Welche Narrative sollen Medien bedienen?

Gar keine vielleicht? Weil „Narrativ“ eigentlich nur ein Angeberwort ist für „Klischees, Vorurteile und Lügen, die allgemein geglaubt werden“?

Natürlich nicht!

WIE SOLLTEN MEDIEN ÜBER GEWALT GEGEN FRAUEN BERICHTEN?

Immer mindestens dreimal so viel wie über Gewalt gegen Männer. Oder, man lässt Gewalt gegen Männer einfach weg, dann ist die Berichterstattung über Gewalt gegen Frauen immer „unendlich“ größer. (Division durch Null ist nicht definiert, Aber der Wert strebt ins unendliche.)

Macht es einen Unterschied, wie Medien über Gewalt gegen Frauen schreiben?

Ja, es macht einen Unterschied, ob man den jeweiligen Sachverhalt zuverlässig wiedergibt. D’OH!

Denn Medien beeinflussen, wie Gewalt gegen Frauen wahrgenommen wird.

Natürlich beeinflussen Medien ebenso, wie Gewalt gegen Männer wahrgenommen wird. Trivialer wird es heute nicht mehr.

Was haben zum Beispiel „Beziehungstragödien“, „Verbrechen aus Leidenschaft” und „Eifersuchtsdramen“ gemeinsam?

Das sind mehr oder weniger zutreffende Beschreibungen, die der werten Leserschaft quasi als „Triggerwarnung“ dient – sagt „Mord und Totschlag“, ohne „Mord und Totschlag“ zu sagen.

In den allermeisten Fällen wurde dabei eine Frau von einem Mann ermordet.

Oder ein Mann von einem Mann. Oder eine Frau, ein Kind und ein Mann von einem Mann. Oder fünf Kinder von einer Frau. Oder, oder, oder…

Solche indirekten Formulierungen verwischen aber, wer da wen getötet hat.

Das ist Quatsch. So eine Formulierung steht in der Überschrift und/oder in der Einleitung, aber im eigentlichen Zeitungsartikel steht dann immer, wer wen getötet hat. Bzw., wenn man es nicht weiß, wen man verdächtigt. Die Theorie, dass das dergleichen „verwischen“ solle, ist eindeutig dem Gebiet der „Verschwörung“ zuzuordnen.

Damit verharmlosen sie das, was dahinter steckt: Femizide.

Wenn jemand in einer Überschrift „Mord aus Eifersucht“ liest, denkt die oder der dann: „Ah, da hat mal wieder eine enttäuschte Frau die neue von ihrem Ex erschossen!“ und liest dann nicht mehr weiter? Bzw., denkt Pinkstinks, dass andere Menschen so denken? Ich bezweifle eigentlich beides, aber das wäre die einzige Möglichkeit, wie damit Morde an Frauen verharmlost werden – man hält Frauen für generell besser geschützt. Oder, man verharmlost das, indem man ständig berichtet, dass Frauen seltener als Männer ermordet werden. Außer in Österreich.

Für den Begriff Femizid gibt es verschiedene Definitionen. … Diana Russell beispielsweise beschreibt Femizid als die frauenfeindliche Tötung von Frauen durch Männer.

Ja, Definitionen sind wichtig. Aber wenn damit „frauenfeindliche“ Tötungen gemeint wären, dann müsste „Frauenfeindlichkeit“ als Tatmotiv bekannt sein, was man in vielen Fällen (noch) nicht weiß, wenn sie in der Zeitung stehen, und was man häufig sogar ausschließen kann. Wenn jemand wahllos in einer Kneipe um sich schießt, die hauptsächlich von Schwulen besucht wird, ist Schwulenfeindlichkeit vermutlich das Motiv. Ähnlich verhält es sich bei einer Kneipe mit hauptsächlich schwarzen Gästen, einer Synagoge, einer Moschee, Kirche, FDP-Parteitag oder wasauchimmer. Wie würde demnach ein Verbrechen aus Frauenfeindlichkeit aussehen? Wie ein Mord, bei dem genau eine Frau, und ihr Kind, und ihr neuer Freund erschossen werden, eher nicht.

Dabei ist nicht das biologische Geschlecht an sich das Entscheidende – sondern, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts in der Gesellschaft weniger Macht und Wert haben als Männer.

Hmm, wenn der jeweilige Mörde Macht hätte, würde er vermutlich eher keinen Mord begehen. Oder höchstens aus „putini politischen“ Gründen. Außerdem, wenn der Mörder tatsächlich aus Frauenhass mordet – und nicht etwa aus Hass gegen genau diese eine Frau – und „Frau“ biologisch definiert, dann ist doch das Biologische das entscheidende. Ein Serienmörder, der Rothaarige ermordet, allerdings nur wenn er weiß, dass diese nicht gefärbt sind, stellt ja auch auf die Biologie ab. Außerdem, da Männer häufiger ermordet werden, wäre das doch ein Beleg, dass sie weniger Wert und Macht haben.

Das Wort Feminizid (mit n) gibt es auch. Es wird benutzt, wenn es um die Verantwortung des Staates geht.

Jaaaaaaaaahaaaaaaaaaaaaaaaaa………… das symbolisiert das „n“.

Also darum, dass der Staat nicht angemessen auf Morde an Frauen reagiert und die Täter häufig milde bis gar keine Strafen bekommen.

Welcher Staat ahndet Morde an Frauen schwächer als an Männern? Also sei es, wegen expliziter Formulierungen in einschlägigen Gesetzen, oder sei es, weil sich das in der realen Rechtssprechung so ergibt? Welcher?

Femizide sind überall auf der Welt ein Problem: Allein im Jahr 2017 wurden laut UN weltweit über 50.000 Frauen und Mädchen von (Ex-)Partnern oder anderen Familienmitgliedern umgebracht.

Timeo Danaos et Statisticas ferentes… Wenn ich in einer Beziehung mit einer Frau bin, und ihr Ex erschießt sie, ihr gemeinsames Kind und mich, dann bin ich trotzdem irgendwie Mittäter? Ja? Oder wenn nicht – wieso soll ein Verbrechen, bei dem nur ein Drittel der Opfer eine Frau ist, Femizid heißen? Selbst als Toter bekäme ich von Feministen kein Mtgefühl, keine Solidarität und nicht einmal die Erwähnung, dass es mich mal gab. Feminismus schadet manchmal auch Männern.

Und laut dem Landesverband Frauenberatung Schleswig-Holstein versucht allein in Deutschland jeden Tag ein Mann, seine (Ex-)Partnerin zu töten.

Von 16 (?) Landesverbänden sagt das einer. Das sind 6,25%, rein statistisch betrachtet.

Trotzdem finden verharmlosende Bezeichnungen für Femizide auch im Jahr 2021 noch immer regelmäßig in ihren Weg in Berichte über solche Fälle wie eine interaktive Karte mit Fällen in Deutschland seit 2020 anschaulich zeigt.

Wenn man draufklickt, findet man genauere Beschreibungen wie „Mord“, „Mordversuch“ oder was es halt war. Wie wird eigentlich über Gewaltverbrechen berichtet, wenn es ausschließlich männliche Opfer gibt? Keine Ahnung, interessiert wohl niemanden.

Medien gestalten das gesellschaftliche Klima mit. Wie sie über Vorfälle berichten, beeinflusst, wie die Gesellschaft diese Vorfälle wahrnimmt und einschätzt.

Wenn also Medien ständig über Gewalt gegen Frauen berichten, aberkaum über Gewalt gegen Männer, kommen leicht manipulierbare Menschen wie die bei Pinkstinks auf die Idee, dass Frauen generell öfter Opfer werden. Schade, aber ist halt so.

Die deutsche Presseagentur (dpa) – ein Nachrichtendienst, von dem viele Zeitungen ihre Informationen bekommen – hat deshalb Ende 2019 entschieden, auf Ausdrücke wie „Beziehungsdrama“ und „Familientragödie“ zu verzichten.

Das Wissen, was die dpa ist, und wofür die Abkürzung steht, ist so esoterisch, dass nur die Oberchecker bei Pinkstinks in der Lage sind, dieses ihrer Zielgruppe zu vermitteln. Aber ja, meinetwegen kann man auf diese Formulierungen verzichten.

Solche Formulierungen [„Drama“ und „Tragödie“] verharmlosen (tödliche) Gewalt gegen Frauen durch aktuelle oder ehemalige Partner.

Wenn, dann „verharmlosen“ sie auch Gewalt gegen Männer. Es ist nicht so, dass in Romeo und Julia nur das Mädchen stirbt. Oder in Titanic.

Beispiel gefällig? „Häusliche Gewalt“ geht gar nicht vom Haus aus.

Nein? Echt jetzt? Und Zitronenfalter etwa falten gar keine Zitronen? Für wie dumm halten die ihr Publikum!

Sie passiert auch nicht immer im Zuhause.

Meistens schon. So, wie schulische Gewalt auch auf Klassenfahrt vorkommen kann. Der einigermaßen intelligente Mensch merkt, dass es keinesfalls besser ist, kleine Kinder zu schlagen, wenn es unter freiem Himmel stattfindet.

Doch männliche Gewalt gegen eine Frau wird durch die Wahl so eines Begriffs unsichtbar.

Wieso nur männliche Gewalt? „Häusliche“ Gewalt findet auch statt, wenn sie ihn schlägt. Ich halte es hier, nicht zu Genderzwecken, sondern um die Allgemeinheit der Definition nicht einzuschränken, für deutlich besser, einen nicht-geschlechtsspezifischen Begriff zu wählen.

So werden Täter von ihrer Verantwortung befreit.

Nein. Erstens ist das Wort hier nicht „Verantwortung“, sondern „Schuld“, und zwotens ändert eine irreführende oder falsche Bezeichnung in der Zeitung nichts daran. Wenn irgendwo von einer „frisch geteerten“ Straße zu lesen ist, hört die ja trotzdem nicht auf, asphaltiert zu sein.

Und das wiederum verschleiert die dahinter liegenden Strukturen in der Gesellschaft, die diese Gewalt ermöglichen und fördern.

„Strukturen“ sind irgendwelche Echsenmenschen. Wenn „die“ Zeitungen Gewalt gegen Frauen verharmlosen wollten, würden sie ständig von ermordeten Männern berichten.

Auch, wenn das Tatmotiv selbst nicht Frauenhass ist, spielt patriarchale Gewalt bei solchen Taten eine Rolle.

In anderen Worten: „Auch, wenn mein Ausgangsargument nicht zutrifft, bleibe ich bei meiner Schlussfolgerung.“

Denn im Patriarchat haben Männer Kontrollverlangen und Besitzansprüche an Partnerinnen. Häufig kommt es deshalb zum Beispiel bei oder nach Trennungen zu Femiziden.

Man könnte „Femizid“ auch so definieren, dass jeder Mord an einer Frau ein Femizid ist, einschließlich solcher, die von einer Frau begangen werden; die entsprechenden Gegenstücke sind Infantizid und Maskuzid. Wobei „Infantizid“ eigentlich beschränkt ist auf: „Tötung des eigenen Kindes.“

„Alle Formen von Gewalt gegen Frauen sind eingebettet in patriarchalische Kontroll- und Dominanzmuster“

Alle Formen? Auch solche, die von anderen Frauen ausgehen?

Diese Muster haben viele Jungen und Männer im Laufe ihres Lebens beobachtet, gelernt und verinnerlicht. Deshalb sind sie größtenteils unbewusst.

Das kann nicht sein – ein Mordmotiv ist sicher oft ein Gefühl wie „Hass“, „Eifersucht“ und dergleichen, aber man ist sich dann seine Gefühle bewusst. Oder nicht zurechnungsfähig.

Gewalt gegen Männer durch Frauen gibt es auch. Sie kommt allerdings viel seltener vor und wird dann auch weniger gemeldet und angezeigt, weil die Betroffenen sich oft sehr schämen.

Ist wie mit der „Schwarzen Perle“ in Fluch der Karibik: Wenn Ihr wisst, dass das weniger gemeldet und angezeigt wird, woher wollt Ihr dann wissen, dass es „viel seltener“ vorkommt? (Fluch der Karibik ist ein schöner Film) Oder, Gewalt von Frauen an Männer wird genauso häufig oder selten angezeigt wie der umgekehrte Fall. Ok, ich halte das andere Szenario auch für wahrscheinlicher, aber ich nutze das nicht zum Victim-Bläming.

Auch das hat mit den Geschlechterrollen im Patriarchat zu tun. Die geben nämlich vor, dass Männer stets stark und mächtig sein und immer die Kontrolle haben sollen. Wenn ein Mann von seiner Partnerin geschlagen wird, ist das doppelt schambehaftet.

Heißt also: wenn Männer seltener mit diesem Problem zu Polizei oder an die Öffentlichkeit gehen als Frauen, liegt das nicht daran, dass „die“ Medien, „der“ Feminismus und/oder „die“ Öffentlichkeit – alles Gruppen, die aus Männern und Frauen bestehen, ihnen nicht glauben würden, sondern ausschließlich und allein an den Männern selbst. Weil sie das Problem ganz alleine verursacht haben, haben sie keinen Anspruch auf Mitgefühl, Solidarität oder Hilfe.

Wenn ein Bericht also die Sichtweise des Täters einnimmt („Er war eifersüchtig auf ihren neuen Freund“), dann haben Lesende mehr Verständnis für den Mord. Egal, wie blutig die Tat war.

„Mehr Verständnis“ bedeutet nicht: „Zustimmung“. Angenommen, das Verbrechen wäre Diebstahl – bei einem hochverschuldeten Arbeitslosen hätte man auch „mehr Verständnis“ als bei jemanden, der seinen Ferrari abzahlen muss.

Und bei verharmlosenden Begriffen empfinden sie weniger Mitgefühl für die getöteten Frauen – sie geben ihnen sogar eine Mitschuld.

Das liegt eher daran, dass „Mord aus Eifersucht“ eigentlich gar nicht „verharmlosend“ ist, sondern tatsächlich auf das Motiv abstellt.

 Es kommt dann eher zum Victim Blaming, also zur Täter-Opfer-Umkehr.

Victim-Bläming heißt, dass das Opfer etwas getan oder unterlassen hätte, womit es zumindest fahrlässigerweise das Verbrechen irgendwie „wahrscheinlicher“ machte. Also meinetwegen die offene Verandatür, die den Einbruch ermöglichte. Täter-Opfer-Umkehr hieße: eigentlich wollte sie ihn umbringen, aber er hat schneller geschossen. Oder: eigentlich hat sie ihn geschlagen, aber sie erzählt überall rum, dass er sie geschlagen hätte. Ist beides nicht toll und überschneidet sich auch manchmal, aber es ist nicht dasselbe.

Zum Beispiel in die Richtung von: „Wenn sie ihn nicht so eifersüchtig gemacht hätte, dann hätte er sie vielleicht nicht getötet.“ Dabei ist das natürlich kompletter Unfug.

Kompletter Unfug nicht – wäre sie nicht so reich, hätte man nicht bei ihr eingebrochen. Der Kausalzusammenhang ist ja auch dann da, wenn man ihn ethisch und juristisch ablehnt. Aber natürlich ist es auch ein weites Feld zwischen: „Hat sie mit dem Vorsatz gehandelt, dass er eifersüchtig wird?“ oder „Ist er ohne Grund oder Anlass eifersüchtig geworden?“

Umgekehrt führt jedoch eine gewaltsensible, geschlechtergerechte Sprache in der Berichterstattung dazu, dass Lesende mehr Mitgefühl mit Betroffenen haben.

Warum sollte es das Ziel von Berichterstattung sein, dass ich Mitgefühl oder sonst ein Gefühl entwickle? Mit wem auch immer? Ich will doch nur wissen, was passiert ist.

Sie geben dem Täter dann mehr Verantwortung für seine Tat.

Warum sollten die „Lesenden“ dafür zuständig sein, dem Täter (geschlechtergerechte Sprache, so wichtig) Verantwortung zu geben? Oder halt Schuld, wenn wir hier von Främing reden.

Außerdem erkennen sie die strukturelle Gewalt gegen Frauen eher und verstehen sie besser.

Ein Gesetz, das meinetwegen Schläge unter Eheleuten ausdrücklich nicht bestraft, ist „strukturell“. Ein einzelner Mann, der seine Ex ermordet und dafür eingesperrt wird, nicht.

Deshalb ist es so wichtig, Gewalt gegen Frauen und Mädchen auch genau so zu bezeichnen, die Taten und Täter klar zu benennen.

Immer dreimal mehr als Gewalt gegen Männer. Mindestens.

3 Gedanken zu “Welche Narrative sollen Medien bedienen?

  1. Gewalt gegen Frauen und Mädchen

    Eine der perversesten und widerwärtigsten Formeln, die der Feminismus hervorgebracht hat; selbst dann, wenn Jungen nicht öfter Opfer von Gewalt wären.

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  2. Was nützt denn Mitleid den Mordopfern?

    Ich hätte ggf. Mitleid gegenüber dem Angehörigen – aber die sind im beschriebenen Fall ja nun die Mörder; daher hält sich das sehr in Grenzen.

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