Freiwilligen-Sterilisierung

Von Sascha Lobo

Geschlechterdebatte

Wie gut finden Sie Zwangssterilisation?

Wer zwingt mich? Wen zwinge ich? Wenn „niemand“ und „niemanden“ die Antworten sind, ist das reeecht akademisch.

Die Behauptung, es gebe prinzipiell nur zwei Geschlechter, ist keine wissenschaftliche Erkenntnis, sondern ein Angriff.

Angenommen, ich wäre der Ansicht, dass es fünf Geschlechter gäbe – inwieweit würde das das Selbstbestimmungsgesetz unterstützen? Ich könnte ja auch der Ansicht sein, dass es dreizehn Tierkreiszeichen gäbe, dass man aber trotzdem nicht das Tierkreiszeichen wechseln könne. Tierkreiszeichen sind übrigens komplett ausgedacht.

Für die Betroffenen geht es um Leben und Tod.

Teilweise ja. Menschen, die in ihrem Körper einfach nicht glücklich sind und finden, dass es einfacher ist, den Körper der Seele anzupassen als umgekehrt. Menschen, die deshalb suicidal werden. Nur bestätigt das doch, dass der Unterschied zwischen den Geschlechtern kein rein soziales Konstrukt sein kann. Dinge, die deutlich weniger biologische Gründe haben, sind: Nation, Religion, Tierkreiszeichen, Sprache, Kultur, Sportverein, Rasse, Klasse und Kaste.

Wie gut finden Sie Zwangssterilisation? … Eine gar nicht so seltene Form von vorweggenommener Sterilisation wurde erst im Mai 2021 verboten.

Das ist extrem ungenau wiedergegeben. Geschlechtsangleichende OPs haben den Nachteil, dass die neuen Geschlechtsorgane nicht voll funktionsfähig sind, da man sich mit ihnen nicht mehr fortpflanzen kann. Und selbst, wenn man sich später zurückoperieren lassen wollte, bekäme man das nicht wieder. Insofern bin ich tatsächlich dafür, dass man solche Eingriffe nicht als einzige Möglichkeit vorsieht. Andererseits wurde niemand staatlicherseits zu einer solchen OP gezwungen, was dem Begriff des „Zwanges“ zugrunde liegt. Und da es jetzt die Ehe für alle gibt, ist das auch keine Voraussetzung mehr für Ehen mit Angehörigen des Geschlechtes, mit dem man sich nicht identifiziert.

Nämlich die vollkommen willkürliche Festlegung eines Geschlechts bei intersexuellen Kindern, auf deren Basis oft eine Operation vorgenommen wurde, die eine spätere Zeugungsfähigkeit zerstörte.

Das ist tatsächlich ein Rückschritt zum früheren Umgang mit dem Thema, als man einfach die Intersexuellen früher selbst entscheiden ließ. Nicht unbedingt, weil man toleranter war, aber solche OPs waren nicht möglich. Dergleichen OPs bei Kindern durchzuführen ist tatsächlich Zwang; allerdings ist das nicht totwendigerweise Zwangssterilisation, weil viele der Gründe für Intersexualität tatsächlich auch so schon unfruchtbar machen.

Faktisch vertrat der Gesetzgeber also die Haltung, Transgender-Personen dürfen sich nicht fortpflanzen.

Faktisch ja, aber es ist nicht die Schuld des Gesetzgebers, dass die Medizin keine voll funktionsfähigen Hoden und Uteri entwickelt hat. Wenn eine nicht-sterilisierende Methode entwickelt würde, wäre die ja sicher nicht verboten. Ansonsten JA, diese faktischen Probleme schreckten in der Vergangenheit sicher auch viele Transpersonen ab.

Diese Hintergründe sind wichtig, weil im Moment eine in Teilen bizarre und sogar boshafte Geschlechterdiskussion im Gang ist, die rund um trans und nicht binäre Personen geführt wird.

Ja, bizarr und boshaft schon. Andererseits sind Transpersonen die, deren Selbstbild sehr von Geschlechterbinarität bestimmt wird, also tatsächlich das GEGENteil von nicht-binären Menschen.

…die Gesetzgebung von 1981 beruht auf der Idee, dass man den Geschlechtseintrag nur ändern darf, wenn man sich zuvor hat sterilisieren lassen.

Das war nicht die Idee, das war die Konsequenz aus den medizinischen Möglichkeiten. Es gab und gibt eine MENGE Menschen, die tatsächlich anatomisch das Geschlecht sein wollen, mit dem sie nicht geboren wurden. Die „Idee“ ist höchstens, dass man sich dachte: „Wenn sich jemand nicht dafür unters Messer legt, meint soe es nicht ernst.“

Es gab und gibt keinen irgendwie medizinisch nachvollziehbaren Grund dafür.

Der Wunsch, als Mensch des Zielgeschlechtes zu leben, mit genau DER Anatomie, die man damit in Verbindung bringt? Es ist vllt. nicht medizinisch nachvollziehbar, aber nachvollziehbar.

Es ist ausschließlich der damals verbreitete Gedanke, das müsse eben so sein.

Nein, nicht ausschließlich dieser Gedanke – eine große Gruppe von Menschen kann mehr als einen Gedanken haben.

 Denn die Zahl der Transgender-Personen, die sich töten oder den Versuch unternehmen, ist astronomisch hoch. In Deutschland gibt es bei Jugendlichen mit Transidentität eine fast sechsmal höhere Wahrscheinlichkeit  des Suizidversuchs

Wie der Unterschied zwischen Cismännern und Frauen!

in den USA haben über 50 Prozent der transidenten Jungen und jungen trans Männer zwischen 11 und 19 Jahren bereits mindestens einen Suizidversuch  unternommen.

Das ist zweimal derselbe Link. Sind „transidente Jungen“ jetzt jugendliche Transmänner oder Transfrauen?

Die Gründe dafür sind erforscht, sie liegen Studien zufolge nicht so sehr – wie viele annehmen – an der Geschlechteridentität selbst, sondern am gesellschaftlichen Umgang oder präziser: an der Diskriminierung, die Transgender-Personen erfahren.

Achwas? Na, sowas. Sorry, dass ich zynisch klinge, aber wer würde etwas anderes denken? Wenn jetzt einer sagt „TERFs“ – klar, aber die sagen nicht: „Lasst uns Transfrauen diskriminieren.“ sondern: „Lasst uns Cismänner, die sich als Transfrauen ausgeben, bekämpfen, denn davon gibt es sicher viel mehr.“

Daraus speist sich offensichtlich auch die manchmal beklagte Aggressivität einiger transaktivistischer Personen – wer einerseits um sein Leben kämpft und über Jahrzehnte bitter diskriminiert wurde, verliert manchmal einfach die Lust auf freundliche Differenzierung.

Und die Aggressivität von TERFs erklärt sich, weil man denen immer erzählte, Männer würden Frauen diskriminieren, und demnach keinen Grund hätten, Frauen zu sein, der NICHT frauenfeindlich wäre.

Das gilt in ähnlicher Weise für die meisten Grundrechtsbewegungen, sei es Black Lives Matter oder auch die Klima-Jugend.

Hmmm. Da steht „ähnlich“. Afroamerikaner und deutsche Jugendliche blicken auf ähnlich harte Diskriminierungserfahrungen zurück?

Der inhaltlich falsche und diskriminierende Eindruck, trans sei eine »Mode« hat ganz nachvollziehbare Gründe.

Frauenparkplätze sind eine hart umkämpfte Ressource.

Trans Personen gibt es schon immer, in vielen Ländern und Kulturen gibt es teils Jahrtausende alte Traditionen, drei oder mehr Geschlechter für völlig normal und »natürlich« zu halten.

Ja, mehr als zwei Gender, also soziale Geschlechter. Das sind dann aber keine Transpersonen, den die wollen typischerweise eines der beiden sozialen Geschlechter sein, die mit einem biologischen Geschlecht korrelieren. Nicht, dass das eine davon irgendwie besser oder schlechter wäre als das andere, aber es sind zwei verschiedene Dinge.

Die gegenwärtigen Debatten in Deutschland sind in ähnlicher Weise seit Jahren in den USA im Gang, und es gibt eine erschreckende Erkenntnis aus dieser Parallelität: Transfeindlichkeit eignet sich als eine Art Hasskitt quer durch politische und gesellschaftliche Lager.

Oh, nein, wie erschreckend. Wenn es doch lieber Liebeskitt wäre, wie die Liebe zu Russland, die insbesondere die Enden des politischen Spektrums vereinen würde, dann hätten wir uns alle lieb! Schnüff

Rechte Propaganda findet einfach deutlich mehr Zuspruch, wenn sie sich gegen trans Personen und deren Bedürfnisse richtet.

Das ist komisch. Dabei könnte man mit Israelkritik und Putintollfinden doch auch ganz viel reißen. Und Corona-Kritik. Und irgendwas mit Klima.

Es ist der derzeitige Frontverlauf der Frage: Gehen wir in Richtung einer progressiven, Menschen-zugewandten Gesellschaft – oder in Richtung einer regressiven, autoritären Gesellschaft?

Genau! FRONT-Verlauf. Schützengräben und so. Was könnten Feministinnen wohl dagegen haben?

Das Argument, es gäbe nur so wenige transgender Personen, ist dabei höchst toxisch, was man mit einem simplen Vergleich erklären kann:

„Toxisch“ ist so ein Hasskittword, woll? Transfrauen, Transmänner und tatsächlich diverse Menschen sind tatsächlich nicht so häufig, dass sich eigene Waschräume für sie lohnen. Und ich meine tatsächlich „finanziell“. Sorry.

Legt man die plausibelsten Zahlen für Deutschland zugrunde (eine transgender Person auf 298 nicht-transgender Personen), kommt man auf eine Zahl von rund 25 Millionen transgender Menschen weltweit.

Mal angenommen, dass die Zahl weltweit konstant ist. Aber das sind 270.000 in D., von daher…

Es gibt rund 15 Millionen Juden und Jüdinnen auf der Welt, aber niemand bei Trost käme auf die Idee, deshalb den Kampf gegen Antisemitismus für nicht so wichtig zu halten.

Es gibt im engeren Sinne (Gemeindemitglieder) 100.000 Juden in Deutschland, im weiteren Sinne schätzt man sie auf 225.000. Dass das nicht deutlich mehr sind, nicht nur mehr als 270.000, sondern eher 500.000, hat GRÜNDE, und diese Gründe sind es, die den Kampf gegen Antisemitismus wichtig machen. Ok, und gegen Zwangssterilisierung.

Leider gibt es in vielen, sich selbst für aufgeklärt haltenden Köpfen noch eine sehr patriarchale Sichtweise auf das Thema Geschlecht.

Naja, das hat damit nichts zu tun. Lobo hält sich auch für aufgeklärt, und schmeißt Trans- und Intersexuelle in einen Topf.

Es ist eine inzwischen bekannte Strategie vor allem der US-Rechtsradikalen, mit Angriffen auf Transgender-Personen eine antiliberale Stimmung zu ihren Gunsten zu erzeugen.

Wenn das funktioniert, liegt das aber weder an den Rechtsradikalen noch an den Transpersonen. Was die Sache auch nicht besser macht, aber der Grund sind die, die darauf anspringen.

Dieses Unbehagen ist ein sehr alter Bekannter, nämlich die Ablehnung des Ungewohnten, hier in Kombination mit einer gewissen geschlechtlichen Unsicherheit vieler Menschen.

D’oh.

Durch diese eigene Unsicherheit wird die schiere Existenz von Transgender-Personen von allzu vielen Menschen als Angriff betrachtet, diese psychosozialen Mechanismen sind erforscht und gerade in Geschlechterfragen bis heute prägend.

Es wird Menschen geben, die genau so aus genau den Gründen reagieren. Die Aussage, dass es zwei Geschlechter gibt, ist aber trotzdem kein „Angriff“.

Diese Unsicherheit lässt sich, auch das leider ein bekanntes, reaktionäres Verfahren, mit aggressiver Ausgrenzung im Zaum halten.

Wenn also Lobo merkt, dass viele linke und feministische Menschen, die ihm in vielen Punkten zustimmen, plötzlich anderer Meinung sind, dann muss er das mit aggressiver Ausgrenzung im Zaum halten.

Die Leugnung der Existenz von trans Personen ist deshalb ein zutiefst feindlicher Akt, weil daraus folgt, dass man gar nicht auf die Bedürfnisse von trans Personen eingehen muss.

D’oh. Ernsthaft: D’oh. Lobo ist aber ein toller Rechtsextremistenversteher, wenn er diese oberflächlichste aller Oberflächlichkeiten als Analyse präsentiert.

Sogar einige Frauenrechtsaktivistinnen sind nicht bereit, die Existenz von trans Frauen als Frauen anzuerkennen, womit sie ihre eigenen politischen Koordinaten fast automatisch nach rechts verschieben.

Jaaaa, Geschlechter sind einerseits sozial konstruiert und andererseits ein Spektrum, aber Meinungen sind durch politische Koordinaten eindeutig festlegbar. Wie gesag, die müssen jetzt aggressiv ausgegrenzt werden. Gut, dass ich dann wohl nicht rechts bin.

Denn dahinter verbirgt sich, ob man will oder nicht, eines der ältesten und wirksamsten Instrumente des Patriarchats, also der Ideologie der Herrschaft der mächtigen Männer über alle anderen:

Hirnwellenstrahler und die Manipulation durch Sprache. Ob Ihr wollt oder nicht, hilflos seid Ihr dem ausgesetzt, hilflos und wehrlos!

die radikale Vereinfachung der Geschlechtlichkeit mit dem Ziel Verengung von Menschen auf ihre biologischen Funktionen unter dem falschen Deckmantel des Begriffs »natürlich«.

Nein, das kam später. Hirnwellenstrahler kontrollieren alles!

Die Vereinfachung bedeutet, dass es nur Mann und Frau gibt und geben darf.

Ohhhh, besonders patriarchale Männer waren sehr für die Einführung von Eunuchen. Also „Ja“ zur Zwangssterilisierung, aber „Nein“ dazu, dass es nur Mann und Frau geben dürfte. Ich bin tatsächlich schon der Ansicht, dass hier viele den naturalistischen Umkehrschluss aufsitzen: Nur, weil die allermeisten Wirbeltiere genau zwei Geschlechter aufweisen, die sich nicht nur anatomisch, sondern auch (vorhersagbar) verhaltensmäßig unterscheiden, heißt das weder, dass das nicht anders geht. Oder, dass man sein Geschlecht wechseln darf.

Denn alles andere wäre ein Angriff auf die Machtbasis: In einer patriarchalen Gesellschaft ist Vermehrung alles, weil mit der zunehmenden Zahl der Personen der Einfluss wächst.

Aha. In welcher Gesellschaft wächst mit der Zahl der Personen NICHT der Einfluss? Weiterhin: sollte man geschlechtsangleichende, sterilisierende OPs nicht verbieten? Oder jedenfalls für Frauen – Männer, die das machen, stellen für die anderen Männer dann keine Konkurrenz mehr dar. Was ist mit Gesellschaften, die Enthaltsamkeit befürworten – sind die nach der Logik dann nicht patriarchal?

Wer sich nicht in das klassische Mann-Frau-Schema einordnet oder andere Formen von Beziehungen bevorzugt, wird da zur Bedrohung und deshalb als »wider die Natur« oder »Identität einfach ausgedacht« diffamiert.

Das kommt bestimmt vor. Das liegt sicher auch an Geschlechterrollen. Aber TRANSMenschen, nicht intersexuelle oder diverse Menschen, wollen ja eine bestimmte Geschlechterrolle leben, wie sie im Mann-Frau-Schema dargestellt wird. Was nicht heißen soll, dass Transpersonen besonders traditionell sind und wollen, dass alle anderen auch so leben, aber Lobos Argumente ergaben bei der Theorie mit der „aggressiven Ausgrenzung“ mehr Sinn.

Die Bedrohung liegt aus patriarchaler Sicht schon in der schieren Existenz: Jede nicht-binäre Person, jede trans Person und auch jede nicht heterosexuelle Person ist ein lebender Beweis, dass Andersartigkeit existiert.

Die Exzistenz von Grauwalen ist der lebendige Beweis, dass Grauwale existieren. Aber deshalb hat man sie auch fast ausgerottet – ihre Andersartigkeit war kaum zu ertragen. Ansonsten ja, allzuviele „Abweichungen“ von einer wie auch immer gearteten „Norm“ (aka: die Durchschnittsmehrheit) tolerieren Menschen leider selten, dass ist nicht das Alleinstellungsmerkmal des Patriarchats.

Wodurch Menschen auf die Idee kommen könnten, sich selbst zu fragen, was eigentlich ihre geschlechtliche und sexuelle Identität ist.

Ja, nee. Die ganzen Sportskanonen in der Schule kommen im Angesicht von Nerds nie auf die Idee, sich zu fragen, ob sie Nerds sein könnten, und umgekehrt. Außerdem, gerade, WEIL das Patriarchat doch angeblich so fest an die Naturgegebenheit bestimmter Dinge glaubt, sollte es sich darum doch keine Sorgen machen.

Und also dem Patriarchat und seinem Cis-Hetero-Vermehrungszwang Scherereien machen könnten.

Eigentlich wäre es im Interesse von Cis-Hetero-Männern, möglichst viele Frauen zu haben. Also sollten Frauen möglichst nicht lesbisch sein, Schwule Männer wären aber weniger das Problem, soweit sie unter sich blieben. Da aber Homosexualität bei Männern deutlich verpönter war und ist, als bei Frauen, passt die Beobachtung nicht so gut zur Theorie.

Über Geschlechterdinge spottet es sich besonders leicht, weil es bei praktisch allen mit Scham oder anderen psychischen Verwerfungen belastet ist. Der Spott dient da der eigenen Entlastung – aber ist zugleich auch eine wichtige Basis der Aggression.

Im Unterschied zu Aussehen, Geld, Bildung, Familie, politische und religiöse Ansichten oder deren Fehlen? Also, das Argument ist ganz abwegig.

Deshalb ist auch die oft geführte Behauptung, es gebe prinzipiell nur zwei Geschlechter und die erkenne man halt zwischen den Beinen, keine wissenschaftliche Erkenntnis, sondern ein getarnter Angriff auf die Existenz vieler nicht-binärer und trans Personen.

Die ganze Definition von cis- und trans- beruht auf „prinzipiell“ zwei Geschlechtern. Wie kann das dann ein „Angriff“ sein? Weiterhin geht es dabei um die Anatomie oder um die Hirnchemie, also Biologie, konstruierte Dinge wie Kleidung und Frisur alleine machen niemanden transsexuell, sondern eher zum Transvestiten…

Es ist der Behauptung ähnlich, es gebe nur eine Sonne und die stehe am Himmel. Ja, du siehst nur eine Sonne, das stimmt.

Es gibt mehr Sonnen in der Galaxis als Menschen auf der Erde, aber die meisten davon sieht man nicht. Also sind die so weit weg, dass die einfach nicht relevant sind. Ganz schlechtes Beispiel.

Aber für alles Weitergehende müsste man sich mit Fachleuten unterhalten und denen sogar glauben.

Also – eine Biologin? Ich frage, weil letztens ganz, ganz viele Leute nicht mit einer Biologin sprechen wollten, und eine Biologin ist in der Frage sicher kompetenter als Lobo.

Schon bei Chromosomen, die einen biologisch wesentlichen Aspekt der Geschlechter ausmachen, existieren mehr als nur zwei Kombinationen.

Stiiiimt. Diejenigen, die dergleichen haben, sind allerdings typischerweise unfruchtbar, werden aber trotzdem typischerweise anatomisch als Männer oder Frauen eingestuft. Sollte man denn unfruchtbaren Frauen und Männern ein gemeinsames Geschlecht zuweisen, oder jeweils ein eigenes?

Die dann sogar unterschiedliche Ausprägungen haben können, etwa eine Person mit XY-Chromosomenpaar, die aber eine Vagina und Eierstöcke hat.

Auch diese Person würde man als „Frau“ schubladisieren.

Eigentlich aber müsste man diese Diskussion gar nicht führen, denn in Mitteleuropa werden eine Vielzahl menschlicher Gewissheiten ohne größere Rücksicht auf die Natur einfach gesellschaftlich festgelegt.

Im Unterschied zu…? Andere Länder sind auch nicht besser. Vereinfacht gelten bei Organismen mit Anisogamie diejenigen Individuen oder Organe als weiblich, die die größeren Gameten produzieren, die als männlich, die die kleineren produzieren, die als zwittrig, die beiden produzieren, und die als ungeschlechtlich, die gar keine Gameten produzieren, sondern sich ungeschlechtlich fortpflanzen. Wie soll sich das im BGB niederschlagen?

Man könnte es zum Beispiel für ungerecht halten, dass alle (angestellten) Menschen im gleichen Alter in Rente gehen, obwohl nicht alle gleich lang leben – eine kulturell festgelegte, die Natur kaum berücksichtigende und trotzdem breit akzeptierte Entscheidung.

Ja, könnte man. Warum dürfen Frauen länger ihre Rente genießen? Scheißpatriarchat!

Das heißt nicht, so zu tun, als gäbe es keine Unterschiede, zum Beispiel in den Bedürfnissen zwischen Menschen, die schwanger werden können und solchen, die keine Gebärmutter haben.

Ach? DAS ist doch der Grund, warum viele Cisfrauen Transfrauen ablehnen. Die können nicht schwanger werden und haben darum weniger Bedürfnisse.

Das heißt auch nicht, dass man hormonelle Realitäten ausblenden muss, wie man gut an der sinnvollen Einführung von freien Tagen bei starken Regelschmerzen (in Spanien) erkennen kann.

Drei Tage im Monat. Zwölf Monate im Jahr. 36 freie Tage im Jahr. Wie finanzieren die das?

Wahrscheinlich weiß sogar niemand besser als Transgender-Personen, wie stark der Einfluss von Geschlechtshormonen wirken kann.

Vermutlich schon, aber post-OP haben die so oder so keine Regelschmerzen mehr. Also brauchen Transfrauen diesen Urlaub nicht. Also… stellt man lieber Transfrauen ein?

Damit verschiebt sich automatisch aber auch, was »progressiv« ist. Es mag irgendwann mal als progressiv angesehen worden sein, Homosexuelle nicht gleich umzubringen, sondern nur so zu tun, als gäbe es sie nicht.

Es galt auch mal als progressiv, Intersexuelle nicht ihr soziales Geschlecht einfach selbst aussuchen zu lassen, sobald sie erwachsen wurden, sondern es operativ anzupassen. Lobos Optimismus in Ehren, aber progressiv heißt nur Fortschritt, nicht unbedingt Fortschritt zu etwas besserem.

Heute ist es das nicht mehr, und jetzt wird es Zeit, den gesellschaftlichen Fortschritt in der Diskussion um transgender Personen wirksam werden zu lassen.

Dieselbe Diskussion, die eine Diskussionsteilnehmerin canceln wollte? Weil unsere Gesellschaft so fortschrittlich ist? Wenn bspw. die Aussage: „Menschen sind zweigeschlechtlich“ schon einen Angriff  auf die Position von Transsexuellen darstellen soll – wie schwach ist dann deren Position? Bzw., wieso sollte das ein Angriff sein? Es ist höchstens ein Angriff auf solche, die ausschließlich per Namensänderung (keine OP, keine Hormontherapie, kein psychologisches oder medizinisches Gutachten, keine andere Kleidung oder Frisur) ihr Geschlecht ändern wollen, und die könnten argumentieren, dass sie nicht ihr biologisches, sondern ihr soziales Geschlecht ändern wollen (was tatsächlich ein Argument wäre, wenn man akzeptierte, dass das eine sozial konstruiert ist, aber das andere nicht).

Wenn man sagt: „Es gibt beim Menschen mehr als zwei biologische Geschlechter.“ wäre die Frage, welche Keimzellen das dritte Geschlecht produziert, oder welche Geschlechtsorgane das dritte hat. Wenn man sagt: „Es gibt beim Menschen mehr als zwei soziale Geschlechter.“ wäre die Frage, welche Vornamen dem dritten Geschlecht zugeordnet sind. Vornamen sind wie soziale Geschlechter sozial konstruiert.

Beide Punkte könnte man ja durch einen Vortrag an einer Uni oder auf YT darlegen. Besser YT.

3 Gedanken zu “Freiwilligen-Sterilisierung

  1. Was ein manipulativer Schwätzer.

    Transmenschen erleiden angeblich Vernichtungsschmerz, wenn man sie an ihr biologisches Geschlecht erinnert. Aber anstatt dass man ihnen dann auferlegt, eine Therapie zu machen, will man Leute mit zig Tausenden Euronen von Strafgeldern belegen, die auf die simple Wahrheit hinweisen. Hier hört dann meine Toleranz auf. Mit anderen Worten: Die Translobby liefert mehr als genug Gründe, warum man ihr ablehnend gegenüber steht, mit den Kindern fange ich gar nicht erst an.

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  2. Für die Betroffenen geht es um Leben und Tod

    Ich verstehe die Inbrunst nicht. Bei den vielen Depressiven geht es auch um Leben und Tod. Letztlich geht es sogar um Leben und Tod, wenn ich eine Hauptverkehrsstraße überquere.
    Natürlich ist es blöd, wenn man ein Problem mit dem eigenen Körper hat. Aber wird das besser, wenn man versucht, das Problem anderen überzuhelfen?

    Auch kann ich nicht die gesellschaftliche Unterdrückung erkennen, wenn sogar Stadien und Brandenburger Tor in Regenbogenfarben getaucht werden. Und wer volljährig und geschäftsfähig ist, der kann sich ja beliebig umformen lassen.

    Na gut, auch ich will keine Trans-Werbeveranstaltung in der Grundschulklasse meines Kindes haben. Aber ich will dort auch keine Werbeveranstaltung für Kinder-Überraschungseier haben. Deswegen stürzt sich Ferrero auch nicht in die Insolvenz.

    Auf der anderen Seite genieße ich die Hysterie in der Trans-Debatte auch ein bisschen. Denn sie wirkt wie eine Blaupause der feministischen Jammer-Rituale. Was wiederum die Feministen aufs Gröbste vor den Kopf stößt.

    Denn auch da geht es um Leben oder Tod, wenn einer Frau in der Tiefgarage die Frauenparkplätze durch andere Frauen zugeparkt sind.

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