Meta-Kritik

Für She-Hulk.

Einmal Spiegel.

Wer hat Angst vor der großen, starken (und grünen) Frau?

Marvelschurkinnen und -schurken? Nur so als Theorie.

Sie trägt ihr Date ins Bett, tuschelt mit dem TV-Publikum und findet die Rolle als Superheldin eher hinderlich für die Karriere:

1. cool, 2. cool, und natürlich leidet sie 3. unter der „falschen“ Hautfarbe. Aber das soll She-Hulk sein.

Warum »She-Hulk« in der neuen Marvel-Komödie unwiderstehlich und radikal weiblich ist.

Eigentlich wäre jetzt die Stelle, warum die Serie witzig ist, oder spannend, oder was auch immer. „Unwiderstehlich“ ist ein Wieselwort, und „radikal weiblich“ klingt mehr nach politischem Statement als nach Unterhaltung.

 Mehrere Jahre habe er gebraucht, sagt Bruce Banner, bis er gelernt habe, sein durch extreme Gammastrahlung induziertes Alter Ego, den sogenannten Hulk, unter Kontrolle zu bringen.

Den letzten Schritt wurde in den Marvel-Filmen leider nicht gezeigt. Ganz zum Schluss ist er mit seinem Schicksal versöhnt, weil er diesen Handschuh benutzen kann, aber sein Charakterbogen hat eine Lücke.

Wie es ihm mühsam und langwierig gelang, Ängste und Wut zu beherrschen, sodass er nun ganz manierlich als »Smart-Hulk« mit Brille und ausgeglichenem Gemüt auftritt, hat er akribisch dokumentiert.

In einem Aktenordner. NICHT in Filmform. Schade, aber nunja.

Jennifer Walters hat gar keine Probleme, ihre neue Superpersönlichkeit in Schach zu halten: »Meine Wut kontrollieren?«, faucht sie Bruce in der ersten Episode der neuen Marvel-Serie »She-Hulk« an, »das tue ich ständig! Wenn ich auf der Straße angepöbelt werde, wenn mir inkompetente Männer mein eigenes Fachgebiet erklären, ich tue es jeden Tag, denn wenn ich es nicht tue, werde ich als emotional oder schwierig bezeichnet oder laufe buchstäblich Gefahr, ermordet zu werden. Ich bin also Expertin darin, meine Wut zu kontrollieren, denn ich tue es definitiv öfter als du.«

Wenn man etwas dreimal täglich für fünf Minuten macht, ist das natürlich häufiger als einmal täglich 24 Stunden lang. Nebenbei war es beim Hulk, als er noch von Norton gespielt wurde, nicht nur Wut und Angst, sondern quasi jedes „stressige“ Gefühl, wie Schmerz oder sexuelle Erregung. Es ist wohl wirklich so, dass es über die Jahre immer besser mit der Selbstbeherrschung wurde, aber hier habe ich mehr den Eindruck, dass der Wut-Mechanismus bei She-Hulk etwas harmloser ist. Aus Gründen, die ich eher der Art der „Ansteckung“ zuschreiben würde als ihrer Vorbildung als Frau. Bruce hatte als Normalo ja auch keine Aggressionsprobleme.

Die ganze gut gemeinte, aber arg paternalistische Anger-Management-Lektion von Hulk zu Hulk fühle sich für sie so an, »als würde eine Menge Scheiße auf mich projiziert«.

She-Hulk weiß natürlich instant besser, wie es ist, ein Hulk zu sein. So, wie ein Jurist direkt von der Uni ihr erzählt, wie sie nach 15 Jahren als Anwältin ein Plädoyer hält.

Sie sagt nicht »Männerscheiße«, aber es ist klar, was gemeint ist.

Kein Mensch ist toxisch! Auch, wenn er gamma-verstrahltes Blut hat. Und seine Cousine damit mitverstrahlt hat… Ok, eine gewisse Metaphorik scheint hier doch zutreffend zu sein. Aber nunja, hier wird

Weiblichkeit hier nicht wie bisher so oft auf maskuline Muster gebappt wie ein hübscher Alibi-Sticker,

„Gebabbt“? Das heißt „gepappt“.

die Macho-Topoi des Superheldengenres werden vielmehr mit inhärent weiblichem Humor und selbstironischer Comedy ganz und gar aus den Angeln gehoben.

Bruce Banner ist offenbar nicht nur seit Jahren Single, sondern hatte zumindest zu Beginn seiner Hulk-Karriere auch keinen Sex. Peter Parker ist jetzt auch nur mäßig erfolgreich beim anderen Geschlecht. Thor hat im Verlauf der MCU-Filme exakt eine Freundin, ist aber auch 1.500 Jahre alt, und wir wissen im Kontext des MCU nicht, wie sein sonstiges Liebesleben aussah. Tony Stark ist ein Playboy. Hawkeye Familienvater. Black Widow(s) haben aus Gründen wenig Familienleben. Doktor Strange ist auch nicht so der Frauentyp. Captain America siehe unten. Also von den Hauptfiguren sind maximal zwei Machos.

Außerdem „inhärent weiblich“ sexistisch.

So erteilt Jennifer nicht nur den pseudosmarten Lektionen des Hulk-Männchens eine Absage, sie pfeift auch auf sein weihevolles Gefasel von großer Verantwortung und großer Macht

Ja – und nächste Woche wieder: Männer müssen Probleme von Frauen lösen. Immerhin ist sie Anwältin und kümmert sich um die Probleme anderer Leute.

jene ewige Heldendialektik, die ihre Superkräfte angeblich mit sich brächten. »Sorry, aber zitierst du gerade aus einem Comicheft?«

Was hat sie gegen Comics? Bzw., wieso sollte das etwas schlechtes sein?

Das sei doch nur was für dysfunktionale Psychos, meint sie. Sie sei nicht bereit, sich ihr Leben wegnehmen zu lassen.

Niemand zwingt sie. Niemand könnte sie zwingen. Was für ein bescheuerter Spruch. Nebenbei, offenbar werden auch im MCU bevorzugt Männer als Soldaten und/oder Versuchskaninchen für Experimente verwendet, die bessere Soldaten erschaffen sollen…

Ihren Job als Vizestaatsanwältin ist sie jedenfalls nach einem heroischen She-Hulk-Einsatz im Gerichtssaal erst einmal los. Die gegnerische Anwaltskanzlei hingegen engagiert sie gern

Wo eine Tür sich schließt, öffnet sich ein Fenster. Außerdem, wo ein Hulk ist, ist nötigenfalls eine Maueröffnung.

Sie soll medienwirksam Klienten vertreten, die ebenso wie sie zur Riege der Freaks und Superwesen gehören.

Tja. Wie in den Comics!

Dazu gehört auch, dass sie Jennifer ständig in ihrer aufwendig mit Motion-Capture-Anzügen und CGI animierten She-Hulk-Form zeigen muss.

Okeeee?

Doch der Clou dieser Serie ist ja gerade, dass mit der Transformation in den Hulk bei Jennifer keine Wesensveränderung einhergeht:

Mit anderen Worten, sie braucht keine Superkräfte, um ihre Ziele zu erreichen. Das ist einerseits ja gut, andererseits etwas unkonventionell für eine Superheldenserie. Ohh, verstehe!

»She-Hulk« zeigt auf selbstbewusste Weise, dass jede Frau eine Superheldin in sich trägt, sie wird nur allzu oft nicht entfesselt

Ja, ne. Hallo Frau Marvel. Oder Real-Film-Mulan. Dass Comics, Comic-Verfilmungen und dergleichen durchaus mehr von Männern gelesen, gesehen oder sonstwie gemocht werden, und es daher nicht ganz einfach ist, plötzlich erfolgreich die Zielgruppe zu ändern, soll aber nicht heißen, dass man es nicht versuchen sollte.

oder von der Frau selbst nicht als Empowerment-Tool erkannt, sondern als Alien, das Männer einschüchtert oder abschreckt.

Ok, die Serie hat erst angefangen. Hat sie als She-Hulk etwas, was sie als normale Frau auch gebrauchen könnte?

So ist Dating als She-Hulk tatsächlich schwierig, wenn sie einen muskelbepackten Beau nach einem Date auf ihren Armen ins Bett trägt

Oh, DAS war wohl der einfache Teil.

 und der Kerl am nächsten Morgen mit seiner Männlichkeit hadert

Das ist ja nicht ihr Problem. Offenbar kann sich sich auch beim Sex kontrollieren – schön, oder?

Die Einsamkeit der starken Frau hat nichts Heroisches.

Sie ist weniger einsam als ihr Vetter, würde ich sagen. Also, wo ist das Problem?

Lange mussten Marvels Heldinnen ihr Dasein in den Comics als Pin-ups und vollbusige, leicht bekleidete Sidekicks von Superkerlen fristen, auch She-Hulk, Anfang der Achtziger von Stan Lee und Zeichner John Buscema erfunden

Ok, seit den 80ern hat sich eine Menge geändert. Wie schön für alle!

viel Witz generiert sich in »She-Hulk« durch die selbstreferenziellen Kommentare, die Jennifer ans TV-Publikum richtet

Sonst beschwert sie sich auch mal beim Comic-Autoren. Oder beim Zeichner. Oder sie reißt ein paar Bilder aus. Oder hofft, dass sie den Verleger nicht verärgert. Man würde den Verleger nicht mögen, wenn der wütend ist.

Trotzdem sei das hier nicht die gewöhnliche Jede-Woche-eine-neue-Cameo-Show, belehrt uns She-Hulk klug in einer ihrer direkten Ansprachen – und pocht darauf, die Hauptperson zu sein: »Vergesst nicht, wessen Serie das eigentlich ist!«

Obiwan never told you…

Außerdem, der Tagesspiegel:

Comicverfilmung „She-Hulk: Die Anwältin“ Neue Marvel-Serie mit feministischem Unterton

Wie unsubtil kann etwas werden, bevor es kein „Unterton“ mehr ist? Große Teile wie oben: „Als Frau – yadda, yadda – mit Wut umgehen – blabla – Frauenpower!“

 „Es gibt definitiv feministische Untertöne“, sagt sie, „aber es ist keine Show, die versucht, dir zu sagen, wie du zu irgendwas stehen sollst.

Okeeee – aber wenn man den Ansichten der Hauptperson nicht zustimmt, macht es irgendwann keine Lust, sich die Show anzusehen.

Es ist ja außerdem eine Komödie, also wird einem hier nichts vorgeschrieben.

Es wird schon etwas geben, worüber man lachen soll.

Es ist eher so, dass man auf Jens Seite ist, man wird in ihre Lage versetzt. Es ist feministisch in der Hinsicht, dass wir diese gewaltige Veränderung in ihrem Leben aus ihrer Perspektive erleben.“

Joah – warum sollte man zum Wehrdienst? Man will sich doch nicht sein Leben wegnehmen lassen! Ich kann mich dazu sowas von „relaten“.

von allen „She-Hulk“ genannt … „Dieser Name bleibt hoffentlich nicht, er ist so dämlich“, schimpft sie in einer Folge. Auch Maslany hat gemischte Gefühle bei dem Namen, der nach einem „Hulk-Anhängsel“ klinge. „Es ist so reduzierend“, sagt sie und lacht. „Es ist ärgerlich, aber gleichzeitig liebe ich den Namen auch.“ Die Serie spielt geschickt mit dieser Ambivalenz.

Ok, DAS Problem verstehe ich. Und es ist tatsächlich die Art Selbstreferenz, die „Shulkies“ Humor ausmacht. Sie ist schon „woke“. Und zwar auf die unterhaltsame Art. Man muss sie nicht noch „woker“ machen. Hört auf mit dem Mist!

Haben Superheldinnen eine Krankenversicherung?

Niemand hindert sie, eine abzuschließen, vermute ich. Allerdings ist die für She-Hulk entweder sehr billig oder SEHR teuer. Unverwundbarkeit vs. Radiokativität – wer kennt die Langzeitfolgen?

Ist Captain America als Jungfrau gestorben?

Diese sehr wichtige Frage diskutieren Jennifer Walters und Bruce Banners beim Auto fahren kurz vor dem schicksalhaften Unfall. So, wie ich auch das nicht-existente Liebesleben von irgendwelchen Kollegen von mir mit meinen Cousinen diskutiere („Ähh, Mycroft – ganz dünnes Eis.“), also GAR nicht. Jedenfalls ist Cap nicht nur in vor-Serum-Zeiten Incel, sondern wird in der Hinsicht nicht direkt aktiver, nachdem er deutlich chad-artiger wurde. Jetzt ist dieses „Chad-„Ideal“ schon sehr überzogen, aber die meisten Frauen stehen schon auf Männer, die mindestens so groß sind wie sie selbst. Und mindestens so sportlich sind. Und breitere Schultern haben. Cap ist schüchtern. Mutig, aber schüchtern. Bei Nazis ist es nicht so schlimm, wenn man ihre Gefühle verletzt, aber eine Frau hat mal eine ganze Pistole auf ihn leergeschossen, weil eine andere Frau ihn angebaggert hat. Und er nicht sofort aus dem nächsten Fenster sprang. So viel zum Thema, man müsse Gefühle unterdrücken, um nicht erschossen zu werden. (Wie die Geschichte ausgeht, ist ein größerer Spoiler, aber man mache mal die Geschlechtertauschprobe nach Stokowski – Frau wird mit einer tödlichen Waffen von einem eifersüchtigen Mann beschossen, nachdem ein anderer Mann mit ihr geflirtet hatte…) Captain America ist nicht nur der Beweis, dass Inceltum nicht notwendigerweise mit dem Äußeren zu tun hat, oder der Anti-Baby-Pille (im 2. WK war die noch nicht erfunden, und man kam generell schwerer an Sex), sondern auch, dass auch Incels Helden sein können. Bzw., Nazis bekämpfen anstatt mit Frauen zu flirten ist eigentlich das heldenhaftere Hobby. Aber natürlich ist es feministisch, sich über Incels lustig zu machen.

Auch über Internet-Trolle, die sich über „She-Hulk“ beschwerten, macht sich die Serie lustig. Schließlich handelt es sich mitnichten um ein „Produkt des Genderwahns“ oder den „Genderwechsel“ eines beliebten Superhelden.

Ja, das stimmt insofern. Andererseits, manchen ist „woke“ nicht woke genug. Nie woke genug. Es gibt nicht genug woke für alle!!!

Einziger Kritikpunkt ist leider die Computer-Animation von She-Hulk, die mitunter zu künstlich aussieht.

Oh, nein, wie schrecklich. Die unglaubliche She-Hulk sieht unglaubwürdig aus…

Wie auch immer, ich habe hier einen Link zu einer Youtuberin, die sich den Disney+-Account ihres Bruders geschnorrt hat, um She-Hulk kritisieren zu können.

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