Hold my Energy-Drink

FIFA-Präsident Infantino zeigt, dass er Humor hat, und nimmt zahllose Arten von -ismen ironisch auf die Schippe.

Mit Blick auf TERFs und TRA, aber sicher auch in Anspielung auf die Person, die sich als gehbehindert identifiziert, und natürlich Kennedys berüchtigte Pfannkuchen Berliner-Rede, proklamierte er:

Heute fühle ich sehr starke Gefühle, heute fühle ich mich als Katarer, heute fühle ich mich als Araber, heute fühle ich mich afrikanisch. Heute fühle ich mich homosexuell. Heute fühle ich mich behindert. Heute fühle ich mich als Arbeitsmigrant.

Gefühlte Gefühle – wer könnte dagegen etwas haben?

Er sei sehr still in den letzten Monaten gewesen und habe hinter den Kulissen gearbeitet und beobachtet und sein Bestes getan, so der Funktionär.

Denn, natürlich, er musste den satirischsten Beitrag zur WM selbst schreiben, um der harten Konkurrenz den Wind aus den Segeln zu nehmen. Indem Leute bspw. zum Postillion sagen: „Ja, ganz witzig, aber Infantino hatte doppelt so viele Lacher pro Minute.“

„Ich bin der Sohn von Gastarbeitern, meine Eltern haben hart gearbeitet, in der Schweiz. Ich hatte rote Haare, Sommersprossen, wurde ausgeschlossen. Man muss Freunde machen. Nicht andere beschimpfen, anklagen, sondern sich engagieren. Das wollen wir hier tun.“

Jetzt hat er eine Glatze. Wir hoffen mal, dass er die von Natur aus hat, und nicht, weil er sich seiner Haarfarbe schämt. Privat ist er ein Arbeiter in der freundemachenden Industrie, worin er dem Vernehmen nach ganz erfolgreich ist.

„Ist nicht gut, nicht richtig. Es muss etwas passieren“

Eine Zeile, wie man sie sonst nur von Loriot oder Kishon gewohnt ist. Und – aber da natürlich völlig ironiefrei – von ungefähr jedem 2. Politiker.

25.000 Menschen sind seit 2014 als Folge der europäischer Migrationspolitik gestorben. Warum fordert niemand, dass die Familien dieser Menschen entschädigt werden?

Der Whataboutismus, um allen Whataboutismus zu beenden – viele träumten davon, aber jetzt, in dieser Stunde, ist uns klar: Whataboutismen bringen gar nichts! Problem gelöst.

Sind sie weniger wert? Europäische Firmen verdienen hier Millionen. Wie viele haben sich um die Wanderarbeiter geschert? Niemand. Wir schon. Die Fifa und Katar.

Die ganzen Dokus über Qatar, Fifa und Migration sind natürlich alle gedreht worden, um mit dem Unglück anderer Leute Einschaltquoten und damit Geld zu machen. Endlich sagt es jemand.

Diese moralischen, einseitigen Lektionen aus Europa sind bigott. Warum sieht niemand die Fortschritte? Mindestlohn, Schutz vor Hitze, Abschaffung des Kafala-Systems? Reform und Wandel braucht Zeit.

Russland ist vier Jahre nach der WM ja auch noch nicht ganz als demokratischer Rechtsstaat etabliert, der mit seinem Nachbarn in Harmonie lebt und international sehr geachtet wird. Also: was sind auch schon ganze vier Jahre?

Zudem würde die Fifa eine Anlaufstelle für Arbeitsmigranten einrichten wollen, nur noch Formalien würden fehlen.

Immer diese Migranten, die unterwegs ihre Pässe verloren haben. Aber man darf denen nicht böse sein, so eine Reise über zwei Kontinente zu Fuß ist schon schwierig.

„Wie viele dieser westlichen Unternehmen, die hier Milliarden von Katar erhalten, wie viele von ihnen haben über die Rechte von Arbeitsmigranten gesprochen? Keiner von ihnen“

Genau, Budweiser: beim nächsten Mal kommt ihr gar nicht in die Nähe vom Station! Geschieht Euch Recht, immer nur an Euren Umsatz zu denken und nie an die armen Gastarbeiter, die nach Feierabend gerne mal ein Bierchen trinken würden.

„Wer kümmert sich um die Arbeiter? Wer? Die Fifa macht das, der Fußball macht das, die WM macht das, und, um gerecht zu sein, Katar macht es auch.“

Spätestens jetzt würde das ganze Stadion wegen der Spitzen-Satire lachend auf dem Boden rollen, aber Infantino setzt noch einen drauf, um zu zeigen, wer hier das Alpha-SaTIER ist:

„Diese Art und Weise, einseitig Lektionen erteilen zu wollen, das ist heuchlerisch“

Eulenspiegel und Titanic können jetzt erstmal Urlaub machen.

2 Gedanken zu “Hold my Energy-Drink

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