depp. Außerdem könnten brilliante Analysen, wie sie die taz sicher hofft, erbringen zu können, eventuell entdecken, dass die „Solidarität“ so oder so nicht den Elternteilen, sondern den Kindern gilt.

Ist aufrichtiges Mitgefühl mit einer Mutter im Spiel, die von ihren Kindern entfremdet zu werden droht?

Würde die taz bei Feministinnen aufrichtiges Mitgefühl mit einer Mutter als Frage formulieren? Oder mit einem Vater, sofern das vorkommt?

Die taz hätte das gerne ausgeleuchtet, ja: gerne auch manche Vorstellung in den Köpfen mancher Le­se­r:in­nen ein wenig herausgefordert:

Ja, nee. Ist klar. Fangt vllt. erstmal bei Euren eigenen Leuten an, die an Vätern kein gutes Haar, keine mildernen Umstände und keine Unschuldsvermutung gelten lassen, wie ihn hier, und dann habt Ihr das Recht, Eure Leserschaft erziehen zu wollen.

Sind das am Ende doch keine verbohrten Mütterfeinde und Familienrichterinnenhasser, diese im Verein organisierten Berufsväter?!

Und schlagen sie in ihrer Freiheit eventuell doch keine kleinen Kätzchen mit Vorschlaghämmern tot? Ja, den versuchten Ansatz einer Selbstironie sehe ich, aber hier wird nicht über Vorurteile gelästert, die es irgendwie gibt, sondern um solche, die von der taz regelmäßig noch befeuert werden.

Aber daraus wird nun nichts. Hatte der Hamburger VAFK sich gefreut über unsere Zusage, lud der Bundesvorstand uns am nächsten, also Freitagmorgen wieder aus:

Na, wie bei Arne Hoffmann halt. Nur beklagt der, dass er dazu keine Erklärung erhielt. Wohingegen…

„Hintergrund ist“, schrieb man, „dass die taz schon seit Jahren immer wieder voreingenommen und abseits journalistischer Grundsätze über solche Themen berichtet hat.“

Tja. Es gibt auch Leute, die reden nicht mit der BILD. Wenn eine Zeitung immer vorne mit dabei ist, bestimmte Vorurteile zu erzeugen, und man will diese Vorurteile widerlegen, nimmt man dazu eben die Zeitungen, die diese Vorurteile eher nicht bedienen. Erstens wegen der höheren Erfolgswahrscheinlichkeit, und zweitens sollen Vorurteile nicht auch noch belohnt werden.

Den ehrenrührigen Anteil dieses Anwurfs, das mit dem „journalistischen Grundsätzen“, mal beiseite lassend: „Voreingenommenheit“ scheint für den VAFK alles darzustellen, was keine Sympathie ist, kein Applaus.

Ehrenrührig ist natürlich auch ein Titel wie „Väter auf Abwegen„. Kann ja sein, dass die beim VAfK wirklich alles als Voreingenommeheit betrachten, was keinen Applaus oder wenigstens Sympathie erkennen lässt, aber woher würde die taz das denn wissen? Aus eigener Erfahrung sicher nicht. Sonst könnte sie jetzt einen sachlich richtigen, kritischen, aber trotzdem unvoreingenommenen Beitrag zum Thema „Väterprobleme“ oder „Elterliche Entfremdung“ oder „Amber Heard“ verlinken. Einen wenigstens.

Und der offenbar „seit Jahren“ immer wieder gekränkte Stolz einer Organisation, vielleicht aber auch nur einzelner Funktionsträger darin, scheint dem „Väteraufbruch“ wichtiger als die Sache, um die es ihm angeblich geht: das Kindeswohl.

Denn merkt Euch, liebe Kinder, nicht die Onkeln und Tanten vom Väteraufbruch oder „Genug Tränen“ sind wichtig für Euer Wohl, oder eine hinreichend große Mahnwache, oder gar – und jetzt kratze ich aber wirklich am Wolkenkuckucksheim – dass sich Eure Eltern wieder vertragen, nein: nur die Berichterstattung durch die taz erzeugt Kindeswohl. Wenn diese eingeladen wird, nicht, wenn sie nur von weitem darüber berichtet. Wegen: Gründen.

 

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