Heul doch!

Sehr geehrter Herr Tabatabaei.

Hierzu

Der Herr der Ringe-Serie: Liebe Tolkien-Puristen, niemand will eure Schwarzmalerei hören!

Technisch gesehen ist es keine Schwarzmalerei. Und – ebenso technisch gesehen – wenn es „Tolkien-Puristen“ nicht gefällt, kann es ja jedem egal sein, der kein Tolkien-Purist ist.

„Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ steht unter keinem guten Stern. Viele Tolkien-Fans zerreißen die Serie schon jetzt.

Das mit dem schlechten Stern ist etwas zu metaphorisch – es ist kein „Schicksal“. Bzw., es ist nicht unvermeidbar gewesen. Aber ja, Zerriß per Ferndiagnose. Weil ich es kann.

Mittlerweile ist es nur noch nervig!

Tja. Wenn meine Meinung zu einem Projekt derartig wichtig ist, dass andere sich davon beeinflussen lassen – warum sollte ich sie verbergen?

  • Die meisten Tolkien- und Peter-Jackson-Fans waren der neuen „Der Herr der Ringe“-Serie gegenüber zunächst kritisch eingestellt. Doch nun nervt die Schwarzmalerei nur noch!

Pfff, Peter-Jackson-Fans. Ok, JA, wir Tolkienfans sind verwöhnt, und zwar von Peter-Jackson, aber in Hinblick auf die neue Serie ist es gerechtfertigt, dass man sich nicht zu sehr an Kulissen, Kostüme und andere Designs der Jackson-Filme orientiert. Weil das buchstäblich ein anderes Zeitalter ist. Das Jerusalem, das David eroberte, sieht anders aus als das zur Kreuzfahrerzeit.

  • Die Amazon-Serie wird schon vor dem Serienstart von Tolkien-Puristen verdammt und alles wird niedergeredet, sodass die eigene Vorfreude leider verpufft. Ganz toll gemacht, ihr närrischen Tuks!

Tja, selber Schuld. Niemand zwingt jemanden, sich Serienkritiken anhand von Teasern, Trailern und dieser ganz komischen Marketing-Aktion von Amazon anzusehen.

Erst am 2. September 2022 startet Amazons „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ im Stream

Es wäre – wenn man schon mit Glückssternen und Vorsehung arbeitet – vllt. auch besser gewesen, die Serie an Tolkiens Geburtstat (3. Januar) beginnen zu lassen statt an seinem Todestag.

doch schon jetzt ist die „Der Herr der Ringe“-Serie ein gewaltiges Schlachtfeld.

Nicht eine Kritik oder zwei Kritiken, eine ganze SCHLACHT von Kritiken. Tolkien war im ersten Weltkrieg, das mag manches erklären.

In den Sozialen Medien machen Fans ihrem Ärger Luft und die von Amazon Prime Video geposteten Trailer erhalten Dislikes en masse!

Es scheint fast so, als wären die Tolkien-Fans gar nicht so ganz die Zielgruppe. Was als strategische Entscheidung etwas mutig ist, wenn man genau die Tolkien-Rechte teuer eingekauft hat. Aber ich bin auch kein Milliardär, was weiß ich schon.

Wir haben es verstanden, ihr freut euch nicht auf die Serie, liebe Tolkien-Fans,

Ihr habt aber nicht verstanden, warum nicht.

Der folgende Text ist ein persönlicher Kommentar in Bezug auf den Shitstorm

Okeee. Ganz persönlich: wenn man kein Fan von einer Sache ist, geht man mit der Verfilmung der Sache anders um. Es kommt vor, dass solche Verfilmungen bei Menschen schlecht ankommen, die die Vorlage toll finden, aber trotzdem ein eigenes großes Publikum unter denen, die die Vorlage nicht kennen, finden. Trotzdem ist es kaufmännisch und künstlerisch vllt. trotzdem der Anspruch, beide Gruppen zu erreichen.

Dennoch hoffe ich, dass dieses Meinungsstück vielleicht einige negativ gestimmte Personen zum Umdenken anregt.

Ja, mal sehen.

Bevor wir uns nun aufmachen und in Amazons neues Mittelerde reisen, sollte kurz geklärt werden, was die Kritikpunkte der Tolkien-Fans sind

Wieso? Ich kenne die doch schon.

Der größte Kritikpunkt ist wohl, dass Amazon und die Showrunner JD Payne und Patrick McKay Tolkiens Legendarium weitestgehend ignorieren und ihr eigenes Ding aus der Serie machen.

Wenn die einfach eine eigene Fantasywelt mit Menschen, Elfen, Zwergen, Orks und die sonstigen Verdächtigen entwickelt hätten – und auf eine mehr oder weniger davon kommt es nicht an – wären in der Tat die meisten Kritikpunkte gegessen.

Überall ist die Rede davon, dass Tolkiens Werke nicht respektiert werden.

Das ist vllt. etwas dramatisch. Wenn jemand Tolkien verfilmen will, weil er Tolkiens Welt mag, ok. Wenn jemand Tolkiens Werk mag, aber gerne etwas eigenes erschaffen will, auch ok. Wenn sich jemand mit fremden Federn schmücken will, um das eigene Ding zu bewerben – äähm, ja. Bisschen feige.

Dies zeigt sich darin, dass Tolkien in seinen Werken eine Fülle an Figuren erschaffen hat wie wohl kein anderer Autor und dennoch erschaffen die Serienmacher neue Figuren.

Das Problem ist hier nicht die Existenz neuer Figuren – irgendwer muss ja sterben – sondern das Weglassen alter Figuren.

Außerdem wird aus Galadriel plötzlich eine Kriegerin gemacht, die sie in der Vorlage nicht war.

Jein. Die Serie wird damit beworben, dass sie eine Kriegerin ist. Ihre Mutter nannte sie allerdings „Mann-Mädchen“, was wie ein etwas weirder Superheldenname klingt, aber vllt. hat man ihr mal gesagt, dass sie nie einen Mann findet, weil Männer nicht auf größere Frauen stehen – Brienne-Style – aber sie findet ihren Traummann und alles wird gut.

Der Kritikpunkt hier ist, dass Namen, Prestige und das ganze Universum verwendet werden, um Aufmerksamkeit zu erregen, es jedoch auch nur die Verpackung ist, die „Der Herr der Ringe“ sei, alles andere sei ausgemachter Mumpitz, der nichts mit Tolkiens Werken zu tun habe.

Wenn Leute es nicht schaffen, Elronds Haarfarbe richtig hinzukriegen. Elronds HAARfarbe. Nicht Augenfarbe. Haare. Die Dinger, die man färben kann. Die Verbrennen ihren Vertrauensvorschuss völlig unnötig und total freiwillig.

Bei einer Serie, die 500 Millionen US-Dollar gekostet hat, wird ein hochwertiges Kostüm- und Produktionsdesign erwartet. Doch als der erste Trailer veröffentlicht wurde, sah die Serie alles andere als nach 500 Millionen US-Dollar aus. Stattdessen empfanden Fans die Bilder als glattgebügelt, digital und billig.

Ich glaube, zumindest die Effekte hatten noch nicht den letzten Schliff. Ist jetzt auch nicht mein persönliches Thema. Ich komme immer noch nicht über die VIERTEL Milliarde US-Dollar hinweg. Das ist, bei aller Liebe, einfach zu viel.

Doch auch als die folgenden Trailer an der Front einige Schippen drauflegten, wurde munter weiter kritisiert.

Aka, der einzige Kritikpunkt, der nicht darauf beruht, dass das Mittelerde sein soll und nicht die Warhammer-Welt.

„Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ basiert auf keinem Buch von Tolkien, sondern lose auf dessen Werken. Es gibt also keine Geschichte, die in sich geschlossen ist.

Das ist tatsächlich richtig. Es soll aber um die Ringe der Macht gehen, also die Menschenringe, deren Träger später zu Ringgeistern wurden, den Zwergenringen, von denen einige später zerstört wurden, und den Elbenringen, von denen einen später Galadriel erringen konnte – Got the joke? Got it? – und logischerweise um den Herrn der Ringe. Der zu jener Zeit noch seine Gestalt wechseln konnte. Also, rein theoretisch gedacht, wie Eminem aussehen.

Stattdessen werden Ereignisse aus tausenden von Jahren zusammengestaucht

„Bäääh, wenn unsere Hauptcharas ständig sterben müssen, weil schon wieder ein Jahrhundert vorbei ist, können wir keine Geschichte erzählen.“ Elben: „Wieso sterben müssen?“, Numenorer und Zwerge: „Wieso schon nach einem Jahrhundert?“, Durin: „Und selbst wenn – ich komme wieder!“, GoT-Charas: „Heult LEISER!“

Das stößt vielen Fans sauer auf, vor allem, da sich die beiden Showrunner in Interviews und auf der Comic-Con nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert haben.

Man könnte dergleichen auch nicht-linear erzählen. Wie bei Lost. Und dem Vernehmen nach bei Foundation. Aber ja, Ruhm sieht anders aus.

Sie scheinen Tolkien und dessen Werte nicht zu verstehen und mehr daran interessiert zu sein, eine politische Serie mit Wokeness-Faktor zu erschaffen, als sich an der wahren Geschichte Mittelerdes zu orientieren.

Das eine schließt das andere nicht aus. Die späteren Numenorer wurden arrogant, was sich sicherlich auch in rassistischen Vorurteilen niederschlug. Der Rassismus zwischen Zwergen und Elben ist nicht nur bei Tolkien Kanon. Bestimmt kann man auch Vorurteile gegenüber Halblingen einbauen. Und Orks halt.

Das Rassismus-Thema im Kontext mit „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ ist ein spannendes Thema. Tolkien-Fans waren sehr irritiert, als Amazon Schwarze Elben und Zwerge einführte.

„Schwarze als Elben und Zwerge einführte“ muss das heißen. Theoretisch brauchen beide keine dunkle Haut, denn wenn sie keinen Sonnenbrand kriegen wollen, arbeiten sie einfach nachts. Andererseits kann Gott oder Aule seine Geschöpfe auch mit Sonnenschutzfaktor kreieren. Für den Fall, dass man später eine Sonne baut. (Persönlich stört mich das nur am Rande, wenn man damit einfach unterschiedliche Elben- und Zwergenvölker darstellen will. Aber ich halte es inzwischen für Gedankenlosigkeit.)

Tolkiens Geschichten sind eine Allegorie für Mitteleuropa im Mittelalter und dunkelhäutige Figuren wurden nicht im Kontext der Elben und Zwerge erwähnt.

Noooooin, das A-Wort! Das A-WORT! Tolkien hasste Allegorien, seitdem er alt genug war, sie zu erkennen, und griff mit Feuer und Schwert an, wannimmer eine Allegorie ihr hässliches Haupt erhob!

Was zunächst nicht unbedingt als Rassismus gedacht war, sondern als Fragezeichen, wurde schnell zum Totschlagargument von Amazon, um jegliche Kritik abzuschmettern.

Sich hinter Trollen verstecken. Jaja. Welche Hautfarbe haben eigentlich die Trolle?

Die Fans seien rassistisch und nörgeln nur deshalb! Das hat sich mittlerweile hochgeschaukelt – und es nervt, verdammt nochmal!

Hmmm. Schwarze Figuren in einem Fantasysetting, das nordeuropäischen Sagen nachempfunden ist, weil man eine gute Geschichte damit erzählen will, oder weil man auch die tropischen Bereiche Ardas zeigen will, oder meinetwegen, um Diversity-Fans gewinnen zu können, na gut. Aber einfach, um den Strohmann aufzubauen?

Amazon hat als Unternehmen nicht den besten Ruf. Die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen klagen über schlechte Bezahlung…

…aber 250.000.000 $$$, für Rechte an einer Geschichte, an der man anscheinend mehr am Rande interessiert ist? Tja.

Tolkiens Werke drehen sich um Zusammenarbeit, das Überwinden von Hürden durch Liebe und Zusammenhalt.

Okeee. Meiner Meinung nach geht es in allererster Linie darum, sich nicht zu sehr an materiellen Dingen festzuklammern. Leute, die sich von Dingen trennen können, werden bei Tolkien immer „belohnt“ (erreichen ihre Ziele, gewinnen Freunde, bekommen das Ding manchmal sogar wieder, oder bleiben wenigstens am Leben), und Leute, die das nicht können, sterben bei Tolkien infolgedessen. Immer.

Es geht um die Korruption des Bösen, was die Welt von innen heraus zerstört und unbemerkt Überhand nimmt, während die Menschen mit noblen Absichten nicht merken, dass sie selbst gerade korrumpiert werden, siehe Boromir!

Er konnte halt nicht wegwerfen.

Liebe Tolkien-Fans, ihr werdet gerade selbst zu Boromirs!

Ich will die Amazon-Serie nicht zu meinem eigenen Vorteil nutzen.

Der Hass, der sich seit der Ankündigung, dem ersten Trailer und Kommentaren der Serienmacher aufgebaut hat, ist mittlerweile so gigantisch, dass die Serie gar nicht mehr überzeugen kann.

Ich hasse die Serie nicht, ich habe nur so viele Dinge gesehen, die mich davon abhalten, sie zu mögen, dass ich vermutlich nicht mehr überzeugbar bin. Das ist nicht meine Schuld.

Selbst, wenn sie sich als Meisterwerk erweisen sollte.

Eine schlechte Adaption kann immer noch ein gutes Kunstwerk sein. Aber da die Rechte an Tolkien verhindern, dass wer anderes eine gute Tolkien-Adaption dreht, nunja.

Warum musste es so weit kommen?

Steht doch da: die Trailer sind eben nicht überzeugend für eine Tolkienadaption.

Nach dem ersten Trailer war auch ich alles andere als begeistert und JD Payne und Patrick McKay wirken wahrlich nicht wie die besten Showrunner, die die Serie haben könnte. Doch sie sind jung, branchenmäßig unerfahren und können in ihre Rollen hineinwachsen.

Ohne jetzt böse klingen zu wollen, aber ist DAS jetzt wirklich ein gutes Argument? Dass ein schon rein finanziell gesehen sehr aufwändiges Projekt von Anfängern geleitet wird? Nebenbei, die letzte Staffel GoT war jetzt auch nicht die beste, obwohl man das hätte erwarten können.

Gebt der Serie doch erst einmal Zeit, sich zu entfalten, und verdammt nicht alles!

Ja, die faireren Kritikpunkte beziehen sich auf das, was man weiß. Keiner von den nicht-trolligen Kritikern bezieht sich auf die mutmaßliche Handlung. Ein paar der Punkte werden eventuell in der Geschichte erklärt, aber das ist jetzt so, als ob ich eine Partei wählen soll, deren Programm mich nicht überzeugt: „Jetzt lass die doch erstmal regieren!“

Der zweite Trailer und der SDCC-Trailer sehen wirklich gut aus, das musste ich zu meiner eigenen Überraschung zugeben.

Wenn es nur das wäre.

Ein Mittelerde, in dem ich mich verlieren möchte!

Wenn ihr das nicht wollt, dann müsst ihr es ja nicht, aber das ist noch längst kein Grund, es allen anderen zu vermiesen.

Wer will sich das vermiesen lassen? Ich muss die Serie nicht sehen, und Sie müssen die Kritiken nicht lesen.

Leider nehmt ihr die große Anzahl, die ihr als Hater mittlerweile habt, als Bestätigung dafür, im Recht zu sein.

So geht Demokratie. Und Markt. Warum sollte ich es wollen, dass Dinge, deren Fan ich bin, für Leute optimiert werden, die keine Fans sind? Was hätte ich davon?

Doch das ist noch lange kein Grund, allen die Lust an der Serie zu vermiesen

So viel Lust kann das dann doch gar nicht sein. *Schulterzuck

Was mich am meisten stört, ist, dass ihr gerade daran arbeitet, die ohnehin schon raren freien Plätze bei Psychologen zu reduzieren, denn durch eure Schwarzmalerei erschafft ihr eine ganz neue Generation an Depressiven.

Haha. Ernsthaft? Wen schert es denn, ob ich darunter leide, dass ich keine Silmarillion-Verfilmung kriege, die was taugt? Beste Prequel. Und wenn House of Dragon tatsächlich über diese Latte kommt, immer noch die beste Prequel, die posthum zusammengestellt wurde. Toitoitoi an GRRM.

Wir haben bereits bei „Star Wars“ erlebt, was passieren kann, wenn ein Projekt gehasst wird und Menschen persönlich angegangen werden.

Ok, eine Schauspielerin anzugehen, weil man deren Rolle nicht mag, ist arschig ohne Ende. Aber ich werde meine nicht arschige, begründbare Kritik nicht deshalb nicht sagen, weil irgendwer irgendwen angehen könnte.

Der Cast der Serie scheint sehr sympathisch zu sein und wirklich nur das Beste für die Serie zu wollen.

Es ist ehrlich nicht meine Schuld, dass Elrond nicht blond ist. Ist eine bescheuerte Haartönung zuviel verlangt?

Doch all die, die uns einfach nur eine packende Geschichte erzählen wollen, in der Hoffnung, dass wir von ihrer Welt verzaubert werden, werden wahrscheinlich früher oder später an psychischen Erkrankungen leiden.

Um die ganzen Überlegungen, dass uns damit jemand „woke“ oder tatsächlich wache Botschaften vermitteln wollte, abzukürzen – bei GoT waren ziemlich viele Leute ziemlich angefressen vom Ende. Ich habe trotzdem nichts von GoT-Schauspielern gehört, die derartig unter Fanreaktionen litten. Was einerseits daran lag, dass die Enttäuschung nichts mit dem eigentlichen Schauspiel zu tun hatte und andererseits, dass Fans schlau genug sind, den Grund ihrer eigenen Enttäuschung zu erkennen.

Ein toxisches Fandom sorgt nur dafür, dass sich kein Serien- oder Filmschaffender mehr an die Materialien herantraut.

Kein Mensch ist toxisch. Außerdem, wenn man Teil des Fandoms ist, ist man wahlweise froh darüber oder unfroh, aber aber selber schuld, und wenn man kein Teil des Fandoms ist, kann es einem egal sein.

Schon jetzt wird Morfydd Clark (Galadriel) kritisiert, sie sei nicht alt genug

Ok, DAS ist jetzt eine tatsächlich bescheuerte Kritik. Die Frau ist älter als Sonne und Mond. Da ihre Schauspielerin aber die nächsten Jahre die alterslose Schönheit Galadriels verkörpern soll, sollte man das schon berücksichtigen. (Morfydd Clark ist das beste, was ich bis dato von der ganzen Serie gesehen habe!)

Doch auch wenn die Stars nicht persönlich angegangen werden, schmälert ihr die kreative Arbeit von so vielen hinter der Serie, wenn ihr euch darauf versteift, Amazon zu boykottieren.

Und? Wenn ein Vegetarier keine Mitarbeiter der örtlichen Fleischerei persönlich angeht, aber trotzdem nichts von ihnen kauft, schmälert er ihre Arbeit. Wenn Vegetarier das dürfen, darf ich das auch.

Niemand nimmt euch Tolkiens Bücher weg!

Niemand nimmt Ihnen die Amazon-Serie weg.

Wird ein Buch nicht „ordnungsgemäß“ adaptiert, steht immer die Frage im Raum, wieso etwas „ruiniert“ wird.

Wäre der erste Teil von Eragon besser adaptiert worden, wäre er erfolgreicher gewesen und man hätte die anderen Teile vllt. auch gedreht.

Aber euch nimmt doch keiner die Bücher weg, niemand lässt Peter Jacksons Filme verschwinden. Es ist lediglich so, dass andere kreative Köpfe sich in der Welt austoben.

Die könnten sich auch eine andere Welt aussuchen. Oder, wenn die doch „kreativ“ sind, sich eine eigene Welt ausdenken. Echt mal.

Ja, es werden Geschichten verändert, historische HdR-Ereignisse gestaucht, aber es ist immer noch Mittelerde – und mit Glück fühlt es sich auch nach Mittelerde an.

Sicher? „Diese Amazon-Serie ist eine bessere Dungeons&Dragons-Verfilmung als der World-of-Warcraft-Film!“

Die Figuren, die wir kennen und lieben, sind ebenfalls dabei.

Eine. Evt. zwei, wenn man Elrond-in-Blond akzeptiert. Und irgendwann wird Sauron auftauchen.

Warum macht ihr euch das selbst kaputt, nur weil euch andere Dinge stören, auf die ihr euch so versteift habt?

Wenn Dinge, die ich an Tolkiens Welt liebe, anscheinend nicht vorkommen, ist das nicht meine Schuld. Wenn Elrond blond ist und Dis keinen Bart hat, ist das nicht meine Schuld. Wenn die Dinge, die  doch vorkommen, weitgehend von jemanden ausgedacht wurden, der weder Tolkien ist noch sonstwer, den ich kenne – was (außer den Herstellungskosten) unterscheidet das jetzt von einem Fanfic? Nichts gegen Fanfics an sich, aber ich schulde denen keine Vorfreude.

Macht den anderen die Freude nicht zunichte, nur weil ihr das Gute nicht sehen könnt!

Abgesehen von den schöneren Aufnahmen – welches Gute sehen Sie? Und wenn sie Gutes sehen, wie kann Ihre Freude zunichte werden?

Die Rassismus-Thematik wird nun noch eine Spur persönlicher. Als Kind eines Migranten ist Rassismus ein Thema, das mich regelmäßig begleitet, und ich bin es leid, dass es einen Clash zwischen Wokeness und „Ich bin doch kein Rassist“-Rassisten gibt.

Oh, das sind die schlimmsten Clashes. Sorry, die gehen so schnell nicht weg.

Es ist schon richtig, dass es nicht Not tut, überall jede Ethnie zu repräsentieren.

Ach?

Es ist auch falsch, dass sich Disney, Amazon und Co. stets hinter das Rassismus-Argument stellen

Achwas?

doch an dieser Stelle geht es noch viel tiefgründiger!

Aha?

Viele Tolkien-Fans argumentieren, dass Tolkien bewusst Orte und Gegenden erschaffen hat, in denen dunkelhäutige Menschen leben.

Die meiste Handlung spielt in einem Gebiet, dass nach Klima und Tierwelt an Mitteleuropa erinnert. Oder Nordeuropa. Gondor ist Italien.

Da werden gerne die Haradrim genannt – yey, Bösewichte, da fühle ich mich gleich wunderbar repräsentiert!

Eigentlich fast mehr Kanonenfutter. Wenn die schon Kanonen hätten.

(Ja, ich weiß, dass sie im Dritten Zeitalter „nur“ von Sauron verführt wurden!)

Jetzt könnte man einfach zeigen, was für eine tolle Kultur sie im zweiten Zeitalter hatten.

Wir leben in einer Welt, in der Repräsentation wichtig ist, weil Rassismus so in uns verankert ist, dass wir es nicht einmal selbst merken, wie die Gesellschaft uns rassistische Strukturen einverleibt hat

Ok, aber eigentlich wäre ein Realfilm mit Son Goku, der von einem Asiaten dargestellt wird, trotzdem besser?

ein sehr tolkienisches Thema übrigens!

Naja, DER hat doch die ganzen Vorurteile über Orks erst in die Welt gesetzt.

Das Problem ist nicht, dass es Rassisten gibt (schon auch, aber das ist ein anderes Thema), das Problem ist, dass es Menschen gibt, die sagen, dass für sie alle Menschen gleich seien und sie keine Unterschiede zwischen den Hautfarben sehen.

Offenbar stimmt das in Mittelerde ja nicht. Numenorer haben elbische Vorfahren und daher zum Beispiel eine deutlich erhöhte Lebenserwartung. Aber selbst wenn – wenn alle Menschen gleich sind, ungeachtet der Hautfarbe, es geht hier um Elben und Zwerge.

Damit erklärt man nämlich, dass man auch die rassistischen Strukturen nicht sieht.

Eigentlich nicht, weil das eine Metapher ist. Da Rassismus in Mittelerde nicht an der Hautfarbe festgemacht wird, sondern an der Rasse – definiert als Mensch, Elb, Zwerg, Hobbit, Ork oder Troll – funktioniert die Metapher da so oder so nicht.

Denn es gibt Unterschiede zwischen den Hautfarben und es gibt Unterschiede darin, wie wir behandelt werden!

Die Lehre, die man aus Mittelerde in DER Hinsicht ziehen könnte, wäre die, dass Elben und Zwerge sich über Menschen lustig machen, weil die so rassistisch seien, dass sie andere Menschen verachten.

Und somit ist es wichtig, Normalität zu erschaffen, indem man verschiedene Ethnien repräsentiert, ob es nun in die geografischen Gegenden passt oder nicht.

Schwarze Elben sind nicht weniger normal als weiße. Ihre „geo“graphische Heimat ist ein fiktiver „Planet“ namens Arda. Und eine schwarze Zwergin ohne Bart ist entweder keine richtige Zwergin oder nicht normal.

Zusammenhalt und der Kampf gegen das Böse, das sich unbemerkt einschleicht, sind Tolkiens Themen und somit ist Repräsentation, um gegen den unterschwelligen Rassismus vorzugehen, absolut in Tolkiens Sinne!

Entweder bin ich Rassist, oder ich bin keiner. Im einem Fall will ich mir kein Anti-Rassismus-Video ansehen, im anderen brauche ich das nicht. Dass ein Film „pädagogisch wertvoll“ ist, ist sowas wie „das ist gesund“ beim Essen: man findet nichts anderes, um ihn zu loben.

Vielleicht wird die Serie ja doch ganz anders, als ihr es erwartet.

Vllt. hat der schwarze Elb ja menschenfeindliche Vorurteile? Sie seien nachtblind, ungeschickt, schwer von Begriff, haben kein eidetisches Gedächtnis, es fehlt ihnen meist jede übersinnliche Gabe wie Vorahnungen, Wahrträume oder Gedankenübertragung, ihre Lebenserfahrung ist minimal… ach, das sind ja gar keine Vorurteile. (Irgendwie macht Antirassismus weniger Sinn, wenn die Rassisten irgendwie Recht haben?)

Ich bin mittlerweile regelrecht gehypt!

DAS habe ich mir mittlerweile komplett abgewöhnt. Aber ich wünsche Ihnen alles gute dabei.

Ein Gedanke zu “Heul doch!

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