Rassismus als Handlungselement

Wie mir bestätigt wurde, hat eine gewisse Serie tatsächlich einen „die nehmen uns die Jobs weg!“-Rede. Danke, Goi!

Von meinem Nerd-Wissen her ergibt es so gar keinen Sinn, dass 1. Elben überhaupt „Jobs“ haben wollen, dass 2. ein Numenorer, der sicher Geschichten von Elben kennt, dass denken, könnte, und vor allem, dass 3. irgendwer sich darüber Gedanken macht, anstatt einfach auf elbische Unsterblichkeit neidisch zu sein (also wie im Buch), aber erkennt man das als „casual viewer“? Der reine Anlass, eine einzelne Elbin, die als Schiffbrüchige auf die Insel kam und auch gar nicht bleiben will, rechtfertigt das nicht, aber vllt. könnte jemand denken, dass dergleichen ein Thema bei Tolkien wäre. Spoiler: nein. Erstens wäre das eine Allegorie auf die Tagespolitik, und Tolkien hatte eine Allegorienallergie, und zweitens wäre sowas kein zeitloses Epos mehr. (Außerdem, auch wenn viele diese Galadriel nicht leiden können und die Numenorer sie höchstens vom Namen her kennen, aber die Idee, dass diese Galadriel, aka Nerwen, in Numenor kellnern ginge, oder dachdeckern, oder meinetwegen als Wahrsagerin ihren Lebensunterhalt verdienen würde, ist absurd. Obwohl sie es könnte. Man denke einfach bei allem, was sie sagt, noch den Satz: „Ich bin älter als Eure ganze Spezies!“ dazu.)

Außerdem wären Elben, wenn man Elbenfeindlichkeit mit RL-Hassismus vergleichen will, eher „die Juden“, weil ihnen am ehsten „globale“ Verschwörungen möglich wären. Und außerdem ist Numenor eigentlich ein Imperium; zu seiner Blütezeit durch Handel und Entdeckungsfahrten, in der Spätphase durch Krieg und Sklaverei. Bürger eines solchen Reiches machten sich keine Sorgen, die Ureinwohner irgendwelcher Kontinente wären eine wie auch immer geartete „Konkurrenz“, sondern freuten sich eher über Leute, die ihnen die unangenehmen Arbeiten abnehmen würden, sobald man sie zwingen könnte. Nebenbei gibt es ein recht kommunistisches Gildensystem; um in eine Gilde zu kommen, braucht man ein Abzeichen (ich nehme an, das bekommt man als Lehrling nach bestandener Prüfung, und Lehrling wird man, weil eine Stelle frei wird oder weil man Verwandte in der Gilde hat), aber MIT dem Abzeichen kriegt man Arbeitsplatz, Werkzeug und Material anscheinend gestellt? Egal: Fantasy!

Alledings soll hier der latente Rassismus der Numenorer etabliert werden, und DAS wird bestimmt noch wichtig. Und zwar, weil die einen „Plottwist“ vorbereiten. Nein, ich weiß das nicht aus den Büchern, ich rate technisch gesehen, und wenn ich falsch liegen sollte, fände ich es tatsächlich besser und cool irregeführt, aber hier meine Gedanken:

Nerwen springt „random“ ins Meer, sei es aus Bauchgefühl oder Gottvertrauen, und findet, bevor sie ertrinkt, Halbrand und sein Floß („Das Floß wollte gefunden werden!“ / „Das Floß ist mit dem unendlichen Unwahrscheinlichkeits-Drive ausgerüstet!“), was sie im Nachhinein als „mehr“ als Zufall, Schicksal oder Bestimmung interpretiert (Ich glaube, sie meint „Plot“), insbesondere, weil sie erfährt, dass Prinz Königin-Regentin Míriel genau seit Nerwens Ankunft eine Vision hat, dass Numenor untergehen wird, und deshalb vermutet, dass das eine mit dem anderen zu tun hat. Mit Palantiren kann man anscheinend auch eigene Visionen anderen zeigen, weil die Dinge Gedanken lesen? Egal. Jetzt weiß man natürlich nicht, was die Vision vom buchstäblichen Untergang Numenors heißen soll: soll man machen, was Nerwen sagt? Das Gegenteil davon, weil Nerwen – sei’s mit Absicht oder aus Versehen – Numenor schaden wird? Oder sollte man sie einfach länger festsetzen, bis man mehr weiß?  Ist der Untergang vllt. auch einfach schon unabwendbar/geplant, und man sollte mal mit der Evakuierung anfangen? Als Nerd wäre ich übrigens der Ansicht, dass die Valar klarere Botschaften schicken würden, aber vor allem Nerwen irgendwelche Ansagen machen: „Reise nach Numenor, da wirst Du Verbündete finden! Und Deine Eltern lassen schön grüßen!“

Aber wenn das einfach „Vorwissen“ ist, und keine Botschaft, UND wenn dieses Vorwissen durch die Ankunft einer Person auf Numenor ausgelöst wurde, und nicht etwa durch etwas, was gerade in Rhun passiert, dann stelle ich fest, dass zwei Personen in Numenor eintrafen, die von auswärts kamen, und nicht nur eine. Und das weder Nerwen noch Miriel an die andere denken, lag nicht daran, dass die ein Mann ist, sondern, weil sie ein „Niedermensch“ ist.

Bzw., vermutlich Sauron in Menschengestalt als „möglicher“ „ehemaliger“ „König“ des künftigen Mordors. Und der möglicherweise sich wirklich über etwas grämt, was in der Vergangenheit geschah, aber nicht durch seine Vorfahren, sondern durch ihn selbst. Wenn Leuten ihre Vorurteile in den Hintern beißen, ist das ja unterhaltsam und pädagogisch wertvoll! Das wäre mal die gute art, woke zu sein.

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