Nachts im Dunkeln

Wie unter anderem hier schon mal thematisiert, aber auch bei Twitter, ist eine weitere Idee für eine bessere Welt, dass Männer einfach die Straßenseite wechseln, wenn sie im Dunkeln eine Frau sehen. Nicht zum Selbstschutz, natürlich. Weil Frauen nachts im Dunkeln sonst zu viel Angst hätten.

Die Idee wird aus mehreren Gründen abgelehnt, nämlich

  • das eigentliche Problem wird nicht gelöst: die Männer, die Frauen überfallen wollen, interessieren sich nicht für deren Gefühle, und werden schon deshalb nicht die Straßenseite wechseln, weil sie die Frau überfallen wollen.
  • diejenigen Männer, die tatsächlich die Straßenseite wechseln, hätten die Frau so oder so nicht überfallen wollen, d.h., das eigentliche Risiko, also die statistische Wahrscheinlichkeit, einem Überfall zum Opfer zu fallen, ändert sich nicht.
  • wenn die eigentliche Gefahr gleich groß bleibt, gibt es auch keinen Grund, weniger Angst zu haben.
  • die gefühlte Gefahr mag sich reduzieren, aber der reale Nutzen steht in keinem gescheiten Verhältnis zum Aufwand.
  • Frauen, die das anders sehen, würden ja einfach selbst die Straßenseite wechseln.
  • es gibt weiterhin auch logistische Probleme: wie wäre bspw. zu verfahren, wenn auf beiden Straßenseiten Frauen unterwegs wären; geht der Mann dann in der Straßenmitte und lässt sich ggfs. überfahren?
  • die meisten Fälle von Gewalt gegen Frauen passieren zu hause, nachts auf der Straße ist es jedenfalls rein statistisch ungefährlicher für Frauen.
  • rein statistisch ist die Gefahr für Männer nachts auf der Straße tatsächlich größer als für Frauen, insofern müssten Männer auch von Männern, und sicherheitshalber von allen Menschen, fordern können, nachts die Straßenseite zu wechseln, weil man das Geschlecht einer Person im Dunkeln eher schlecht „lesen“ kann.
  • die erwähnten logistischen Probleme steigern sich dann ins Unpraktikable, was der Idee den Garaus macht.

Außerdem: irgendwas mit Gleichberechtigung. Und ich bin gegen Sippenhaft.

2 Gedanken zu “Nachts im Dunkeln

  1. „rein statistisch ist die Gefahr für Männer nachts auf der Straße tatsächlich größer als für Frauen, insofern müssten Männer auch von Männern, und sicherheitshalber von allen Menschen, fordern können, nachts die Straßenseite zu wechseln, weil man das Geschlecht einer Person im Dunkeln eher schlecht „lesen“ kann.“

    Tatsächlich gehe ich nachts allen Menschen aus dem Weg, eben weil ich weder Bock auf Attacken noch auf Falschbeschuldigungen (bzw. Unterstellungen) habe.

    Bin aber selten abends/nachts unterwegs. Bin lieber bei meiner Familie.

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