Männer kosten Männerkosten I

Hier ist die Leseprobe.

Was Männer kosten – der hohe Preis des Patriarchats

Ist mal wieder eine Einschätzung per Ferndiagnose, was ich aber insofern für fair halte, weil diese Leseprobe ja als Verkaufsargument dienen soll, und weil darin vermutlich nichts steht, was im übrigen Buch grundsätzlich anders dargestellt wird. Es kann aber natürlich sein, dass einige oder alle meiner folgenden Argumente darin angesprochen werden, und möglicherweise auch widerlegt.

Gemeinsam mit … Sarah Diehl war ich [Oktober 2019] im Rahmen der Ringvorlesung
»Gender matches Queer« an der TU Darmstadt zu einem Vortrag eingeladen. Unsere Vorgabe war es, zu dem Thema »Frauenrollen, Männerrollen durchbrechen« Perspektiven jeweils aus
männlicher und weiblicher Sicht vorzutragen.

Seine Perspektive ist die ökonomische. Ist das dann eine männliche oder eine weibliche? Ich frage deshalb, weil schon Sokrates darauf hinwies, dass dieselbe Tugend einen Haushalt oder einen Staat verhaltet, weshalb es keinen Grund gibt, männliche (Staat) oder weibliche Tugenden (Haushalt) zu unterscheiden.

Der Titel meines Vortragsteils lautete: »Was Männer kosten – Versuch einer monetären Quantifizierung der Folgen toxischer Männlichkeit«

Da steht jetzt nicht, welche Studiengänge das ansprach, oder ansprechen sollte. WiWi? Genderkunde? Sozialwissenschaften allgemein? Psychologie? Mir ist klar, dass Boris von Heesen einen fachgebietsübergreifenden Ansatz verfolgt, aber so ein bisschen Einordnung wäre ja nicht schlecht. (Immerhin, er schreibt jetzt nicht mehr „toxische Männlichkeit“.)

Kosten, Daten und Männlichkeit und das damit untrennbar verbundene
Patriarchat sind sozusagen meine »Homebase«.

Wenn Männlichkeit nicht vom Patriarchat trennbar ist, wie kann es dann Weiblichkeit ohne Matriarchat geben? Und leben zweigeschlechtliche Tiere und zweihäusige Pflanzen im Patriarchat oder im Matriarchat?

Der Austausch war zwar intensiv, die vorherrschenden Reaktionen auf meinen Vortrag aber waren Betroffenheit und Erstaunen

„Betroffenheit“ ist so ein Wieselwort. Aber nun, eine Gruppe von Studenten, Geschlecht und Studiengang unbekannt, wird mit einer neuen Idee konfrontiert. Das ist ja erstmal was Gutes, aber…

Ein junger Student blieb mir in Erinnerung, der seine Überraschung, aber auch Überforderung mit den Zahlen zum Ausdruck brachte.

„Überforderung“. Hmm. Was für Zahlen waren das? Imaginäre und Komplexe? Oder kann der nur die fünf Grundrechenarten (die fünfte ist Prozentrechnung)? Oder, hier will einer angeben, wie kompliziert er denken kann, wenn manche einfach nicht mit der Enthüllung klarkommen. Wie NSCs bei Cthulhu, dem Rollenspiel.

»Ich wusste nicht, dass Männer in so vielen Statistiken so schlecht abschneiden. Da muss man doch unbedingt etwas gegen unternehmen.«

Steht da nicht nur rum! Verbietet endlich irgendetwas!!!

Gerechtigkeit
Es gibt ein unsichtbares Band, dass die Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern in dieser Gesellschaft jeden Tag von Neuem miteinander verwebt.

Wie poetisch. Hach, schnöde Prosa ist halt nichts für Wirtschaftswissenschaftler. Hier steht aber die Schlussfolgerung – „Ungerechtigkeiten“ – am Anfang des Gedankens. Ungerecht für wen eigentlich?

Das Rohmaterial dieses Bands sind geschlechtsspezifische Rollenstereotype.

Dreiste Antwort: je weniger man sich um die Gesellschaft und deren zugehörigen Rollenerwartungen schert, umso egaler können solche Erwartungen einem und einer sein. Andererseits habe ich in meinem Leben eine Menge Rollenerwartungen an Männer nicht erfüllt, was nicht unbedingt immer mein Vorteil war, insofern sehe ich ein, dass viele Männer und Frauen solchen Erwartungen folgen.

Männer und Jungen gelten als entschieden, tapfer, rational und durchsetzungsstark. Frauen und Mädchen sind der imaginierte Gegenpol: wankelmütig, sorgend, bescheiden und emotional.

Drölfzigste Erklärung desselben Sachverhaltes: „Rollenerwartung an Männer/Frauen“ und „Klischees über Männer/Frauen“ sind nicht dasselbe. Im vorliegenden Fall werden Rollenerwartungen an Männer und Erwartungen und Klischees über Frauen gegenübergestellt. Und die Reihenfolge stimmt auch nicht. Als Äquivalent zu „durchsetzungsstark“ mag „bescheiden“ gelten. Und „tapfer“ (= kämpft gegen Feinde) und „sorgend“ (= kümmert sich um Freunde) sind unterschiedliche Rollenerwartungen im Sinne einer Arbeitsteilung. Ob „rational“ und „emotional“ ein Gegensatzpaar oder unterschiedliche „Tugenden“ sein sollen, kann man diskutieren. Es gibt aber ganz sicher keine Rollenerwartung an Frauen, sie mögen doch bitte möglichst „wankelmutig“ sein. Und das ist so eine grundlegende Fehlerquelle, dass ich dem Buch da nicht viel zutraue.

Der Ort, an dem das wundersame Band gefertigt wird, die Spinnerei der Ungerechtigkeit der Geschlechter, ist das Patriarchat.

Ruhm und Ehre der allumfassenden Weltverschwörung der globalen Patriarchisierung. Im weiteren Verlauf wird er erwähnen, dass „das Patriarchat“ ja auch Männern schadet, kommt aber nicht auf die Idee, dass solcher Schaden im Umkehrschluss ein Vorteil für Frauen sein kann. Nicht notwendigerweise muss, aber es kommt halt vor.

Das gesellschaftliche System, dass von Männern geprägt, beherrscht und immer noch vorwiegend repräsentiert wird.

Und Männer zu Risikobereitschaft erzieht, und Frauen zur Vorsicht. Was u.A. dazu führt, dass Männer Leib und Leben für Frauen riskieren „dürfen“, umgekehrt aber nicht.

Seinen Anfang nimmt die Ungerechtigkeit im Kreißsaal, wenn dem kleinen neugeborenen Menschen das Geschlecht zugeschrieben wird und er seine Reise durch das Leben entweder auf der Autobahn der Weiblichkeit oder der Männlichkeit beginnt.

Um die Metapher zu Tode zu trieben: Männer fahren auf der Autobahn des Lebens, Frauen nehmen den Zug. Geschlechtsbestimmung gibt es auch schon pränatal, nebenbei gesagt.

Von Jungen wird dann erwartet, dass sie ihre weiblichen Eigenschaften unterdrücken, von Mädchen umgekehrt, dass sie ihre als männlich wahrgenommenen Wesensarten ausblenden.

Mädchen dürfen nicht „rational“ sein? Das halte ich für ein Gerücht. Es gibt zig Narrative von Jungen, die unvernünftige Sachen machen.

So wird in dieses Fass schon vor der Geburt des Menschleins ein dickes Brett eingezogen, dass einen wesentlichen Teil seines ICHs abspaltet

Drama! Eine Nummer kleiner geht es nicht – im weiteren Verlauf wird von Heesen ausführen, dass die Teile des ICHs von Frauen, die man bei ihnen abspaltet, bei Männern zu volkswirtschaftlichen Schäden in Milliardenhöhe führen. Also wäre das Ergebnis nicht, dass man nichts abspalten sollte, sondern bei beiden Geschlechtern dieselben Teile des Ichs.

Verspürt ein Mensch doch einmal den unerhörten Wunsch, die in dem Fass verankerte Grenze oder die Leitplanke auf der Autobahn zu durchbrechen, dann wird er von dem unsichtbaren Band der Rollenstereotype umschlungen und meist wieder eingefangen.

„Rollenerwartung“ oder „gesellschaftlicher Druck“, ok. Aber „Rollenstereotypen“ sind nichts, was einen „einfängt“, wenn man sich nicht daran hält. Es gibt ja auch Stereotypen über Juden. Fühlt sich irgendein Jude „umschlungen“ oder „eingefangen“, wenn er sich nicht stereotypisch verhält?

Die Geschichte über das Fass der menschlichen Möglichkeiten rückt das Patriarchat als Quelle des ganzen Dilemmas in ein neues, für viele unerwartetes Licht:

Für viele unerwartet, die sich nie zuvor mit dem Thema befasst haben. Ich habe mich ursprünglich mit dem Thema befasst, weil mich feministische Vorwürfe nervten, die auf mich so gar nicht zutreffen (ja, kann jeder sagen, aber an der Stelle glaubt mir bitte einfach), dann befasste ich mich weiter und ärgerte mich mehr über unsaubere Argument wie „Erwartungshaltung“ = „Vorurteil“, und dann kamen noch Sachen dazu, dass mir „Privilegien“ zum Vorwurf gemacht werden, die ich für mich, oder ganz allgemein nicht als „Sonderrecht“ oder „Vorteil“ betrachte, sondern als harten Nachteil. Wie, dass Männer auf Partnersuche den ersten Schritt machen (müssen).

Nicht nur Mädchen und Frauen, sondern auch Jungen und Männer leiden unter dem rückwärtsgewandten und konservativen Konstrukt.

Na, sowas. Aber jedesmal, wenn Frauen etwas machen müssen, was sonst nur von Männern erwartet wird, sind die Feministen irgendwie weg.

So betrügt uns das Patriarchat alle um einen großen Teil unserer Potenziale. Das ist nicht nur traurig, sondern vor allem ungerecht.

Zynische Antwort: das Leben ist sowieso zu kurz, um alles zu tun, was man machen kann und machen will. Aber ok, da mir das Patriarchat nicht die Beine brechen kann, wen schert’s?

Allen Leser:innen, die denken, dass doch schon so viel geschehen sei in Sachen Geschlechtergerechtigkeit und wir es langsam mal gut sein lassen können, müssen jetzt stark sein. Es hat sich nämlich viel weniger verändert, als wir denken.

Wer ist „wir“? Von Heesen ja wohl nicht. Und in Bezug auf welchen Zeitpunkt – letzte Woche? Letztes Jahrtausend? Hachja.

Der Anteil der weiblichen Abgeordneten im neu konstituierten Bundestag betrug im Oktober 2021 knapp 35 Prozent.

Ja und? Männer machen keine männerfeundliche Politik, warum denken immer alle, Frauen machten frauenfreundliche Politik? Außerdem hier.

Im Bundestag und in den Ministerien in Berlin sollten die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen für eine geschlechtergerechte Gesellschaft geschaffen werden. Erst danach können sie auf kommunaler Ebene in die Tat umgesetzt und mit Leben gefüllt werden.

Warum sollte das so laufen? Genausogut könnte man sagen, dass sich das von unten nach oben entwickeln muss: erst gehen genausoviele Frauen in die Politik wie Männer. Dann werden genausoviele Frauen wie Männer für Ämter und Mandate aufgestellt. Und dann sind genausoviele Frauen und Männer in der Politik, und man merkt, dass sich die Arbeitermänner und -frauen gegen die Männer und Frauen aus der Oberschicht zusammentun.

Wie soll das gelingen, wenn relevante Gremien ein solch deutliches Ungleichgewicht
der Geschlechter aufweisen?

Weil die Mehrheit aller Wahlberechtigten weiblich ist und deshalb niemanden mit frauenfeindlichem Wahlprogramm wählen? Nebenbei, es gibt Gesetze, gegen die nur Männer verstoßen können.

So arbeiten heute – nicht vor 50 Jahren! – noch 94 Prozent der Väter in Vollzeit und nur 34 Prozent der Mütter, wenn Kinder unter 18 Jahren im Haushalt leben.

Inwieweit – außer durch ein Verbot – sollte das von Regierung und Verwaltung geändert werden können? Und inwiefern ist das ein Nachteil von Vätern oder ein Nachteil von Müttern?

Das ist ungerecht für die Frauen, weil sie um ihre beruflichen Chancen gebracht werden… Ebenso ungerecht ist es für die Männer, die, einem patriarchalen Versorger-Dogma folgend, für die Zeit ihres Berufslebens effektiv von ihren Kindern und anderen sozialen Beziehungen abgetrennt werden.

Ahhh! Kinder UND Karriere ist für beide Geschlechter also gleichermaßen schwierig umzusetzen. Aber arbeitsteilige Rollenaufteilung ist effektiver als wenn jeder von allem die Hälfte macht. Jetzt könnte man natürlich auch sagen: bei der einen Hälfte aller Paare ist er erwerbstätig und sie kümmert sich um die Kinder, und bei der anderen ist sie erwerbstätig und er kümmert sich um die Kinder. Aber das sähe auf der Statistik gut aus, aber in jedem Einzelfall würde ja immernoch beide auf ioses halbe „Potential“ verzichten. Wo wäre da der Vorteil?

Ihre lebenslange Fixierung auf Beruf und Leistung hat häufig zur Folge, dass sie nicht über Probleme reden, seltener zum Arzt gehen, sich ungesünder ernähren und weniger bewegen.

Kommt auf den Beruf an, ob er sich mehr oder weniger bewegt als sie. Als Soldat zum Beispiel bewegt man sich teilweise sogar sehr viel. Aber ansonsten: hier und hier. Und hier. Und noch ganz viele weitere, random ausgewählte Beiträge in diesem Blog. Aber schön, dass er „nicht über Probleme reden“ schreibt statt „nicht über Gefühle reden“, auch wenn das weniger mit Beruf und Leistung zu tun hat, sondern damit, das Frauen eher geholfen wird.

Männer sterben fast fünf Jahre früher als Frauen und begehen mehr als drei Viertel aller
Suizide.

Frauen leben fünf Jahre länge als Männer und haben seltener den Wunsch, dieses Zeit künstlich abzukürzen. Frauen am meisten betroffen!

Es ist eine klassische Lose-lose-Situation. Alle verlieren, Männer, Frauen und alle anderen.

Ähjaa. Dieselben Feministinnen, die eine höhere Lebenserwartung haben als ich, beschweren sich darüber, dass mehr Geld in meine Gesundheit fließt.

Geld
Die negativen gesellschaftlichen Auswirkungen des Patriarchats werden wie im Dauerfeuer durch politische Bücher, pointierte Kolumnen und Twitter-Feeds geschrieben und getrieben.

Militärische Metaphern reiten einen Entlastungsangriff! Heya! Die Unschärfe des Begriffes „Patriarchat“, wer oder was das ist, wo es wohnt, und warum es zwar einerseits Frauen unterdrückt und ausbeutet, aber andererseits Männer zu Dingen zwingt, die einfach nicht in deren Interesse sein können, lässt dieses „Dauerfeuer“ mehr an einen irren Attentäter erinnern, der mitten im vollen Club wahllos seine Maschinenpistole leerschießt.

Allein es nervt und zermürbt, dass bestimmte Kreise sich fortwährend sachlichen Argumenten gegen das Patriarchat entziehen und sich so aus einem ehrlichen und konstruktiven Diskurs stehlen.

Bestimmte „Kreise“. Klassische Verschwörungstheoretikerphrase. Einerseits ist es natürlich naiv zu denken, dass die Ausbeuter freiwillig mit der Ausbeutung aufhören, andererseits habe ich bei Leuten, die „Zeug:innenstand“ gendern, „Täter“ aber nicht, eher nicht den Eindruck einer sachlichen oder ehrlichen Diskussionsbereitschaft.

Natürlich sind es vorwiegend Männer, egal welchen Alters, die einfach nicht verstehen wollen, dass die Abschaffung dieser Idee der Ungerechtigkeit auch für sie etwas bereithält.

Oh, ich verstehe das schon:

  1. Frauen werden in 50% aller Fälle beim Flirten den ersten Schritt machen müssen
  2. Frauen werden zu 50% in allen Berufen mit hohen Unfallzahlen arbeiten, wie Gerüstbauer, Dachdecker oder Zimmermensch
  3. Frauen werden in Fälen, wo nach der Scheidung die Kinder nicht im Wechselmodell betreut werden, zu 50% die sein, die Unterhalt leisten müssen
  4. falls die Wehrpflicht wieder eingeführt wird, wird sie allgemein sein

Das heißt, ich werde statistisch weniger Stress haben und statistisch länger leben, und Frauen mehr Stress und statistisch kürzer leben. Und das ist der Punkt, wo ich dem Feminismus nicht abkaufe, dass er das will.

Eingesperrte Männer – Kosten durch Gefängnisaufenthalte
Männlich dominierte DAX-Vorstände werden von den Leitmedien regelmäßig als Beleg herangezogen, wenn das Patriarchat zur Sprache kommt. Die andere, unbeleuchtete Seite dieser Medaille wird dagegen nur selten thematisiert: Den männlichen CEOs in den DAX-Unternehmen stehen fast ausschließlich von Männern belegte Gefängnisse gegenüber

Tja, was ist das größere Verbrechen – ein DAX-Unternehmen zu gründen oder eines zu bestehlen? „Nur selten thematisiert“ ist jetzt auch eine Kaugummiaussage. Und „Leitmedien“ ist auch schon ein Stück weit Verschwörungsgeschwurbel. „Nicht immer nur auf die ‚Leitmedien‘ hören, Leute, die lassen Euch glauben, dass Männer ganz tolle Menschen sind und Frauen andauernd ins Gefängnis kommen.“ Wirtschaftswissenschaftler haben zum Glück viel zu viel Ahnung von der Wirklichkeit, als dass das hier gemeint sein könnte.

Die meisten Männer, erklärte [Gefängnisseelsorger Hubert Frank] mir, haben einen Panzer um ihr Inneres, ihre Gefühlswelt gebaut – häufig aufgrund schlimmer Erfahrungen in ihrer Kindheit und Jugend.

Er meint vermutlich: Männer im Gefängnis. Wäre das bei Frauen im Gefängnis grundsätzlich anders? Vermutlich nicht, aber möglicherweise machen Mädchen und weibliche Jugendliche auch seltener schlimme Erfahrungen. Oder, wenn doch, dann wird ihnen eher geholfen. Oder aber beides nicht, und Frauen mit schlimmen Erfahrungen wird zwar nicht geholfen, sie werden dann trotzdem seltener kriminell. Oder, sie machen genauso oft schlimme Erfahrungen, erfahren danach genauso selten Hilfe, werden dann ebenso oft kriminell, aber einfach seltener erwischt. Oder seltener verurteilt. Oder milder verurteilt. Hachja.

Als Männer- und Gewaltberater unterstützt Frank die Insassen dabei, diesen inneren Panzer aufzubrechen, indem sie vorherrschende Gefühle wie beispielsweise Angst, Trauer oder Unsicherheit bearbeiten.

Nichts gegen Gefängnisseelsorge, aber einerseits ist die Bereitschaft, zu solcher Beratung zu gehen, erhöht, wenn man sowieso nirgendswo sonst hin kommt, und andererseits sind Kriminelle vllt. nicht ganz so repräsentativ für Männer im Allgemeinen.

Die Erfolge dieses Ansatzes bestärken ihn in seiner Überzeugung, dass wir in Deutschland dringend ein flächendeckendes Netz an Beratungsstellen für Männer benötigen.

Der Erfolg bei Kriminellen wäre der, dass die bessere Menschen werden, ihre Probleme besser in den Griff bekommen und fürderhin keine Verbrechen begehen. Der Erfolg bei Nicht-Kriminellen wäre der, dass sie nicht-kriminell bleiben, was die allermeisten auch ohne Beratung täten. Nebenbei, gibt es auch Frauen- und Gewaltberater?

Auf meine Frage, warum es ein solches Hilfesystem noch nicht gebe, wies er ironisch auf das bundesweite Versorgungssystem hin. 200 Knäste. Mehr brauche es nach Meinung der Politik nicht.

Was wären die Möglichkeiten, wenn man nicht im Gefängnis sitzt? Therapeuten? Allgemeiner sozialer Dienst? Gewaltprävention? Ein Problem ist, dass angehende Verbrecher sich meist lieber darauf konzentrieren, nicht erwischt zu werden, anstatt ihre Probleme anderweitig zu lösen. Was jetzt kein Grund ist, solche Angebote nicht zu machen. Aber dieselbe Politik, die auch kaum Männerhäuser bauen lässt, naja. Insofern hat er Recht.

Vielleicht aber können haushaltspolitische Erwägungen die Politik zum Einlenken bringen.
Denn Gefängnisse sind ein teures Unterfangen für dieses Land.

Das wird schon so sein. Jetzt vermengt er aber zwei Sachen: während es durchaus gesellschaftlich gefördert wird, DAX-Vorstand oder Politiker zu werden – also neben dem rein finanziellem auch Anerkennung, Ruhm und andere soziale Belohnungen – ist das bei Verbrechen eher das Gegenteil. Jetzt kann man natürlich im weiteren Zusammenhang argumentieren, dass „Risikobereitschaft“ der Oberbegriff für fast alle Rollenerwartungen an Männer ist, worunter DAX und Verbrechen gleichermaßen fallen. Nur will „die“ Gesellschaft tatsächlich DAX-Vorstände, aber keine Verbrecher.

Kaum jemandem ist bewusst, dass im Jahr 2021 93,9 Prozent der Gefängnisinsassen
männlich und nur 6,1 Prozent weiblich waren.

Gretchenfrage: Wenn eine Gesellschaft ohne Rollenerwartungen genauso viele Männer wie Frauen DAX-Vorstände werden, wird die Anzahl der DAX-Vorstände ja nicht kleiner werden. Wenn der Anteil an Männern bei den Gefängnisinsassen kleiner wird, weil es keine Rollenerwartungen mehr gibt – wird dann die absolute Zahl der Insassen sinken, oder einfach der Anteil der weiblichen Insassen bei gleichbleibender Insassenzahl steigen, weil Frauen ja auch keinerlei Rollenerwartungen zu folgen hätten?

Ich habe das in zwei geteilt, morgen mehr.

Weiterführende Literatur: hier

2 Gedanken zu “Männer kosten Männerkosten I

  1. „Gemeinsam mit … Sarah Diehl war ich [Oktober 2019] im Rahmen der Ringvorlesung
    »Gender matches Queer« an der TU Darmstadt zu einem Vortrag eingeladen.“
    — Den er natürlich als Zeichen des Kampfes gegen das Patriarchat kostenlos hielt.

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