Wie Feminismus Männern helfen könnte

Indem er es wollte.

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Männer sind gewalttätiger, nehmen häufiger Drogen und sterben früher. 63 Milliarden Euro kostet uns die toxische Männlichkeit – pro Jahr.

Wer ist „uns“? Aber ja, das hatten wir schon. Außerdem: kein Mensch ist toxisch.

Aber es gibt einen Ausweg.

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Ausgerechnet Boris Johnson. Vor ein paar Wochen bekam der Feminismus mit Johnson einen überraschenden Mitstreiter.

Jaha. Der. Wohingegen die Ukraine keine Frauen mehr fliehen lässt, damit die die Russen bekämpfen, denn nur gute Frauen können böse Männer besiegen. Tut sie doch, oder?

Schon seit den 1990er Jahren versuchen Psychologen und Soziologen zu verstehen, wieso Männer so viele Statistiken anführen

Weil sie dazu erzogen werden. Deshalb wollen Feministinnen ja, dass Frauen weniger Erziehungsarbeit verrichten. Die ziehen nur eklige Männerschweine heran.

Sie sind gewalttätiger als Frauen, leben risikoreicher und sterben früher.

Na, sowas. Cui bono? Feminae.

Der Begriff [„Toxische Männlichkeit“] sei allerdings etwas irreführend, findet Männerberater Boris von Heesen.

„Etwas“ stimmt nicht, und „etwas“ ist eigentlich auch nicht das, was Heesen sagt. Er nennt den Begriff zwar auch nicht „falsch“, grenzt ihn aber deutlich stärker ein als die sonstigen Feministinnen(m/w/d), also Props dafür.

Männlichkeit als solche sei damit nicht gemeint. Nur eben solche Verhaltensweisen, die ihrem Umfeld schaden

Wenn Männer Risiken eingehen, um der Gesellschaft zu nutzen, beschwert sich auch keine Frau. Und man kann sich schon fragen, wieso eine höhere Lebenserwartung von Frauen dem „Umfeld“ von Frauen schaden soll?

oder sogar den Männern selbst.

Tja. Wenn Männer weniger Risiken eingehen, ist das ja gut für sie, aber zumindest einige dieser Risiken müssen von irgendwem eingegangen werden. Irgendwem, der dann ja kein Mann wäre…

Mehr als 63 Milliarden Euro kostet dieses Verhalten die deutsche Gesellschaft, schätzt von Heesen. Pro Jahr.

Weiter oben sind Beiträge verlingt, und die „Nachbarbeiträge“ des obersten beschäftigen sich mit den Zahlen. Entsprechende Zahlen von Frauen werden nicht erfasst.

Andere Studien für den EU-Raum gehen noch weiter: Das europäische Institut für Gendergleichheit schätzt allein die Kosten durch die Gewalt von Männern an ihren Partnerinnen auf 151 Milliarden Euro.

Nach dem Heessen-Ansatz müsste man die Kosten durch Gewalt an ihren Partnern davon abziehen. Bzw., die Kosten, die entstünden, wenn man sich um männliche Gewaltopfer genausosehr kümmerte wie um weibliche.

Von Heesen führt die toxischen Verhaltensmuster auf Rollenstereotype zurück, in die Männer fallen. Bei seiner Arbeit spricht er mit jungen und erwachsenen Männern, die sich wegen ihrer eben männlichen Sozialisation in Krisen befinden.

„Meine Frau schlägt mich, wenn ich zurückschlage, zeigt sie mich an, wenn ich sie anzeige, glaubt man mir nicht, und wenn ich einfach gehe, schlägt sie meine Kinder.“ So in etwa?

Das sei kein Therapieersatz, betont er. Mehr ein Anstoß.

Ja, ne. Immerhin ein Lösungsansatz.

Wenn zum Beispiel nach der langen, erfolgreichen Karriere die Rente droht, wirft das einige seiner Patienten in tiefe Identitätskrisen.

Die Rente „droht“. Wie mir in den Kommentaren zur Kenntnis gebracht wurde, ist es in anderen Ländern wohl so, dass eine spätere Rente gar nicht als „männliches Privileg“ begriffen wird. Östereicher ey, man kann sich nur wundern. Der Artikel stand daher wohl auch nicht bei „die“ Standard, sondern beim Standard-Standard.

Suizidrate bei Männern offenbar viermal so hoch

Joah. Keine Witze, bitte.

Auch Psychotherapeuten denken bei ihrer Arbeit immer mehr die Schäden des Mannseins mit.

Achja. Wenn man kein halbes Jahr warten müsste, bis man dran kommt, wäre die Selbstmordrate auch niedriger. Braucht man beim Frauenarzt eigentlich auch über sechs Monate warten? Die Diagnose, ob man überhaupt schwanger ist, sollte bis dahin auch für Laien möglich sein.

Der US-amerikanische Verband für Psychologie hat vor ein paar Jahren Richtlinien veröffentlicht, die Therapeuten für den Umgang mit Männern und ihren Rollenkonflikten sensibilisieren sollen.

Ich glaube, das US-Medizin-System ist irgendwie nicht ganz so toll wie das schon verbesserungswürdige deutsche, und ich gehe mal davon aus, dass Psychologen generell Ahnung von Rollenmustern haben, aber gut.

Die Psychologen sollen Männern beibringen, Konflikte gewaltfrei zu lösen.

Frieden schaffen ohne Waffen! Keine automatische Waffen mit in die Sitzung bringen! Ich töte meinen Psychotherapeuten nicht mit dem Revolver, wer seinen Psychotherapeuten mit dem Revolver tötet, hat das Gesicht seines Vaters vergessen!

Oder geduldiger sein, wenn sich Patienten aus Scham langsamer öffnen.

Oder aus anderern Gründen langsamer öffnen? Mal naiv gesagt, das kann auch daran liegen, dass man mit dem Therapeuten auch „warm“ werden muss, oder dass man ein generelles Misstrauen gegenüber anderen Menschen hat, oder irgendwas anderes, was möglicherweise der Grund ist, warum man überhaupt eine Therapie braucht. Bei welchen Gründen sollte man denn ungeduldig sein, so als Therapeut?

Immerhin sei die Suizidrate unter Männern weltweit viermal so hoch wie bei Frauen – und doch würden ihnen seltener Depressionen und andere psychische Erkrankungen diagnostiziert.

Posthum ist das ja auch etwas schwierig.

Denn: Viele Männer gehen erst gar nicht zur Therapie.

Ja, es sterben auch viel mehr Männer als Frauen an Hodenkrebs. Häufigste Krebsart bei Männern (die Kosten, die KOSTEN!) zwischen 20 und 40 Jahren. Wird meist vom Patienten selbst bemerkt.

Schon kleine Jungen lernten, ihre Gefühle zu unterdrücken. Weinen? Mädchensache. „Die Ängste sind wie Bälle, die mit Luft gefühlt sind“, so der Experte. „Und Sucht hilft, diese hochkommenden Gefühle immer wieder herunter zu drücken.“

„Gefühlt“ oder „gefüllt“? Wieauchimmer – der Feminismus interessiert sich nur solange für die Gefühle von Männern, wie nicht von ihm erwartet wird, auf diese Gefühle Rücksicht zu nehmen. Insofern klingen all die vollmundigen Erklärungen, dass der Feminismus Männern helfen könne, hohl und wertlos.

Geschlechtergerechtigkeit heißt auch, dass Männer ihre Rollenstereotype kritisch hinterfragen, meint von Heesen.

Ja, genau. Warum soll ich mich um eine Frau kümmern, die weint? Ich sollte mich vllt. erstmal um meine eigenen Probleme kümmern. Wozu ein Risiko eingehen und einen gefährlichen Beruf ergreifen? Frauen sind genauso schwindelfrei wie Männer. Und können genausogut Panzer fahren.

Dann könnten sie anfangen, ihre Gefühle zuzulassen, bessere Beziehungen aufzubauen. „Und am Ende führen auch sie ein besseres Leben.“

„Ich will nicht in den Krieg ziehen, denn ich habe Angst zu sterben!“ – „Du feige Sau! Willst Du etwa, dass Deine Schwester stirbt?“ Geschlechtergerechtigkeit ist kein echtes Nullsummenspiel, aber der Gedanke, dass das auch heißen wird, dass mehr Frauen in riskanten Berufen arbeiten und demzufolge auch sterben werden – was die „Kosten der Männer“ rein buchhalterisch aber reduziert – scheint entweder nicht ganz durchzudringen, oder aber, er wird verdrängt.

Ein Gedanke zu “Wie Feminismus Männern helfen könnte

  1. Wisst ihr, was das Institut für Gendergleichheit jetzt festgestellt hat? Kommt ihr nie drauf… „Frauen von psychologischer Gewalt besonders betroffen“.

    Natürlich mit ’nem entsprechenden Bericht (170 Seiten): https://eige.europa.eu/publications/combating-coercive-control-and-psychological-violence-against-women-eu-member-states

    Darin wird u.a. auch vorgeschlagen:

    „National governments should fund and deliver training for professionals in coercive control and psychological violence against women.“ — Einmal mit Profis in psychologischer Gewaltanwendung arbeiten…

    Folgende Ansätze werden dabei als vielversprechend hervorgehoben:

    „therapeutic programmes for men convicted of intimate partner violence […] Topics covered in the sessions include accepting responsibility for the behaviour, discussing motivation for taking part in the programme, empathy training, anger management, and challenging distorted beliefs related to intimate partner violence.“

    Und was verhindert, dass psychologische Gewalt erkannt wird? Zum Beispiel das: „women victims lack an understanding of what constitutes psychological violence and/or coercive control (Naudi et al., 2018)“ Aber auch: “ the belief that the domestic sphere and intimate relationships are a private matter“

    Der blanke Hohn ist aber die Key Findings Section: „The gendered nature of psychological vio-
    lence and the specific needs of vulnerable persons are key principles underpinning the arti-
    cles of the Istanbul Convention. Although there are good examples of practices that recognise
    and foreground the gender dimension of psychological violence and coercive control, there are a number of instances in which the gender dimension is minimised or ignored.“

    🤮 🤮 🤮

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