Russland

Im Zuge der „Teil“mobilmachung Russlands verlassen viele Russen das Land. Viele meinen jetzt, dass die das nicht aus Sympathie mit der Ukraine machen, sondern weil sie nicht in den Krieg wollen. Die Spezialoperation, sorry. Spezialoperation.

Kann ja sein, aber wen schert’s?

Erstmal ist Russland nicht die mustergültige Demokratie, die man sich wünschen würde, so dass man nicht unterstellen darf, dass Russen mehrheitlich der ehrlichen und wohlinformierten Meinung wären, der Kr die Spezial-OP sei gerechtfertigt, und zweitens, wenn erst die Stelle, an der es ihnen selbst ans Leder gehen könnte, sie zu einem Umdenken bewegt, naja, besser spät als nie.

Soll man denen sagen: „Ihr bleibt mal schön in Russland und bringt ein paar Ukrainer um, oder werdet umgebracht. Damit Ihr’s lernt!“?

Wenn die Sanktionen Früchte tragen würden, und Russland deshalb einlenkte, müsste es ja dann auch heißen: „Ihr macht das ja nur, weil Eure Wirtschaft zusammenbricht und nicht aus innerer Einsicht.“

2 Gedanken zu “Russland

  1. Zu diesem Komplex sind mir in den letzten Tagen zwei Dinge aufgefallen:

    1. Bei der hiesigen Berichterstattung wird genau auf geschlechteneutrale Formulierungen geachtet. Gut, z.Z. werden nur Reservisten einberufen (keine Ahnung, ob auch Frauen Reservisten sein können). Als nächstes kommen aber alle Wehrpflichtigen, Das sind aber nur Männer. Dennoch wird von „Menschen zwischen 17 und 60“ berichtet.

    2. Wurde bereits im Bundestag darüber diskutiert, ob russische Wehrflüchtlinge nicht pauschal Asyl erhalten sollen.
    Einige sagten, nein, die sollen lieber da bleiben und mal eben Putin stürzen.
    Das mit dem mal eben Assad Stürzen hat in Syrien bekanntlich auch nicht geklappt. Interessanterweise gab es 2015 auch den Vorschlag, dass die überwiegend männlichen Flüchtlinge doch lieber in Syrien kämpfen sollen. DAS war natürlich absolut Nazi.

    Zweiklassensystem bei Flüchtlingen. Nur anders als von den Woken unterstellt.

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    1. Zu 1: ja, man will halt nicht zu deutlich darauf zeigen, welches Geschlecht beständig WIRKLICH die Arschkarte hat, spätestens wenn es real und nicht nur in wilder Übertreibung um das nackte Leben geht.

      Zu 2: Weiß gar nicht, wie man da überhaupt noch diskutieren kann. Diese Männer sind von einem mit nicht unerheblicher Gefahr für ihr Leben verbundenem Zwangseinsatz bedroht. Dass da überhaupt noch gestritten werden kann und da Aussagen kommen, wie „die sollen erst mal zu Hause für Ordnung sorgen“, zeigt, wie sehr sich politische Debatten nur noch auf Moralismus und reine Emotion beschränken. Und so lange es sich bei potentiellen Opfern einer Blockadepolitik nur um doofe, weiße Männer handelt, stört sich da auch kaum jemand dran.

      Und natürlich herrscht da eine Riesendoppelmoral. Als man diese andersrum darzustellen versuchte in Bezug auf ukrainische Flüchtlinge vs. „Syrer“, ließ man natürlich unter den Teppich fallen, dass die Flüchtlinge aus West- und Zentralasien durch unzählige sichere Aufenthaltsländer marschiert sind, bevor sie hier ankamen – sie wollten aber irgendwie scheinbar nie woanders hin als nach Westeuropa. Für Russen und Ukrainer gilt das nicht. Da gibt es nur Polen oder Tschechien – beides Länder, die einfach nicht mal eben alle aufnehmen können – und danach kommen auch schon wir. Eine von Anfang an völlig andere Ausgangslage.

      Aussagen der Art „die sollen erst einmal zu Hause für eine Besserung kämpfen“ hielt ich hingegen auch schon bei Syrern für unfassbar selbstgerecht und dumm. Das kommt beständig von Leuten, die sich nicht in der Gefahr sehen, selbst mal in ihrem Land für eine Besserung oder gegen einen Despoten, der immerhin Polizei und Militär kontrolliert, kämpfen zu müssen. Wie die das wohl fänden, wenn sie stattdessen lieber fliehen wollen und dann ihnen gesagt wird: „Kümmer dich erst mal um dein eigenes zu Hause!“. — Arschlöcher!!!

      Übrigens: auch ein oft geäußertes Bedenken ist ja, dass mit russischen Flüchtlingen auch Agenten mit ins Land kommen könnten. Realistisch? Weiß ich nicht, aber sicher nicht auszuschließen. Aber wie haben denn dieselben Leute reagiert, als man ihnen sagte, dass eine Politik der offenen Grenzen auch Terroristen ins Land lässt? Solch eine Behauptung wurde natürlich als empörend aufgefasst. Aber ja, Moral ist etwas so tolles, dass man sie stets im Doppelpack mit sich führen sollte…

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