Ja, klar, Nachklapp

Gleiche Stelle wie das von gestern.

Buchverbote an den SchulenIn den USA fallen immer mehr Bücher dem Kulturkampf zum Opfer

Oh, NEIN! Fairerweise muss man sagen, dass ein Buch, das in einer Schulbibliothek nicht vorrätig ist, nicht unbedingt als zensiert gelten muss. Aber „Cancel Culture“ ist das schon.

In den USA verschwinden mehr und mehr Bücher über Rassismus oder LGBTQ-Themen aus dem Schulunterricht und aus den Bibliotheken. Doch nun formiert sich Widerstand.

Oder über Nazis, Kolonialismus oder beides gleichzeitig. Achnee, das war ja gar nicht in den USA. Wir sollten vllt. nicht mit dem Finger auf andere zeigen.

«Es ist ein Kampf zwischen Gut und Böse», erklärte die christliche Aktivistin Eva Carter jüngst gegenüber dem New York Times Magazine.

Genau! Wie bei Harry Potter. Genau SO. Bzw., sie ist böse, nicht Harryy Potter. „There is a tempest in me, and then stepped my dog on a bee.“, wie der Dichter sagt. Tod unseren Feinden, wuhu!

Die Texanerin gehört zu den «Moms for Liberty».

„Das! Ist! Texas!!!“ *mexikanische-Invasoren-in-Grube-kick!

«Mütter für Freiheit» ist mit rund 200 Ortsverbänden die grösste der Vereinigungen, die sich in den USA in wachsender Zahl dafür einsetzen, dass bestimmte Bücher aus öffentlichen und Schulbibliotheken und von Lehrplänen verschwinden.

Ja, nicht das jemand etwas liest, was auch Rechtspopulisten gelesen haben, vllt. ist das ja ansteckend. Wie Gedankenverbrechen, Häresie und Doppeldenk™. Oder Terfigkeit. Oder was auch immer.

Ausgerechnet in der Nation, welche die Redefreiheit auf einen turmhohen Sockel stellt,

Du darfst alles sagen, aber nicht lesen!

landen selbst Klassiker wie George Orwells «1984»

…Arbeitsanweisung für einen totalitären Unterdrückungsstaat…

oder Mark Twains «Abenteuer des Huckleberry Finn»

…verharmlost Sklaverei und rechtfertigt sie damit automatisch, denn nur, weil Leute lesen können, sind sie nicht schlau genug, das gelesene zu verstehen.

Im Gegensatz zu früher sind die gegenwärtigen Anstrengungen jedoch besser koordiniert, besser organisiert und besser finanziert.

Jemand, der einen ganzen Artikel veröffentlicht, um zu erklären, wieso ein Buch, das man locker antifaschistisch interpretieren kann, bei Rechtspopulisten beliebt ist, sollte sich doch darüber freuen.

Das Zensurmuster ist deutlich: Beanstandet werden in erster Linie Bücher mit LGBTQ-Inhalten und/oder nicht-weissen Figuren.

Wie 1984? Aber ja, „Kleiner Häuptling Winnetou“ fällt sicher in diese Kategorie.

Ta-Nehisi Coates’ internationaler Bestseller «Zwischen der Welt und mir» etwa.

Ok, den kenne ich nicht. Verdammte Zensur!

Angefeindet werden auch die Bücher der bekannten Cartoonistin Alison Bechdel. Bechdel ist lesbisch, einige der Figuren in ihren oft autobiografischen Comics sind es ebenfalls.

Außerdem ist sie die Erfinderin des legendären Bechdeltestes!

Traditionell sind Bücherverbote von rechts und von links angestrebt worden. In diesem Fall gehen die Angriffe aber eindeutig von konservativen Kreisen in republikanischen Bundesstaaten aus.

Ja, da müssen die anderen jetzt aber mal zusehen, dass sie auch aufholen, sonst wird das nämlich nichts!

Einst wurden Romane wie James Joyces «Ulysses» oder Vladimir Nabokovs «Lolita» wegen angeblicher Obszönität zensiert. Heute geht es nicht mehr um Prüderie, sondern um Ideologie.

Genau! Nieder mit Harry Potter, sonst werden alle transfeindlich! Nieder mit HdR, sonst wählen alle Faschisten! Nieder mit Huckleberry Finn, sonst befreien alle irgendwelche Sklaven!!! Und nieder mit Fahrenheit 451, sonst fällt jemanden auf, was IHR hier gerade versucht!

In Grossstädten wie New York und Los Angeles reagieren Bibliotheken und Schulen mit lautstarken Gegenaktionen.

Achwas? Ja, wie die Leute, die jetzt alle Layla kennen, nachdem es nicht etwa einfach nicht gespielt wurde – weil es nicht zur Stimmung passte, die man auf einen familienfreundlichen Volksfest wollte – sondern man auch meinte, „Werbung“ damit machen zu müssen.

So hat die Brooklyn Public Library einen QR-Code ins Netz gestellt, der Leserinnen und Lesern überall im Land den Zugriff auf angefochtene Titel ermöglicht.

Eine Lehrerin in Oklahoma, die ihre Klasse auf den Code hinwies, wurde jedoch umgehend freigestellt.

Ach, und nieder mit dem Report der Magd. Sonst kommen Frauen noch auf die Idee, zu denken.

Es häufen sich Berichte aus kleineren Gemeinden, in denen Bibliothekarinnen und Lehrer eingeschüchtert werden, die sich weigern, gewisse Titel aus den Regalen und von Lehrplänen zu nehmen.

Nieder mit Pippi Langstrumpf, es könnte sich ja jemand denken, man könne einfach im Atlantik von Schweden bis ins Takatuka-Land treiben, ohne zu ertrinken oder jedenfalls zu verdursten. Und nieder mit Ringe der Macht, wenn das je als Buch rauskommt, aus quasi denselben Gründen…

Womit die Lektüre-Kontrolleure offenbar nicht gerechnet haben, ist der Reiz, der von Verboten ausgeht.

Nein. – Doch! – Ohhh!!

Während sich Erwachsene Grabenkämpfe liefern, schliessen sich nämlich mehr und mehr Teenager zu «Banned Books»-Clubs zusammen.

Und DANN lernt jeder ein solches Buch auswendig. Fahrenheit 451 und so.

Hier lesen sie genau die Bücher, vor deren verderblichen Einflüssen sie angeblich geschützt werden sollen. Was gut und was böse ist, wollen sie selbst herausfinden.

Aber… dann brauchen die SRF-Kultur ja gar nicht? Nieder mit dem Club der verbrannten Bücher!

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