Achja, documenta

Bei der Deutschen Welle.

Perspektivwechsel: Kunst aus Afrika auf der documenta

Also Kunst aus Afrika, die die jeweiligen afrikanischen Künstler hinterher wieder mitnehmen dürfen, keine Beutekunst. Muss man mal dazu sagen.

Die „documenta fifteen“ stellt die westliche Deutungshoheit über die Kunst in Frage.

Spontan würde ich sagen, dass es Aborigines, Khoisan oder wemauchimmer egal sein kann, ob ihre Kunst außerhalb ihrer Zielgruppe richtig gedeutet wird. Aber ja, wenn man damit in ein westliches Land reist, um sie dort vor einem westlichen Publikum auszustellen, stellt das dessen Deutungshoheit mehr in Frage, als wenn man das nicht täte.

Die bunte Hütte ist ein echter Blickfang auf der grünen Wiese der Karlsaue, … Njoki Ngumi, Mitglied des Nest Collective, engagiert sich dafür, dass Schluss ist mit dem Entsorgen von Wohlstandsschrott in afrikanischen Ländern.

Ok, DAS habe ich verstanden. Ich kann denken.

Der globale Norden hat gerne seine eigene Perspektive auf die Weltgeschichte. Dass diese Sicht einseitig ist, zeigt sich an vielen Stellen der documenta fifteen, die von dem indonesischen Kollektiv ruangrupa geleitet wird.

In den beiden Links werden die Antisemitismus-Vorwürfe behandelt, die gegen das Kollektiv erhoben werden. Was aber im Lauftext nicht erwähnt wird, so dass ein oberflächlicher Leser das nicht mitbekäme. Schön. Nebenbei, wie geht ruangrupa mit Minderheiten in Indonesien um? Egal! Die „Nähe“ zur BDS besteht offenbar darin, dass mindestens zwei Mitglieder von ruangrupa da unterschrieben haben. Ein gewisser Verdacht, dass das Kollektiv kollektiv so denkt, wenn irgendwie gar keine jüdischen bzw. israelischen Künstler eingeladen werden, lässt sich auch nicht wegdiskutieren. Man wird vllt. einwenden, dass es gemessen an der Weltbevölkerung nicht so viele Juden gibt, und man aus Proporzgründen mal  mehr Javaner, Bengalen oder Nigerianer einladen sollte – ok. Was machen dann die Palästinenser da? So viele Palästinenser gibt es nämlich auch nicht. Solche Palästinenser übrigens, die ihr Gruppe ursprünglich (also bis zum Zeitpunkt der Einladung) nach einem NS-sympathisierenden Nationalisten benannten, und nicht beispielsweise nach einem palästinensischen Bildhauer (Khalil al-Sakakini war auch für modernen Unterricht ohne Geschlechtertrennung, und vllt. finden die ihn ja deshalb toll, aber echt jetzt?). Man könnte ja einfach den Dialog ermöglichen und eine palästinensische Gruppe und eine israelische einladen. Wenn eine davon „aus Prinzip“ nicht kommt, hätte man es wenigstens versucht.

Irgendein Künstler, der irgendwann mal irgendwas israelkritisches gemacht hat, und mit etwas ganz anderem auf der Dokumenta auftritt, macht die ganze Veranstaltung ja nicht antisemitisch; eine künstlerische Leitung, die eine gewisse Einladungspolitik verfolgt, erzeugt aber ein gewissen Unbehagen, und ich sehe keine Bemühungen, dieses Unbehagen abzubauen. Antisemitische Bildersprache ist allerdings bereits gesichtet worden. Europäisch geprägte, antisemitische Bildersprache. So viel zur Idee, mal was von anderen Kulturen zu sehen. (Ok, vllt. erkennt man als Mitteleuropäer die afrikanischen Antisemitismen einfach nicht, aber ein Mossad-Agent mit Schweineschnauze – hmmm.)

Es ist weiß Gott nicht so, dass es in Deutschland zu wenig Antisemitismus gibt und man welchen importieren müsste, aber diese Gleichgültigkeit von Deutschen, und zwar von solchen Deutschen, die nicht gerade im Verdacht stehen, rechtsgerichtet zu sein, erzeugt einen ganz erheblichen Frust. Und zwar jenseits von Meinungs- und Kunstfreiheit: die real-existierenden, definitv judenfeindlichen Rechten in Deutschland können jetzt einfach ihre „Verbundenheit“ mit dem „globalen Süden“ dahingehend zum Ausdruck bringen, dass sie sich ausgewählte Bildausschnitte palästinensischer Künstler an die Wand pinnen.

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