Keks!

Auf YT gab es mal einen Kanal namens Rezimafia, wo Fragen, die nicht beantwortbar waren, mit „Keks“ beantwortet wurden. Anderswo sind Kekse aber wichtiger als Leben und Tod. Zum Beispiel in Kroatien.

Kex!

Freiheit wird am Keks verteidigt

Ein kroatischer Kekshersteller will die Gleichstellung von Frauen fördern. Eine Petition fordert nun Gerechtigkeit für Männer.

Freiheit und Gleichstellung sind zwei verschiedene Dinge. Aber hey, das hat erstmal gar nix mit Edeka zu tun.

Ein Kekskrieg tobt in Kroatien. Eine Geschlechterdebatte, die wegen einer Kekssorte ausgebrochen ist, regt die Nation so auf wie sonst nur das Recht auf Abtreibung.

Prioritäten! Nicht jeder Mensch wird abgetrieben, aber Kekse wollen die meisten.

Denn in Kroatien trifft man nicht selten noch auf richtig ursprüngliche Geschlechterbilder. Und auf echte Männer. Sie sitzen breitbeinig, egal wo, kratzen sich am Sack, ziehen die Rotznase hoch, raunen; „Davon hast du keine Ahnung“, wenn eine Frau was zum Thema sagt, und besaufen sich mit anderen Männern bis zum Halleluja, während sie Frauen, die das Gleiche tun, „Huren“ nennen.

Sind das jetzt Vorurteile über Männer oder über Kroatien, die hier reproduziert werden? Denkt daran, liebe Männer, wenn ihr Eure Mütter vor einer Vergewaltigung beschützen würdet, müsst Ihr auch die Mütter von Srebrenica beschützen und z.B. Blauhelmsoldaten werden. Die Söhne der Mütter von Srebrenica können das nicht mehr, weil sie von den Serben erschossen wurden. Während Blauhelmsoldaten quasi deneben standen. Das Konzept ist jedenfalls ausbaubar. Aber ja, in Kroatien sind Cismänner noch „richtige“ Cismänner, Cisfrauen „richtige“ Cisfrauen und Transmänner „richtige“ Transmänner. Nur Transfrauen haben keine soziale Rolle. TERF-Kroatien!

Diese stinkende Mischung aus Schweiß, Korruption und Lächerlichkeit wurde dutzendfach memisiert und wird bis heute belacht. Denn freilich gibt es auch in Kroatien andere Männer.

Nein. Alle Männer sind gleich.

Aber vor allem gibt es Frauen, die all diese Männer sehr gut kennen.

Frauen sind natürlich auch alle gleich.

Sehr viele dieser wilden ­Männer in Kroatien sind Baustellenarbeiter, die hier „Bauštelac“ heißen.

Scheiß Gemanismen immer. Können die nicht einfach Anglizismen benutzen?

Zement mischen und Etagen bauen gehört zur kroatischen Identität wie geräucherter Schinken, die Mutter Gottes und „Domaćica“. Letzteres ist eine Kekssorte, die es seit 1957 gibt und deren Name „Hausfrau“ bedeutet.

Naja, „Prinzenrolle“ ist ja auch nicht nur für den Hochadel, und „Leibniz“ auch für Leute, die keine Universalgelehrten sind. „Dickmanns“ dürfen auch schlanke Menschen essen, nur nicht zu viel, weil sie dann nicht mehr schlank sind.

Die Hausfrau, ein einfacher sandig-pulvriger Keks mit einer mitteldicken Schicht Milchschokolade überzogen, steht in jedem kroatischen Haushalt für Gäste bereit.

Falls sich einer übrigens fragt, warum man in Deutschland selten zum Essen eingeladen wird – deutsches Essen schmeckt eh‘ nicht, dass will man niemand anderen zumuten.

Und wenn Bauarbeiter Mittagessen im Supermarkt einkaufen gehen, kaufen sie meist immer auch eine Packung Hausfrau.

Ach?

Anfang Mai dieses Jahres hat der Hausfrauen-Keks eine neue Imagekampagne gestartet.

Das geht typischerweise nach hinten los.

Auf den Packungen steht jetzt immer ein Zusatz: „Hausfrau und Programmiererin“, „Hausfrau und Managerin“, „Hausfrau und Krankenschwester“…

Hausfrau und Bauarbeiterin? Bauberufe haben eine ziemlich hohe Unfallquote, und je gefährlicher ein Beruf ist, desto männlicher wird er wahrgenommen. Kommt schon, liebe Leute bei der taz, bringt Gegenbeispiele.

Das Ziel der Keksfirma: „In der Öffentlichkeit ein Bewusstsein schaffen für die Komplexität und Wichtigkeit der Tätigkeiten im Haushalt“ und ­daran erinnern, „dass jedes Mitglied im Haushalt sich auch um diesen kümmern muss“.

Also, wenn die Rechtsanwältin und Hausfrau die entsprechende Kekspackung haben will, soll sie selber einkaufen gehen?

Eine Petition fordert nun: Gerechtigkeit für Männer. Die Keksfirma Kraš solle eine Edition namens „Bauštelac“ herausbringen. Das sei kein Sexismus, sondern die Anerkennung dessen, dass die „Hausfrau“ seit über 60 Jahren auf keiner kroatischen Baustelle gefehlt hätte.

Eigentlich wäre es die Anerkennung des Ortes, wo das Geld erwirtschaftet wurde, mit dem die Keksfirma bezahlt wird. Aber ja, trollt Eure Kunden.

Es gibt auch schon Motivvorschläge: Bohrmaschinen, Bagger und Betonmischer.

Warum kommt die Firma da eigentlich nicht selber drauf?

Die Antwort auf die Kampagne der Keksfirma sagt alles: Auch wenn Frauen in Kroatien in vielen Fällen sogar besser verdienen als ihre Männer – waschen, putzen, spülen und aufräumen bleibt weiterhin ihr Job.

Und in Zukunft Kekse kaufen? Weil die bisherige Zielgruppe sich verarscht vorkommt? Pro-Tipp, liebe Firmen: nie die Zielgruppe verarschen. Die Zielgruppe springt dann ab, und die, die sich freuen, dass die Zielgruppe verarscht wird, kauft Euer Zeug trotzdem nicht. Hallo Gillette.

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