Tolkien feministisch!

Liebe Feministinnen und Feministen!

Auch, wenn es jetzt „Der Herr der Ringe: die Ringe der Macht“ gibt, das feministischste Stück Tolkien ist das Hörspiel. Nein, nicht das Hörbuch. Das, was vor Ewigkeiten im Radio kam. Und ich als wahrhaftiger Fanboy – „Boy“ ist in dem Fall auch keine Verniedlichung – auf Kassette aufgenommen habe. Die bei mir noch in der Schublade liegen. Aber ich höre die mir nicht an, weil ich meinem alten Kassettenrekorder nicht mehr so recht traue. Wo war ich? Achja:

Jedenfalls, in der Version kommt nicht nur Emanzipation und Feminismus vor, sondern eine Frau, die tatsächlich darüber diskutieren kann: Eowyn, Eomunds Tochter. Ihre Mutter hieß Theowyn, was belegt, dass ihre Eltern mal so richtig kreativ waren. Ihr Bruder allerdings heißt nicht Theomund, sondern Eomer. Bei dem haben sie sich immerhin etwas Gedanken gemacht.

Bevor Aragorn und andere auf die Pfade der Toten aufbrechen, machen sie Rast in einer Fluchtburg, in der Frauen, Kinder und Alte der Rohirrim sich versammeln, weil Krieg ist, und Eowyn ist die Kommandantin. Dies ist noch nicht der emanzipatorische Teil; als Adelige ist dergleichen ein nicht unüblicher Posten.

Sie beschwert sich allerdings, dass Aragorn und die anderen in den Krieg ziehen und sie bleibt zu Hause und kann nichts machen. Ihr wird – könnte von mir sein – gesagt, dass er nicht gerade danach aussähe, dass irgendeiner der Männer wiederkehren wird, und dass es am Ende noch genug Orks übrig sein müsste, die Eowyn bei der Verteidigung ihrer Burg erschlagen könnte. Oder umgekehrt. Und es ist mehr als nur angedeutet, dass sie denselben Heldentod wie die Männer sterben würde, nur später und zuhause, also worüber beschwert sie sich?

Und jetzt kommt ein Argument, was ich im richtigen Leben eher nicht gehört habe, und ich kenne den ganz genauen Wortlaut nicht, aber es geht fast genau so: „Das heißt doch auch nur, dass die Frau Haus und Hof behüten soll, solange der Mann herumreitet, aber wenn der Mann tot ist, kann Haus und Hof und Frau ruhig verbrennen – der Mann braucht sie ja nicht mehr.“ Sie ist mit der Gesamtsituation mehr als unzufrieden, wie man merkt, aber wie viel besser ist der Spruch als der von Frau Clinton?

Jedenfalls kommt Eowyn auf den Gedanken, dass es vllt. besser wäre, selbst die Initiative zu ergreifen, als sie anderen zu überlassen. Also zieht sie in Verkleidung in die Schlacht. Wenn sie darin stirbt, trägt sie vllt. trotzdem zum Sieg bei, und selbst wenn nicht, kriegt man zumindest nicht mit, wie hilflose Kinder massakriert werden. (Es liegt da wohl auch ein gewisser Todeswunsch bei Eowyn vor – Glück im Unglück, später im Krankenhaus lernte sie ihren ähnlich motivierten Ehemann kennen. Beide kämpften so hart, dass man sie für tot hielt, beide erholen sich, während der Rest weiterkämpft, und beide haben das Glück, nicht nur wieder zu Kräften zu kommen, um dann doch zu sterben, wenn Sauron wieder Oberwasser kriegt und alles in Orks ertränkt…)

Die Moral von der Geschichte: wenn man mit der Gesamtsituation und der Rolle als Frau unzufrieden ist, einfach sich selber ändern. Der Rest ergibt sich dann von alleine.

Ein Gedanke zu “Tolkien feministisch!

  1. Die Moral von der Geschichte: wenn man mit der Gesamtsituation und der Rolle als Frau unzufrieden ist, einfach sich selber ändern.

    Tatsächlich glaube ich, dass dieser Ratschlag für Männlein und Weiblein gleichermaßen gilt, und beide Geschlechter die gleichen Probleme damit haben: „sich selber ändern“ ist alles mögliche, aber eins ganz sicher nicht: einfach.

    Like

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s