Woke oder nicht Woke?

Zu diesem Thema gibt es eine gewisse Definitionsunschärfe, was genau „woke“ eigentlich ist.

Also keine Ahnung, was die „richtige“ Definition ist, aber weil woke „wach“ oder „erwacht“ bedeutet, würde ich vermuten, dass damit ein Bewusstsein für soziale Ungerechtigkeiten gemeint sein soll. Was ja erstmal ok ist.

Die schlimme Art Woke ist, wenn sich „der Film“ (oder die Serie, etc.) nur bestimmter Ungerechtigkeiten bewusst ist, andere aber ignoriert (es wird also nicht etwa so dargestellt, dass die andere Ungerechtigkeit die mehr oder weniger gerechte Reaktion auf die erste sei), wenn bestimmte Menschen nie Fehler oder Schwächen haben, bestimmte andere aber immer, und wenn die Botschaft wichtiger ist als die Geschichte.

Man vergleiche „Wakanda“ und „Woman King„. Im ersteren Film stellt die Hauptfigur fest, dass ihr Staat in der Vergangenheit moralische Fehler begangen hat, die jetzt es zu korrigieren geht. Im letzteren wird die moralisch fragwürdige Rolle des Staates der Heldinnen zur Gegenwart der Handlung offenbar ignoriert. Beides ist woke, weil es Sklavenjagd auf Afrikaner thematisiert, aber man kann eines davon deutlich besser finden als das andere.

Oder die Resident-Evil-Film-Reihe. Nachdem ich über RdM so viel gelästert habe, will ich nicht so tun, als wäre das eine besonders werktreue Verfilmung der Computerspielreihe.

Um das man einzuordnen: stellt Euch vor, dass bei der HdR-Trilogie Sauron am Ende von Teil 1 den Ring zurückbekommt und Mittelerde in Mordor verwandelt, aber ein Hobbit (der in den Büchern gar nicht vorkam) hat irgendwie überhobbitische und magische Kräfte und nimmt den Kampf auf.

Aber so, wie die Geschichte von einem Überhobbit in der Ödnis von Mittelerde ja trotzdem coll sein kann, finde ich es auch schön, Alice zuzusehen, wie sie sich durch die Zombie-Apokalypse schnetzelt. Obwohl ich jeden Fan der Videospiele verstehe, der die „Alice“-Reihe nicht mag.

Es ist aber nicht „woke“ im schlechten Sinn, evt. noch nicht einmal überhaupt woke. Ja, die Hauptperson ist eine Frau (mit übernatürlichen Superkräften), und die Schurken sind die Mitarbeiter eines bösen Groß-Konzernes, ABER:

  • die Superkräfte werden zumindest ansatzweise erklärt; jetzt hat sie sie, jetzt wieder nicht, wegen: „Wissenschaft“ – anstatt einfach zu sagen, dass Frauen einfach immer so toll sind
  • die Superkräfte werden zum Wohl der Menschheit – oder was davon noch übrig ist – eingesetzt, znd Alice ist nicht gerade glücklich, dass sie die hat
  • andere Frauen und sogar Männer sind ohne Superkräfte immer noch kompetente Mitstreiterinnen und -streiter, bzw. gefährliche Gegner; niemand muss dumm oder unfähig sein, nur damit Alice glänzen kann
  • Alice stürzt sich öfters mal alleine ins Gefecht, aber nicht, um anzugeben, sondern um andere aus der Schusslinie zu halten

Jetzt sicher nicht der Meilenstein an perfekter feingeistiger Charakterzeichnung, aber eben auch nicht moralisierend-pädagogisch motiviert.

Oder um zu zeigen, dass man nichts gegen starke Frauen hat.

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