Wie man über häusliche Gewalt sprechen kann…

… ohne Opfer von Shitstorms zu werden, weil man das Thema gerne in die Zeitung bringen will.

  1. wenn man persönliche Beispiele nennen will, oder jedenfalls konkrete Beispiele, von denen man weiß, sollte man die derartig anonymisieren, dass niemand die Identität von Opfer und Täter erraten kann. Entweder, der Fall ist bereits bekannt und idealerweise juristisch aufgearbeitet, dann muss niemand raten, oder nicht, dann ist das journalistisches Ethos.
  2. oder, man redet über Statistiken.
  3. niemals über konkrete Beispiele reden, die man nur vermutet oder ausgedacht hat.
  4. wenn man tatsächlich Opfer häuslicher Gewalt geworden ist, bspw. dahingehend, dass man derartig ins Gesicht geschlagen wurde, dass man glaubt, die Nase sei gebrochen, sollte man zur Notaufnahme. Das gilt übrigens ungeachtet von Geschlecht, Beziehungsstatus, sexueller Orientierung, Alter, Hautfarbe oder Einkommen.
  5. wenn man dann eine Diagnose hat – Bruch oder nicht – sollte man damit zur Polizei.
  6. wenn jetzt jemand sagt: „Die glauben mir doch eh‘ nicht, weil ich kein ‚perfektes Opfer‘ bzw. ein ‚Mann‘ bin!“ – doch. Dafür nimmst Du die Diagnose mit.
  7. die Gesellschaft hat Institutionen wie die Polizei überhaupt gegründet und finanziert, damit DU, liebes Opfer, geschützt oder jedenfalls verteidigt werden kannst. Sie hat eigentlich auch kein Interesse daran, dass Du den Rechtsweg ignorierst.
  8. es sieht, ehrlich gesagt, auch etwas verdächtig aus, wenn Du behauptest, die Polizei nicht überzeugen zu können, wenn Du a) keinerlei Anstrengungen diesbezüglich unternommen hast, aber b) genau das von den nicht-polizeilichen Teilen der Gesellschaft erwartest.
  9. wenn Du der Ansicht bist, dass Du, DU konkret, Polizei, Anwälte, Ärzte als Zeugen und sonstige Personen um Hilfe gebeten hast, und alle von denen Dir diese Hilfe verweigerten, scheint das Problem ja wirklich weiter zu reichen. Also bspw. wie bei GNTM, wo eine Kandidatin nach Armbruch nicht sofort ärztliche Hilfe bekam.
  10. aber auch und gerade dann wird von Dir erwartet, dies zu belegen. Angefangen mit der Diagnose oder der Aussage, welcher Arzt in welchem Krankenhaus Deine Nase nicht untersuchen wollte.
  11. wenn Du das alles nicht tust, solltest Du bei den belegten Beispielen bleiben, oder direkt bei den Statistiken. Wenn Du sinngemäß eine globale Verschwörung postulierst, die die Strafverfolgung von Körperverletzung verhindet, wenn der Täter ein berühmter Mann und das Opfer DU bist, fühlen sich viele als angeblicher Teil dieser Verschwörung angegriffen.
  12. dasselbe würde auch passieren, wenn es diese Verschwörung gäbe. Deshalb ist mir nicht ganz klar, was Du Dir hier erhofft hast.
  13. stelle sicher, dass Du, DU ganz konkrete Person, die in einer viel gelesenen Zeitung über häuslichen Missbrauch schreibt, nicht etwa doch der Täter ist. Oder die Täterin, für die Gendernden. Weil – wie sich heraustellt – häusliche Gewalt ist gar nicht so beliebt, wie Du das vllt. denkst, und lügende Heuchler eigentlich auch nicht.

Ok, 13 Regeln sind mehr als die zwölf Gebote (im Satanismus), aber ich kann es auch nicht ändern.

2 Gedanken zu “Wie man über häusliche Gewalt sprechen kann…

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