No Shittest!

Ihm zufolge.

Ein andauernder, gigantischer Geschlechtstest

Ja, „echte Männer“ dies, „echte Männer“ jenes. Kennt man ja nicht anders.

Beim Hass gegenüber trans Frauen handelt es sich in vielerlei Hinsicht um ganz ordinäre Frauenfeindlichkeit

Nach Glottisschlag bitte auch Pause nach „trans“, aber nur vor „Frauen“ oder evt. „Männer“. Weil: Gründe! Jedenfalls ist der Satz falsch. Bei Amber Heard gibt es genug Leute, die sagen: „Du bist nur Team Depp, weil sie eine Frau ist!“, was ein Totschlagargument ist – es gibt genug Gründe, gegen Heard zu sein, insbesondere als Feministin – aber immerhin gibt es frauenfeindliche Menschen, und weil Amber Heard eine Frau ist, hassen sie auch sie. Ein transphober Frauenhasser würde aber Transmänner mehr oder ausschließlich hassen, weil er sie für Frauen hält (die ihm seine tatsächlichen oder eingebildeten Privillegien wegnehmen wollen). Transfrauen hingegen betrachtet er als Männer, und hasst sie, wenn überhaupt, aus Transfeindlichkeit. Ansonsten verachtet er sie „nur“.

11.5 Sekunden. Mehr Zeit brauchte die damals achtzehnjährige Helen Stephens nicht, um bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin die 100 Meter zu laufen.

Und außerdem ist sie von Hitler sexuell belästigt worden. Hitler war ein generell sehr unangenehmer Mensch. Aber ja, das ist schon schnell!

Das bedeutete olympisches Gold und einen Weltrekord, der 24 Jahre Bestand hatte.

Gold ja, aber der eigentliche Rekord wurde wegen des Rückenwindes nicht gewertet. Bei Tante Wiki steht  allerdings nur ihre härteste Konkurrentin. Mit 11,7 Sekunden bei diesen Olympischen Spielen.

Eine unfassbare Sensation. So unfassbar, dass ein polnischer Journalist über ein Magazin die Behauptung lancierte, Stephens sei ein Mann – denn so schnell könne keine Frau sein.

Fairnisshalber, und um die ganze Geschichte zu erzählen, wurden Stephens UND Stanisława Walasiewicz derselbe Vorwurf gemacht, es ist also nicht so, dass das Polen einen Vorteil verschaffen sollte. Letztere wurde Jahrzehnte später bei ihrer Obduktion als intersexuell identifiziert. Aber ja, eine Frau für einen Mann zu halten ist ungeheuerlich – dieser Journalist ist schlimmer als Hitler! (Dass Hitler irgendwelche Menschen sexuell belästigte, die er für Männer hielt, ist jedenfalls nicht überliefert…)

Daraufhin wurde ein Geschlechtstest durchgeführt. Stephens bestand den Test und verklagte anschließend das Magazin erfolgreich.

Das war 1936. Barr, der Entdecker des gleichnamigen Körperchen, hatte da erst seit drei Jahren seinen M.D., insofern war das eine reine Inaugenscheinnahme. Ihre Konkurrentin wurde zu dem Zeitpunkt auch nicht „entlarvt“. Und es gibt die Vermutungen, dass die Nazis bei den eigenen Sportlern auch nicht so genau hinsahen.

Frauen hatten sich dafür nackt vor Ärzten zu präsentieren, nach Aufruf vorzutreten und ihren Körper und ihre Genitalien abtasten zu lassen.

Hey, wie bei der Musterung! Heinrich Ratlen musste übrigens in den Krieg.

Nachdem sich viele Athletinnen beschwert hatten, ging das IOC zu Chromosomentests nach Wangenabstrich über.

Ja, weil man da tatsächlich wusste, was Barr-Körperchen sind, UND weil Angucken und Abtasten nicht immer ausreichend ist.

Aber auch in den folgenden Jahren und Jahrzehnten brachten diese unwürdigen Geschlechtstests viel Leid über Betroffene.

Diese ganze ungewollte Allusion an die Musterung wäre viel besser geeignet, Sympathie, Solidarität und ähnliche Gefühle infolge vergleichbarer schlechter Erfahrungen zu erzeugen, wenn

  1. das nicht ausgerechnet von jemanden käme, der immer erzählt, dass es Männern grundsätzlich besser geht, und
  2. das nicht ungewollt wäre.

Außerdem, niemand zwingt Frauen, eine Karriere als Profisportlerin zu ergreifen. Im Unterschied zur Teilnahme an der Musterung.

Die intergeschlechtliche Athletin …

Eine Liste findet sich hier… dies ist, um präzise zu sein, nicht ganz das, worum es bei Transsexualität geht. Intersexuelle sind Menschen, die aufgrund ungewöhnlicher Chromosomensätze oder ähnlichem nicht eindeutig medizinisch dem einen oder anderen Geschlecht zugeordnet werden können. Transsexuelle sind i.d.R. anatomisch, genetisch oder halt „biologisch“ eines von zwei Geschlechter, aber sie empfinden sich selbst als das andere, und weil es einfacher ist, den Körper dem Geist oder der Seele anzupassen als umgekehrt, gibt es da eine recht ingeniermäßige Lösung. Das Problem im Zusammenhang mit dem Selbstbestimmungsgesetz ist jetzt, dass Intersexuelle mit leicht erhöhten Testosteron oder Transfrauen nach OP, die aber in ihrer Jugend mehr Testosteron abbekommen hatten, sondern Menschen mit ganz typischen männlichen Körperbau, männlichen Testosteronspiegel und entsprechender Jugend in Frauensport mitmachen dürfen. Aka: Menschen mit Dopingdrüsen.

Das alles ist wichtig zu wissen, um zu verstehen, was gerade passiert.

Schlafschafe, erwachet!

Wir befinden uns nämlich in der Phase eines andauernden und gigantischen, um nicht zu sagen globalen Geschlechtstests.

Ruhm und Ehre der andauernden und gigantischen, um nicht zu sagen globalen Weltverschwörung des Patriarchats! Hat die größten Geschlechtstests seit der Ausrottung der Tentakel-Hentai-Monster! Dankt uns später…

Und primäres Ziel dieses Tests sind trans Frauen. Sie sind verdächtig, ihnen will man an die Wäsche, an ihre Haut, ihre Genitalien, ja ihr nacktes Leben.

Transfrauen werden von einigen tatsächlich verdächtigt, aber in sportlichen Zusammenhängen nicht ohne Grund. In sonstigen Zusammenhängen wäre mein Verdacht, dass man nicht will, dass Transfrauen Cisfrauen irgendwelche Privilegien wegnehmen wollen. Nur so als Idee.

Sie sollen sich rechtfertigen oder besser noch dafür bluten, was für eine Zumutung an die zur Zweigeschlechtlichkeit verabredete Welt sie darstellen.

Wenn DAS der Grund wäre, würde das auf Transmänner genauso zutreffen. Passiert deutlich seltener. (Oder es passiert tatsächlich genauso oft, aber Pickert sind die Probleme von Männern egal, und weil Transmänner halt Männer sind, schade, schade, Marmelade.)

Und eigentlich hätten alle, die Teil dieser Zumutung sind, verdient, dass ich sie hier seitenweise mit biologischen Details belästige.

Damit hat er sogar Recht, aber das betrifft tatsächlich mehr die Intersexuellen.

Immerhin behaupten diese Leute ja steif und fest, dass das Konzept Transgender der biologischen Realität widerspricht

Im Zusammenhang mit Sport oder allgemein? Der Hauptkritikpunkt an trans Gender (oder wie man das schreibt), der auf die „biologische Realität“ abstellt, ist der, dass es nicht (mehr) darum geht, dass sich Menschen geschlechtsangleichenden Prozeduren unterziehen, oder dass Intersexuelle sich einfach aussuchen dürfen, wie sie leben, sondern dass eine Person mit komplett eindeutiger Anatomie und Hormonspiegel vllt. ihr soziales oder juristisches Geschlecht ändern kann, aber ihr biologisches behält.

während sie sich mit ihrem Restgrundschulwissen zu Biologie munitionieren, um auf Menschen zu feuern, die einfach nur ihr Leben leben wollen.

Wenn Gilette über Griller herzieht, interessiert das auch keinen, oder?

Lieber möchte ich die Gelegenheit nutzen, darauf hinzuweisen, dass es sich bei der Feindlichkeit gegenüber trans Frauen in vielerlei Hinsicht um ganz ordinäre Frauenfeindlichkeit handelt.

Nein. Siehe oben. Außerdem: Weibliche TERFs sind frauenfeindlich? Selbsthass oder was?

Nur, dass sich für diese Art Misogynie erstaunlich viele cis Frauen hergeben oder instrumentalisieren lassen, obwohl sie es besser wissen sollten.

Wieso „erstaunlich“? Wenn es nicht am Selbsthass liegt, sind es die berühmten Hirnwellenstrahler, die auf „Transhass+++“ gestellt wurden. Oder, die verteidigen ihre Privilegien. Was wahrscheinlicher ist.

Geschlechtstests existieren nämlich schon seit Jahrhunderten in Form der „Keuschheitsprobe“.

Das ist tatsächlich was anderes. Wobei es bestimmt auch Frauen gab, die dergleichen bei anderen Frauen gut und richtig fanden, aber es ist trotzdem was anderes, weil damit etwas völlig anderes festgestellt werden soll. Wie der Name schon sagt.

Im 4. Buch Mose wird beschrieben, wie der Unkeuschheit verdächtige Frauen von einem Priester mit einem Wasser vergiftet werden sollen, das „ihr zum Verderben wird“.

Ja, Magic! Wenn die Frau ihren Mann betrogen haben sollte, soll sie dadurch unfruchtbar werden. Nicht sterben! Wird sie aber später schwanger, hat sie ihn nicht betrogen. q. e. d.

Die Passage endet mit der anscheinend bis heute gültigen Formel.

Amen? Amen!

„Und der Mann soll frei sein von Schuld; aber die Frau soll ihre Schuld tragen.“

Abgesehen davon, dass das permanent wirkt, ist das doch offenbar die erste funktionierende Antibabypille. Oder sogar eine besonders gut funktionierende Antibabypille. Oder ist es etwa nie vorgekommen, dass eine so beschuldigte Frau unfruchtbar wurde? Allmählich glaube ich, dass Gott mit dem Trick einfach nur eifersüchtige Männer verarschen wollte…

Im Talmud wird beschrieben, wie Frauen über ein Weinfass platziert werden, um zu prüfen, ob der Weingeruch im Fall einer erfolgten Beschädigung durch Geschlechtsverkehr bis zu ihrem Mund durchgeht.

Eine sogar noch effektivere Methode als das verfluchte Anti-Baby-Wasser. Heute gibt es aber auch Vaterschaftstests. Mit Mundhöhlenabstrich und so. Wissenschaftlicher Fortschritt, yäy!

Frauen mussten Feuer und Verbrühungen ertragen, Blut trinken oder hergeben, sich betatschen und penetrieren lassen.

Nichts davon, um zu beweisen, dass sie Frauen sind.

In Indien sollte eine 14-Jährige 2005 ein glühendes Brecheisen mit bloßen Händen halten, um zu beweisen, dass sie eine Jungfrau ist.

Aber eine Hexe ist sie dann nicht?

Und die indonesische Armee hat den sogenannten Zwei-Finger-Test bei Rekrutinnen erst im vergangenen Jahr abgeschafft.

Das hier. Moment – wenn man Sex hatte, ist man NICHT mehr dafür geeignet, Leute umzubringen? Ok, jetzt verstehe ich, was alle gegen Incels haben.

Es ist immer das Gleiche: Weiblichkeit muss hergezeigt, examiniert und durchwühlt werden.

Im Unterschied zu was?

Es ist ein an Zynismus kaum zu überbietender Treppenwitz der Geschichte, dass es vielfach eben auch cis Frauen sind, die sich in der Rolle der Anklägerinnen und Richterinnen über die Weiblichkeit von trans Frauen gefallen.

Meine Vermutung, warum das so ist, habe ich schon zum besten gegeben, aber außerder: Wenn man feministischerseits ständig erzählt, dass es Frauen schlechter geht als Männern, dann ist die Idee, irgendein Mann würde freiwillig und ohne üble Absichten als Frau auftreten wollen, doch irgendwie abwegig, oder?

So, als wüssten sie nicht, dass sie sich damit zu Fürsprecherinnen einer Form der Verachtung machen, die sie stets mit meint.

Oder TERFs haben eine eigene Agenda, einen eigenen Kopf, können alleine denken, und es ist tatsächlich die Verachtung der TERFs, und nicht der Hirnwellenstrahler.

Die nur auf die nächstbeste Gelegenheit wartet, es mit aller Macht wieder zu tun.

Das böse Maskumonster, auch unter DEINEM Bett. Aber im Ernst – wer profitiert am meisten von Geschlechtertrennung beim Sport, Männer oder Frauen?

Es bleibt zu hoffen, dass wir uns für die Exklusion, den Verrat und die Gewalt an trans Frauen so bald wie möglich rückblickend so sehr schämen, dass das nie wieder passiert.

Tja. Transmännern passiert das anscheinend wirklich nie, wenn man Pickert so liest.

Bis dahin werden wir allerdings weiterhin zu unserer Schande und zu ihrem Schaden ihre Identitäten, ihre Körper und Leben belauern, beschmutzen und befingern.

Wer ist „wir“? Ich jedenfalls nicht.

Und sie werden den Preis für unsere uneinsichtige, übergriffige Ignoranz bezahlen.

Wer hat denn behauptet, das nur Cismänner uneinsichtige, übergriffige Ignoranten sein könnten? Achja. Feministinnen. Und -nisten, wie Pickert.

So wie Frauen es schon immer getan haben.

Aus Solidarität leiden Transmänner mit. Ist natürlich nur ein halber Trost. Solidarität und Sympathie durch ähnliche schlechte Erfahrungen halt.

Ein Gedanke zu “No Shittest!

  1. Hat jemand von meinen Mitpatriarchen den Hirnwellenstrahler aus Versehen auf „Verblödung“ gestellt, oder ist das Ding schon wieder kaputt? Die Transleute benötigen aktuell keine Nilsifizierung, die sind verwirrt genug.

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