Gedanken zu Gedanken

Um etwas vorwegzuschicken: ich war nie „geschockt“ oder „überrascht“ von #MeToo. Dass es grundsätzlich Männer gibt, die Macht missbrauchen und/oder sich übergriffig verhalten, war mir schon klar. Und wenn jemand fragt, warum ich nichts unternommen hätte – ich habe erstens keine Macht, und zwotens war eigentlich mein Gedanke, dass ich als eher schüchterner Mann mich doch wohltuend von den Machos abheben müsste. Aber nein, muss ich nicht.

Bzw., ein Fall – allerdings schon vor MeToo und Aufschrei – hat mich wirklich getroffen, und der wurmt mich noch heute, allerdings bestätigt mich das insofern in meiner Selbstwahrnehmung, dass ich mich schlecht in andere Menschen hineinversetzen kann. Ich traue mir nicht zu, zu erkennen, ob jemand gewalttätig ist, Frauen erpresst und was der Dinge mehr sind. Andere Menschen scheinen sich da mehr zuzutrauen, allerdings erzählen andere Menschen oft auch Dinge wie: „Das hätte ich ja nie von AZ gedacht.“ Glücklicherweise kann man sich nicht nur ins Positive, sondern auch ins Negative verschätzen.

Womit ich sagen kann, dass ich zwar weiß, wie es sich anfühlt, von überraschenden Enthüllungen schockiert zu werden, aber – um das zu vermeiden – mich nicht zu sehr auf „Eindrücke“ verlassen will. Weil mir sonst passiert, was hier beschrieben steht.

Boys don’t cry

because it’s useless.

Beobachtungen zum Gerichtsverfahren zwischen Johnny Depp und Amber Heard

Es schildert den Prozess, wie eine Feministin von der pro-Heard-Seite zur pro-Depp-Seite wechselt. Schon rein um mal zu belegen, dass das Narrativ, dass alle pro-Depper misogyne Incel-Rechtsradikale seien, eben nur ein Narrativ ist. Und wenn jetzt jemand „anektdotische Evidenz“ sagt, jahaaa, die Gründe, aus denen sie ihre Meinung wechselt, liegen nicht in ihrer Person. (Was natürlich auch nicht beweist, dass Depp unschuldig ist, aber dass es legitime Gründe gibt, in zu unterstützen.)

Das erste Mal Gänsehaut bekomme ich als Amber Heard schreit, dass sie nicht wisse welche genaue Bewegung ihre Hand gemacht habe mit der sie Johnny Depp geschlagen hat.

Schramm setzt hier ihre Empathie ein. Empathie als „Einfühlungsvermögen“ verstanden, also die Fähigkeit, mit der man andere Menschen einschätzt, nicht als anderes Wort für „Mitgefühl“. Man kann verstehen, wie ein anderer Mensch „tickt“, ohne, dass der einem plötzlich sympathisch wird. Da ich selbst wie gesagt nicht gut in sowas bin, reicht mir eigentlich schon die Aussage, dass sie ihn geschlagen hat, nur das Wie sei ihr nicht mehr erinnerlich.

Ich liege auf dem Sofa, mein Smartphone in der Hand. Ihre Stimme klingt herablassend, ironisch, als sei es egal, dass sie, wiederholt, ihren Ehemann geschlagen habe, dem sie häusliche Gewalt vorwirft.

Gaaaanz allgemein, vllt. meinte sie es wirklich ironisch im Sinne von: „Natürlich habe ich ihn nicht geschlagen!“? Aber gut, ich glaube das auch nicht.

Meine Kehle schnürt sich zu, ich weiß wie Missbrauch aussieht, ich weiß wie Täter reden. Oder Täterinnen.

Weil alle Täterinnen und Täter gleich sind? Bei allem pro-Depp-Seite-sein: Das ist tatsächlich diese Selbstsicherheit, die ich oben kritisierte. Der eine Täter(m/w/d), der dergleichen weiß und etwas anderes vortäuschen kann, käme also ungeschoren davon. Fakten statt Empathie!

Es ist eine von vielen Audioaufnahmen zwischen Amber Heard und ihrem Ex-Mann Johnny Depp. Stundenlange Aufnahmen, in denen Amber Heard reumütig erläutert…

Seht Ihr? Es ist egal, wie ihre Stimme klingt. Weiblich, nebenbei. Hachja.

Vor allem, wenn Depp den Raum verlasse während eines Streits, verliere sie den Verstand.

Offenbar versuchte er zumindest bei einigen Streiten, zu deeskalieren, indem er einfach den Raum verließ. Was jetzt tatsächlich ein Zeichen von Besonnenheit ist – er versucht runterzukommen, sie könnte auch versuchen, runterzukommen, aber nein, sie verlöre den Verstand. Von allen Dingen, die sie kritisiert, ist es ausgerechnet etwas vernünftiges, was mich zur Frage führt, wieviel Verstand es noch zu verlieren gab.

Diesen reumütigen Momenten folgen wüste Beschimpfungen und Gaslighting

„Reumütig“ steht jetzt nicht in Gänsefüßchen, also ist es Schramms Einschätzung, wie Amger Heard dabei war, als wie sie schien.

 „Du wirst nicht geschlagen, du wirst nur gehauen, werde erwachsene, Johnny, du bist so ein Baby.“

Vom allen Anwendungsbereichen der Geschlechtertauschprobe ist diese wie Yin und Yang, Tag und Nacht, Eis und Feuer. Keine Zeitung, wie sensationslüstern oder seriös auch immer sie sich geben will, würde „Vieles ist unklar“ schreiben, wenn ein Mann DEN Satz zu einer Frau gesagt hätte. Ungeachtet anderer  Beweise, Indizien, Zeugenaussagen, Gutachten oder was beide Seiten auch sonst noch auffahren. Kommt schon, liebe Medien, kommt und widerlegt mich!

Wer die Aufnahmen hört, der weiß, wer das Opfer von psychischem und physischem Missbrauch in dieser Ehe geworden ist.

Also, liebe Kinder, was lernen wir daraus? Alles mitschneiden!

Also warum stehen die beiden vor Gericht? Weil Johnny Depp kein perfektes Opfer und Amber Heard eine schöne weiße Cis-Frau ist.

Ich würde vermuten, ein Mann ist nie ein „perfektes Opfer“, und bei einer eher nicht so schönen schwarzen Transfrau als mutmaßlichem Opfer würde man ihm neben Misogynie auch noch Rassismus, latente Trans- und Schwulenfeindlichkeit und irgendeine Art Body-Shäming zum Vorwurf machen. Aber eigentlich steht auch er vor Gericht, weil sie Gegenklage erhoben hat. Keine Ahnung, ob die pro-Heard-Seite rassistisch ist.

Weil die Medien nach Klicks gieren.

Na, die hätten die auch mit umgekehrten Vorzeichen. „Erste Frau Opfer von #MeToo! Die Geister, die sie rief?“ Die Frage ist eher, warum die deutliche Mehrheit der Medien entweder formal neutral oder pro Heard berichten, indem sie ihre Vorwürfe deutlicher widergeben als seine und Argumente, die seine Sicht untermauern, teilweise gar nicht erwähnen. Das hat nichts mit cis- oder trans-, schwarz oder weiß, hetero-, homo- oder bisexuell zu tun, sondern damit, dass die eine Partei ein Mann ist und die andere eine Frau. Na, liebe Medien, habt Ihr denn alle gut aufgepasst und könnt mir sagen, welche Partei Ihr also ergreifen sollt?

Weil es toxische Weiblichkeit gibt, die dunkle Seite der Emanzipation.

Kein Mensch ist toxisch, und Heards Verhalten hat nichts mit Emanzipation zu tun. Aber ja, eine Menge pro-Hearder leben nach dem Motto: „Glaubt den Frauen!“ Vllt. ist das ja der Fehler?

Es ist 2016 und die Vorwürfe häuslicher Gewalt werden das erste Mal gegen Johnny Depp erhoben. Ich erinnere mich an meine initiale Enttäuschung, ahja, er jetzt auch.

Narrative sind Geschichten, die allgemein geglaubt werden, aber nicht, weil sie stimmen, sondern weil man sie sich erzählt. Deshalb „Hörensagen“! Was jetzt Quellenanalyse und dergleichen Techniken auch abseits des Geschichtsunterrichtes so wertvoll macht.

Die Erkenntnis, dass auch Johnny Depp nur einer von diesen drogensüchtigen Schlägertypen ist, sickert schnell ein.

Hachja. Narrative halt. Nicht jeder Drogensüchtige ist gewalttätig, nicht jeder Gewalttäter ist drogensüchtig. Und statistische Häufungen mag es geben oder nicht, ersetzen aber keinesfalls ein Gerichtsverfahren.

Ich speichere es ab, lese im Augenwinkel, dass Heard weiter über ihre Erfahrungen redet, finde das gut. Ich glaube ihr.

Was jetzt tatsächlich legitim ist, wie ich finde. Man kann nicht jeden Vorgang bis ins Detail verfolgen. Aber so entstehen halt Narrative.

Johnny Depp wird in kürzester Zeit aus dem Hollywood-Himmel geworfen. Jede Unterstützung für ihn wird begleitet von wutentbrannten Kampagnen.

So viel, nebenbei zu der Frage, ob, und wenn ja, warum seine Karriere irgendwie nicht mehr so richtig rund lief. Möglicherweise ist nicht alles Cancel Culture, was so bezeichnet wird, aber ebenso offensichtlich können solche Vorwürfe Einfluss auf den Job nehmen.

Es ist auf den ersten Blick ein klassischer Fall in dem Social Media die offensichtliche Ungerechtigkeit, dass ein Täter keine sozialen Konsequenzen fürchten muss, nicht hinnimmt.

Und DAS wiederum kritisiere ich allgemein, einschließlich solcher Fälle, wo die Vorwürfe tatsächlich zutreffen. Warum sollte ein Täter soziale statt juristische Konsequenzen fürchten müssen? Insbesondere bei Dingen, die tatsächlich strafbar wären wie Körperverletzung? Es kann keine Gerechtigkeit sein, die unter bewusster Umgehung des Rechtsweges stattfindet. Bzw. nicht in einem Rechtsstaat.

Ich selbst erinnere mich, dass ich entzürnt darüber twitterte, weil ein Boulevardblatt ihre Sicht in Frage stellte.

Ja, wohingegen heute einem recht angesehenes Magazin „vieles unklar ist“.

Sie spielt ihre erste Hauptrolle in dem Film Aquaman. Ich nehme sie das erste Mal abseits von Johnny Depp wahr, ich freue mich für sie.

Achja, falls sie in „Aquaman II“ auftaucht – no pun vermeidable – werde ich den Film trotzdem sehen, aus Protest gegen Cancel Culture!

Als ich ein paar Jahre später lese, dass Depp sie wegen Verleumdung verklagt, dass das Gericht einen Livestream beschlossen hat, bin ich entsetzt. Was für eine Demütigung, was für eine perfide Art Opfer von häuslicher Gewalt fertig zu machen. Justice for Amber Heard!

Tatsächlich hoffe ich auch sehr, dass Amber Heard die verdiente Gerechtigkeit widerfahren wird. Allerdings sind solche öffentliche Prozesse wirklich nichts Gutes.

Gleichzeitig ist mein Interesse geweckt und ich frage mich: Was treibt diesen Mann an? Wie psychopathisch kann er sein?

Entweder, er ist unschuldig, dann will er seine Unschuld beweisen, oder er ist schuldig, dann will er seine Schuld widerlegen. D’oh! Ungeachtet, wie man selbst zum Fall steht, ist das kein Indiz für einen Psychopathen.

Also recherchiere ich, stoße auf Videos aus dem Jahr 2020, auf Blogger*innen, die seit Jahren über den Fall berichten, Social Media ist unter dem Hashtag #justiceforjohnnydepp seit mindestens 2020 einig: Johnny Depp ist das Opfer und Amber Heard, nunja, eine Psychopathin.

Rein statistisch muss es mal vorkommen, dass es auch prominente männliche Opfer häuslicher Gewalt gibt. Rein statistisch muss es mal vorkommen, dass jemand #metoo instrumentalisiert. Was eben der Grund ist, der gegen soziale Sanktionen spricht, und teilweise natürlich auch die Unterstützerszene fragwürdig macht, aber…

die lautstarke Unterstützung erfährt Depp insbesondere von Frauen, die selbst häusliche Gewalt erlebt haben.

„Glaubt den Frauen, die Depp unterstützen!“ Ich halte den Spruch für nutzlos, falls man das nicht gemerkt hat.

,,,mit jedem Mal kommt die Erkenntnis mehr und mehr, dass Amber Heard vielleicht wirklich eine tiefsitzende Persönlichkeitsstörung hat.

Aber liebe Frau Schremm, nur weil jemand eine Persönlichkeitsstörung hat, kann soe ja trotzdem Opfer von Gewalt sein. Hören Sie doch einfach auf, auf Ihre Vorurteile zu hören.

Jede Erfahrung, die ich mit Narzissmus und Histrionismus gemacht habe, reflektiert sich in ihrem Verhalten. … Die blinde Wut, wenn sie mit Fakten konfrontiert wird, das Ausweichen von konkreten Fragen, das Massieren der Wahrheit, das offensichtliche Verdrehen von Fakten.

Okeeee… Blinde Wut im Angesicht von Fakten, Fragen ausweichen, Wahrheit massieren (coole Metapher!) und das Verdrehen von Fakten. Yoah. Kommt mir doch ganz normal vor. In „gewissen Kreisen“.

Vor Gericht beschreibt Johnny Depp, dass er angefangen habe ihre Auseinandersetzungen aufzunehmen, weil sie sich am nächsten Tag nicht an ihre Ausraster erinnern konnte. Es ist eine klassische Situation mit einer Person, die ihr Gegenüber missbraucht.

Ja, daran merkt man so was. Natürlich könnte Depp so etwas wissen. Nicht der Grund, warum er das alles aufgenommen hat, ist ein Argument, sondern, was er aufgenommen hat. Wenn Heard ihn zwar misshandelt hätte, dabei aber völlig „untypische“ Situationen erzeugt hätte, wäre es ja gemauso schlimm und genauso gut belegt.

Es ist das Bild eines Missbrauchs, nur dass die Rollen so verdreht sind, dass es gegen jede intuitive Vorstellung geht und mehr noch frauenfeindliche Klischees bedient

Vllt. ist Intuition gar nicht so gut, wie das immer alle sagen? Und falls ein Mann männerfeindliche Klischees bediente, wäre das genausogut oder schlecht, wie bei einer Frau, falls sie frauenfeindliche Klischees bediente.

Ich möchte das nicht.

Glauben Sie, irgendein Mann möchte, dass irgendein berühmter Schauspieler Frauen vergewaltigt?

Die Welt in der Amber Heard ihre Anschuldigungen 2016 und nochmal 2018 vorbrachte ist eine, in der Frauen sehr viel mehr geglaubt wird, wenn sie über Gewalt sprechen.

„Viel mehr als Männern“, nicht „viel mehr als früher“. Das war 1016 und 1018 nämlich vermutlich auch schon so.

Eine Welt, die häusliche Gewalt gegen Frauen nicht mehr so hinnimmt, auch wenn sie immer noch jeden Tag passiert.

Das mag wohl der Unterschied zu 1016 und 1018 sein. Aber vllt. ist das bloßes Mittelalterbashing.

Eine westliche Welt, in der Frauen auf dem Papier gleichberechtigt sind und wesentliche Fortschritte gemacht worden sind, in der Frauen, die einen gewissen Status erreicht haben ein hohes Maß an Gleichberechtigung genießen.

Wo sonst, wenn auf dem Papier? Gleichberechtigung heißt „gleiche Rechte“. „Gewisser Status“ heißt hier nur, dass sie keinen Artikel über häusliche Gewalt hätte schreiben können, wenn sie nicht prominent wäre, und dass die ganze Berichterstattung nie stattgefunden hätte, wäre es um einen Hausmeister aus Hollywood und dessen Ex gegangen.

Eine Welt, in der Frauen wie Amber Heard, die schöne, blonde, weiße Hollywoodschauspielerin, geglaubt wird, wenn sie Anschuldigen wegen sexualisierter Gewalt machen.

Rihanna glaubt man auch. Bzw., man glaubt ihr nicht nur, sondern macht die offensichtlichen Parallelen bzw. Unterschiede zu Heard offensichtlich. Wobei Rihanna jetzt auch schön ist, aber die anderen Dinge in der Liste nicht, weshalb ich bezweifle, dass das ein Rassismusding ist.

 Dass Täter wie Woody Allen, Bill Cosby und andere zur Rechenschaft gezogen werden.

Allen und Cosby im selben Satz. Zum Thema „Täter“. Narrative werden nicht besser, wenn sie ausgerechnet in einem Beitrag zum Thema „Wie ich meine Vorurteile überdacht habe“ reproduziert werden.

Polizei und Behörden waren den Anschuldigen von Amber Heard gegenüber wohlwollend, glaubten der jungen Frau. Ihre einstweilige Verfügung wird in Abwesenheit von Johnny Depp durchgesetzt, obwohl die Audioaufnahmen bereits damals vorliegen.

Und DA kommt die Stelle, wo man einwenden könnte: „Aber die juristischen Konsequenzen sind doch genauso vorurteilbefangen wie die sozialen!“ Schon, dennoch muss man vor Gericht plausibler argumentieren. Oder überhaupt plausibel.

Aber die Institutionen glauben ihr, weil sie ein Drehbuch abspult, wie es so oft schon stattgefunden hat, weil sie ein schöner, weißer Hollywoodstar in einer heterosexuellen Beziehung ist.

Ok, sie war mal in einer homosexuellen Beziehung – die Logik, dass der Mann immer der Täter sein muss, war nicht anzuwenden. Trotzdem wurde sie und nicht ihre Partnerin als Täterin identifiziert. Weil die zuständige Beamtin selber lesbisch war? Jedenfalls nicht aus Homophobie…

Und weil der vermutliche Täter ein alternder Hollywoodstar ist, der bekanntlich Drogenprobleme hat.

Weil jüngere Männer mit Drogenproblemen ja alles Heilige sind?

Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass eine nicht-weiße Frau ohne vergleichbare Mittel bei der ersten Befragung 2016 sehr wahrscheinlich als Lügnerin bezeichnet worden wäre.

Ja, der Gedanke ist eeetwas abwegig. Bzw., hängt vllt. tatsächlich von den Polizeikräften ab, die zufällig vor Ort sind.

2019 reicht Johnny Depp Klage gegen die Sun ein, die ihn als Frauenschläger bezeichnet. ,– die Sun gewinnt. Rund um den Richterspruch gibt es zahlreiche Verschwörungen. In alle ist Elon Musk verwickelt, mit dem Amber Heard zusammen war und vor der Geburt ihres Kindes einen Rechtsstreit über eingefrorene Embryos führte. Musk wollte die Embryos zerstören, Heard gewann den Rechtsstreit.

„Aber wer wurde zerstört, der Meister oder der Schüler?“ Schramm redet über Embryonen wie Jedi-Ritter über die Sith. Die Frage ist jetzt aber – muss Musk Alimente für die Embryonen zahlen?

Welche Rolle Musk spielt – er ist bisher nur nachgewiesener Weise mehrfach für sie finanziell in die Bresche gesprungen – ist nicht ganz geklärt.

Und was haben die Illuminaten mit der ganzen Geschichte zu tun?

Aber ich habe mich nicht gewundert, dass der Twitterdeal im Rahmen des Gerichtsverfahren erstmal auf Eis gelegt wurde. Die Fanboys von Elon Musk sind nämlich im Fall Depp/Heard auf Seiten von Depp – denn klar, ohne Frauenfeindlichkeit geht es auch hier nicht.

Männerfeindinnen sind auch auf Seiten von Heard. Aber ist Musk jetzt pro Heard oder pro Depp? Twitter jedenfalls ist schon ohne die drohende Muskolinisierung ziemlich pro Depp. Will Musk seine 47 Mrd. sparen, um die Jury zu schmieren? Je Mitglied knapp 7 Mrd., der Ruf der Eizellenspenderin seiner mutmaßlichen, eingefrorenen Kinder sollte ihm doch was wert sein? Die Reptiloiden lachen Euch gerade hart aus.

Generell ist der Fall und das Gerichtsverfahren durchzogen von Frauenfeindlichkeit. Das macht es so schwer.

Frau Heard ist eine Frau, also sind alle, die Heard-feindlich sind, frauenfeindlich? Wenn es hypothetischerweise tatsächlich einen Juden gegeben hätte, der wirklich einen Brunnen vergiftet hätte – aber ja, hier ist eine Frau, die ohne jede Not anscheinend eine Reihe von frauenfeindlichen Klischees bedient, und seht mal, wer sich bestätigt sieht? Dass jemand frauenfeindlich ist, ist nicht die Schuld von Frauen an sich. Es ist tatsächlich auch nicht die Schuld von Amber Heard, dass es Frauenfeinde gibt. Es ist aber Amber Heards Schuld, dass Leute Amber-Heard-Feinde sind.

Das macht diesen Text für mich so bedeutend. Es ist kaum auszuhalten zu sehen, mit welchen Leuten ich im Internet plötzlich einer Meinung bin.

Narrative sind halt scheiße. Wenn man Narrativen mit dem Misstrauen begegnet, das sie verdienen, wenn man Sachen nicht einfach glaubt, weil man sie gerne glauben will, und wenn man Zustimmumg und Ablehnung nicht in erster Linie von den anderen Zustimmern oder Ablehnern abhängig machen würde, käme man nicht in diese Situation.

Auch deswegen lese und höre und schaue ich mehr und mehr.

Nach meiner – zugegebenermaßen nicht repräsentativen – Beobachtung sind recht unterschiedliche Gruppen pro Depp. Man muss nicht so tun, als wäre man plötzlich die einzige Linke in einer Bande national-sozialistischer Kannibalen.

Ich will, dass Johnny Depp schuldig ist, dass Amber Heard die Wahrheit sagt. Aber je mehr ich mich in den Fall vertiefe, desto mehr wird klar, dass Amber Heard ein notorisches Problem mit der Wahrheit und gewalttätigen Wutanfällen hat und Johnny Depp wirklich Opfer von Missbrauch und Gewalt geworden ist.

Hmm, der Gedanke ist irgendwie paradox. Ich wollte tatsächlich, dass auch mal ein Fall von häuslicher Gewalt gegen Männer Thema wird, nicht nur, um das Dogma von „Glaubt den Frauen“ zu widerlegen (selbst „Glaubt den Opfern“ ist tautologischer Quatsch), sondern auch, um Bewusstsein zu schaffen. Andererseits habe ich Johnny Depp nicht gewünscht, Opfer von Gewalt zu werden. Oder sonstwem. Ich vermute mal, dass Schramm sich ernsthaft wünscht, Heard wäre die Nase gebrochen worden oder was auch immer. Aber in der Konsequenz heißt das doch, dass Maskulisten Gewalt gegen Männer lieber ist, um Argumente zu haben, und Feministen Gewalt gegen Frauen?

Warum ihm trotz erdrückender Beweise immer noch nicht geglaubt wird ist das Spiel, dass alle Opfer häuslicher Gewalt erleben: Jeder Fehler und eine angeschlagene mentale Gesundheit werden gegen das Opfer eingesetzt, die eigenen Taten dem Opfer unterstellt. Wir kennen das, jedes Opfer wird für die eigenen Fehler beschämt in der irren Vorstellung, dass es ein perfektes Opfer gibt.

Technisch gesehen ja. Täter können eh‘ nicht die Wahrheit sagen, also lügen sie. Opfer müssen die Wahrheit sagen. Allerdings müssen sie sie auch beweisen, was teilweise echt schwer ist. Praktisch gesehen – gemessen an den Widersprüchen, die „das“ Internet in Heards angaben findet, ist die beharrliche anti-Depp-Einstellung in großen Teilen der Medien etwas sonderbar. Wie diese Filme, die bei „Kritik“ und „Publikum“ sehr unterschiedlich ankommen.

Johnny Depp ist sehr weit weg vom perfekten Opfer

Weil er ein Mann ist.

In den SMS und Mails von Johnny Depp, die dem Gericht vorliegen zeigt sich, dass Johnny Depp ein alter, weißer Mann mit unendlich unangenehmen Boomerhumor ist, den alle kennen, die drei Minuten im Internet verbracht haben.

Eine Boomerin namens Joan Depp, die eine deutlich jüngere Freundin namens Amber Heard hätte und sich ansonsten genauso verhielte wie Johnny Depp, hätte vermutlich weniger Probleme gehabt, die Polizei zu überzeugen…

Frauenfeindlich in Sprache und in Referenz zu kulturell wertvollen Filmen wie Hangover, aber auch Monty Python – ein Meilenstein popkultureller Erinnerung, die in vielen Teilen aus einer heutigen Brille unglaublich erscheint in der Art und Weise, wie über Frauen und auch sexualisierte Gewalt gewitzelt wird.

Und Sommernachtstraum handelt von Sex unter Einfluss von Drogen, die teilweise sehr Richtung KO-Tropfen gehen. Sexualisierte Gewalt gegen Männer ist doch immer lustig. Und Shakespeare ist wohl etwas relevanter als „Hangover“. Keine Ahnung, ob das tatsächlich die Ursache des Problems ist oder eine Folge, aber natürlich muss man „der“ Gesellschaft die Schuld geben, wenn eine Frau etwas Böses tut.

Diese Screenshots dokumentieren die Hölle zwischenmännlicher Kommunikation wie sie bis heute noch üblich ist und sie erinnern uns daran, dass Johnny Depp fast 60 ist und wieviele Fortschritte gesellschaftlich schon erreicht worden sind.

Wer ist „uns“? „Uns“ Frauen? Was ist „üblich“? Woher würde sie als nicht-Mann wissen, was „zwischenmännlich“ üblich wäre? Und setzt sie jetzt tatsächlich Worte mit Taten gleich?

Er hat eine offensichtliche Drogen- und Suchtgeschichte, er ist ein mächtiger und einflussreicher Hollywoodstar und er redet über Frauen in diesen Momenten wie es auch Täter tun.

Nein, sie setzt sie nicht ganz gleich. Aber wie reden Täterinnen wohl über Frauen? Halten sie sie für was besseres? Moralisch überlegen? Irgendwas?

Vielleicht ist das der Grund, warum so viele, insbesondere in den Medien, immer noch mit Amber Heard sympathisieren.

Oder, es ist egal, was er sagt oder nicht sagt, oder was sie sagt oder nicht sagt. Er ist ein Mann, und sie eine Frau. Gibt es irgendeinen Fall in den letzten 10 Jahren, oder 20, wo Medien derartig mit einem Mann, und zwar gegen eine Frau, sympathiesierten, wie sie jetzt mit Heard sympathisieren? Oder im letzten Jahrtausend? Oder vllt. vor dem Krieg?

Trotz der unfassbaren Masse an Beweisen, die zeigen, dass Amber Heard nicht nur einmal, nicht nur zweimal gelogen hat, sondern, so weit muss ich gehen, nicht in der Lage ist einen Satz zu artikulieren, der die Realität und Wahrheit repräsentiert.

Gibt es, oder gab es, einen Mann, bei dem das auch so war, und der irgendwelche Sympathie durch Medien erfahren hat, seit meinetwegen Kasper Hauser? Und zwar nicht nur eine Zeitung oder zwei? Frauenfeindliche Witze im Kino gibt es, ja, aber wenn das dann darin resultiert, dass eine Frau sich beim Lügen nicht einmal Mühe geben muss, um „vieles ist unklar“ bescheinigt zu bekommen, ist das nicht eher gut für Frauen?

Aber Johnny Depp, der mächtige Hollywoodstar kann nicht Opfer geworden sein, darf er nicht, denn das wirbelt zu viele Glaubenssätzen, die wir über Missbrauch haben, durcheinander.

Ja, dann müssten „wir“ nämlich weniger Narrative und mehr Männerhäuser bauen. Und „unsere“ Intuition wäre einfach nutzlos, und „wir“ müssten anfangen, „uns“ „unseres“ Verstandes zu bedienen. Und „wir“ könnten Solidarität nicht mehr nach Sympathie vergeben, und das wäre ja das allerschlimmste.

Morgen mehr.

Ein Gedanke zu “Gedanken zu Gedanken

  1. Ich bin mir 100%ig sicher, dass Fräulein Schramm eine Menge Erfahrung mit „Narzissmus und Histrionismus“ hat; lediglich fehlt ihr die Selbstreflexion, den korrekt zu verorten.

    Ihre Qual mit dem Umgang damit, dass ihre bekloppte Ideologie halt schlicht nur Lügen sind, würde in einer gesunden Gesellschaft dazu führen, dass sie mal lernt, wie man ein Sandwich macht.

    Wir leben aber nicht in einer gesunden Gesellschaft. Das sieht man schon daran, dass Heard offenbar niemand in ihrem Leben mal eine reingehauen hat – was in unserer „westlichen“ Gesellschaft halt auch nicht mehr viel bringt, weil es zu wenig Leute gibt, die erstmal fragen, ob sie das nicht vielleicht verdient hat.

    Das zweite aus dem Prozess offensichtlich gewordene Problem ist, dass Depp offenbar zu high war, um die Psychopathin an den Haaren zu packen und rauszuwerfen.

    Gesellschaftlich schlimm wird das aber mit dem Urteil. Justiz ist nämlich als Selbstreinigungsprozess einer Gesellschaft gedacht, und das Ergebnis wird nicht sein, dass Heard ISIS-Terroristen eine Million Dollar dafür zahlen muss, damit die sie nehmen.

    Ich denke, die können auch so einer Person beibringen, wie man sich benimmt.

    Freilich ist das schwierig, aber ihr restliches Vermögen könnte man ja unter irakischen und syrischen Kurden verteilen; und einen gewissen Anteil für die Angehörigen hauptsächlich türkischer PKK -Terroropfer zurücklegen.

    Das ist natürlich nicht ideal.

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