Gedanken über Gedanken

Immernoch hierzu.

Ich stelle fest, dass ich mich eigentlich freuen sollte, wenn sich jemand meiner Meinung oder meiner Partei anschließt, und vor allem, wenn soe die Gründe dazu darlegt, warum soe fürher anders, jetzt aber so denkt, welches Unbehagen das vllt. auch auslöst, usw.; aber irgendwie behält Schramm Prämissen und Vorurteile, die tatsächlich Teil des Problems sind.

Patriarchat bedeutet auch, dass Männer kein Opfer werden können

Nein, das ist definitiv ein Vorurteil. Selbst in Gesellschaften, die ziemlich patriarchaisch waren, wurden Männer ständig Opfer. Wenn jetzt einer meint: „Aber nur von anderen Männern!“ – kann ja sein, dass „kein Opfer von Frauen“ gemeint ist, aber DAS steht da nicht.

Es gibt eine Szene in der Befragung von Amber Heard, die ihre eigene Haltung und wie tief das Patriarchat in ihr verwachsen ist aufzeigt. Sie berichtet an einer Stelle, dass Johnny Depp sich bei ihr entschuldigt habe und sie beschreibt wie er weint.

Das Patriarchat ist demzufolge nicht hinreichend in Depp verwachsen, wenn er sich nicht so verhält, wie Feministinnen sich das so vorstellen. Das könnte man so interpretieren, dass Depp in Wahrheit doch feministisch ist – er entschuldigt sich bei einer Frau, er zeigt Gefühle – aber dann würde ja der Eindruck entstehen, dass das Patriarchat überwunden sei. Aber häusliche Gewalt leider trotzdem nicht. Stattdessen muss man dem Patriarchat eine Mitschuld an Amber Heards Gewalt geben – Männer schlagen Frauen wegen Patriarchat, Frauen schlagen Männer wegen Patriarchat. Patriarchat ist immer und an allem Schuld.

Sie sagt dazu, dass es „weird“ gewesen sei und sie noch nie einen erwachsenen Mann habe weinen sehen, die Verachtung ist in ihren Augen zu sehen.

Weil sie sonst immer nur Frauen misshandelt hat? Nur so eine Arbeitstheorie. Oder, Menschen wie Amder Heard sind generell der Grund, warum man keine Gefühle und/oder Schwächen zeigen sollte – die nehmen das als Einladung, einen physisch, psychisch und sonstwie zu misshandeln…

Es ist eine kleine Nuance in ihren Aussagen, aber sie bleibt bei mir hängen, denn würde eine Feministin sagen, dass es „seltsam“ ist, wenn Männer weinen?

Wer hat behauptet, dass Heard eine Feministin sei? Aber ja, dass Männer nicht nur Frauen, sondern auch ihre Gefühle unterdrückten, ist ein recht verbreitetes feministisches Narrativ. Insofern müssten die meisten Feministinnen es seltsam finden, wenn Männer weinen.

Nicht in meinem Feminismus.

Okeeee… In den Feminismen von anderen Leuten ziehen Frauen ihre Bikinis an, wenn Männer weinen, um in den Tränen zu baden.

Liberale Feministinnen in Verteidigung von Heard gehen währenddessen so weit, dass jedes Einfordern von Beweisen für körperliche Gewalt frauenfeindlich,

Nicht nur für körperliche Gewalt. Für alles.

dass das Belegen von Lügen (und es sind viele, sehr, sehr, sehr viele Lügen von Heard, die widerlegt worden sind) Gewalt

Was wäre denn auch keine Gewalt? Weinen?

und die Anerkennung, dass ein alternder Hollywoodstar mit Drogenproblemen das Opfer häuslicher Gewalt geworden sein kann, Ausdruck fehlenden Selbstwertgefühls sei.

Wer seine eigenen Glaubenssätze hinterfragt, hat wohl ein sehr schlechtes Selbstbild.

Die angeblich neue Freundin von Amber Heard, die Journalistin Eve Barlow ging so weit allen Frauen, die Johnny Depp glauben, in einer erstaunlichen Zahl Frauen die selbst Überlebende häuslicher Gewalt sind, zu unterstellen sie seien „neidisch“ auf Amber Heard und ihre Schönheit.

Also auch: „Blinde Wut im Angesicht von Fakten, Fragen ausweichen, Wahrheit massieren und das Verdrehen von Fakten.“? Kommt mir dann doch sehr feministisch vor, diese Amber Heard. (Nebenbei halte ich „Überlebende“ für etwas irreführend, sofern nicht wirklich Tötungsabsicht dahinter steckte, bzw. tödliche Waffen verwendet wurden oder die Verletzungen jedenfalls lebensbedrohlich waren.)

Auch in Deutschland ist der liberal-feministische Chor unisono: Depp ist das Monster. Heard Opfer einer Schmierenkampagne.

Was sonst? Was sonst sollte „Glaubt den Frauen“ sonst heißen? Kann mir irgendwer erklären, was damit gemeint sein könnte, wenn nicht, dass man auch Amber Heard glauben soll?

Dass diese Verteidigung niemals für eine nicht-weiße Frau stattfinden würde – geschenkt.

Wie gesagt, dass sehe ich anders. Aber das Problem ist ja nicht die Verteidigung an sich, sondern die faktenfreie Verteidigung.

Der Tagesspiegel titelt „Warum glaubt ihr niemand?“ – die Antwort ist erstaunlich einfach: Weil sie immer und immer wieder der Lüge überführt wird.

Bei Genderama gibt es eine recht schöne Presseschau, ein Beitrag daraus ist besonders erkenntnisreich – wer pro Depp ist, ist misogyn. Wer nicht misogyn sein will, muss also pro Heard sein. „Glaubt den Frauen“ ist halt Quatsch. Und wenn in Ihrem Feminismus Frauen nicht gerne in Männertränen baden, ist das ja schön für sie, aber falls sie diesem Quatsch nicht widersprochen haben, als er anfing – nun, das hier, diese Sympathie und Solidarisierung vieler Feministinnen und Medien mit einer Frau, die Sie selbst als Lügnerin bezeichnen, ist die unvermeidliche Konsequenz.

Jede Aussage von ihr wird im Internet umgehend als Lüge entlarvt. Die Beispiele sind unendlich. Das Make-Up, dass sie genutzt haben will als Johnny Depp sie brutal verprügelte, ist erst 1 Jahr nach der Ehe erschienen

Persönlich fände ich es sogar noch ok, wenn man sich nicht mehr an die Marke der Schminke erinnern könnte. Und dass man vllt. blaue Flecken überschminken kann, wenn die Schwellung zurückgeht und nicht mehr jede Berührung weh tut. Aber frische Wunden nach brutalen Schlägen? Ein, zwei Nummern kleiner wäre wirklich glaubwürdiger gewesen.

Mit jeder Aussage und jede:r Zeug:in kommen neue Unwahrheiten und Ungereimtheiten ans Tageslicht. Selbst ihre Freund:innen, die bei den Fällen häuslicher Gewalt dabei gewesen sein wollen haben unterschiedliche Geschichten zu den vorgebrachten Anschuldigungen.

Waren das nicht Freundinnen? Also alles Frauen? Also, wenn Männer für sie aussagen würden, würde das demnach direkt dringend benötigte Sympathiepunkte verschenken.

Nur eins können sie alle bezeugen: Sie haben nie beobachtet, dass Johnny Depp gewalttätig geworden ist.

Nebenbei, wenn „Glaubt den Frauen“ irgendwie was gelten würde, müsste man nicht in Betracht zeiehn, dass jede ehemalige Frau oder Freundin von ihm für ihn aussagt? Bei anderen MeToo-Fällen wie Cosby und Weinstein gibt es mehrere Frauen, die mehr oder weniger die gleichen Vorwürfe erhoben.

Die einzige Zeugin für Gewalt ist ihre Schwester, Whitney, deren Aussage von der Zeugin Jennifer Howell als Lüge bezeichnet wird. Die Schwester, über die u.a. in einer Reality Show spekuliert wird, ob Amber sie verprügelt hat. Ich habe sofort das Gefühl, dass sie für ihre Schwester lügt.

Ja, gefühlte Lügen sind die schlimmsten. Ich fände es tatsächlich besser, wenn man sich weniger auf Gefühle verlassen würde als auf die Aussage von einer anderen Zeugin. Bzw., natürlich könnte die ja auch lügen, aber das ist der Punkt, wo die Jury ins Spiel kommt, und die Glaubwürdigkeit und Plausibelität und so einschätzt.

Die Psychologin, Dr. Curry, beschreibt, dass Heard mit Eltern aufgewachsen ist, die Suchtprobleme hatten. Amber Heard lacht verächtlich in dem Moment. Es ist eine der wenigen Momente – abgesehen davon, wenn sie über ihre Hunde spricht – wo ich das Gefühl habe, dass sie genuin ist.

Die Hundestelle wird bei übermedien wohl tatsächlich für einen Test genutzt – wie unsympathisch wirkt Heard, wenn man nur einen Schnippsel sieht und nicht die ganze Aussage. Ich nehme mal an, dass das dieselbe ist. Aber natürlich können Menschen, die schlimme Eltern haben und deshalb nur mit ihren Hunden gut klar kommen, trotzdem Opfer von Gewalt… ach, egal.

In diesem Moment verstehe ich, dass Amber Heard Opfer von häuslicher Gewalt und Missbrauch geworden ist. Nur eben nicht von Johnny Depp, sondern in ihrer Kindheit.

Dieses Bene-Gesserit-Training ist wirklich super, oder? Ja, es besteht eine gewisse Plausiblität, dass das so war, aber das ist kein Beweis. Nicht alle Opfer von Gewalt werden später Täter, nicht alle Täter waren früher Opfer, es gibt gewisse Korrellationen und sogar Kausalitäten, aber keine Automatismen.

Ein Element von Missbrauch ist Gaslighting – eine Taktik dem Gegenüber die Realität abzusprechen, um Beweise für das eigene Fehlverhalten zu vertuschen.

Also liegt das Elend dieses Prozessen möglicherweise gar nicht am Patriarchat, wie verschiedentlich behauptet, sondern an einer völlig überzogenen Parole des Feminismusses namens „Glaubt den Frauen“?

Das geht so weit, dass ihre Anwälte Einspruch gegen sich selbst erheben, wenn ihnen die Antwort auf ihre eigene Frage nicht gefällt.

Oh, nein, wie schrecklich.

Amber Heard versucht die Welt zu gaslighten und Hunderttausende von Menschen sind wütend darüber.

Ohne Parolen wie „Glaubt den Frauen“ oder auch „Glaubt allen Frauen“ hätte sie es möglicherweise gar nicht versucht, oder wäre sehr wahrscheinlich nicht so weit gekommen, wie sie es jetzt ist.

Die Aussagen von Johnny Depp aus den Audioaufnahmen, in denen er final mit Amber bricht und ihr sagt, dass er sie geliebt hat, aber dass sie nie existiert hat, sondern eine Fantasie war, geht auf TikTok viral, weil so viele Opfer von Missbrauch sich in seinen Worten wiederfinden.

Na, sowas aber auch. Es ist nicht unbedingt „das“ Patriarchat, sondern meist „der“ Feminismus, der will, dass Männer keine Opfer von Frauen sind. Patriarchen können Männer, die Opfer von Frauen werden, auf gleich zweierlei Weise wegerklären: entweder ist der Mann ein Versager, oder die Frau arbeitet mit üblen Tricks. Feministen können beides nicht, weil das eine der Idee widerspricht, Männer hätten grundsätzlich mehr Macht, und das andere hieße, dass Frauen unmoralisch handelten.

Es ist natürlich tragisch und Ausdruck unser immer noch zutiefst misogynen Gesellschaft dass es eine junge Frau trifft deren Kartenhaus aus Lügen zusammenbricht.

Wenn die Gesellschaft „zutiefst“ misogyn wäre, hätte man Depp nicht sanktioniert, weil er angeblich oder tatsächlich eine Frau geschlagen hätte. Und das es eine junge Frau trifft, liegt u.a. daran, dass ein junger Mann gar nicht so weit mit Lügen gekommen wäre, weniger Mitgefühl geerntet hätte und auch insgesamt wengier Medienaufmerksamkeit bekommen, kurz, kein so großes „Kartenhaus“ hätte aufbauen können. Wegen Patriarchat und so.

Es zeigt aber auch, was es braucht um eine so hoch manipulative Person zu entlarven: Millionen Dollar und einen weltweit geliebten Hollywoodstar, einen Mann.

Pech für alle männlichen Opfer von häuslicher Gewalt, die zwar auch alles Männer sind, aber weder Depps Millionen noch Depps Fangemeinde haben. Scheißmisogynie.

…vor allem auf die Wahrhaftigkeit der Aussagen bzw. die Diskrepanzen zwischen Körpersprache und artikulierten Worten hinweisen. Auch hier wird grundsätzlich Johnny Depp für glaubwürdiger gehalten. Und das obwohl die Wissenschaft zeigt, dass gutaussehenden, weißen Frauen mehr geglaubt wird.

Wenn Experten für Körpersprache etwas einordnen, dann haben die hoffentlich weniger Vorurteile dabei als Menschen im Allgemeinen. Aber es ist natürlich ein weiteres Symptom unserer zutiefst misogynen Gesellschaft, dass gutaussehenden weißen Frauen mehr geglaubt wird als Männern. Scheißpatriarchat.

Dieser Fall ist deswegen auch eine Frage, welchen Expert:innen wir glauben.

Eigentlich nicht. Ich habe, wie gesagt, keine Idee, wie zuverlässig solche Analysen von Körpersprache und Co. sind, sondern verlasse mich lieber auf Dinge, die „jeder“ prüfen könnte. Außerdem, zwei hauptberufliche Schauspieler…

Dass Männer auch Opfer von häuslicher Gewalt werden können ist ein Fakt.

Achwas.

Johnny Depp … wirkt, als habe er seine Hausaufgaben gemacht und seine Vergangenheit bearbeitet, wenn er sagt, dass die einzige Person, die er jemals missbraucht hat er selbst sei. Es sind natürlich diese Momente, wo der Superstar, der er ist, rauskommt.

Man könnte sich auch einfach freuen, dass er das nicht nur für sich macht, sondern zumindest indirekt Millionen anderer Leute hilft. Aber nein, er lässt halt seinen „Superstar“ raushängen.

Es sind die Momente, die erklären, warum so viele Opfer, die sich mit ihren Kindheitstrauma auseinandersetzen mussten, um ihre toxischen Beziehungen zu verstehen, mit Depp sympathisieren.

Nicht notwendigerweise Kindheitstraumata. Auch erwachsene Männer, deren Kindheit ganz gut war, und erst in der Ehe Gewaltopfer wurden, dürften mit Depp sympathisieren. Oder halt jeder, der nicht gerne Gewaltopfer wird. Außerdem, DAS Amber-Heard-Zitat ist ja wohl: „Niemand wird Dir glauben.“ Das „niemand“ war wohl falsch, aber in Hinblick darauf, wie viele ihm nicht glauben – welche Chance hätte ein Mann, der seine Frau nicht auf Band aufnimmt, keine sechs- oder siebenstellige Beträge für Anwälte und Gutachter aufbringen kann, keinerlei Ruhm genießt, sondern – weil er den Job verloren hat – von Hartz IV lebt? Die Botschaft ist möglicherweise eher deprimierend als aufbauend.

Dr. Curry[s]… Diagnose ist mit dem bisherigen Verlauf des Verfahrens in Einklang – auch hier gibt es hunderte Memes, die auf tragische Weise die Aussagen von Dr. Curry mit Amber Heard im Zeugenstand nebeneinanderstellen und verdeutlichen, wie akkurat Dr. Curry Amber Heard diagnostiziert hat.

Tragik ist eigentlich das hier, und uneigentlich ist es unfemistisch, bei häuslicher Gewalt von Familiendrama und Familientragödien zu reden, also sollte „auf tragische Weise“ auch tabu sein. Zumal das teilweise ja auch mit „schicksalhaft“ oder dergleichen assoziiert wird.

Wobei mit jedem weiteren Tag des Verfahren meine Vermutung ist, dass die Psychologie ebenfalls gegendert ist und einem Mann, der sich wie Amber Heard verhält, ohne Wenn und Aber eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostizieren würde.

Ist dass dann besser oder schlechter? Ich frage für die misogyn-patriarchaische Gesamtgesellschaft.

Amber Heard dagegen kriegt die klassische Frauendiagnose: Borderline und Histrionismus.

Einem Mann wäre schon der Zeitungsartikel um die Ohren geflogen, in dem er seinen Partner oder seine Partnerin beschuldigt (ohne Namen zu nennen, jaja), weil man ihm nicht glauben würde.

Die meisten Artikel, die derzeit erscheinen bleiben bei der Deutung, dass Amber Heard nicht die Täterin sein kann.

Dann müsste man ja auch Täter gendern. So richtig mit Verschlusslaut aussprechen und so. Das wäre ja…

Denn was würde es bedeuten, wenn eine Protagonistin eine der wichtigsten feministischen Bewegungen der letzten Jahrzehnte selbst Missbrauch gegen ihren Ehemann begangen hat?

Erstmal gar nichts. Bzw., diejenigen, die tatsächlich gegen Missbrauch sind, würden Heard canceln und ansonsten weitermachen, und die, die „Frauen glauben“, würden als etwas weltfremde Idioten dastehen.

Amber Heard hat die letzten Jahre als Botschafterin für häusliche Gewalt und Gewalt gegen Frauen gearbeitet.

Bei Charlotte Roche störte das doch auch keinen.

Schon jetzt kommen Typen an und erzählen was davon, dass alle Frauen immer lügen. Das ist ein Grund, warum auch ich mit diesem Text so unfassbar hadere.

Und? Die Typen, die das sagen, würden das auch ohne Heard sagen. Manche Frauen lügen immer, manche lügen manchmal, manche selten oder nie. Wie bei Männern. Was eine Frau tut oder lässt, hat nichts mit anderen Frauen zu tun, aber wenn Sie selbst nicht so argumentieren können oder wollen, tut es auch sonst niemand.

Aber wenn Männer auch Opfer von häuslicher Gewalt werden können, auch wenn das die Minderheit ist, dann heißt es nicht #believeallwomen sondern, #believeallvictims

Das ist zwar besser, aber trotzdem tautologisch. Im Grunde steht da: „Glaubt den Opfern, dass sie Opfer sind.“ oder „Glaubt denen, denen Ihr sowieso glaubt.“ Entweder halte ich jemanden für ein Opfer, dann glaube ich ioi, dass soe ein Opfer ist, oder nicht, dann glaube ich ihm nicht. Wer Heard glaubt, glaubt Depp nicht, und umgekehrt.

Die Tragik der ganzen Situation ist, dass es der größte Fall häuslicher Gewalt ist, den die Welt je gesehen hat, aber dass viele derer die die letzten Jahre an der Front gekämpft haben nicht sehen können, dass es eine Chance für alle Opfer ist.

Wenn man auf die männlichen Opfer von Gewalt hinweist, gilt das in feministischen Kreisen als Derailing. Vermutlich wegen Patriachat und Misygynie und dergleichen. „Ich habe noch nie von Männerhäusern gehört.“ Und das ist nicht ganz Tragik sondern vielmehr dem Umstand geschuldet, dass dieselben, die „an der Front“ „gekämpft“ haben, Männer als Gegner wahrnehmen, nicht als Opfer. Oder wenn, dann als Konkurrenten um Mitleid und andere Ressourcen. Nicht ganz zu Unrecht, leider Gottes.

Weil es ein alter weißer Mann ist, drogensüchtig, mit einer Sprache, die schlicht widerlich ist.

Und außerdem weint er, wenn er sich entschuldigt. Als Opfer! Yäy, Männertränen!

Weil eine Frau die Taten begangen hat.

Kann es sein, vllt., dass einige Feministinnen tatsächlich glauben, dass Heard die Täterin war, und deshalb mit ihr sympathisieren? Weil Depp es aus genau diesen Gründen verdient hätte?

Die Wahrheit ist nicht frauenfeindlich, obwohl es die Realität ist.

Die Realität ist auch nicht frauenfeindlich. Aber die Wahrheit ist feminismusfeindlich insoweit, wie Wahrheit und Feminismus nicht übereinstimmen.

Ein Feminismus, der sich dem Kapitalismus anpasst, der schlicht Frauen in Machtpositionen setzen will, ohne Macht und Ausbeutung zu thematisieren ist das Ergebnis.

Ach, auch schon aufgefallen?

In diesem Feminismus dürfen dann nicht nur Männer nicht weinen, sondern niemand darf weinen, denn das bedeutet Schwäche und Schwäche zeigen bringt dich in dieser Welt nicht weiter. Der Kapitalismus will keine Tränen. Das aber wäre ein Feminismus, den keiner braucht.

Ich glaube, „dem“ Kapitalismus sind Tränen einfach egal. Aber ja, es ist bei einer Menge feministischer Gruppierungen nicht hilfreich, wenn man als Mann weint, weil die keinerlei Interesse haben, Männern zu helfen, oder Mitgefühl für Männer zu entwickeln. Dass „keiner“ den braucht, ist klar, aber da steht nicht, dass „keine“ den braucht, und da offenbar viele Feministinnen genau diesen Feminismus wollen, brauchen die ihn vllt. wirklich.

Wer in diesem Moment nicht erkennt, dass Depp hier das Opfer geworden ist, hat kein Interesse an Opfern von Missbrauch.

Na, sowas. Wer das nicht schon bei „Niemand wird Dir glauben“ erkannte, und außerdem, wie die aktuelle Welle des Feminismusses Täterinnen häuslicher Gewalt quasi – absichtlich oder aus Versehen – den Hintern hinterherträgt, nun gut.

7 Gedanken zu “Gedanken über Gedanken

  1. Wie sie rumeiert, um ihren Feminismus zu retten.

    welche Chance hätte ein Mann, der seine Frau nicht auf Band aufnimmt, keine sechs- oder siebenstellige Beträge für Anwälte und Gutachter aufbringen kann, keinerlei Ruhm genießt, sondern – weil er den Job verloren hat – von Hartz IV lebt? Die Botschaft ist möglicherweise eher deprimierend als aufbauend.

    …da sind einige unter die Räder geraten. Die interessiert aber kein Schwein, erst recht keine Feministin. Lauter unsichtbare Männer in einer Gesellschaft, in der Feministen ständig davon sprechen, man müsste dieses oder jenes sichtbar machen.

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  2. Hallo, das hat jetzt nichts mit Depp vs Heard zu tun, aber ich hatte ja eine detaillierte Rezension des Buches „Was Männer kosten“ versprochen, das vor Kurzem hier auch Thema war. Die wollte ich als Gastbeitrag auf „Alles Evolution“ einreichen, aber der Blogbetreiber hat abgelehnt. Bist du eventuell an einem Gastbeitrag interessiert?

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    1. Sorry, hat sich erledigt. Christian Schmidt ist nur bisher nicht dazu gekommen, mir zu antworten und wird den Beitrag morgen auf seinem Blog veröffentlichen.

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