Können Frauen Maskulisten sein?

Oder, wie dieser namenlose Beitrag bei pinkstinks fragt, der die Autorin natürlich unsichtbar macht:

KÖNNEN FRAUEN ANTIFEMINISTINNEN SEIN?

Natürlich können sie das. Frauen können alles.

„Wer braucht heute noch Feminismus?“, „Frauenquote ist albern, ich will keine Extra-Behandlung“, „Diese frustrierten Feministinnen wollen bloß alles verbieten“.

Was nutzt die beste Frauenquote, wenn selbst bei einer feministischen Seite ein Mann „das Gesicht“ ist? Aber ja…

So klingt es, wenn Frauen sich antifeministisch äußern.

Technisch gesehen ist jemand, der sich nicht für eine Sache einsetzt, nicht automatisch dagegen. Wer bspw. nicht für ein Paritätsgesetz ist, ist nicht zwingend gegen das Frauenwahlrecht.

Dass sie das tun, liegt am Patriarchat. Genauer gesagt:

An den Hirnwellenstrahlern, die beim Patriarchat unten im Keller stehen. Ganz schön hohe Stromrechnung, aber was muss, dass muss.

an verinnerlichten Vorstellungen davon, was in einer patriarchalen Gesellschaft akzeptabel ist.

Ganz wichtig, liebe Kinder: wenn Ihr in irgendeinem Punkt anderer Meinung seid als Tante Feminismus, dann liegt das nicht daran, dass Ihr andere Interessen, Ziele, Ideen oder Gedanken habt, sondern dass Ihr leicht zu manipulieren seid, und Eure Meinung ist in einer feministischen Gesellschaft nicht akzeptabel.

Unter Antifeminismus versteht man gesellschaftliche, politische oder religiöse Strömungen, die sich bewusst gegen Feminismus und feministische Anliegen richten

Aber wenn sich jemand wegen Hypnosestrahler verinnerlichtem Patriarchat dagegen entscheidet, ist das doch unbewusst und daher gemäß dieser Definition nicht Antifeminismus?

wie zum Beispiel Gleichberechtigung, Selbstbestimmung der Geschlechter oder auch die Überwindung von Sexismus.

Nun, wenn jemand der Ansicht wäre, dass bspw. eine Frauenquote in die Selbstbestimmung der Geschlechter eingreift, keine Gleichberechtigung ermöglicht und/oder Sexismus verstärkt, wäre das dann Anti-Feminismus oder doch eher Pro-Feminismus?

Antifeminismus möchte, dass alle weiblichen Personen ihren Platz kennen und da gefälligst bleiben.

Nun, dann wären die obigen Beispiele kein Antifeminismus – die jeweiligen Frauen wollen ja auf jeden Platz, der ihnen gefällt, sind aber der Ansicht, dass sie dazu keinen Feminismus bräuchten. Bzw. nicht den heutigen.

Beim Feminismus geht es hingegen darum, dass alle die gleichen Chancen haben und ein selbstbestimmtes Leben führen können.

Schon klar. Das Problem, oder besser die Gegnerinnen, die Feministinnen hier sehen, sind aber nicht die Leute die sagen, dass nicht alle Menschen gleiche Chancen haben sollen, sondern die, die sagen, dass sie gleiche Chancen haben.

Dabei müssen verschiedene Formen von Diskriminierung mitgedacht werden, um viele unterschiedliche Perspektiven und Lebensweisen sichtbar zu machen – Stichwort Intersektionalität.

Jaja, die Theorie, dass Lesben schlimmer behandelt würden als Schwule, weil sie homosexuelle und weiblich sind. Aber da es Schwulen schlechter geht und vor allem ging, ist das mit dem Aufaddieren entweder komplizierte als gedacht, oder Frauen werden gar besser behandelt als Männer, und Schwulen geht es schlechter, weil homosexuell+männlich.

Ein wichtiges Anliegen des Feminismus ist es beispielsweise, dass Menschen nicht wegen ihres Geschlechts benachteiligt werden sollen.

Sondern bevorzugt!

Das betrifft in unserer Gesellschaft nun mal in erster Linie nicht-männliche Personen.

Ja, weder-männlich-noch-weibliche Personen sind tatsächlich eine ziemlich kleine Minderheit.

Wie kann es dann sein, dass ausgerechnet Frauen antifeministisch sind?

Erstens, weil Eure Definition, von Antifeminismus nicht unbedingt auf die Frauen in eurem Beispiel zutrifft, und die daher gar nicht „anti“feministisch sind. Zweitens: weil die Frage, wer am meisten von Gleichberechtigung profitiert und wer nicht, teilweise nicht so eindeutig ist, wie Ihr immer tut.

Einige Frauen glauben, Feminismus hätte schon alles Wichtige erreicht und wäre heute unnötig.

Kommt einerseits darauf an, was „wichtig“ ist, und andererseits tatsächlich auch darauf, was man üer Gesetz regeln kann oder sollte. Wahlrecht ist etwas anderes als die Arbeitsteilung von Elternpaaren.

In Deutschland dürfen Frauen doch inzwischen wählen, arbeiten und sogar Bundeskanzlerin oder Außenministerin werden.

„Inzwischen“ heißt hier nicht: „Seit drei Jahren“. Ich finde es übrigens witziger, dass Frauen als Verteidigungsminister weniger Probleme sein sollten als frühere Zivis als Verteidigungsminister. Was angeblich nicht ginge, wie man mir mal in der Zivizeitung erzählte…

Familie und Karriere – alles möglich, also alles gut.

Es gibt tatsächlich unterschiede zwischen Theorie und Praxis, aber wenn Frauen nicht nur in der juristischen Theorie, sondern auch in der politischen Praxis werden können, was sie wollen, sind verbleibende Probleme offensichtlich keine, die durch Gesetzesänderungen gelöst werden könnten.

Sie blenden dabei die Ungerechtigkeiten aus, die es noch immer gibt.

Es wird leider Gottes immer Ungerechtigkeiten geben, solange es Menschen gibt. Aber in einem Rechtsstaat gibt es Rechtsmittel und Rechtswege.

Zum Beispiel, dass Verhütung inklusive aller Nebenwirkungen noch immer Sache von Menschen mit Uterus ist, obwohl sie in einem Zeitraum von neun Monaten deutlich weniger Kinder zeugen können.

Welches Gesetz sollte es denn geben, dass die Verhütungsverantwortung regelt? Warum sollte es so ein Gesetz geben? Oder, wenn man kein solches Gesetz will, wie sollte man das denn sonst regeln?

Oder, dass Frauen und weiblich gelesene Personen öfter Opfer von Gewalttaten werden.

Die meisten Opfer von Gewalt sind Männer oder wurden jedenfalls dafür gehalten. Aber ja, das ist irgendwie sexistisch – sollte man jetzt Geschlechterquoten bei Gewaltopfer einfordern?

 Oder, dass sie von Ärzten*innen weniger ernst genommen werden

Menschen, die man „Ärzteninnen“ und „Ärzten“ nennt, nehmen einen grundsätzlich nicht ärnzt. Aber – und das ist das schöne – geschlechtsunabhängig.

Außerdem vergessen sie dabei, dass ohne jahrzehntelange feministische Kämpfe das Meiste noch immer nicht möglich wäre.

Und ohne den Einmarsch der Russen hätte der 2. Weltkrieg vermutlich viel länger gedauert. Trotzdem will man nicht mehr, dass Russen irgendwo einmarschieren.

Sie profitieren bewusst oder unbewusst davon, dass Feminist*innen sich engagiert haben – und es weiterhin tun.

Wenn sich jemand für mich engagiert, ohne dass ich ihn darum gebeten habe, und ohne dass ich darauf angewiesen bin, muss ich mich selbst nicht dafür engagieren. Insbesondere darf ich mich dafür entscheiden, doch eine andere Partei zu wählen, die meine Interessen und Prioritäten vllt. besser verfolgt.

Vor allem aber ignorieren sie, dass auch bereits errungene Rechte und Freiheiten gar nicht automatisch für immer existieren

Das gilt sinngemäß für alle, nicht nur für Frauen.

 Dazu reicht ein kurzer, bitterer Blick nach Polen oder in die USA.

Auch da haben Frauen das Wahlrecht, und aus Gründen, die männerfeindlich sind, die absolute Mehrheit aller Wahlberechtigten.

Manche Frauen halten zum Beispiel die Frauenquote für ungerechte Vorteilsbeschaffung. Ihr Argument: Frauen sind heute gleichgestellt und sollen deshalb aufgrund ihrer Fähigkeiten und nicht wegen ihres Geschlechts gefördert werden.

Eigentlich wäre das Argument: Frauen brauchen überhaupt nicht „gefördert“ werden. Aber man beachte die Vokabel „gleichgestellt“.

Darin steckt ein Denkfehler: Frauen sind eben nicht gleichgestellt.

Der Denkfehler (bzw., in Wahrheit ist es Absicht) ist der, dass es um Gleichstellung ginge statt um Gleichberechtigung.

Das ist so wie bei einem Wettrennen. Klar soll die schnellste Person gewinnen.

Von allen möglichen Bereichen ist der Sport die Stelle, wo Frauen am meisten auf Safe-Spaces achten. Wegen Menschen mit körpereigenen Drüsen, die ein Dopingmittel produzieren und solchen ohne diese Drüsen.

Wenn jedoch ein*e Teilnehmende*r viel weiter hinten loslaufen muss, ist das dann ein faires Rennen? Eben.

Das ist eine falsche Analogie. Die richtige Analogie wären Wettrennen zwischen 15 Rechtshänder und 5 Linkshänder, bei denen im Schnitt dreimal so viele Rechtshänder wie Linkshänder gewinnen. Um Linkshänder zu fördern, wird angeordnet, dass 50% aller Sieger Linkshänder sein müssen. Ja, es gibt anteilig mehr Frauen als Linkshänder, aber dann sollte die Vorschrift sein, dass nicht mehr Männer als Frauen am Wettbewerb teilnehmen dürfen.

Natürlich gibt es gut verdienende Frauen in Spitzenpositionen. Dazu braucht es allerdings männliche Akzeptanz in einer nach wie vor männlich dominierten Geschäftswelt.

Die Frauen in diesen Positionen – wollen die eigentlich, dass ihnen per Quote vorgeschrieben wird, wen sie einstellen dürfen und wen nicht? Spitzenpositionen mögen keine Vorschriften, die sie nicht selbst eingeführt haben.

Und dafür müssen diese Frauen sich anpassen und männlich wirken.

Und Überstunden machen. Man fragt sich, was schlimmer ist.

Erinnert sich zum Beispiel jemand an den Aufruhr, als Angela Merkel statt Hosenanzug mal ein tief dekolletiertes Kleid trug?

Ja, aber waren das nicht hauptsächlich die politischen Gegner? Nebenbei wirkte sie auch im Hosenanzug nicht besonders männlich.

Auch ein gerechtes Gehalt hat weniger mit Selbstbewusstsein zu tun. Sondern damit, dass weibliche Arbeit geringer geschätzt wird.

Äh, doch? Selbstbewusste Menschen sind unter anderem besser im Verhandeln. Aber ja, GPG.

Und damit, dass Frauen von klein auf beigebracht bekommen, bescheiden zu sein. Deshalb fällt ihnen hartes Verhandeln manchmal schwer.

Mir fällt hartes Verhandeln auch schwer. Kriege ich jetzt meinen Quotenplatz?

Außerdem geht es beim Bild der Karrierefrau oft darum, dass einige wenige – und deshalb vermeintlich besonders „fähige“ – Frauen es nach oben schaffen.

Wieso „fähig“? Sind Karrierefrauen in Wahrheit nicht fähig?

Dass es sie doppelt so viel Kraft und Kompetenz kostet wie ihre männlichen Kollegen, wird dabei ignoriert.

Wer misst das eigentlich? Ab einem bestimmten Punkt in der Karriere kommt man ohne Überstunden und Extraeinsatz auch als Mann nicht weiter. Wäre vllt. interessant, ob dieser Punkt bei Frauen eher kommt, oder vllt. sogar erst später.

Genauso wie die Tatsache, dass es viele andere fähige Frauen gibt, die es aus strukturellen Gründen eben nicht schaffen.

Es gibt auch fähige Männer, die es aus „strukturellen“ Gründen nicht schaffen. Die Struktur ist, dass es meist mehr geeignete Bewerber(m/w/d) gibt als Plätze.

Sexismus im Job zu verneinen oder herunterzuspielen und die Verantwortung in der Einzelnen zu sehen und nicht in den Strukturen, ist unsolidarisch.

Ja, aber man kann Sexismus bekämpfen und TROTZDEM gegen Quoten sein.

Es gibt tatsächlich Frauen, die Feminist*innen noch als frustrierte, verbitterte, alles verbietende Männerhasser*innen sehen.

Na, und? Es gibt auch böse Vorurteile gegenüber Incels.

Obwohl es im Feminismus eben genau nicht ums Verbieten geht, sondern um mehr Chancen – aber halt für alle Geschlechter.

Frauen haben die Erlaubnis, alles zu tun, was sie wollen.

Antifeministinnen wollen auf keinen Fall mit dieser vermeintlichen Verbitterung in Verbindung gebracht werden.

Jaaaaa, eine Seite, die kritisiert, dass eine (von mehreren) Waschstraßen in Laatzen bei Hannover (nicht Hamburg, aber immerhin) eine Werbung hat, die nicht nur wegen des Seifenschaumes „schlüpfrig“ ist, kommt schon so ein bisschen wie eine strenge Gouvernante rüber.

Ein Grund: Dadurch geht ihnen männliche Anerkennung verloren.

Ein anderer: eine Werbung mit einer halb bekleideten Frau ist einer Frau entweder egal, und sie geht trotzdem hin, oder sie findet’s doof und geht woanders hin, oder sie steht drauf und geht deshalb dahin. Frauen, die Männern erzählen, wie geil sie halbnackte Frauen in der Werbung finden, wollen auf diese Weise meist mitteilen, dass sie nicht so auf Männer stehen, sorry.

Doch dass die überhaupt so wichtig ist, gehört zum Kern des Problems.

Wenn weibliche Anerkennung für Männer wichtig ist, stört das ja auch niemanden bei Pinkstinks.

Für manche Frauen ist der Satz „Du bist so anders als die anderen“ ein großes Kompliment.

Und für Männer nicht? Oder gibt es Frauen, für die „Du bist genauso wie die anderen“ ein größeres Kompliment wäre? Empathie und so, liebe Kinder, ist gaanz wichtig.

Egal, ob sie damit als weniger zickig oder emotional, als tougher, sportlicher oder weniger sexuell aktiv bezeichnet werden.

Für Männer gilt sinngemäß dasselbe. Gleichberechtigung!

Sich von anderen Frauen – wie Feministinnen – abzugrenzen, bringt kurzzeitig (männliche) Akzeptanz: Du bist eine von den Guten!

Wieso jetzt „kurzzeitig“? Aber ja: „Die anderen sind alle doof, deswegen mach‘ ich Dir den Hof!“

Heißt übersetzt aber: Du passt dich dem Patriarchat an und störst nicht.

Jaaaa, aber umgekehrt passiert ja genau dasselbe – Männer, die ihren Feminismus als Balzverhalten vor sich her tragen. Trotzdem wird ja zumindest bei einigen Männern unterstellt, dass die aus Überzeugung und nicht für Kekse Feministen wurden, also kann man das auch im umgekehrten Fall für Frauen unterstellen.

Und das wiederum können diese Männer dann als Rechtfertigung benutzen, um zu sagen: „Seht ihr? Das ist eine Frau und sie findet Feminismus auch doof!“

Ohh, nein! Wie furchtbar! Aber Pickert ist ja nicht nur als Alibi-Quotenmann bei Euch, sondern weil…?

Ein anschauliches Beispiel für eine antifeministische Strömung sind die sogenannten Tradwives.

Ach Gottchen, wie schlimm. Frauen, die einen anderen Lebenstil gut finden als IHR?

Sie definieren sich als Frauen, die sich bewusst für ein Leben ausschließlich als Hausfrau und Mutter entscheiden und dabei Erfüllung finden.

Und manche Frauen laufen Marathon. Kein Kinkshäming hier, bitte! Fordern die die Abschaffung des Frauenwahlrechtes? Wenn nein, wo ist das Problem???

Jeder Mensch sollte das Recht haben, auf eigene Weise glücklich zu sein. Doch die Tradwives setzen sich für eine weibliche Rollenvorstellung ein

Und? Solange die Marathonläuferinnen mich nicht zwingen, mitzumachen – und wie könnten sie das? – wo? IST? Das??? Problem?

Erstens orientiert sie sich nur an heteronormativen Familienvorstellungen: Mama, Papa, Kinder.

Wenn die Heteras sind? Kein Kinkshäming! Keine Vorwürfe wegen anderer Leute Sexualität!

Zweitens können sich längst nicht alle diese Rollenaufteilung leisten, weil sie auf zwei Einkommen angewiesen sind.

Es können sich auch nicht alle Ski-Urlaube leisten. Also am besten verbieten. (Aber ja, es ist ein „Privileg“, wenn sich das nicht alle leisten können.)

Drittens ist das Ideal der Kleinfamilie mit der aufopferungsvollen Hausfrau mitnichten naturgegeben…

Kollege Uepsilonniks hat dazu mehr zu sagen.

Und viertens wertet die Tradwives-Bewegung andere Lebensentwürfe ab und stellt gesellschaftliche Errungenschaften infrage

Wir leben in einem Land, in dem die Abbildung einer halbnackten oder dreiviertelnacken Frau, oder gar völlig unbekleidet, keine Sittenpolizei auf den Plan ruft. Dies ist eine gesellschaftliche Errungenschaft, die von pinkstinks infrage gestellt wird. Also: Keks.

Das immer wieder zu propagieren, kann konkrete Auswirkungen auf das Leben anderer Frauen haben, die eben nicht nur Hausfrau sein wollen oder können.

Warum? Warum sollte eine Frau von allen möglichen Menschen mit unterschiedlichen Zielen sich ausgerechnet von denen Schuldgefühle einreden lassen?

Antifeminismus steht im Kern rechter Ideologien, reicht aber bis in die Mitte der Gesellschaft hinein.

So vage, wie die „Antifeminismus“ definieren, bestimmt.

Wir können aktuell weltweit beobachten, dass rechte Gruppierungen antifeministische Positionen nutzen, um ihre Gesinnung zu verbreiten

Tja. Dafür kriegen rechte Gruppierungen Frauen in Führungspositionen. Ich betrachte mich nicht als Rechts, ich bin definitiv nicht national-patriotisch, und was die Eckpunkte noch sind, aber möglicherweise ist das Verpetzen von Seminacktbildern in der Werbung nicht das Wichtigste, um Rechtspopulisten zu verhindern.

Morgen mehr.

3 Gedanken zu “Können Frauen Maskulisten sein?

  1. Es ist immer wieder faszinierend, wie Du es schaffst, Dich derart ausführlich mit Nils geistigen Ergüssen auseinanderzusetzen. Ich finde Nils ja ein prima Vorzeigebeispiel dafür, dass am Feminismus schon deswegen was nicht stimmen kann, weil er ja nun selbst die Bekloppheit des Feminismus als Mann sehr viel besser kann als Frauen. So ein ausgiebiger Schweifzug durch alle angeblichen Probleme von Leuten, die eigentlich nur bei ihrer Hirnfunktion ein Problem haben, und so schön geballt. Was sind denn die Errungenschaften des Feminismus? Frauenwahlrecht? Find ich nicht so prickelnd; das ergab ja nicht nur einen, sondern gleich zwei Weltkriege. Feministische Außenpolitik? Da fliegt eine Hupfdohle mal nach Moskau, und wupps marschieren die Russen irgendwo ein.

    Und ich als Antifeminist soll dann irgendwie der moralisch böse sein, wenn ich das Scheiße finde? Das wäre meinerseits schon erklärungsbedürftig; aber Erklärlungen sind sicher auch sexistische Kackscheiße. Dafür machen wir feministische Lokalpolitik, gerade in Freiburg, wo es jetzt auf Herrentoiletten Tampons gibt. Obwohl alle, wirklich ausnahmslos alle, Männer auf diesem Planeten bereits mit einem ausreichenden Vorrat an Tampons geboren wurden und auch absolut immer genug dabei haben. Aber gut, das Feministen zu verklickern zu versuchen, nennen sie „mansplaning“, also – Sachen zu erklären. Weil sie das selber weder aktiv können, noch passiv.

    Aber wenn wir schon bei Mansplaining sind und Du schreibst, Du könntest nicht gut verhandeln, und wir ja nun Männer sind und nicht die weibliche Krabbenkorb-Mentalität haben:

    Ich hab das ja auf die harte Tour gelernt, vor 20 Jahren in China. Das ist, wie ziemlich alles, reine Übungssache, und das kann man lernen, wenn man denn will. Frauen können das nicht, v.a. westliche, weil sie das nicht müssen. Und wenn sie es dann machen, machen sie es etwa so wie [Lydia], eine Mitpraktikantin meiner Frau, im Winter 05/06 in Beijing. [Lydia] fand in einer Shopping-Mall Flaschenüberzüge, die aussehen, wie traditionelle chinesische Frauenkleider. Fand sie ein nettes Mitbringsel. Ich auch, also lasse ich die erstmal verhandeln. Ich setze mich also auf einen zu niedrigen Plastikhocker, zünde mir eine Zigarette an, und gehe Lektion 68 von meinem Chinesischkurs durch. Nach so zehn Minuten redet [Lydia] dann auf die Verkäuferin in Englisch ein, obwohl die mit Sicherheit genau zehn Wörter Englisch kann, und mir bringt jemand einen Tee und einen Aschenbecher.

    Halbe Stunde später bekomme ich dann einen frischen Tee und übe Lektion 68 mit dem Teemenschen bei einer Zigarette. [Lydia] schreit die Verkäuferin, immer noch auf Englisch, mittlerweile an. Der wird das langsam unangenehm, deswegen bekommt [Lydia] ihre Flaschenüberzuge dann für 25 Yuan pro Stück, geht mit hochrotem Kopf, und die Verkäuferin schaut mich mehr mitleidig als genervt an.

    So – kommen wir zum wichtigen Teil: Dem _richtigen_ Verhandeln: Man trinkt also in Ruhe seinen Tee aus, raucht seine Zigarette zuende, steht dann auf, sagt nett „Nihao“, was eigentlich 你好 ausgesprochen wird, zu der Verkäuferin, und sagt ihr, dass man gerne auch zwei von den Flaschenbezügen hätte. Für 20 Yuan, für beide zusammen. Da die das macht, seit sie so ~12 ist, tut sie dann verwundert und erklärt Dir, „Deine Freundin“ hätte aber doch gerade mehr das Doppelte bezahlt.

    Darauf erwidert man schlicht, dass [Lydia] nicht meine Freundin ist, und ich jetzt eine dreiviertel Stunde kein Wort gesagt habe. In – das ist hilfreich – einer Sprache, die die Verkäuferin auch versteht. Das hat sowas mit Respekt zu tun. Das dauert dann halt nochmal drei Minuten, weil die erstmal ihren Lachanfall in den Griff bekommen und das danach der Verkäuferin vom Nachbarstand erzählen muss, aber dann bekommst Du für die (damals) 1,92€ halt noch ein T-Shirt mit I Herzchen Beiijng dazu; weil sonst wäre das ja unfair zu viel Geld (ich bin ja ein blöder Ausländer) und der Drucksetzer konnte offenbar auch kein Englisch.

    Das hat jetzt nicht nur Vorteile, weil die Frau vom Nachbarstand will Dir dann unbedingt noch für 1,42 einen roten Pashmina-Schal für Deine Frau verkaufen, aber nach nur einer halben Zigarette bekommt man auch einen schönen grauen für drei Yuan weniger, weil man ja nun eh nach Ha’erbin fahren will und das rot beim besten Willen nicht zu meiner dafür gekauften Jacke passen würde – würde meine Frau sagen; ich muss mich ja selbst nicht anschauen.

    Du kannst das ja mal auf einem türkischen Basar üben; das ist viel, viel einfacher. Die haben meist ordentliche Stühle, und zumindest ich mag deren Tee sogar sehr.

    Wir haben nur hier in D keine Verhandlungskultur. Weil man in einer Verhandlung notfalls eben auch einfach gehen muss. Das ist im Westen mit Gewerkschaften und einer enormen Staatsquote halt schwierig, weil man so *viel* zu leicht vergisst, wie ein Markt funktioniert, aber das regelt dann der Markt. Feministen stört es halt, dass der Markt das regelt und sie vollkommen wertlos sind.

    Und nur weil Du jetzt eher „linksliberal“ und ich eher „rechtslibertär“ sind: Dass der Markt das regelt, ist keine moralische oder irgendwie diskutable Frage, sondern schlicht eine Tatsache. Es ist dem Markt vollkommen egal, ob Du, ich oder sonstwer das jetzt gut oder schlecht finden. Was Marx, bei all seiner moralisch nett klingenden Gesellschaftskritik vor 150 Jahren, Grüne, Linke und ganz besonders Feministen heute aber halt geflissentlich irgnorieren, dass „der Markt“ halt Du, ich und *alle* anderen Leute _sind_. „Der Markt“ das aber halt regelt. Und Linke im Allgemeinen wie extreme Rechte und Feministen im Bsonderen es halt für eine tolle Idee halten, „den Markt“ anzuschreien. Der Markt regelt das nämlich. Du bist Teil dieses Marktes. Magst Du angeschrien werden? Nein? Ich auch nicht. Wir _könnten_ ja auch einen Tee trinken.

    Das mit dem Anschreien wurde von extrem rechts ja nur einmal probiert; das lief nicht so prima. Von Links wird es immer noch probiert; sind ja noch nicht genug zig-hundert Millionen Leute verhungert.

    Und nur, weil das unsere Regierung denkt und mich mit geraubtem Geld in die rechte Ecke stellt: Ich fände es _auch_ prima, wenn es Brathähnchen regnen würde, mirwegen auch vegane, und den Strom Kobolde im Netz machen würden. Auf dem Boden der Tatsachen stehend kann ich aber sagen, dass es weder Brathähnchen regnet, noch gibt es Kobolde. Da kann mich die Regierung noch so in eine Ecke stellen wollen; ich kann da ja nun einfach rausgehen. Ist wie bei Verhandlungen: man muss sich nur trauen, wegzugehen. Es reichen zwei Schritte, dann rufen die Dir schon hinterher. Siehe: Halb Afrika. Waren halt ein paar Tee mehr.

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  2. Okay, ich beiße an:

    Wie genau kommst du auf den Schluss „Frauenwahlrecht hat zu zwei Weltkriegen geführt“? Ich komme da nicht ganz mit.

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  3. Und wieder zolle icb dir meinen Respekt, dass du solche Texte durcharbeitest.

    Nach der Behauptung „Oder, dass Frauen und weiblich gelesene Personen öfter Opfer von Gewalttaten werden“, muss nicht weiter gelesen werden. Diese These ist schlicht unwahr.

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