Wie man gegen Vorurteile vorgeht, wenn

…man sie sich eben erst ausgedacht hat.

Familie ist, wer sich als Familie versteht. Für Selbstbestimmung und eine feministische Familienpolitik!

Jein.

»Feminismus schafft die Familie ab«

Das ist eigentlich nicht ganz die Behauptung. Es gibt Kritikpunkte an der Ehe für alle, die darauf hinauslaufen, dass die Elternschaft etwas zu rigoros auf Seiten bspw. eines lesbischen Paares anstelle der biologischen Mutter und Vater verschoben werden soll.

„Der Feminismus will uns vorschreiben, wie wir zu leben haben!

Wenn er das nicht will, wieso wehrt er sich so sehr gegen das Wechselmodell? Oder Männerhäuser?

Er will Familien kontrollieren! Und sie am besten ganz abschaffen!”

Ja, so formuliert ist das natürlich übertrieben. Väter abschaffen ist aber bei einigen Feministinnen (hallo Frau Schrupp) auf der Agenda.

Ein emanzipatorischer Familienbegriff sowie geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung würden Menschen in ihrer Lebensführung bevormunden

Also, ich beschwere mich nicht über Transfrauen in Frauenschutzräumen. Transmänner in Männerräumen würden mich auch nicht so stören, aber ich kann in beiden Fällen verstehen, wo das Problem ist, wenn besagte Personen anatomisch gesehen nicht zum Schutzraum passen.

Das Thema Familie ist ein leichtes Einfallstor für antifeministische und rechte Weltanschauungen, weil es alle Menschen in gewisser Art und Weise betrifft.

Tja, liebe Singles…

Insbesondere die Istanbul-Konvention1 des Europarats, die u.a. Gewalt in der Familie und in Partnerschaften bekämpfen soll, ist Antifeminist*innen ein Dorn im Auge.

Die Gewalt ausdrücklich gegen Frauen verhindern soll, gegen Männer aber nicht. Was jetzt eeeetwas unbalanciert ist. Das hat, nebenbei gesagt, wenig damit zu tun, ob oder wie der Feminismus die Familie zerstören wolle.

 Im gleichen Atemzug werden andere Geschlechter oder Beziehungs- und Familienformen schon mal als „Niedergang der Nation“3 bezeichnet.

Kann ja sein, dass die das sagen, aber der Wunsch, dass Gewalt in Beziehungen unabhängig von der Frage bekämpft werden sollte, welches Geschlecht das Opfer hat, ist nicht per se homophob. Insbesondere würde bei der Istanbul-Konvention Gewalt in lesbischen Beziehungen doppelt bekämpft, in schwulen aber gar nicht. Soll das so?

In solchen Aussagen finden sich neben antifeministischen auch völkisch-nationale Ideen.

Ist deshalb die Türkei da ausgetreten? Die müsste eine Sache aus Istanbul ja eigentlich besonders gut finden.

Die „Rückbesinnung“ auf traditionelle Werte und Geschlechterrollen soll den Trend sinkender Geburtenzahlen, aber auch den vermeintlichen „Bevölkerungsaustausch4 umkehren. Wer so spricht, übernimmt Rhetoriken, die an die des NS-Regimes anknüpfen.

Weil der Feminismus die ganzen lesbischen Türkinnen und schwulen Araber nach Deutschland holt? Homosexuelle Iraner jedweden Geschlechtes noch dazu? Na, das ist Quatsch.

Frauen werden in diesen Narrativen in die traditionelle Mutterrolle zurückgedrängt, während ihnen ihre sexuelle Selbstbestimmung abgesprochen wird.

Diese Narrative gibt es auch, aber die Art, wie Feministinnen bzgl. Elternschaft argumentieren, ist die:

  1. Mütter verbringen anteilig zu viel Zeit mit Kinderbetreuung
  2. Männer sind schlecht (frauenfeindlich) erzogen
  3. geschiedene Mütter müssen daher möglichst das alleinige Sorgerecht kriegen

Ist das zu verkürzt dargestellt? Egal, macht die AAS ja auch.

Das Thema häusliche Gewalt bremst antifeministische Familienpolitik aus.

Eigentlich nicht. Erstens ist „ausbremsen“ das falsche Wort, gesucht ist „beschleunigen“, und zweitens: Erst die einseitige Fokussierung auf Gewalt gegen Frauen in Politik und Medien macht das zu einem „antifeministischen“ Thema.

Denn Maßnahmen gegen häusliche Gewalt erfordern häufig ein Eingreifen von externen Personen und des Staates – ein rotes Tuch für Antifeminist*innen, die individuelle „freie“ Entscheidungsmacht in der Familie als höchstes Gut darstellen.

Das rote Tuch ist eher, dass der Staat beim Eingreifen „automatisch“ denkt, dass der Mann der Täter ist. Wie viel Eingreifmacht man dem Staat einräumen will, ist von „Antifeminist“ zu „Antifeminist“ verschieden.

Deswegen spielen sie Gewaltformen herunter und kritisieren entsprechende Gegenmaßnahmen. So verhöhnen sie die Reform des Sexualstrafrechts zum Beispiel mit der Falschbehauptung, dass es Vergewaltigungen in der Ehe gar nicht geben könne.

Beleg? Also, es wird wohl vor knapp dreißig Jahren Männer gegeben haben, die das sagten, aber die damaligen Argumente waren überwiegend andere. Kann man eigentlich Männer vergewaltigen?

Genauso beliebt ist, mit dem Finger auf „die Anderen“ (Stichwort „Ehrenmorde“5) zu zeigen, um vom gesamtgesellschaftlichen Problem abzulenken.

Ich würde eher sagen, die „Ehrenmorde“ sind als Thema eindeutig beliebter. „Gesamtgesellschaftlich“ ist wohl auch nur eine Phrase für „Ihr seid für Dinge verantwortlich, die Ihr gar nicht tut!“.

Studien zeigen, dass die meisten geschlechtsspezifischen Gewalttaten in der Familie und in Partnerschaften verübt werden.

Das wäre ja tatsächlich ein Grund, Familie und Partnerschaften abzuschaffen.

Es wird davon ausgegangen, dass jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben körperliche und/oder sexualisierte Gewalt erfährt. Jede Vierte hat Gewalt durch einen (Ex-)Partner erlebt.

In der einen verlinkten Studie wird das wohl nocht aufgeschlüsselt in verschiedene Kategorien, wie Menschenhandel und digitale Gewalt. Ohne Cybermobbing jetzt irgendwie schönreden zu wollen – wie viele Männer haben in Deutschland wohl etwas erlebt, was mindestens so schlimm war wie Beleidigungen online, aber nicht schlimmer als Sklaverei? Die Hälfte? Mehr als die Hälfte? Alle bis auf drei? Das ist die Argumentation und die Statistik, mit der „Gewalt gegen Frauen“ thematisiert wird.

Für viele Betroffene ist es nicht leicht, sich an Beratungsstellen zu wenden oder die Gewalt bei der Polizei anzuzeigen – aus mehreren Gründen:

Wie Amber Heard sagte: „Niemand wird Dir glauben.“ Außer, man ist ein sehr beliebter Hollywood-Star mit ausreichend viel Millionen auf der hohen Kante. Aber nunja.

Zum einen gibt es bürokratische Hürden, die den Schritt erschweren.

Naja.

Zum anderen werden Betroffene häufig nicht ernst genommen und Täter*innen vom nahen Umfeld geschützt,

Ok, das stimmt. Wie Amber Heard.

weil der Anschein einer „funktionierenden Familie“ gewahrt werden soll.

Ja, nur deshalb. Nicht, weil sie eine Frau ist oder so.

Daher kann davon ausgegangen werden, dass die Dunkelziffer für häusliche Gewalt sehr hoch ist.

An anderer Stelle wird dieser Einblick völlig ignoriert. Die Frage, wie sehr der Staat in Familien eingreifen sollte, ist eigentlich nicht unbedingt eine Feminismus-Maskulismus-Geschichte, aber wenn, dann möglichst unvoreingenommen.

Viele Gewaltformen, vor allem nicht-körperliche, sind in der Gesellschaft normalisiert und werden zu wenig öffentlich und privat diskutiert. Das kann dazu führen, dass Betroffene das vermeintliche Wohl der Familie vor ihr eigenes stellen.

Oh, das stimmt bestimmt. Die ganzen Männer, die sich lieber von ihrer Frau schlagen und demütigen lassen als ihre Kinder im Stich zu lassen. „Betroffene“ ist geschlechtsneutral, also sind Männer mitgemeint.

Antifeminist*innen präsentieren sich gerne als Beschützer*innen familiärer Werte. Wenn es aber darum geht, Familien zusammenzuführen, welche die gegenseitige Unterstützung in einem neuen Land dringend brauchen, wollen sie von ihrem sonst so klaren Bekenntnis zur Familie nichts mehr wissen.

Dies ist ein Fehlschluss gemäß folgendem Syllogismusses: Manche Ebonier tragen Pelze. Manche Ebonier engagieren sich im Tierschutz. Alle Ebonier sind Heuchler. Zitiert aus: „Das Dilbert Prinzip“

Antifeminist*innen kämpfen also nicht für die Freiheit der Familie, sondern für die Wahrung der patriarchalen Gesellschaftsordnung.

Wenn die Prämisse schon Quatsch ist, ist die Konsequenz Doppel+Quatsch.

Vor allem bei der extremen Rechten kommt völkisch-nationales, eugenisches11 Gedankengut hinzu, welches die Fortpflanzung bestimmter Menschen fördern und anderer verhindern will

Ok, extreme Rechte sind irgendwie Nazis. Das ist ja irgendwie wenig überraschend. Aber wer weiß: wenn man die ganzen Schwulen und Lesben nicht mehr wie früher zwingt, ein Heteroleben zu führen – sterben die dann nicht aus?

1. Niedrigschwellige und betroffenenorientierte Hilfe

Ok, mangende Männerhäuser waren bei Johnny Depp nicht das Problem. aber sonst!

2. Gesellschaftliche Veränderungen

Geschlechtsspezifische Gewalt ist in unserer Gesellschaft immer noch viel zu normalisiert. Viele verharmlosen die Gewalt und können oder wollen sich nicht vorstellen, dass diese in Deutschland ein schwerwiegendes Problem darstellt. Hinter dieser Ablehnung stehen Machtstrukturen, die hinterfragt werden müssen.

Die ganzen Medien, die Amber Heard mit deutlich mehr Mitgefühl beschrieben haben, als sie es eigentlich verdiente, als sie es bei einem Mann bei ansonsten gleichwertiger Beweislage getan hätten, ist so eine Machtstruktur.

3. Klare Kante gegen Queerfeindlichkeit12, Rassismus und rechtsextremes Gedankengut

Wenn selbst recht Heard-kritische Personen annehmen, Heard würde wegen ihrer Hautfarbe eine recht freundlichen Berichterstattung bekommen, statt wegen ihres Geschlechtes, muss man da eher sauberer trennen als dergleichen zu vermischen. Ansonsten klar: wer Feminismus kritisiert, will Eugenik betreiben. Was sonst.

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