Gedanken zum neusten GoT-Prequel-Trailer

Also hierzu.

Okeee, die voll macho-mäßige Welt von GoT, bzw. die mittelalterliche Gesellschaft des Kontinentes Westeros, akzeptiert keine Frauen als Herrscherinnen. Weil das ja noch nie vorkam. Das reale Mittelalter im tatsächlichen Europa war da definitiv anders. Darunter mehrere Kaiserinnen von Byzanz, welches Reich offenbar die Kostümvorlagen von Rhaenyra lieferte.

Womit ich das Mittelalter nicht irgendwie zum feministischen Paradies stilisieren will, aber mittlerweile bin ich leicht von unfreiwilligen Mittelalterparodien genervt. Jedenfalls hatte die Regel, dass ausschließlich männliche Verwandte Titel und Land erben dürfen, dem Zweck, dass Frauen nach ihrer Hochzeit der Familie ihres Mannes zugehörig waren, und DENEN will man keinerlei Land oder Titel zugestehen.

Der Grund ist also weniger die eigene Frauenfeindlichkeit oder die frauenfeindlichen Adeligen aus der Nachbarburg, die ja durchaus gerne auf diese Weise Titel und Land erheiraten würden. Oder halt hier den eisernen Thron.

Jetzt kann man eine Heiratsregel, die die Frau automatisch der Familie ihres Ehemannes zuschreibt, trotzdem als frauenfeindlich bezeichnen, aber – und das ist der Unterschied zum Trailer – die Adeligen eines Staates im RL-Mittelalter würden eine Frau ggfs. als Königin akzeptieren, sofern es nicht ihr eigenes Erbe ginge, und sofern sie sich davon politische Vorteile versprechen; außerdem ist es möglicherweise nicht sooo feministisch und emanzipiert, wenn eine privilegierte ultra-weiße Kolonialherrin noch eine Schüppe Sonderrechte extra kriegt, wie der Trailer tut.

Aber, wenn ich das richtig verstehe – sie ist doch Drachenreiterin? Also eine Person, die auf einem real existierenden Drachen sitzt und realexistierende Mensch zu Ruß macht? Es ist von der Logik des Szenarios her plausibel: sowohl Drachen als auch Menschen, die sich von diesen Drachen reiten lassen – stellt Euch Drachen als Haustiere wie extrem wählerische Katzen vor, nur ohne flauschiges Fell und größer – sind eine seltene Ressource. Bei allen Gründen, aus denen man Frauen eher selten in Schlachten schickt – eine Frau, die mit ihrem Drachen diese Schlacht quasi im Alleingang schlagen kann – dass man einen fliegenden Drachen von einem schwankenden Schiff aus trifft, ist extremes Glück oder Pech – würde man ihr diese Möglichkeit geben. Man verzichtet bei allem Sexismus nicht auf eine siegreiche Schlacht. (Und daher unterscheidet sich Westeros deutlich vom RL-Mittelalter.)

Und würden die Adeligen von Westeros eine Frau auf einem Drachen akzeptieren? Die werden nicht gefragt – eine Frau auf einem Drachen akzeptiert keine Männer, die sie nicht akzeptieren.

Was wäre denselben Adeligen demnach wohl lieber – eine Frau auf einem Drachen oder auf dem eisernen Thron?

Mir ist klar, dass es wohl um zwei Fraktionen mit Drachen und Drachenreitern geht, die sich bekämpfen, und um unterschiedliche Formen der Erbfolgeregel, aber dass eine Frau Königin werden soll, wäre eigentlich höchstens ein Nebenschauplatz. Nicht falsch verstehen – nur, weil ein Trailer etwas feministisch främt, muss es das nicht sein. Es gibt etliche extrem irreführende Trailer, und die eine Zeile ist über die ganze Serie betrachtet genau DER Nebenschauplatz, den ich versucht habe zu umschreiben. Und selbst wenn nicht, ist es möglicherweise trotzdem eine spannende Serie.

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