Wie der Precht mit dem Lanz

…beim ÖRR PRechts neustes Buch präsentiert, bei dem es darum gehen soll, dass die Medien ja alle gleichgeschaltet seien, nur eben aus Herdentrieb statt wegen einer Knarre am Kopf, und dass PRecht und Lanz zusammen einen Podcast machen, und dass PRecht beim selben ÖRR-Sender eine eigene Sendung moderieren darf, und dass PRecht noch einen Co-Autor hat, der noch nicht so ein Talkformatnomade ist wie PRecht, ist dieser tolle Artikel.

Allerdings kriegte PRecht tatsächlich Gegenwind. Keine Ahnung, entweder, um zu zeigen, dass die Medien doch nicht so gleichgeschaltet sind, und das ganze ist eine Falseflag-Aktion, oder aber, Medien sind tatsächlich nicht alle gleich. Wir schalten jetzt aber um zu Pinkstinks.

WENN SEERÄUBERMÄDCHEN AUF PRINZESSINNENJUNGS TREFFEN

Pro Tipp: nie den richtigen Nachnamen sagen. Aber auch nicht den vom Verlobten. Und erst RECHT nicht den vom Jugendschwarm, weil die Piraten sonst denken könnten, Du wärest die Tochter von einem ihrer Kameraden, und sie bräuchten Dein Blut für so ein blutiges Ritual. Allerdings werden solche Aussagen manchmal auch wahr, und der Priatenkapitän vermählt Dich später mit Deinem Jugendschwarm in einer sehr bewegenden Zeremonie auf einem Segelschiff, dass gerade in einem Strudel fährt.

Was wärt ihr als Kind am liebsten gewesen: Seeräuber oder Prinzessin?

Nein.

Oder auch gerne beides irgendwie?

Roboter. Wenn es nach meinen Karnevalskostümen geht, Roboter.

Die Freiheit zu haben, das zu sein, was ihr wirklich sein wollt: ein raubeiniger Pirat mit Enterhaken und eine Prinzessin im wallenden Kleid

Beide knöpften der hart arbeitenden Bevölkerung den erwirtschafteten Mehrwert ab. Elisabeth I. bspw. erteilte ausgewählten Engländern so genannte Kaperbriefe…

ganz unabhängig von eurem Geschlecht.

Ja, Roboter ist noch unabhängiger vom Geschlecht. Feiert mich!

Also vielleicht ein Seeräubermädchen oder ein Prinzessinnenjunge? Denn neue Freiheiten brauchen neue Wörter.

Fun-fact: das lateinische Wort für Seeräuber lautet „pirata“; wird zwar typischerweise mit maskulinen Adjektiven verwendet, aber hey. Und Prinz kommt von Princeps, der oder die zuerst nimmt. Ist ein Epicoenum, d.h., auch dieses Wort kan feminin sein, wie in „Roma princeps urbium“, Rom, die erste der Städte.

Deswegen ist es so wunderbar, dass Nils Pickert in seinem neuen Kinderbuch „Seeräubermädchen und Prinzessinnenjunge” diese Wörter mit Leben füllt, ihnen Gesichter gibt und damit Räume schafft, die viele Kinder so dringend brauchen.

Jaaa, bei Lanz vs. PRecht war mehr Kontroverse.

Weil wir dieses Buch von Nils so wichtig und empowernd finden, haben wir ihm ein paar Fragen dazu gestellt.

Was ja irgendwie weniger komisch wäre, wenn die nicht-Nils-Pickert-Mitarbeiterinnen und -beiter auch dann eine gewisse Präsenz bei Pinkstinks hätten, wenn es nicht darum ginge, Pickerts wirtschaftliches Wirken zu promoten. Noch nicht einmal vom „Frauenstimmen auf einer feministischen Seite“-Gesichtspunkt her, sondern daher, dass das irgendwie wie Pickerts private Homepage wirkt…

Bisher kennen wir dich mit „Prinzessinnenjungs“ und „Lebenskompliz*innen“ als Sachbuchautoren für Erwachsene. Warum hast du jetzt ein Kinderbuch geschrieben?

Nils: Weil ich unbedingt wollte.

Jaaaaaaaaaa, ok.

Kinderbücher schreiben, Romane schreiben, das war immer auch der Plan. Es sind nur sehr viele Dinge dazwischen gekommen.

Mental Load und so. Es ist wirklich nicht einfach. Das ist aber nicht die Antwort auf „warum ein Kinderbuch?“, sondern, „warum nicht eher?“.

Mein erstes Sachbuch habe ich hauptsächlich nachts geschrieben, weil ich damals meine vier Lütten allein betreut habe.

Nicht, wenn die in der Schule oder Kindergarten sind? Aber ja, man kann heutzutage auch einfach per Google recherchieren, da braucht man gar nicht aus dem Haus.

Mein zweites wegen der Pandemie auch.

Ja, ok. Er kennt sich bestimmt besser mit Beziehungsfragen und Kindererziehung aus als ich, aber dafür hat er keine Ahnung von der Bibel. Oder Klassenunterschiede in zweitgenössischer Popmusik. Oder sonstigen Themen, von denen meine Expertise immerhin oberflächlich ist.

In deinem Buch geht’s um viel: Seeräuber*innen, Prinz*essinnen, Rollenbilder, Freundschaft, große Gefühle. Da steckt echt viel drin für ein Kinderbuch.

Es ist übrigens tatsächlich nicht so, dass Kinderbücher leichter zu schreiben sind als solche für Erwachsene, sondern eher umgekehrt. Denn Kindern wird schneller langweilig, also muss eher was passieren. Gestern durfte ich einer Kleincousine von mir mal wieder die Geschichte von Inanna in der Unterwelt erzählen. Die ist inzwischen zehn. Also nicht Inanna, die Kleincousine.

Hattest du zwischendurch Sorgen, dass deine Geschichte deine kleinen Leser*innen überfordern könnte?

Hmmm, ist das ein Stichwort, oder ist das die ehrliche Sorge, dass das Buch überfrachtet ist?

Nils: Nein. Ich habe diese Geschichte nicht geschrieben, um etwas in sie hineinstecken zu können.

Natürlich stecken in Geschichten auch dann Sachen, wenn man autorenseitig nichts hineinsteckt, aber wenn ein Kinderbuch schon per Titel so nah an einem Sachbuch desselben Autoren liegt, und außerdem thematisch mit dessen generellen Aktivismus verbunden ist, kommt mir das jetzt nicht gerade ehrlich vor. Und natürlich können oder dürfen Aktivisten Romane schreiben, in denen es um deren Themen geht, aber nunjaaa…

Ich wollte keine Geschichte über Rollenbilder oder Freundschaft schreiben, sondern einfach die Geschichte von Mara und Milo.

Die eine Freundschaft haben und Rollenbilder gegen den Strich bürsten. Warum ist Mara kein Roboter? Oder Milo kein Marsianer???

Vor zwei Jahren hatte ich ein Gespräch mit meiner Agentin darüber, dass ich mich schwer damit tue, als männlicher Autor quasi mit „Seeräubermädchen“ das Sachbuch-Gegenstück zu „Prinzessinnenjungs“ zu schreiben.

Ehrlich gesagt, wenn man das mehr so aus dem Außenstehendenblickwinkel betrachtet, wie ich, hat man bei den Titeln tatsächlich den Eindruck, dass da bestimmte Klischees nur durch andere Klischees ersetzt werden sollen. Was jetzt vermutlich eeeetwas kurz greift, aber „Prinzessinnen“ assoziiere ich eben nicht unbedingt mit „weiblich“ im allgemeinen, sondern mit „arrogant“, „eitel“, „verwöhnt“ und „egozentrisch“. Soll das jetzt was positives sein?

Es gibt so viele großartige Autorinnen mit sehr viel mehr Expertise als ich, die das längst getan haben.

Es ist nicht unbedingt erforderlich, dass man für ein Sachbuch die eigenen Erfahrungen aus Kinderzeiten einbringt. Außerdem sind „Seeräuber“ vllt. auch nicht gerade die besten aller Rollenvorbilder…

Meine Agentin meinte dann, dass diese beiden sich als Figuren in einem Kinderbuch sicher viel zu erzählen hätten. Und das hatten sie dann ja auch.

Das hätten ein Roboter und ein Alien aber auch.

War es schwer, einen Verlag von deiner Idee zu überzeugen?

Nils: Erfreulicherweise nicht.

Und Stefanowitsch tut so, als würde Pippi Langstrumpf alle anderen Kinderbuchprojekte verhindern. Nebenbei ist Fräulein Langstrumpf zugleich Seeräuberin und Prinzessin. Gesetze gelten für sie nicht.

Ich war so begeistert von der Idee meiner Agentin, dass ich die Geschichte in ihrer Grundform sehr viel kürzer und für ein jüngeres Publikum an einem Wochenende aufgeschrieben habe.

Ja, schön. Gut, wenn man eine gute Agentin hat.

Die Version hat sie dem Carlsen Verlag vorgestellt und der war interessiert. Allerdings unter der Bedingung, dass ich die Geschichte deutlich ausbaue und für ältere Kinder erzähle.

Na, dann…

Rückblickend bin ich immer noch ein bisschen verdutzt, wie überhaupt nicht schwer das alles war.

Jaaa, schön für ihn, aber man sollte vllt. nicht übermütig werden oder so…

Hast du schon eine Idee fürs nächste Kinderbuch oder kommt jetzt erstmal wieder ein Sachbuch an die Reihe?

Nils: Beides. Alles zusammen.

Zu spät.

Ich hab’ Ideen für etwa fünf Romane, drei Sachbücher, einem Dutzend Kinderbücher und einer vierteiligen Jugendbuchreihe, …

Wie diese Autorenlesung bei Loriot. Krawel, krawel.

Nächstes Frühjahr ist erst einmal wieder ein Sachbuch dran. Eins über Männlichkeit – die Notwendigkeit der Emanzipation von Männern.

Manchmal, aber nur manchmal, habe ich direkt Lust, mir so ein Buch IN ECHT zu kaufen und es direkt zu rezensieren, anstatt anhand von Ausschnitten.

4 Gedanken zu “Wie der Precht mit dem Lanz

  1. »Ich hab’ Ideen für etwa fünf Romane, drei Sachbücher, einem Dutzend Kinderbücher und einer vierteiligen Jugendbuchreihe, …«

    Der Dativ ist dem Akkusativ sein Tod.
    (An der Stelle hatte ich den gleichen Gedanken wie Sie: Nils Pickert als Lothar Frohwein in Pink.)

    Gefällt 1 Person

  2. > Nächstes Frühjahr ist erst einmal wieder ein Sachbuch dran. Eins über Männlichkeit – die Notwendigkeit der Emanzipation von Männern.

    Nur dass die so beworbene Emanzipation der Männer – die Emannzipation eben – den eigenen Umgang mit der Verantwortung des Gebrauchs des eigenen Verstandes zum Wohle – nicht auf das andere Geschlecht auslagern wird.

    Dieses Buch wird sicherlich ein Durchbruch*.

    *) Wie in „Blinddarmdurchbruch“.

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