Liebe Gemeinde

Die ganze Cis-Trans-Regenbogenflaggen-Geschichte hat mich radikalisiert. Obwohl ich die fragliche Sendung mit der Maus gar nicht gesehen habe.

Aber ich bin jetzt radikal. Weil:

GEGEN Terfs. Tatsächlich auch pro Transmenschen und pro „Leben, wie man will“, aber hauptsächlich gegen TERFs. Und gegen Leute, die nicht direkt „RFs“ sind, also radikale Feministen, aber jedenfalls „TE“, also trans-exkludierend.

Einerseits wegen der argumentativen Asymmetrie: anatomisch gesehen männliche Personen, die sich einfach als sogenannte „Frauen“ definieren – was immer das Wort bedeuten mag – werden kritisiert, sog. „Frauen“ hingegen, die gerne als Mann wahrgenommen werden möchten, stören TERFs selten bis nie. Also Transmänner im Männersport, in Aufsichtsräten, auf dem Männerklo, im Bergwerk und/oder bei der Müllabfuhr.

Gründe dafür mögen sein

  • Cisfrauen möchten die Deutungshoheit über das Wort „Frauen“ behalten
  • Cisfrauen gefällt es, wenn Transmänner den Cismännern die Arbeit wegnehmen, aber nicht umgekehrt
  • Cisfrauen wollen ihre Waschräume nicht mit Menschen teilen, die jedenfalls anatomisch von Cismännern nicht zu unterscheiden sind
  • Cisfrauen haben das sexistische Vorurteil, es gäbe deutlich weniger Transfrauen als Cismänner, die aus frauenfeindlichen Gründen lügen würden, so dass die allermeisten Personen, die sich als Transfrauen ausgeben, in Wahrheit lügende Cismänner wären
  • Cisfrauen, besonders die feministischen, und ganz besonders die radikalen unter ihnen, glauben einfach nicht, dass es Gründe geben könnte, freiwillig eine Frau zu sein

Und andererseits bin ich für ein möglichst liberales Selbstbestimmungsgesetz. Wenn es das vor 30 Jahren oder so schon gegeben hätte, hätte ich mich ganz einfach per Verwaltungsakt zur Frau erklärt – kein psychologisches Gutachten nötig, keine geschlechtsangleichende OP, kein Tragen von Röcken oder hochhackigen Schuhen erforderlich – bevor ich zur Musterung gemusst hätte. Kein Wehrdienst, kein Zivildienst, ein Jahr eher Einstieg ins Berufsleben – hallo GPG! – und mit 27, das höchste Alter, in dem man noch gezogen werden konnte, hätte ich den Eintrag evt. wieder ändern lassen. Aber der einzige Fall, wo das wichtig hätte werden können, wäre evt. eine Hochzeit vor meinem 27. Geburtstag mit einer deutschen Frau gewesen. Sofern die Braut selbst keine 27 gewesen wäre und nicht extra ihren Eintrag auf „Mann“ hätte ändern lassen wollen, weil dann die Feldjäger sie eingezogen hätten, als behördlich gesehen männliche Person mit dt. Staatsbürgerschaft. (Oder, man lebt in wilder Ehe, bis beide zu alt für den Bund sind.)

Aber wenn es damals schon die Ehe für alle gegeben hätte, wäre auch das kein Problem gewesen, weil ich als Frau dann natürlich einfach eine andere Frau hätte heiraten können. Hurra, Selbstbestimmungsrecht! Warum mich dann jemals wieder zum Mann erklären?

Falls das jetzt jemand „Rechtsmissbrauch“ schimpft – nein. Einfach bloß konsequent. Wenn ich einfach auf meine männlichen Privilegien (Musterung, Dienstpflicht, hey!) verzichte, ist das doch maximalfeministisch.

Und so aktiviere ich meinen inneren Chaos-Spacemarine und gelobe der Sendung mit der Maus meine ungeteilte Treue mit dem Schlachtschrei:

Mausen für den Mausegott,

Beißen für den Fädenthron!

2 Gedanken zu “Liebe Gemeinde

  1. Ich schließe mich deiner Argumentation an.

    Als Beamter freue ich mich schon darauf, mich als Frau zu definieren. Dann werde ich bei den nächsten beiden Beförderungen endlich bevorzugt berücksichtigt. Sobald ich dann die Endstufe erreicht habe, werde ich wieder Mann.
    Meine Wehrpflicht endet zum Glück schon nächstes Jahr…

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  2. Wenn das mit der Selbstbestimmung der Geschlechtszugehörigkeit so einfach wäre, könnten Sie in Österreich als Frau sogar fünf Jahre früher in Pension (=Rente) gehen.

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