Lobo doppel+ unwoke!

Nun, obwohl er in seinem Podcast auch mal seine Frau vorkommenlässt, statt externer Männer (Grüße @pinkstinks), war natürlich schon immer klar, dass das nur ein scheinbarer Feminist sein kann. Seine Ex hat nämlich ein ganzes Buch geschrieben, warum die Welt ein besserer Ort wäre, wenn Frauen sich ihre Männer selbst aussuchen dürften, anstatt irgendwelche bekannten Journalisten mit Hahnenkammfrisur nehmen zu müssen. Incel-Bibel! Wenn er feministisch wäre, wäre das nicht passiert. Oder sie hätte ihn halt behalten.

Naja, Lobo ist jetzt „sexist man alive„! Sic, sexist. Weil er einer Frau ihren Job erklärte. Und zwar nicht irgendwas mit Medien, sondern Prostitution. Mehr Mansplaining geht schon rein physikalisch nicht. (Ja, „Prostituierte“ ist genderneutral, und es gibt auch männliche Prostituierte, aber nur, weil man mehr Frauen in männerdominierten Berufen sehen möchte, heißt das ja nicht, dass das umgekehrt auch so ist.)

»Stellvertretend für diese Berliner Blase und woke Möchtegern-Meinungsmeier, die im Namen des Feminismus ›sexpositiven‹ Neu­sprech predigen, ernennen wir darum hiermit Sascha Lobo zum Sexist Man Alive 2022!«

Ja, die Älteren werden sich erinnern, die epischen Schlachten zwischen den Utraquisten und der Amtskirche, ob man der Gemeinde Jesus in beiderlei Gestalt verabreichen sollte, oder nur als Brot. Ähnlich kleinteilig sind die Glaubensunterschiede zwischen sexpositiven und sexnegativen Feministen. Oder anders: glaubt irgendwer – bei allen sonstigen Meinungsverschiedenheiten – ehrlich, dass Lobo Zwangsprostitution gut findet? Oder Menschenhandel auf diesem Umweg propagieren will?

Hier wird das etwas weiter ausgeführt – die Sendung sollte eigentlich gar keine Debatte zum Thema „Prostitution – verbieten oder legal lassen?“ sein, insofern sollte man es auch der Moderation ankreiden, dass das so aus dem Ruder lief, und eigentlich gab Lobo auch Ansichten wieder, die von weiblichen Feministen vertreten werden, wie dem Juristinnenbund (yay), aber nagut. Lobo hat übrigens eine alternative Erklärung, warum er der Böse ist:

»Leider muss ich befürchten, dass mein öffentliches Eintreten für die Rechte von trans Personen und insbesondere trans Frauen sowie mein Podcast im Mai  mit dem Titel ›Alices Schwarzers Lumpen-Pazifismus‹ eine Rolle bei der Preisverleihung gespielt haben. …

Achja, der nicht nur pro-und-contra-Prostitution, sondern auch „TERF vs. TRA – Kampf ohne Gnade!“.

… Insofern ist der Preis gar nicht an mich gerichtet, sondern an andere Menschen mit dem Signal: Engagiert euch auf keinen Fall feministisch für Sexworker*innen und für trans Frauen.«

Eigentlich ist das Signal: Engagiere Dich nicht als Mann für Sexarbeiterinnen und Transfrauen, aber Dein Engegement für Sexarbeiter und Transmänner ist egal. Den Feministinnen vom Schwarzer-Typ jedenfalls.

Vor Sascha Lobo ging der Negativpreis wegen der Diskriminierung von Frauen in der katholischen Kirche an Papst Franziskus (2021), wegen Anzüglichkeiten in einer Rede an FDP-Chef Christian Lindner (2020) und wegen frauenfeindlicher Texte an den Rapper Kollegah (2019).

Tja, großes Aufatmen bei den Mullahs im Iran – die haben Prostitution nämlich komplett verboten. Im Unterschied zur Katholischen Kirche, der FDP und der Rapperszene, die irgendwie alle zumindest prinzipiell an die Willensfreiheit glauben und daher etwas weniger regide in der Frage der „Freiwilligkeit“ oder Freiwilligkeit sind. (Oder die Mullahs glauben da zwar auch dran, wollen das aber nicht haben.) Was jetzt nicht heißt, dass es im Iran keine Prostitution gäbe, sondern nur, dass man Prostituierte nicht von Nicht-Prostituierten unterscheiden kann, die gerade auf den Bus warten oder so. Verdammte Kleidervorschriften!

Aber – wie in der Nachbarkolumne zu lesen ist, Lobo verdient Geld damit, dass er beschimpft wird. (Die Frage, wie behindertengerecht so ein Pflaster ist, hängt wohl auch von der Verarbeitung ab, aber für einen Kinderwagen sollte es ok sein…) Insofern unterstützt die EMMA sein Geschäftsmodell. Herzlichen Glückwunsch!

Ein Gedanke zu “Lobo doppel+ unwoke!

  1. Hmmmm… ich nehme an, bei der Emma „arbeiten“ nur dumme Feministen (w).

    Prostitution ist halt, wenn Du zu jung, dumm und/oder gutaussehend bist, um als Klofrau arbeiten zu müssen, und zu widerlich, um Frende zu haben. Das ist also, wenn es denn ein Problem ist, ein reines Frauenproblem. Und da in der gesamten Menschheitsgeschichte nicht eine einzige Frau irgendein Problem gelöst hat, wird es das auch bleiben. Kein Mann hat damit ein Problem. Es gibt Männer, die Nutten bezahlen, und Männer, denen das egal ist. Und natürlich Nils, der aber halt mal gar nichts kann.

    Ich hab zum Thema Prostitution gerade einen Artikel geschrieben: https://lollipops4equality.wordpress.com/2022/10/27/loverboys/

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