Tja

Hachja.

Boom künstlicher Fingernägel:Fake-Nails sind nicht feministisch

Was jetzt irgendwie niemand behauptet oder gedacht hat – Geld in Körpererweiterungen zu stecken, ist eher Eitelkeit. Wer Eitelkeit mit Feminismus verwechselt, ist entweder sehr ironisch oder sehr unschlau.

Plastik-Fingernägel sind schwer en vogue. Dabei sind sie doch so unpraktisch! Warum sie als Symbol weiblicher Selbstermächtigung nicht taugen.

Weil sie unpraktisch sind, taugen sie nur etwas für Menschen, die körperliche Arbeit eher anderen überlassen. Das zementiert gewisse Rollenerwartungen. Aber das hätte man sich auch denken können.

Denn lange Fake-Nails für – meist – Frauen liegen im Trend. Trugen diese Art von Körperverzierung hierzulande früher vor allem Superblondinen wie Daniela Katzenberger oder geschmacksverirrte Teenager, sind es heute Frauen aus allen Milieus.

Es gibt eine Geschichte über eine Gorillagruppe, die mal gefilmt wurde. Der Silberrücken sieht eine Falle, die Wilderer aufgestellt haben. Für einen erwachsenen Gorilla ist sie zu klein, aber die Kleinen könnten sich daran verletzen oder sterben. Also tut er, was Führungskräfte in solchen Situationen eben tun: er veranlasst zwei Halbwüchsige, diese Falle zu zerstören. Evolutionär fortgeschrittene Alpha-Wesen überspringen den Teil mit dem Werkzeuggebrauch und lassen andere für sich arbeiten. Und wenn man die richtige Ausstrahlung hat, braucht man dafür auch keine langen Fingernägel.

Positiv überrascht war ich dagegen, als ich nun auf diversen Websites die lange und spannende Geschichte der Nagelkunst studierte. Schon seit dem Altertum doktert die Menschheit an ihren Nägeln herum. Ob Babylonier:innen, Kleopatra oder die männliche Elite der Ming-Dynastie

Arbeitsscheue Oberschichtler aus Deine Umgebung veräppeln Dich rund um die Uhr. Das kann sich jemand nicht etwa nur deshalb leisten, weil soe das Geld hat, nein, soe muss auch noch zusätzlich die Leute bezahlen, die dann alle Handgriffe verrichten, die man dann nicht mehr selbst verrichten kann. DAS ist Status.

Schöne lange Nägel galten als Statussymbol, denn sie zeigten, dass ihre Trä­ge­r:in­nen Handarbeit nicht nötig hatten.

Im Unterschied zu heute etwa? Ich denke, nicht.

Richtig populär wurden die langen Fingernägel in den 1980er Jahren durch die Airbrush-Nails der Schwarzen Sprint-Olympiasiegerin Florence Griffith-Joyner.

Die hier? Ja, Handarbeit brauchte die auch nicht.

Heute sind Fake-Nails Mainstream, und es werden erbitterte Diskussionen über kulturelle Aneignung geführt.

Ja, Babylon hat angerufen – die wollen ihre Kultur zurück: das 360°-System, die Astrologie, schriftliche Gesetze und den Pflug mit Saattrichter.

Zeitgleich wird die Plaste an den Händen inzwischen häufig als feministisches Statement verstanden.

D’oh!

Statt Muttis nett manikürtes Töchterlein ist frau jetzt lieber eine wehrhafte Raubkatze, die jedem, der ihr dumm kommt, die Augen auskratzen kann.

Ja, hat das eigentlich schon mal funktioniert? Mit künstlichen Nägeln jetzt? Ich glaube eher nicht, dass die Oberschicht der Ming-Dynastie oder Kleopatra wirklich die Dinger gegen sagen wir einen Bauernaufstand eingesetzt hätten.

Doch schon der Name ihrer extremsten Form – „Stiletto-Nails“ – zeigt, dass sich bei diesem angeblich so emanzipatorischen Akt das Patriarchat durch die Hintertür eingeschlichen haben könnte.

Das war nicht die Hintertür, das war der Haupteingang – wer sich von der Arbeiterschaft nicht nur symbolisch, sondern auch praktisch trennt, hat sich mit der Oberschicht gemein gemacht. Ein weiterer Beleg für die Wirkmächtigkeit der Gehirnwellenstrahler!

Auch Schuhe mit Pfennigabsätzen behindern eher, als dass sie befreien.

Gehirnwellenstrahler, eindeutig!

Feministisch sind die Nails schon allein deshalb nicht, weil echte Fe­mi­nis­t:in­nen immer auch Unterprivilegierte mitdenken.

Denn wenn Ihr echte Feministinnen wäret, würdet Ihr den Scheiß gar nicht machen! Passt auf, gleich gibt’s Solidarität auf Knopfdruck.

Doch oft werden die äußeren Extremitäten von Billiglöhnerinnen getunt

Seht Ihr?

Ladys, hört endlich auf, euch wie das größte Kunstwerk eures Lebens zu betrachten und packt mit an. Zu tun gibt es schließlich genug.

„Menschenbienen, die Natur,

Gab sie Euch den Honig nur?

Seht die Drohnen um Euch her!

Habt Ihr keinen Stachel mehr?“

Das Gedicht spricht auch weibliche Personen an! Gleichberechtigung!

2 Gedanken zu “Tja

  1. Schöne lange Nägel galten als Statussymbol, denn sie zeigten, dass ihre Trä­ge­r:in­nen Handarbeit nicht nötig hatten.

    Sie sagen es selbst, aber ach, erfassen können sie’s nicht.

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  2. Profi-Tipp:
    Nimm deine natürlichen Nägel, lass sie nicht zu lang wereen und arbeite was Grobes in der Metall- oder Chemieindustrie.
    Da arbeitest du mit Schutzhandschuhen und die Körperpflege nach Feierabend gilt (zumindest teilweise) als Arbeitszeit.
    Du verdienst vergleichsweise gut (Tarif IGM oder IG BCE) und kannst vollkommen aufgebrezelt das Werksgelände verlassen, inkl. gestylten Nägeln.

    So gesehen in der Chemieindustrie. Besagte Kollegin hat übrigens in der Abwasseranlage gearbeitet und ist buchstäblich durch die Scheiße gewatet. Ja, das gibt es.

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