Außerdem, bei Amazon

…kann man dHdR:dRdM nicht mehr bewerten.

Hachja.

Was hinter dem Bewertungsstopp bei „Die Ringe der Macht“ steckt

Verschwörung! Blasphemie! Zensur!!!

Amazon greift in die Online-Bewertungen seiner milliardenschweren „Die Ringe der Macht“-Serie ein. Offiziell, um gegen Internet-Trolle und sogenanntes „Review-Bombing“ vorzugehen. Doch dahinter könnte noch ein anderes Anliegen stecken.

Oh, nein, wie schrecklich. Bei allem Lästern, das ist keine Zensur. Es gibt zig Möglichkeiten, seine Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit der Serie zu äußern. Und es gibt ja auch Dinge, die schön sind – die Optik wird sehr oft gelobt – und wenn man gar kein Vorwissen hat, kann es einem auch egal sein.

Bereits vor dem Start der Serie hat der Streaming-Dienst eine Funktion eingeführt, die Rezensionen für 72 Stunden zurückhält. Zeit, in der laut Amazon geprüft werden soll, ob die Bewertungen von Bots oder Trollen stammen oder nicht.

„Wir sind sehr unzufrieden, wie schnell Klaus-Erwin in der ersten Folge besiegt wurde! Die Elben hatten einen Tempocheat laufen! Außerdem war das unfair, weil Klaus-Erwin gar kein Eistroll ist, sondern ein Bergtroll, und daher einen Umweltmalus hatte!“ Trolle halt.

Der Konzern will damit offiziell sogenanntes „Review Bombing“ verhindern, bei dem eine Gruppe von Menschen, denen etwas besonders missfällt, gezielt versucht, durch sehr viele, sehr schlechte Bewertungen im Netz ein Produkt schlechtzureden.

Das ist sicher ein Problem und sein gutes Recht; und sicher finden die heftigsten Hater Möglichkeiten, besonders viel Stimmung zu machen, aber…

Bei „Die Ringe der Macht“ handelt es sich zudem um einen besonderen Fall, weil hier, man könnte sagen, politisches Review Bombing betrieben wird.

Tja. Was jetzt ein bisschen auch an der „politischen Besetzung“ liegt. Aber ja, das eskaliert etwas. So richtig Mitleid habe ich aber trotzdem nicht – wenn man sich mehr Mühe mit Story, Hintergrund und Charakterbau gemacht hätte, als random ein paar schwarze Schauspieler zu casten, wäre das insgesamt anders. Kuckt mal die schwarzen Adeligen bei HotD.

Denn es stehen vor allem die neuen Diversity-Richtlinien von Amazon in der Kritik. Richtlinien, die besagen, dass in den eigens von Amazon produzierten Serien und Filmen gewisse Quoten von Frauen, People of Color oder etwa queeren Charakteren erfüllt werden müssen.

Drehen nach Zahlen. Es ist quasi noch nicht einmal Politik dahingehend, dass man eine politische Botschaft vermitteln will – rettet die Wale, rettet den Wald, Kommunismus funktioniert nicht – sondern einfach: „Es kann auch schwarze Elben geben.“ Weil „Elb“ sowas ist wie Amazongründer: wenn man sich richtig Mühe gibt, kann das jede/r schaffen.

Was bedeutet, dass wir in „Die Ringe der Macht“ erstmals Schwarze Hobbits, Elben und Zwerge sehen. Das ist dann auch der Hauptgrund für die Kritik an der Serie im Netz.

Wenn die Kritik bei Amazon nicht sichtbar ist, weiß man das woher?

Es geht also gar nicht in erster Linie um die Serie, deren Machart oder Handlung, sondern vor allem um die gezeigte Diversität.

Nachdem ich die Trailer und ein paar Kritik-Videos gesehen habe:

  • Galadriels Racheplot ist untypisch für Galadriel und eigentlich alle; Orks verlassen ihre Höhlen aus Rachegründen, aber nur, wenn es einen wichtigen Häuptling zu rächen gibt (und es nicht zu weit ist)
  • Galadriels Kassandraplot dito, weil man ihr glauben würde
  • Galadriel wäre eigentlich ertrunken, weil Elben keine Kiemen haben
  • uneigentlich hat sie Glück mit Halbrand
  • der andere Menschen sterben lässt?
  • außerdem müssten beide prinzipielle von Numenor wissen
  • auch gibt es viele gewollt hochtrabende Dialoge,
  • einschließlich solcher, für die man Vorwissen braucht, um sie zu verstehen, also über Mittelerde jetzt, keine Präkognition
  • Schauspiel wird verschiedentlich kritisiert
  • Tempo ist zu langsam
  • Charas verhalten sich teilweise mäßig schlau
  • Halbrand ist Aragorn für Arme (oder Sauron)

Also ja, es geht viel um Machart und Handlung.

Dazu kommt die teils kultische Verehrung von Tolkien in der Fangemeinde. Für manche ist Tolkiens Werk schließlich fast so etwas wie die Bibel.

Ach, das ist Quatsch – in der Bibel kommt Gott wegen jedem Problem an. Bei Tolkien sieht man zu, dass man seine Probleme möglichst ohne göttliche Hilfe gelöst bekommt. Kennt Ihr die Stelle, wo Gott Noah sagt, dass er nie wieder eine Flut schicken wird? Das kommt bei Tolkien irgendwie nicht vor.

Schon vor 20 Jahren, als die „Herr der Ringe“-Trilogie in die Kinos kam und die Hobbits im Film von der weiblichen Halbelbin Arwen vor den Nazgûl gerettet wurden

Eigentlich rettet sie nur Frodo; aber ja, das ist eine legitime Abweichung: Glorfindel, der später nicht mehr wichtig wird, wird mit Arwen ersetzt, die wichtig werden wird. Außerdem ist es vllt. plausibler, wenn ein Hobbit, der selbst gesund kein Pferd reiten kann, sich nicht dem Tode nah selber auf einem galoppierenden Pferd festhalten muss. Und wäre es das liebste und klügste aller Elbenpferde.

 hieß es: Der Feminismus macht uns den Tolkien kaputt!

Das bezog sich auf das Gerücht, Galadriel würde von Lucy Lawless gespielt werden und in Helms Klamm mitkämpfen. Nerwen, Prinzess of Power!

So ähnlich ist es auch diesmal, nur dass heute die Woken schuld sein sollen. Tolkien hat die Elben stets als sehr blass und hellhäutig beschrieben. Aus Sicht einiger Fans dürfen sie deshalb nicht einfach Schwarz sein.

Wenn Tolkien einfach keine europäischen, sondern afrikanische Mythen als Grundlage verwenden, würde man das jetzt als kulturelle Aneignung betrachten, oder? Aber ja, ein einzelner schwarzer Elb unter lauter weißen Elben stört die Immersion, weil es einen (mich) mehr interessiert, wie er dahin kam.

Das trifft heute allerdings auf den ohnehin tobenden Kulturkampf rund um Identitätspolitik.

Ich will indianische Numenorer! Und eine uigurische Mulan!

Gerade von rechter Seite vermutet man hinter jedem Schwarzen Gesicht in einer Serie oder einem Film sofort den Kulturmarxismus.

Wäre das dann wirklich Kulturmarxismus? Ich habe da meine Zweiflel – aber egal, schlechter Weltenbau als progressive politische Botschaft zu främen und hinterher alle Schuld auf die rassistischen Fans schieben kann ja nicht falsch sein. Das klappt ja sonst auch immer.

Angesichts dessen wirkt der Schritt von Amazon zunächst nachvollziehbar.

Okeee…

Ganz so einfach ist es allerdings doch nicht, denn die Prüfung der Bewertungen macht potentiell jede Kritik mundtot

Achwas?

auch durchaus legitime Einwände gegen „Die Ringe der Macht“ ohne rassistische Pöbeleien oder pingelige Rufe nach Tolkien-Werktreue.

Anscheinend schaffen die Macher es einerseits, dem Hintergrund zu widersprechen, aber andererseits setzen sie Dinge als bekannt voraus, die in der Serie nicht erzählt wurden. Zum Beispiel macht Galadriel gegenüber Halbrand eine Andeutung über ihre Familie, die den Konflikt begonnen hätte. Was meint sie damit? Fehlende Werktreue ist nur das halbe Problem.

So gibt es viele Szenen, in denen Schwarze Darsteller wie Tokens eingeblendet werden. Wir sehen dann vielleicht einen großen Schwarzen Hobbit im Anschnitt, der nachdenklich in die Ferne schaut.

Es sind eben mehrere Halblingsstämme, die sich zu einem vereinigt haben, weil: Fight for Survival! Was anderes ergibt keinen Sinn.

Häufig wirkt die Serie wie „Woke-Washing“, als ob Amazon uns ins Gesicht schreien würde: Schaut her, wie woke wir sind!

Tja. DAS IST DOCH DAS PROBLEM!!!

Tatsächlich wird aber gar keine wirklich diverse Geschichte erzählt.

Häh?? Ist doch voll divers: Elben, Zwergen, Hobbits, Menschen, evt. ein gestaltwandelnder Dämon mit magischen Kräften und Orks, auch wenn die mal wieder die Bösen sind.

Hauptsache, Amazon kann sich mit seiner neuen Bewertungspraxis als vorbildlicher Diversity-Konzern inszenieren.

Noooin, echt?

Und zusätzlich kann man den Shitstorm als Argument nutzen, nur noch die Kritik durchzulassen, die man selbst für legitim hält.

Wer in aller Welt hätte das gedacht? Eigentlich alle. Aber ja, genau DAS sind die Probleme. Und jetzt mag das bei den Ringe der Macht auch nur semi um Einschaltquoten gehen, sondern mehr um Abozahlen und Kundenfang, aber wer eine Serie nur so semi-gut macht – was hilft es, die Boten zu erschießen?

Schon bald könnten Netflix und Co ähnliche Maßnahmen ergreifen.

Naja. Das ist ja mal eine völlig prophetische Aussage.

Achja, es fehlt noch die Taktik, alle, die ein Produkt nicht mögen, pauschal als x-istisch zu bezeichnen.

4 Gedanken zu “Außerdem, bei Amazon

  1. @Mycroft: Hast du Serie bisher gesehen?

    Meiner Meinung nach ist Galadriel eher ein Man (äh woman) On A Mission. Ihr Bruder hat geschworen, das Böse auszurotten und sie hat die Mission nach seinem Tod übernommen.
    Im Gegensatz zu den anderen Elben will sie den Job auch sicher beenden.

    In Folge 3 wird die Serie erfrischend „unwoke“. Bekanntlich gibt es gem. Critical Race Theory keinen Rassismus gegen Weiße. Die (farblich recht diversen) Numenorer bezeichnen den weißen Halbrand als „Niedermensch“.

    Halbrand ist meiner Meinung nach ein heißer Kandidat für einen der Menschenringe. Er ist König der Menschen des Südens.

    Den Meteor-Mann halte ich persönlich für einen Istari. Er kam von Westen, kann zaubern und hat offensichtlich nur die Gestalt eines Menschen.
    Auch wenn Gandalf laut Tolkien erst im dritten Zeitalter kam, könnte es sich um eben jenen handeln. Das würde zumindest seine freundschaftliche Verbundenheit zu den Hobbits erklären.

    Die unterschiedlichen Handlungsstränge müssen nicht zur selben Zeit spielen.
    Halbrand sagt, er sei durch Orks aus dem Süden vertrieben worden. Im „Schwarzelben“-Strang taucht das Böse, sprich die Orks, gerade erst auf.

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    1. Ich gucke die Zusamenfassungen, die mich in meiner Meinung bestätigen. Das ist besser für meine Seele und meinen Geldbeutel. 😉
      Die Rachestory habe ich schon verstanden, aber sie beißt sich mMn schon mit der Vorgeschichte und generellen Lore, UND ich finde sie tatsächlich nichtmal „originell“.
      Aber Rassismus gegen den Strich bürsten ist tatsächlich mal was neues. 🙂 Demnächst müssten die Numenorer Sklavengalleren bauen.

      Sagt auf dem Markt wirklich einer, dass Elben ihnen die Märkte wegnehmen?

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      1. „Sagt auf dem Markt wirklich einer, dass Elben ihnen die Märkte wegnehmen?“

        Richtig. Die Handwerkergilden haben Angst vor den elbischen Handwerkern, da diese nicht schlafen und nicht altern.

        Im Süden sind Elben nicht gerne gesehen, weil sie effektiv Besatzer waren. Denn die Menschenvölker des Südens waren Diener Melkors.
        Inzwischen ist klar, dass der Plot rund um den dunkelhäutigen Elben in der Gegend spielt, die später zu Mordor wird (der Orodruin wird namentlich erwähnt).

        Gefällt 1 Person

  2. The Boys Staffel 3 ist noch deutlich, deutlich woker; da wird das noch viel polemischer ausgeschlachtet mit Black Lives vs All Lives und den damit verbundenen Materien.

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