Männerkosten Nachklapp

Bei Amazon gibt’s auch noch eine Leseprobe zu „Was Männer Kosten: Der hohe Preis des Patriarchats“ von Boris von Heesen. Mit teilweise anderen Ausschnitten, yäy!

Dummerweise muss ich abtippen – oh, Unglück!!

Zum Thema

Geld

steht da noch, dass

Länder mit einem besonders hohen Grad an Gleichberechtigung einen höheren Wohlstand und mehr beschwerdefreie Lebensjahre ab 65 zur Folge haben.

Ja; das verschleiert aber, dass Frauen auch in nicht so gleichberechtigten Ländern mehr beschwerdefreie Lebensjahre haben als Männer. Zum Vergleich: Afroamerikaner haben im Schnitt weniger Zugang zur Gesundheitsversorgung als Euroamerikaner, was sich auswirkt und als Zeichen von Rassismus verstanden wird. Hmmmm…

Was gibt es da noch zu diskutieren?

Deutschland hat eine sehr hohe Lebenserwartung und demzufolge auch eine weitreichende Gleichberechtigung.

Es kann nur die Angst und die Unsicherheit vor dem Neuen und Ungewohnten sein.

Jein. Wenn das Patriarchat eine Verschwörung ist, ist es das Ziel der Verschwörer, diese Verschwörung beizubehalten. Wenn nicht, ist hat das alles möglicherweise Gründe, die weder allein darin liegen, dass Männer Frauen unterdrücken und ausbeuten, noch daran, dass man Angst vor Veränderung hat. Aber natürlich sind viele Menschen(m/w) mit ihrer jeweiligen Situation tatsächlich zufrieden.

…habe ich mich entschieden, für dieses Buch die geheime Sprache des Patriarchats und des ihm eng verbundenen Kapitalismus zu wählen:

„Geheime Sprache“, wie bei Dan Brown. Kapitalismus ohne Patriarchat ist möglich. Tatsächlich funktionierte von Heesens Ansatz am besten, wenn es sehr viele Kapitalisten gäbe, die keine Anhänger der patriarchaischen Weltordnung wären. Denn, so die Idee, das Patriarchat hindert sie am Geldverdienen.

Es belastet unser Gemeinwesen jedes Jahr mit … mindestens 65 Mrd. Euro.

Wenn das Geld dahin fließt, wo die kapitalistisch-patriarchalen Geheimlogen es haben wollen, ist doch alles gut für die.

Endlich liegen die Fakten auf dem Tisch, denen sich die hartnäckigsten Verweigerer nicht mehr entziehen können.

Ihm sind offenbar die Argumente der „Verweigerer“ nicht klar. Ihm ist nicht klar, dass die kritisierten Verhaltensweisen unterschiedliche Gründe hat oder haben könnte. Von irgendwelchen biologischen Unterschieden will ich gar nicht anfangen, aber wie genau würde man beispielsweise durchsetzen, dass der Anteil der Frauen an den Arbeitsunfällen steigt?

Debatte

Sobald Geld im Spiel ist, mit dem gerechnet und kalkuliert werden kann, spitzen alle Menschen die Ohren und werden hellhörig –

Weil Geld das Tier im Menschen zum Vorschein bringt, ein Vergleich mit spitzohrigen Raubtieren. Mal was anderes als Militärmetaphorik.

besonders solche mit Macht und Einfluss. Geld als Schmiermittel von Patriarchat und Kapitalismus

„Schmiermittel“ in Zusammenhang mit Geld bedeutet natürlich keine funktionierende Maschine, sondern Bestechung und Korruption. Und natürlich gibt es bspw. im Feudalsystem „Patriarchat“, aber keinen „Kapitalismus“. Wenn beides ohne das andere vorkommen kann, besteht kein Grund, die Kritik am einen mit der am anderen zu verknüpfen.

Deshalb vergleiche ich am Ende des Buches die zusammengetragenen Kosten mit einem trojanischen Pferd…

Pro-Tipp: nicht sagen, dass das trojanische Pferd ein trojanisches Pferd ist.

…die schier uneinehmbare Festung des Patriarchats… gestürmt werden kann.

„Siegreich woll’n wir [aktuellen Gegner] schlagen, sterben als ein wack’rer Held!“ sang iirc der wack’re Soldat Schweijk.

Zumindest hoffe ich, die Debatte um Geschlechtergerechtigkeit und Gleichstellung… um eine wichtige Dimension zu bereichern.

Mhm. Wer bringt eigentlich die Einnahmen für unser Gemeinwesen auf? Mehr Männer oder mehr Frauen? Und wieviel Mrd. spart die Rentenkasse dadurch ein, dass Männer früher sterben als Frauen? 65. Mrd. Euro geteilt durch 40 Mio. Männer in Deutschland sind 1.650 €/(Mann und Jahr). Keine zwei Monatsrenten. Man wird jetzt einwenden können, dass die Rente von Frauen im Durchschnitt geringer ist als von Männern, aber gut:

Renteneintrittsalter beide Geschlechter in D.: rund 64.

Lebenserwartung Männer: rund 78

Lebenserwartung Frauen: rund 83

siehe hier

Rentenbezugsraum Männer: 14 Jahre, Frauen: 19 Jahre.

Durchschnittsrente Männer (gemittelt alte und neue Bundesländer im Verhältnis 3/1):

1.200 €/Mon x 5 Jahre @ 12 Monate           =    72.000 €

78 Jahre x 1.650 € „Mehrkosten“/Jahr           = 128.700 €

Ein Durchschnittsmann belastet in seinem kürzeren demnach das Gemeinwesen um

128.700 € Mehrausgaben – 72.000 € eingesparter Rente  = 56.700 €/Männerleben

Oder rund 727 €/Lebensjahr. Vllt. einfach eine Sondersteuer einführen? So 61 €/Monat? Wie viel zahlen eigentlich Männer und Frauen im Durchschnitt an Steuern?

Wie, „zynisch“? (Weiter unten hofft er, dass Mehrausgaben „für Frauen“ und „für Männer“ nicht gegeneinander aufgerechnet werden, weil er doch die Geschlechter „näher“ bringen will, aber nun ja.)

Das GEILE ist übrigens, dass von Heesen u.a. auch die unterschiedlichen Verkehrsunfälle thematisiert. Die Konsequenz daraus war früher, dass Männer einfach höhere Kfz-Versicherungsbeiträge zahlen mussten. Aus Gründen der Gleichstellung wurde das abgeschafft. Haltet Ihr Gleichstellung immer noch für eine gute Idee, liebe Kinder?

Toxische männliche Verhaltensweisen

Ich vermeide in diesem Buch in der Regel den Begriff der toxischen Männlichkeit.

Yäy. Muss man auch mal loben. Aber er könnte ihn auch einfach ganz weglassen bis auf das Kapitel, in dem er ihn als polemisch ablehnt. Achja, es gibt auch:

Brücken

… manchmal braucht es einen Finger in der Wunde, um den Schmerz und die Notwendigkeit zum Handeln notwendig zu machen.

Ah, „wir“ werden medizinisch in unserer Bildersprache statt militärisch. Hurra! Gut, dass der Mann kein Arzt oder Krankenpfleger geworden ist.

Natürlich sind es nicht „die Männer“, die die Gesellschaft 65. Mrd. € im Jahr kosten.

Wer muss sich seiner Meinung nach verändern? Wer soll den Schaden beheben?

Es ist das Patriarchat und die aus ihm erwachsenen Rollenstereotypen.

Wie erwähnt, „Stereotyp“ ist für mich eher ein Vorurteil oder Klischee, also nichts, was man selbst erfüllen will. Eine Rollenerwartung hingegen ist etwas, was man auch nicht immer erfüllen will, aber wofür man „belohnt“ wird, wenn man es doch tut. Männer, die Soldaten oder DAX-Vorstände werden, erfahren Anerkennung, Männer, die Obdachlose oder Kriminelle werden, nicht. Aber, wenn Stereotypen schon das Thema sind – auch oder gerade Frauen haben stereotype Vorstellungen über Männer.

Mir scheint es ein Reflex zu sein, wenn alle immer von den Privilegien reden, die männer abgeben müssen.

Weil Privilegien entweder „Sonderrechte“ heißt, die es für Männer in D. definitiv nicht gibt, oder, mehr metaphorisch, „Vorteile“, die sich aber häufig als scheinbar oder angeblich herausstellen.

Genauso ist es ein Reflex, wenn Männer sich instinktiv dagegen wehren.

Ja, wecke das Tier im Mann – um mit Feministinnen zu diskutieren, benutzen echte Männer kein Hirn, Rückenmark ist noch genug vorhanden! Ich für meinen Teil wehre mich dagegen, wenn mir „Privilegien“ zum Vorwurf gemacht werden, die ich entweder nicht habe oder die eigentlich Nachteile für mich sind.

Solche reflexhaften Reaktionen verhindert eine behutsame, genaue Betrachtung…

Ja, bitte schön. Es folgt eine Aufzählung von angeblichen oder tatsächlichen Problemen von Männern, auf die diese gut verzichten könnten, wie

  • Arbeitsteilung in der Care-Arbeit, wofür es pro und contra gibt – wer zwingt ein Paar zum einen oder anderen?
  • Konkurrenzdruck als treibender „Reaktor“ „männlicher Energie“, die durch Kooperation ersetzt werden soll – sollen Männer mit anderen Männern kooperieren, um Erfolg bei Frauen zu haben?
  • Mehr Zeit mit Kindern, ok, aber mit Freundinnen und Angehörigen wird das schwierig, weil die den Einkommensverlust mit Mehrarbeit ausgleichen müssen.
  • Kein tiefes Loch am Ende des Berufsleben, weil Männer im Berufsleben keinerlei sozialen Kontakte knüpfen können. Männer sind halt selbst dazu zu blöd.
  • bessere Behandlung in Trennungssituationen und Sorgerechtsstreitigkeiten, was hauptsächlich durch Frauen bzw. feministische Politik verhindert wird.

Er leidet an einer kognitiven Dissonanz zwischen „Männer sind die Opfer des Patriarchats“ und „Männer sind die Täter des Patriarchats“. Um Victim-Bläming und Täter-Opfer-Umkehr zu vermeiden – was wohlgemerkt ja lobenswert ist – behilft er sich mit einem Täter-Opfer-Quantenschaum.

Neben der bekannten Klosterstudie – Männer, die nicht um Frauen konkurrieren, leben ungefähr so lange wie Frauen, die nicht um Männer konkurrieren – kommt er mit psychischen Erkrankungen. Ich liebe es.

Bei Frauen werden Depressionen mehr als doppelt so häufig diagnostiziert als bei Männern.

Depressionen und Geschlecht. Es wäre also möglich, dass das ein Problem der Diagnosen ist, nicht des „Patriarchats“.

Suizide werden aber zu 75% von Männern begangen, …

Jetzt gibt es allerdings auch noch andere „Ursachen“ als Depressionen für Selbstmorde, neben anderen psychische Erkrankungen auch bestimmte Medikamente, Suchterkrankungen und auch Verlust des Partners, des Arbeitsplatzes und natürlich Kombinationen dieser Dinge. Die Aussage „Wenn Frauen anscheinend öfter Depressionen haben als Männer, aber Männer sich „trotzdem“ häufiger umbringen, ist das nicht plausibel.“ verkürzt das also sehr. Kann sein, dass das weiter unten im Buch besser erklärt wird, aber:

… da sie in vielen Fällen nicht gelernt haben, sich Hilfe zu holen.

Mögliche andere Gründe für diese Beobachtung wären:

  1. Depressionen haben geschlechtsspezifisch unterschiedlich häufige Symptome und werden sie bei Männern vllt. einfach öfter nicht erkannt.
  2. Depressionen sind nicht nur geschlechtsspezifisch unterschiedlich, sondern möglicherweise bei Männern öfter suizidal.
  3. Depressionen sind zumindest zum Teil genetisch, und sind bei Männern evt. auch einfach häufiger.
  4. Da Suchterkrankungen bei Männern häufiger sind UND ein Faktor für die Selbstmordgefährdung darstellen, bildet das u.U. einfach nur die Folgen aus Süchten ab.
  5. Männern haben nicht „nicht gelernt“, sich Hilfe zu suchen, Männer kriegen keine Hilfe, wenn sie welche suchen.
  6. Eine Kombination aus dem obigen.

Es ist meiner Auffassung also nicht so, dass allein die Männer schuld an ihrer Misere sind.

Schön, und was müssen Frauen demnach tun oder lassen, um daran was zu ändern? Wohingehend müssten Frauen sich denn verändern? Die einen Feministen beklagen, dass Frauen anteilig zu viel Erziehungsarbeit leisten müssen, die anderen beklagen, dass Männer schlecht erzogen sind.

Deshalb ist dieses Buch nicht nur an Männer, sondern auch an Frauen und alle anderen Menschen adressiert…

Die letztere Gruppe ist so klein, dass sie keinen Einfluss auf die sozialen Probleme hat, und auf biologische erst recht nicht.

2 Gedanken zu “Männerkosten Nachklapp

  1. …die schier uneinehmbare Festung des Patriarchats… gestürmt werden kann

    Genau! Die ganzen Männer daran hindern, Arbeiten zu gehen! Genau das wollen die Frauen!

    Und was Hilfe holen angeht, speziell Depressionen, schon vor Jahrzehnten schrieb Arne Hoffmann:

    »Frauen leiden nicht häufiger als Männer unter Depressionen, aber sie klagen häufiger darüber«, erklärt der US-amerikanische Maskulist Warren Farrell. »Neuere Studien belegen, dass Klinikärzte bei Männern in zwei Dritteln aller Fälle eine Depression nicht erkennen, bei Frauen in der Hälfte aller Fälle. Bei Frauen wird auch mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Depression diagnostiziert, von der sich später herausstellt, dass es keine war« (130, 213). Auf solche Unsauberkeiten in der Forschung bezieht sich auch die kritische Feministin Carol Tavris: Das Problem beginnt damit, dass Frauen eher über ihre Gefühle reden und natürlich das Vorurteil kennen, sie würden vermehrt zu Depressionen neigen. Beides führt dazu, dass sie wegen ihrer Schwermut schneller einen Arzt aufsuchen. Dazu kommt, dass sich die klinische Definition dessen, welcher Zustand als »Depression« eingeordnet wird, eben wegen dieser Vorurteile eher an typisch weiblichem Verhalten in diesen Fällen orientiert: Weinen, Im-Bett-Bleiben, Ess-Störungen, Klagen (486,259). Männer sind aber nicht in der Lage, ihren Kummer auf diese Weise auszudrücken, weil sie in unserer Kultur dazu weder den entsprechenden Zuhörerkreis noch die nötige Ruhe finden (3 87, 83). So fanden die Psychologen Hammen und Peters bei der Untersuchung mehrerer hundert College-Studenten heraus, dass Studentinnen, die sich bei einer Depression hilfesuchend an ihre Mitbewohnerinnen wandten, auf fürsorgliche und einfühlsame Reaktionen stießen. Männer in derselben Situation mussten jedoch mit sozialer Isolation, wenn nicht gar offener Feindseligkeit seitens ihrer Zimmergenossen rechnen (387, 34).

    Es liegt nicht an „toxischer Männlichkeit“, es liegt an toxischen Erwartungen an Männer. Männer haben zu funktionieren, und wer darüber klagt, dass es ihm schlecht geht, funktioniert nicht richtig, holt nicht die Kohlen heim ins Haus, was als seine Pflicht angesehen wird.

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