Wofür Trolle noch gut sind

Ok, bitte nicht füttern, aber sie ziehen Katapulte nach Gondor, sie sorgen für EP für Deinen Charakterbogen, bei UEBS 2 sind sie toll, und ich „fühle“ den einen Troll in der Endschlacht der Jackson-HdR-Trilogie: Freund und Feind starrt auf den Dunklen Turm, um zu sehen, was denn jetzt abgeht, aber der Troll denkt sich nur: „Das war’s, ich bin raus!“ und bahnt sich einen Weg vom Schlachtfeld. Trolle sind nicht notwendigerweise dumm.

Außerdem beschützen sie She-Hulk vor Kritik. Echte Trolle haben keine hautfarbenspezifische Vorurteile und mögen She-Hulk bestimmt. Für eine mutierte Menschenfrau jedenfalls.

Außer den Scheibenwelt-Trollen. Die basieren auf Silizium.

Jedenfalls – via Genderama – hier.

Wenn es keine Trolle gäbe, müsste man sich mit Kritik an einem unpolitischen, weniger künstlerischen, sondern mehr handwerklichen, und mMn sogar eher nebensächlichen Element der She-Hulk-Show auseinandersetzen. Aber so:

‘She-Hulk’ Director Kat Coiro Blames Criticism Of Marvel Series’ CGI On “Our Culture’s Belief In its Ownership Of Women’s Bodies”

Wenn „unsere Kultur“ glaubt, Frauenkörper besitzen zu können, dann natürlich auch CGI-Versionen davon. Ist klar. Genauso glauben Leute, die das neuste Mercedes-Modell kritisieren, dass es ihnen gehört. Tatsächlich ist es so, dass rund die Hälfte unserer Gesellschaft Frauenkörper bestitzen, deutlich mehr als Mercedes-Modelle.

Coiro shared her opinion on the backlash to Jennifer Walters’ uncanny valley-esque looks during an appearance at the series’ August 3rd Television Critics Association press tour panel.

Also, das „Tal des Unbehagens“ ist nicht erreicht. Für mich jedenfalls. Dass She-Hulk jetzt nicht die allerallgemeinsten weiblichen Schönheitsideale darstellt, ist ja Teil der Figur. Und sie ist ja „unnatürlich“.

„I think a lot of the critique comes from feeling like they’re able to tear apart the CGI woman,” said Coiro. “There’s a lot of talk about her body type, and we based it on Olympian athletes and not bodybuilders.“

Sie hat übermenschliche Superkräfte. Sie hat ihre Gefühle weitgehend unter Kontrolle. Sie ist recht humorvoll und macht sich u.a. über Superheldencomicklischees lustig. Also, so weit ich das per Ferndiagnose überschaue, eine gelungene Adaption. Dass sie „normalere“ Proportionen hat als ihr Vetter in Hulk-Form, korrespondiert mit ihrer insgesamt ausgeglicheneren Persönlichkeit – so, wie sie geistig und seelisch eine Mischung aus Mensch und Hulk-Wesen ist, ist sie es auch körperlich.

“But I think if we had gone the other way, we would be facing the same critique,” she concluded. “I think it’s very hard to win when you make women’s bodies.”

Das ist jetzt nicht dasselbe wie „die CGI sieht nicht so gut aus“. Vermutlich gibt es sogar beide Kritiken: „Die CGI ist nicht so überzeugend, wie sie sein könnte!“ und „She-Hulk müsste mehr Muskelmasse besitzen.“ Möglicherweise widersprechen sich die beiden auch, weil es möglicherweise eeetwas schwieriger ist, Arme so dick wie ihr Kopf, die sich aber bewegen wie normale Arme, aber schneller, glaubhaft darzustellen, aber hey. Ich muss die Show nicht verteidigen.

Turning to what she found “really compelling about the story”, Maslany asserted that it was the element of how “when she’s She-Hulk she’s treated very differently than when she’s Jen.”

Joah. Bei welcher Form von beiden rennen alle schreiend weg?

“There’s a lot of having to affirm her intelligence when she’s Jen and assert her role and trying to get respect, whereas when she’s She-Hulk there’s this inherent sort of awe inspired by her that’s at odds with how she wants to be perceived,” she elaborated. “Her anger, her largeness, her taking up space in a room, is all fertile ground for us to play with, flip the standard on its head so you can laugh at it.”

Na, DAS ist doch mal ein Anlass, Feminismus und Humor zu verbinden. Außerdem: „Superhelden-Cousine wird Superheldin“-Klischee. Immerhin war da der Vorwurf, die Schauspielerin sei nicht sexy lesbisch genug. Insofern stelle ich eine Verbesserung fest.

“It was definitely something we talked about, about inclusivity and making sure that the story was told through the female lens. Comic books have traditionally, in the art, been through the male gaze, and so there was a lot of talk about what is the female gaze and how do we create this from our point of view?”

Wenn die Mehrheit des Fandoms, aus historischen Gründen oder wegen der Maskulistischen Weltverschwörung, männlich ist, kann man natürlich trotzdem versuchen, auch Frauen für eine Comic-Verfilmung zu gewinnen. Aber dafür reicht es nicht, Männer zu vergraulen, weil keine Frau denkt: „Wenn Männer das nicht mögen, ist das bestimmt ganz toll!“

“One thing I always come back to was one of the wish fulfillment elements of getting to see her walking down a dark alley, and someone gives her a hard time, and she’s able to kick their butts,” the director detailed. “It was something that every single woman could relate to, any woman, of any age.

Oder Bruce Wayne. Insofern müsste Batman ja auch bei ganz vielen Frauen super-relatebel sein. Nur  bei Supergirl nicht. Die kann erstens im Dunkeln sehen, zweitens muss sie nicht am Boden bleiben, und drittens ist sie Supergirl.

Putting forth one example of such “nuanced things”, Coiro recalled, “We talked a lot about women feeling the need to be polite. If some guy comes up to you in a bar, it’s obvious what he wants but you don’t want to offend him because you are afraid of being rude.”

Auch Männer haben Gründe, höflich zu sein. Irgendwas mit Gesellschaft und so. Spiderman bspw. fängt nicht an, es den Typen heimzuzahlen, die ihn in der Schule immer schikanierten. Superman ist als Clark Kent typischerweise freundlich und höflich. Allerdings muss man bei She-Hulk sagen, dass die frühen Comics sie als „übellaunig und gewalttätig“ zeichnen, sie aber inzwischen als „lebenslustig, freundlich, empathisch, wenn auch streitlustig“ beschrieben wird. Was ja tatsächlich auch plausibel ist; wenn man keine Angst haben muss, ist man entspannter. Es wäre ja möglich, dass diese Charakterentwicklung in der Serie vorkommt.

“Jennifer Walters has this new part of herself that doesn’t have to temper that and doesn’t have to put up with things she doesn’t want to put up with,” the director said. “Jennifer Walters doesn’t have to put up with that crap.”

O-Der, sie wird einfach eine zweite Captain Marvel. Sie ist zwar Anwältin, kümmert sich um Minderheiten, schützt auch Verbrecher vor unrechtmäßiger Behandlung und löst, kurz gesagt, Probleme nicht mit unnötiger Gewalt; aber Fernseh-She-Hulk kennt kein größeres Problem als das von Frauen in Bars und dunklen Gassen – was praktisch dasselbe ist – und ist deshalb ein tolles Vorbild für junge Frauen. Wer die CGI nicht mag, dem nicht passt wohl auch die Figur nicht, und der demzufolge ist ein misogyner I-Net-Troll. Umgang mit Kritik, wie er schon bei den Ghostbusterinnen erfolgreich eingesetzt wurde.

2 Gedanken zu “Wofür Trolle noch gut sind

  1. Erfolgreich? Bei einem der geflopptesten Filme ever?

    Aber > Aber dafür reicht es nicht, Männer zu vergraulen, weil keine Frau denkt: “Wenn Männer das nicht mögen, ist das bestimmt ganz toll!”

    Jup. Vom Trailer her ist She-Hulk etwa so bedrohlich wie Mila Kunis. Nur halt unattraktiv.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s