Geschlechtstest

Ruhm und Ehre der allweisen TAZ!

Gender-Identität: Ein „Gefühl“ ist das nicht

Tja. Gefühle können bekanntlich täuschen.

Wir alle haben eine Geschlechtsidentität – auch cis Menschen.

Cismenschen. Aber ja, natürlich identifizieren sich Menschen mit einem Geschlecht. Bei Cissexuellen ist es typischerweise dasselbe Geschlecht, mit dem sie auch von anderen Menschen identifiziert werden.

Sie ist ein Grundpfeiler.

D’oh.

Sie sind nicht überzeugt?

Von beiläufigen Trivialitäten, die mir als völlig neue, bahnbrechende Gedanken präsentiert werden? Eigentlich war ich das vorher schon. Weil es eben trivial ist.

Machen Sie mit mir einen Test.

Yäy!

Formulierungen wie „fühlt sich als Mann“ oder „empfindet sich als Frau“ sind immer noch sehr verbreitet in Texten über Gender.

Gender ist ein soziales Konstrukt. Gefühle sind etwas psychologisches.

Diese Formulierungen sind nicht komplett falsch. Aber sie sind irreführend.

Bei Transsexuellen ist damit gemeint, dass sich jemand in dem Körper und dem anatomischen Geschlecht, mit dem soe geboren wurde, unwohl, unglücklich, nicht „zu hause“ und einfach falsch fühlt.

Geschlecht ist kein Gefühl wie warm, Hunger, einsam. Oft liest man stattdessen den Begriff Gender-Identität oder Geschlechts­identität. Klingt abstrakt, verkopft.

Es klingt vllt. so, ist es aber nicht. Es ist eine „gefühlte“ Abstraktion, keine gemessene. Aber ja, hierbei wird die Selbstwahrnehmung nicht als „Gefühl“, sondern als „Vorgang“ – Identifizieren – dargestellt.

Die Definitionen sind nicht ganz einheitlich, es ist ein psychosoziales Phänomen, in etwa geht es um das innere Bewusstsein, um eine intuitive Zugehörigkeit, die uns prägt.

Tja, das wäre jetzt die Stelle, um zu erklären, welche unterschiedlichen oder widersprechenden Definitionen es für „Geschlechtsidentität“ gibt. Definitionen sind definitiv wichtig. Boing.

Geschlechtsidentität ist ein Grundpfeiler unseres Selbstbilds. Nicht nur trans Personen haben sie oder agender, nichtbinäre und genderqueere Personen. Alle haben eine Geschlechtsidentität.

Ähhh, wenn „agender“ nicht dasselbe sein soll wie „asexuell“, was ist dann der Unterschied zwischen „agender“ und „nicht-binär“? Dessenungeachtet identifiziere ich mich als Mann. Dass es mWn niemanden gibt, der mich anders identifiziert, ändert nichts daran, dass das meine Geschlechtsidentität ist. Genauso könnte ich sagen, dass ich mich als Mann fühle. Ich fühle mich in einem Männerkörper „richtig“ an. Praktischerweise ist mein gefühltes Geschlecht mit meinem anatomischen deckungsgleich.

Wir bemerken sie aber nur, wenn jemand sie angreift oder infrage stellt.

Peter Weißenburger bemerkt also die meiste Zeit über nicht, dass er ein Mann ist? Bzw., ich nehme an, dass er einer ist, wegen Vorname, Bild mit Schnurrbart und der Bezeichnung „Redakteur“ ohne „in“.

Spielen wir das einmal durch. Achtung, das wird vielleicht unangenehm.

„Wappnet Euch für Schmerz und Leid, weil Ihr sonst nicht gerüstet seid!“

Schritt 1: Tragen Sie bitte ihr Geschlecht ein!

„Ich bin _______________.“

Ich könnte mir jetzt auch einfach ein Geschlecht ausdenken. Aber ich nehme mal „männlich“.

Schritt 2: Streichen Sie es durch. Das, was Sie eingetragen haben, ist leider falsch. Meiner Meinung nach haben Sie unrecht. Ich kann mich irren. Aber ich hätte gern Beweise.

Welche Beweise würden Sie denn akzeptieren? Weiterhin, unterstellen Sie, dass ich mich irre, oder dass ich lüge? Außerdem, wenn das keine Rhetorikschlaufe im I-Net wäre, sondern eine reale Situation, wie würden Sie Ihre Zweifel begründen?

Wenn Sie „ein Mann“ eingetragen haben, dann möchte ich, dass Sie mir beweisen, dass Sie ein richtiger Mann sind.

Ich habe „männlich“ eingetragen, nicht „ein Mann“.

Was ein richtiger Mann ist, darüber gibt es Bücher, Websites und Podcasts, lesen Sie sich ein.

Da steht, dass „richtige Männer“ ihre Männlichkeit nicht beweisen müssen. Weil das nur für Psychospielchen wichtig ist, und richtige Männer gehen darauf nicht ein.

Und strengen Sie sich bitte an!

*Fingerschnipp* Wer sich anstrengen muss, um die „richtige Männlichkeit“ zu beweisen, kann offenbar kein richtiger Mann sein.

Wenn Sie „eine Frau“ eingetragen haben, dann kann ich Ihnen gleich sagen, das wird nichts. Die korrekte Frau gibt es nicht.

Na, sowas. Ist eine „korrekte Frau“ sowas wie ein „richtiger Mann“? Im Zusammenhang mit der Trans-Debatte sollte ein Barr-Körper-Test eigentlich ausreichend sein.

Frauen sind immer falsch. Sie sind entweder nicht schön genug, oder wenn sie schön sind, dann sind sie nicht moralisch genug, und wenn sie moralisch sind, sind sie zu spröde – und bis sie all das entzwirbelt haben, sind sie zu alt.

Also wie bei Männern.

Schritt 3: Hatten Sie eben eine emotionale Reaktion? Zum Beispiel Wut oder Trotz? Wollen Sie mir gerne eine klatschen?

Ist das eine Fangfrage? Wenn nicht, lautet die korrekte Antwort: „Ist das eine Fangfrage?“ Falls doch, ist es natürlich richtig und wichtig, über die eigenen Gefühle zu reden. Egal, welches Geschlecht man hat oder nicht hat.

Ich hoffe es, denn das wäre ein gesunder Selbstbehauptungs­reflex.

Nicht so gesund für Sie. Nebenbei, wenn eine Frau im RL eine „emotionale Reaktion“ hätte und Ihnen eine „klatscht“ – wie würden sie sich wehren? Oder falls nicht, was machten Sie stattdessen?

Ich habe Ihre Geschlechtsidentität angegriffen – ich bitte um Entschuldigung –, das ist demütigend, so sehr, dass wir zu einigem fähig sind, wenn das passiert.

Wer ist „wir“?

Manch ein Mann hat deswegen schon gemordet.

Ahh! „Der Täter hatte frauenfeindliche Seiten im Netz besucht und ist den „Incels“ zuzuordnen. Ein Verschwörungskult gegen alles, was nicht ein hetero Mann mit breitem Unterkiefer ist.“ Nein. Incels sind der Ansicht, dass ihre Unterkiefer leider nicht breit genug sind, ergo sind die sog. „Chads“ – aka Typen, auf die Frauen stehen – die Nutznießer. Incels sind typischerweise aber nicht der Ansicht, dass ihre eigene Geschlechtsidentität „in Frage gestellt“ oder „angegriffen“ würde, sondern viel mehr, dass sich niemand sonst für diese Identität interessiert. Was jetzt auch keine Rechtfertigung ist, aber offenbar ist Herr Weißenburger selbst ein Chad und hat keine Empathie für Incels.

Schritt 4 (optional): Haben Sie oben etwas anderes eingetragen als „Mann“ oder „Frau“?

Technisch gesehen ja, aber egal – das Problem wird hier vereinfacht: Transfrauen wird von TERFs nicht einfach „die Existenz“ oder „das Existenzrecht“ oder jedenfalls ihre „Weiblichkeit“ abgesprochen; TERFs unterstellen, dass Transfrauen – oder jedenfalls viele unter ihnen – Cismänner sind, die lügen. Nicht „sich irren“, sondern wissentlich die Unwahrheit zu sagen, um andere zu täuschen. Und das ist der Grund, warum die härtesten vom Harten Kern mit Apellen an die Empathie nicht erreichbar sind, weil niemand Empathie für Leute empfinden will, die soe für Lügner hält. Dem nicht so harten Kern ist es relativ egal, die wären für einen dritten Satz von Toiletten.

Identität, das sind nicht immer die andern.

Nein – die anderen, die sind die Hölle.

Geschlechtsidentität haben wir alle, auch cis Menschen.

Stimmt, aber Cismenschen brauchen gar nicht auf ihre Selbstwahrnehmung abzustellen, sie verweisen auf ihre Anatomie. Ja, das ist unfair, aber ich kann es nicht ändern.

Sie ist kein Gefühl und auch kein Luxusaccessoire.

Letzteres wohl wirklich nicht. Aber ja, wenn meine Anatomie mich nicht definiert, dann eben meine Gefühle. Gefühle können täuschen UND man kann Gefühle schlecht beweisen, aber wenn das das Kriterium sein soll, bitte.

Wenn wir bei trans Personen sagen „fühlt sich als Mann/Frau“, bei cis Personen dagegen „ist ein Mann/eine Frau“, dann klingt das, als wäre unser Erleben von Geschlecht grundverschieden.

Das klingt nur so. Gemeint ist, dass man das biologische Geschlecht von außen überprüfen kann, das „psychologische“ nicht. Und das soziale ist noch was anderes.

Dabei ist es ziemlich ähnlich.

Das Erleben des eigenen Geschlechtes vermutlich schon. Das „Erleben“ des Geschlechtes von anderen Leuten aber nicht.

2 Gedanken zu “Geschlechtstest

  1. Ähhh, wenn „agender“ nicht dasselbe sein soll wie „asexuell“, was ist dann der Unterschied zwischen „agender“ und „nicht-binär“?

    In meiner Jugendzeit bot man dem Gegenüber bei Disputen an, ihm „… so lange auf die Fresse zu hauen, bis er nicht mehr weiß ob er Männchen oder Weibchen ist“. „agender“ ist das selbe, nur ohne die Prügel. Wenn du asexuell bist, ist dir die Libido anhanden gekommen. Und nicht binär sind welche die ganz genau wissen, dass sie weder Männlein noch Weiblein, sondern ein Apache Kampfhubschrauber sind. für heute zumindest

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  2. „Streichen Sie es durch. Das, was Sie eingetragen haben, ist leider falsch. Meiner Meinung nach haben Sie unrecht. Ich kann mich irren. Aber ich hätte gern Beweise.“

    Der zitierte Artikel ist m. E. ein Schuss ins eigene Knie. Denn er zeigt ja, dass es bei „Gender“ nichts gibt, was bewiesen werden kann und folglich keine Objektivität gegeben ist.

    Wenn ich aber über objektive Dinge diskutieren will, dann habe ich dafür nur das biologische Geschlecht. Alles Andere ist Phantasie.

    Versenkt!

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