Ist Ferda Ataman eine Kurdin?

Jetzt nicht von der Abstammung her, sondern vom Mindset. Kurden in der Türkei beklagen sich über Unterdrückung, Kurden im Iran beklagen sich über Unterdrückung, Kurden in Syrien würden sich über Unterdrückung beklagen, wenn sie nicht beschossen würden (von der Türkei), und die Kurden im Irak beschweren sich gerade nur deshalb etwas weniger über Unterdrückung, weil der restliche Irak genug zu tun hat. Dafür springt die Türkei in die Bresche.

Also ungefähr dasselbe Mindset wie Ferda Ataman, die mal Sorge hatte, deutsche Ärzte würden Menschen mit Migrationshintergrund gerne mal sterben lassen.

Aber von allem möglichen Kritikpunkten wird ihr Kartoffel-Text kritisiert. Was alleine jetzt auch nicht sooo schrecklich furchtbar ist, und eigentlich nicht schlimmer als andere Sachen, aber nunjaaa…

Sie hat aber wackere Verteidiger. Von Anatol Stefanowitsch. (Der Grund, weshalb Definitionen wichtig sind.)

Die Sprengkraft der Kartoffel

Spargel ist schlimmer. Aber ja.

Sie verspotte Deutsche, werfen Kritiker der designierten Antidiskriminierungsbeauftragten Ferda Ataman vor.

Andere Kritiker werfen ihr „Stammtischniveau“ vor und mangelnde Kritik an Erdogan, noch andere mangelnde Berücksichtigung von solchen Menschen mit Migrationshintergrund, die weiß sind (also  noch weißer als sie selbst), aus Asien oder Südamerika kommen, oder aus der Türkei, ohne selbst Türken zu sein, oder die keine Muslime (mehr) sind, sowie – soweit ich das jetzt überschaue – zusätzlich  auch Menschen mit türkischen Vorfahren, die Deutsche sind, sich zum Islam bekennen aber TROTZDEM eine andere politische Meinung haben als Ferda Ataman. Man könnte jetzt sagen, wenn sie Deutsche mit und ohne Migrationshintergrund gleichermaßen verspottet, ist das ja wieder ausgeglichen, aber wenn die meisten, die sie integrieren soll, sie nicht wollen?

Warum so empfindlich?

Warum so empathielos?

Warum steckt im Alltagswort „Kartoffel“ großes Aufregerpotenzial und hat Ferda Ataman es tatsächlich benutzt, um Deutsche ohne Migrationshintergrund verächtlich zu machen?

Das erste kann man sich eigentlich denken und braucht keine Expertise dafür. Das zweite ist jetzt anhand eines einzigen Textes nicht konkret überprüfbar. Aber ja, Professor Stefanowitsch hat mehr Ahnung als andere Menschen.

Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch … seziert die Debatte um die angeblichen Äußerungen Atamans.

Er diskutiert den fraglichen Text gar nicht. Er diskutiert das Wort „Kartoffeln“ genausowenig. Er macht also keine Aussage darüber, ob die fraglichen Aussagen „angeblich“ oder „tatsächlich“ gemacht wurden. Und er analysiert auch nicht, ob sie bspw. „Kartoffeln“ ironisch verwendet oder um Dritte zu zitieren, ohne sich das Wort zu eigen zu machen. Er ist Sprachwissenschaftler, also wären das die Punkte, von denen er tatsächlich mehr Ahnung hätte als der Durchschnittsdeutsche.

Stattdessen versucht er sich als Psychologe. Sprachwissenschaftler können das.

Privilegien sind etwas Zwiespältiges.

Das Wording ist etwas Zwiespältiges. Wegen Doppelbedeutung.

Einerseits ist es angenehm, sie zu genießen. Wer von uns würde nicht gerne mit Vergünstigungen und Sonderrechten ausgestattet durchs Leben gehen?

Immerhin, ihm ist klar, das nicht alles (also: fast nichts), was man heutzutage als „Privileg“ bezeichnet, ein Sonderrecht ist, sondern eher eine „Vergünstigung“, Was ihm nicht klar ist: der Begriff, den er sucht, ist „Vorteil“. Ein Sonderrecht ist ein Recht, das nicht alle Menschen haben, eine Vergünstigung ist „günstiger“ als der übliche Preis. Die rhetorische Frage, die mal wieder an ein einheitliches „wir“ adressiert ist, kann ich aber mit „Ich nicht“ beantworten. Wenn beispielsweise „wird nicht gecatcallt“ ein „Sonderrecht“ wäre, hätte ich nichts dagegen, wenn alle dieses Sonderrecht genießen würden. Und dann wäre es kein Sonderrecht mehr.

Andererseits ist es unangenehm, sie offen zu genießen. Wer von uns möchte sich schon für solche Vergünstigungen und Sonderrechte rechtfertigen müssen?

Das ist nicht so unangenehm, wie es klingt. Es ist nicht meine Schuld, wenn ich nicht gecatcallt werde. („Doch, so wie DU aussiehst!“ – „Das ist Bodyshäming!“) Ich müsste mich rechtfertigen, wenn ich andere catcallen würde, aber da ich das nicht tue, fällt das weg. Oder allgemeiner: Vorteile, die ich zwar tatsächlich ungerechtfertigterweise gegenüber anderen habe, die ich aber weder verursacht habe noch bei anderen verhindere, entziehen sich meiner Verantwortung.

Um ein Privileg ohne schlechtes Gewissen auskosten zu können, müssen die Privilegierten es deshalb gut verstecken

Das „Privileg“, um das es hier geht, ist offenbar das, andere Leute mit Produkten aus der Landwirtschaft zu bezeichnen. Ok. Angenommen, ich hätte dieses Privileg, nähme es aber nicht wahr? Wie würden Stefanowitsch oder Ataman erkennen, ob ich es „verstecke“ oder es einfach nicht tue?

am besten nicht nur vor den anderen, sondern auch vor sich selbst.

Ach, schon gut. Es interessiert sie einfach nicht.

Deshalb muss, wer einem solchen versteckten Privileg zu nahe kommt, damit rechnen, mit voller Wucht vom Zorn der Selbstgerechten getroffen zu werden.

Das ist zwar wohl eher pseudopsychologisch, aber fürs Protokoll: es gibt bestimmt Menschen, die genau SO reagieren: Wut, wenn man ihre Charakterfehler offenlegt. Andererseits gilt nicht die Umkehrung: nicht alle Menschen, die wütend werden, wenn man sie als rassistische Heuchler bezeichnet, sind tatsächlich welche: die einen werden wütend, weil sie sich ertappt fühlen, die anderen, weil man sie zu Unrecht beschuldigt.

Das erfährt gerade die designierte Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, Ferda Ataman.

Achwas.

Vorgeblich entzündet sich dieser Zorn an der „Kartoffel“ – mit diesem Wort habe Ataman Deutsche „verspottet“, behauptete die Bild in einer Überschrift – um diese Behauptung im Artikel selbst dann dahingehend abzuschwächen, sie habe die Bezeichnung in einer Spiegel-Kolumne von 2020 „verteidigt“.

Wenn das nur die BILD behauptet, wäre das erstmal egal. Andererseits würde niemand jemanden von der BILD als Antidiskriminierungsbeauftragte vorschlagen. Hoffentlich. Und, ja, sie hat den Begriff nur verteidigt, aber mit der schlauen Begründung, es gäbe auch schlimmeres.

Damit begann die Empörung im konservativen Feuilleton, die (offensichtlich ohne Lektüre der als Beweisstück vorgelegten Kolumne) schnell in vernichtenden Vorwürfen mündete.

Ja, konservatives Feuilleton, das sind die, die die BILD lesen, aber nicht den Spiegel. Gut, dass ich weder konservativ bin noch Feuilleton. Puhhh, Glück gehabt.

Oder dass sie – ein im konservativen Feuilleton beliebter Vorwurf – „Identitätspolitik“ betreibe.

Dieser Ahmad Masoor muss ja sehr konservativ sein. Allerdings bezieht er seine Kritik an Ataman so gar nicht auf die eine Spiegel-Kolumne, sondern auf Tweets und andere Äußerungen. Und auf das hier. Nicht zu verwechseln mit dem hier – wenn Biodeutsche das selber machen, ist es nicht rassistisch.

Diese Vorwürfe entbehren jeder Substanz. In Atamans Kolumne sucht man vergeblich nach einer verhöhnenden Verwendung des Wortes „Kartoffel“.

Die Stelle, wo Masoor das Wort „Identitätspolitik“ verwendet, sei es vorwurfsvoll oder sonstwie, habe ich übrigens auch nicht gefunden. So beliebt ist der Vorwurf dann also wohl doch nicht. Ansonsten, hat sie vllt. mal was über Kartoffeln getwittert? Achja.

Ataman verteidigt auch diejenigen nicht, die das eventuell tun,

Sie verteidigt den Begriff. Mit der Begründung: „Ihr Ureinwohner macht sowas ja auch!“ und „Es gibt ja noch schlimmere Bezeichnungen, wie Spargelfresser.“ Als Spargelhasser und Schwarzwurzellieber würde mich persönlich letzteres natürlich viel mehr treffen, aber das ist ja nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass moralisch gesehen beide Begründungen nichts taugen. Einen angehenden Mörder zu töten, um einen Mord zu verhindern, ist Notwehr und grundsätzlich erlaubt. Aber jemanden zu beleidigen, um eine Beleidigung zu verhindern, klappt praktisch nie. Und jemanden zu verletzen wird auch nicht deshalb ik, weil man ihn töten könnte. DAS ist das Niveau der Rechtfertigungen.

sondern bezeichnet Mobbing mit diesem Wort ganz im Gegenteil als „völlig inakzeptabel“.

Und? Der Absatz geht weiter mit: „Aber es werden auch Schüler*innen als „Jude“, „Türke“ oder „schwul“ beschimpft und wir schreiben die Begriffe nicht gleich ab.“ Jaja, die ganzen Schülerinnen, die immer „Jude“, „Türke“ oder „schwul“ genannt werden. Es gibt aber tatsächlich Menschen, die „Jude“, „Türke“ oder „schwul“ als Selbstbezeichnung verwenden. Als völlig wertneutrale, unironische Selbstbeschreibung, und sind tatsächlich beleidigt, wenn eine andere als diese Verwendung findet. (Beispiele muss ich hier nicht bringen). Und DAS ist der Grund, warum „wir“ diese Begriffe nicht abschreiben.

Sie erklärt lediglich, warum Deutsche ohne Migrationshintergrund so empfindlich auf dieses an sich harmlose Wort reagieren.

Dass Deutsche mit Migrationshintergrund nicht empfindlich darauf reagieren, ist vollständig daraus erklärbar, dass die nie so genannt werden. Eigentlich ist es auch egal, was Ataman denkt, warum da irgendwelche Leute so empfindlich reagieren. Hört auf die Betroffenen, und haltet ansonsten die Klappe. Habe ich irgendwo mal gelesen.

Und diese Empfindlichkeit ergibt sich eben aus einem gut versteckten Privileg.

Dieser Ahmad Masoor muss ja wirklich gut versteckte Privilegien haben, wenn er so empfindlich reagiert.

Der erste Schritt einer Diskriminierung besteht darin, die Gesellschaft in zwei Gruppen aufzuteilen – etwa aufgrund bestimmter äußerer Merkmale wie Haar- oder Hautfarbe oder aufgrund diffuser Zuschreibungen wie „Migrationshintergrund“.

Das wird so allgemein gesagt wohl richtig sein, aber genau so eine Einteilung nimmt Ataman ja auch vor. Nur ist ein Vorwurf – siehe oben – dass sie den Begriff „Migrationshintergrung“ nicht verwendet, um u.a. Osteuropäer nicht berücksichtigen zu müssen. Ob Professor Stefanowitsch das wohl auch so sieht?

Der zweite Schritt besteht darin, diesen Gruppen Eigenschaften zu unterstellen, die mit der ursprünglichen Unterscheidung nichts zu tun haben – etwa Unterschiede in der Leistungsbereitschaft, der Intelligenz oder der Neigung zu Gewalt und Kriminalität.

Also – nur als Beispiele – die Bereitschaft, Menschen in Krankenhäusern sterben zu lassen, eine erhöhte Neigung zu Rassismus, Polizeigewalt und Nationalsozialismus oder eine ungesunde Vorliebe für Spargel?

Im dritten und entscheidenden Schritt wird die Gruppe, die die Unterscheidung getroffen und der anderen Gruppe die negativen Eigenschaften zugeschrieben hat, dann als Gruppe unsichtbar gemacht.

Ja, man muss diese Kurden dringend sichtbarer machen. Waren doch Kurden, oder? Bis dato also alles, was Ataman auch macht.

Sie wird aufgelöst in lauter Individuen, die dann auch nur an ihren individuellen Eigenschaften und Leistungen gemessen werden, denen also nicht schon aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit mit einer bestimmten Einstellung begegnet wird und die nicht für das (tatsächliche oder angebliche) Fehlverhalten anderer Mitglieder ihrer Gruppe in Haftung genommen werden.

Also, als Deutscher werde ich zum Glück nie an meinen individuellen Eigenschaften und Leistungen gemessen. Für linke Deutsche bin ich Teil des Kollektives, für rechte Teil des Volkskörpers, und der Rest der Welt nimmt mich eh‘ nicht wahr. Glück gehabt, der meint nicht mich! Oder doch?

Diese Unsichtbarkeit als Gruppe, diese Selbstverständlichkeit, ohne Vorurteile als Individuum wahrgenommen zu werden, ist das Privileg, auf das Ataman in ihrer Kolumne hinweist.

Ich bezweifle stark, dass Ataman und Stefanowitsch mich ohne Vorurteile als Individuen wahrnehmen. Und Stefanowitsch irrt sich, bzw., er stülpt seine Sicht der Dinge auf ihre Kolumne über, weil das nicht das Privileg ist, das Ataman meinte. Ataman meinte das „Privileg“ zu entscheiden, wer wie genannt wird.

Das Wort „Kartoffel“ ist nicht deshalb verletzend, weil es Deutsche ohne Migrationshintergrund diskriminiert

Sondern, weil es eine abwertende Bezeichnung ist, die nur in abwertenden Zusammenhängen verwendet wird. Im Unterschied zu „schwul“, „jüdisch“ oder „türkisch“. Ihre Beispiele, nicht meine.

das kann es schon deshalb nicht, weil es keine herabwürdigenden Vorurteile gegen diese Gruppe gibt.

Offensichtlich gibt es herabwürdigende Vorurteile gegen Deutsche. Wenn Stefanowitsch oder Ataman das nicht wissen, dann nur deshalb, weil sie diese Vorurteile nicht für Vorurteile halten, sondern für Tatsachen.

Es ist verletzend, weil es diejenigen, die mit diesem Wort bezeichnet werden (oder auch nur bezeichnet werden könnten), dazu zwingt, sich zur Abwechslung überhaupt einmal als Mitglied einer Gruppe zu verstehen.

Die ganzen stolzen Patrioten und Kommunisten? Die praktisch nur in Gruppen auftreten? Jepp, das wird es sein. Warum ist dieses psychologisches Genie überhaupt nur Sprachwissenschaftler geworden?

Für uns Menschen mit Migrationshintergrund, für Frauen, Schwarze Menschen und People of Color, jüdische Menschen, Menschen mit Behinderungen, Lesben und Schwule, trans Personen und all die anderen „Minderheiten“ ist das eine alltägliche Erfahrung.

Mit Ausnahme von Frauen sind alle diese Gruppen tatsächlich Minderheiten ohne „Anführungsstriche“. Achso, ein Wort oder Begriff wie „Autochthoner“, „Ureinwohner“, „Einheimische“ und „ohne Migrationshintergrund“ würde Menschen ja auch „zwingen“, sich als Mitglied einer Gruppe zu verstehen. Demnach wäre „Kartoffel“ und „autochthone Deutsche“ beliebig austauschbar.

Im besten Fall wird unsere Gruppenzugehörigkeit so lange übersehen, bis irgendetwas an unserem Handeln oder Sein daran erinnert.

Sowas wie: „Ihhh, der mag Spargel!“?

Im schlimmsten Fall wird unser Handeln oder Sein von vornherein nur durch den Filter stereotyper Vorstellungen gesehen oder wir werden – kaum weniger schlimm – wohlwollend zu einer Ausnahme von diesen Stereotypen ernannt.

Sowas wie: „Sie sind ja gar kein Nazi!“?

Für Menschen ohne Migrationshintergrund, für Männer, für weiße Menschen und alle anderen Mitglieder der unsichtbaren Gruppe der „Normalen“ gibt es diese Erfahrung nicht

Er ist noch nie für einen Wham gehalten worden? Okeee…

ein Wort wie „Kartoffel“ vermittelt höchstens ein schwaches Echo davon.

Offenbar hat Stefanowitsch stereotypische Vorstellungen. Er ist Professor – vllt. hat er deshalb wenig negative Erfahrungen gemacht und denkt, dass läge daran, dass man ihn für einen Wham hält. Küchenpychologie kann ich auch.

Statt auf dieses schwache Echo mit einem verletzen Ego zu reagieren, könnte es ein erster Schritt zur Reflexion der eigenen Privilegien sein.

Wird gemacht: Ungeachtet der Frage, ob ich als Ureinwohner Deutschlands ungestraft andere Menschen als Agrarprodukte bezeichnen könnte, tue ich das nicht. Wenn andere das machen, ist das nicht meine Schuld und tatsächlich nicht meine Verantwortung, das zu unterbinden. Da aber anscheinend Ataman und Stefanowitsch mich für das vermeintliche oder tatsächliche Fehlverhalten anderer Gruppenmitglieder meiner Gruppe verantwortlich machen, ist es offenbar nicht mein Privileg, vor dergleichen Gruppenschuldvorwürfen geschützt zu sein. Ich muss mich nicht für Privilegien rechtfertigen, die ich entweder nicht wahrnehme oder nicht habe.

Dass die Kolumne stattdessen mit zweijähriger Verspätung ein feuilletonistisches Wutgeheul auslöst, ist immerhin das Zweitbeste, was passieren konnte.

Es ist nicht meine Schuld, dass das Verspätung hatte.

Denn dieses Wutgeheul zeigt, welch weiten Weg die Mehrheitsgesellschaft noch vor sich hat, um zu verstehen, dass der Kampf gegen Diskriminierung auch der Kampf für die Sichtbarkeit ihrer eigenen Privilegien sein muss.

Dieses konkrete „Privileg“, andere beleidigen zu dürfen, ist auf zweierlei Weise abzuschaffen: entweder, alle dürfen alle beleidigen oder niemand niemanden. Was schlägt er vor? Aber dieses „Wutgeheul“ ändert ja nichts an Kritik von Leuten, die gegen Vorwürfen deutschtümelnder Fremdenfeindlichkeit eher immun sind, dass Ferda Ataman eher nicht die bestmögliche Wahl ist.

Bevor das Wort „Identitätspolitik“ zu einem konservativen Kampfbegriff wurde, beschrieb es eine Politik,

Sprache wandelt sich. Wir würden das Nibelungenlied ja auch nicht mehr im Original hören. Oder das N-Wort verwenden. Also ist es egal, was es mal beschreiben sollte. Oder?

in der Gruppen aus ihrer marginalisierten Identität heraus Forderungen entwickeln, die ihre Bedürfnisse auf dieselbe Stufe stellt wie die der Mehrheitsgesellschaft.

Rollstuhlfahrer brauchen mehr Rollstuhlrampen, Aufzüge und generelle Barrierefreiheit. Schwer Sehbehinderte brauchen diese hellen Streifen im Pflaster an Bushaltestellen usw., religiöse Minderheiten brauchen Religionsfreiheit, areligiöse Menschen brauchen Freiheit von Religion, ethnische ggfs. muttersprachlichen Unterricht. Wenn man „Menschen mit Migrationshintergrund“ als eine Gruppe betrachtet, ist das dann insofern tatsächlich falsch, weil man für alle diese Menschen keine einheitliche Identitätspolitik (vor ihrer Umdefinition zum konservativen Kampfbegriff) definieren könnte. Sollen kurdisch- und türkischstämmige Deutschen tatsächlich dieselbe Interessenvertretung haben?

Diesen Forderungen Gehör zu verschaffen, ist die zentrale Aufgabe einer Antidiskriminierungsbeauftragten.

Wie gesagt, Ataman scheint sich tatsächlich auf ihre eigene Identität zu konzentrieren, was ihre Eignung fraglich erscheinen lässt. Wer andere Gruppen als schlecht abtut, verklärt die eigene, ohne Rücksicht auf die Leistungen oder Fehler einiger Gruppenmitglieder…

Solange die Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft aber ignorieren, dass sie nicht nur Individuen sind, sondern Mitglieder einer Gruppe, deren Bedürfnisse sich ebenso aus ihrer Identität ergeben, wie die von anderen Gruppen, kann das nur schwer gelingen.

…weshalb man mMn möglichst weit vom Gruppendenken weg sollte, sowohl bezüglich der eigenen Gruppe als auch der anderen, und sich und alle anderen als Individuen statt als Gruppenmitglieder sehen. Was Stefanowitsch (und evt. Ataman) da nämlich übersehen, ist, dass „konservative Feuilletonisten“ sich vllt. wirklich als Individuen sehen, die nicht viel mit dem gemeinen Volk der Ureinwohner gemein haben, aber wenn die nicht mehr „ignorieren“, dass „Biodeutsche“ eine Gruppe sind, die Bedürfnisse oder meinetwegen sogar Privilegien hat, die sich aus dieser gemeinsamen Identität ergeben – wäre die Reaktion dann nicht, diese Privilegien zu verteidigen und diese Bedürfnisse erstmal für die eigene Gruppe zu stillen? Gesundes Kollektiv im gesunden Volkskörper und so?

Der Vorwurf der Identitätspolitik beruht ja auf der Fiktion, dass die Bedürfnisse der Mehrheit individuell und universell seien.

Essen und Trinken ist nicht universell? Diese Freaks! Aber nein, der Vorwurf mit der Identitätspolitik, wie die „Konservativen“ ihn verwenden, ist, dass Minderheit und Mehrheit um dieselben Ressourcen streiten. Persönlich wäre mein Einwand, dass große Teile der Mehrheit entweder keine „Identitätspolitik“ machen wollen, oder wenn, dann nur für die eigene Identität, aber ich bin nur ich.

Wenn Minderheiten ihren Wunsch nach Gleichstellung anmelden, lässt sich das dann als Forderung nach Sonderrechten darstellen.

Manchmal kann man das so darstellen, manchmal ist das sogar so, und manchmal ist das einfach Blödsinn. Aber, wie gesagt, eine Menge Mitglieder von Minderheiten wollen Ataman auch nicht. Die Identitätspolitik der einen Minderheit richtet sich manchmal auch gegen andere Minderheiten.

Dass Ataman keine Angst hat, diese Fiktion zu hinterfragen, ist die beste Qualifikation, die sie für ihre Aufgabe als Antidiskriminierungsbeauftragte mitbringen könnte.

Sie hinterfragt sie ja gar nicht. Sie argumentiert, dass „Kartoffeln“ als Beleidigung nicht so schlimm seien wie schlimmere Beleidigungen, dass „Zigeunersoße“ auch beleidigend sei, und dass alle mitreden dürften, wie man andere Menschen nennt. Das führt einerseits zu dem gruppenpolitischen Argument: „Weil IHR uns Kartoffeln nennt, dürfen wir EUCH auch Weißbrote nennen.“ und andrerseits zu spalten statt versöhnen.

Außerdem hat sie als Qualifikation „Frau“ und „Migrationshintergrund“. Sind vllt. wirklich besser.

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