Linkes #metoo

Hachja.

LINKE MACKER

Sind natürlich schlimmer als Rechte. Weil… man sich von linken mehr erhofft? Lösung: einfach nicht links sein. (Mit „Links“ ist hier wohl linker als SPD und Grüne gemeint.)

TW: sexualisierte Gewalt/Vergewaltigung

Spoilerwarnung: Nein. Bzw., wenn schon das, was hier vorkommen wird, als Gewalt und Vergewaltigung betrachtet wird, ist die Definition zur Unkenntlichkeit verwaschen.

Mit meiner These, dass die Emanzipation des Mannes immer noch aussteht, bin ich mittlerweile seit einigen Jahren auf Tour.

Ja, herzlichen Glückwunsch. Natürlich müssen sich Männer emanzipieren. Von ihren Eltern. Ihrer Gesellschaft. Ihrem Staat. Aber nicht ihren Frauen, weil…

Ich schreibe Texte und Bücher, halte Vorträge und Workshops und in allen Zusammenhängen kommt irgendwann unweigerlich die Frage: Moment mal, hatten wir das nicht alles schon?

Das ist jetzt tatsächlich nicht die Schuld von Pickert. (Hurra). Bestimmte Themen sind nicht neu. Und man kann ja auch feststellen, dass bestimmte Dinge besser geworden sind, aber noch nicht komplett ok sind. Aber, natürlich…

Was ist denn mit den linken Männern der 68er-Bewegung – waren die nicht irgendwie emanzipiert, feministisch und alles?

Ja, aber die rechten Männer der 68er-Bewegung nicht, d’oh! Erstens, die sind inzwischen tot oder besonders alte weiße Männer (>70), zweitens, wenn man gegen iose 68er-Eltern rebelliert, wird man am besten Spießer. Oder Spießerin. Und drittens verwendet Pickert eine besonders seltsame Definition von „Emanzipierung“. Bei Männern.

Müssten wir heute mit der männlichen Emanzipation nicht viel weiter sein?

„Wir“ schon mal gar nicht. Emanzipiert ist, wenn überhaupt, das Individuum, nicht die Gesellschaft.

Meine Antwort darauf fällt auch immer gleich aus: Ja, müssten wir eigentlich – sind wir aber nicht.

Oder, die 68er sind beim Marsch durch die Institutionen eben selbst spießig geworden. (Pickert ist jetzt nicht für das Tun oder Lassen der 68er verantwortlich.)

Leider ist dafür nicht genug geschehen, weil für zu viele Männer die Geschlechtergerechtigkeitsfrage nur ein Nebenwiderspruch zum marxistischen Hauptwiderspruch von Bourgeoisie und Proletariat war.

Das ist Angeberdeutsch für: „Die hielten Klassenkampf für wichtiger als Geschlechterkampf.“, hatten also andere Prioritäten als Pickert. Was ja auch ok ist.

Sie waren überzeugt, dass sich mit der Revolution die Frauenfrage schon von selbst lösen würde.

Da diese Revolution eigentlich so nicht stattgefunden hat, können wir leider nicht wissen, ob das geklappt hätte. Oder, weniger nett formuliert – wenn die schon ihr selbsterklärtes Hauptproblem nicht gelöst haben, sind die eben gescheitert. (Oder, man betrachtet beide Probleme als deutlich entschärft im Vergleich zu den 60ern…)

Außerdem scheint sich „Emanzipation“ damals oftmals darauf beschränkt zu haben, dass hässliche Männer jüngeren gutaussehenden Frauen eingeredet haben, es sei ihre politische Pflicht, mit ihnen Sex zu haben.

Wohingegen gutaussehende Männer alle schwul waren? Oder zu dumm für politische Argumente Wenn das Private politisch ist, ist aber insbesondere auch Sex politisch und daher sind politische Argumente legitime Anmachsprüche. Außerdem – wenn Frauen sich das einreden lassen, sollen „wir“ mit ihnen Mitleid haben?

„Letztendlich sollte freie Sexualität bedeuten, dass die Frauen den Männern immer zur Verfügung standen.“

Wohingegen es bei unfreier Sexualität so ist, dass Männer den Frauen immer zur Verfügung stehen? Sexuelle Freiheit heißt: Sexuelle Freiheit für alle.

Natürlich gab es auch positive Entwicklungen. Aber die fanden vor allem im Bereich der Männersozialarbeit statt.

Nuuuuun, da es insgesamt viel mehr Sozialarbeit für Frauen gibt, ist bei der Männersozialarbeit viel mehr Verbesserungspotential. Aber das meint er offenbar (und erwartbar) nicht, denn er führt Folgendes an:

Psychologen wie der HeForShe-Botschafter Gerhard Hafner engagieren sich seit Jahrzehnten im Bereich Männerarbeit, Gewaltprävention und Opferschutz

Das ist ja nett von ihnen, aber „He for She“ ist nun der Inbegriff von „Männern, die Frauen helfen“. Männersozialarbeit wären aber nicht „Männer, die Sozialarbeit machen“, sondern „Sozialarbeit FÜR Männer“. Männerhäuser oder so.

und zwar aus einem emanzipierten und gleichberechtigten Rollenverständnis heraus.

Nein. Gleichberechtigtes Rollenverständnis hieße: „Ich engagiere mich für Frauen, weil Frauen sich auch für mich engagieren.“ Oder umgekehrt.

Gleichzeitig sind es gerade Hafner und seine Mitstreiter, die die 68er in puncto Männeremanzipation als vertane Chance kritisieren, und das anprangern, was man als linkes Mackertum bezeichnet.

Das ist ja kein Widerspruch. Wenn man Männer kritisiert, muss man natürlich auch männliche Linke kritisieren.

Wie recht sie damit haben, zeigt sich im Augenblick einmal mehr an den Vorwürfen diverser sexueller Übergriffigkeiten innerhalb des hessischen Landesverbandes der Linkspartei, über die der Spiegel vor einigen Tagen berichtete.

Weil das laufende Ermittlungen und schwebende Vorgänge betrifft, ist es wohl wirklich besser, nicht allzusehr ins Detail zu gehen, aber was genau meint Pickert mit „Sexuellen Übergriffigkeiten“? Oder was denkt er, was gemeint sein soll?

Es geht um systematische Grenzüberschreitungen, um Machokultur und Mackertum

Weiß heißt „systematisch“? „Alle Frauen in der Partei, die unter 30 sind, müssen mindestens einmal im Jahr einen anzüglichen Spruch kassieren, aber ab 30 nur, wenn sie entweder keine 5 Jahre Mitglied sind oder sich um ein Amt oder Mandat bewerben“?

und nicht zuletzt auch darum, was die damalige Parteiführung von den Vorfällen wusste und wie sie darauf bis heute (nicht) reagiert hat.

Gaaaanz allgemein gesagt wäre das Thema, was die Vorfälle jeweils genau sind und inwieweit eine Partei sich ins Privatleben ihrer Mitglieder einmischen sollte, und weiterhin, ob die Polizei nicht der bessere Ansprechpartner gewesen wäre. Aber es gibt bestimmt Dinge, die nicht schlimm genug für die Polizei sind, aber ausreichend schlimm für parteiinterne Sanktionen (Ausschluss, Verlust eines Parteiamtes oder einer Kandidatur, extra Schichten beim Plakate aufhängen…). Aber so allgemein, wie das hier wiedergegeben wird, kann man sich die Triggerwarnung sparen. Wer davon getriggert werden kann, kann einfach nicht online unterwegs sein.

Es geschieht, was in solchen Fällen fast immer geschieht. Nur, dass man seine Ausflüchte, Drohungen, Nebelkerzen und Beschwichtigungsversuche hierbei noch hinter der linken Weltanschauung versteckt: Aber wir sind doch die Guten.

Eigentlich sagen das alle, nur nicht die Guten. Wenn man gut ist, sagt man nicht, weil man das für albern hält.

Wir wissen doch alle, was Diskriminierung ist und sind total solidarisch mit den Opfern von Gewalt und Unterdrückung.

Wenn ein Mann bei einer Frau auf den Balkon klettert, ist das Hausfriedensbruch, aber keine Diskriminierung. Aber Linke (und Pickert) wissen vllt. nicht, was Hausfriedensbruch ist.

Deshalb feuert man sich unter linken Männern in Chatverläufen auch mit „Du Hengst! Du Sugardaddy! Du Roman Polanski“ an, wenn es um grenzüberschreitendes Verhalten mit einer Minderjährigen geht.

Roman Polanski hat angerufen. Diese unfaire Gleichsetzung mit hessischen Linken machten ihn sehr traurig und betroffen, und er zieht jetzt wieder in die USA, wo man ihm evt. nochmals den Prozess machen wird, aber das stillt vllt. den Schmerz. Ernsthaft: zwei Typen und ein privater Chatverlauf beweist nicht deren Charakterlosigkeit, sondern die der ganzen Partei? Sollen die Linken ihre Mitglieder und deren Bekanntenkreis etwa mit Stasimethoden aushorchen? Ok, die Stasi hatte kein Internet…

 Weil man ja weiß, dass Roman Polanski im Haus von Jack Nicholson ein dreizehnjähriges Mädchen unter Drogen gesetzt und vergewaltigt hat

Ok, man „weiß“ es in dem Sinne, dass das mal die Anklage war. Das Urteil beschränkte sich auf Sex mit einer 13-jährigen. Aber vermutlich ist wirklich nicht gemeint, dass der andere Regisseur ist. Und mit Jack Nicholson ist alles noch mal doppelt so verrucht, wegen Sippenhaft. Wo war ich?

seitdem ein flüchtiger, mit internationalem Haftbefehl gesuchter und verurteilter Sexualstraftäter ist.

Jein. Der Link stimmt nicht, was man verlinken sollte, ist das. (Man kann den damaligen Deal natürlich kritisieren und diese Praxis, von Teilen der Anklage abzurücken, um den Prozess zu vereinfachen, auch; und fürs Argument kann man natürlich einfach der Ansicht sein, dass eine Dreizehnjährige einfach zu jung ist. Da es bei #Linkemetoo aber – soweit ich das bisher überblicken kann – um zumindest harmlosere Sachen geht als das, stellt sich die Frage, warum die Polanski hier überhaupt erwähnen? Also die bei Pinkstinks jetzt. Evt., um die Triggerwarnung zu rechtfertigen…) Jedenfalls, Polanskis Urteil lautet tatsächlich nicht auf „Vergewaltigung unter Verwendung betäubender Mittel“. Was Pinkstinks aber natürlich eh‘ egal ist.

Linke Macker sind einfach nur Feminismusdarsteller, die Applaus und Anerkennung dafür wollen, dass sie manchmal ein bisschen netter mit Frauen sprechen und sich ein paar Gleichberechtigungsmoves draufgeschafft haben.

ACH? Wirklich? Ich stelle gerade fest, dass ich das Phänomen der Feminismusdarsteller noch gar nicht durchdrungen habe. Aber, der guten Ordnung halber, gelobe ich, mich auch fürderhin nicht als Feminist darzustellen! Frauen stehen auf ehrliche Typen! Hoffe ich…

Der Mythos, dass aufgeklärte linke Kreise Sexismus nicht dulden, ist das Tuch, mit dem die tatsächlich stattfindenden Übergriffe und der alltägliche Sexismus verdeckt werden sollen.

Das sind – ich bin hier wirklich mal haarspalterisch – zwei Paar Schuhe. „Linke Kreise“ als solche dulden evt. keinen Sexismus, aber Individuen darin können durchaus sexistisch sein, lassen sich das aber nicht anmerken. Und natürlich kann jemand Frauen anbaggern, ohne sexistisch zu sein. Die Art, wie hier „sexistisch“ und „frauenfeindlich“ gleichgesetzt wird, ist irgendwie noch ätzender als die völlig fließende Übergangslosigkeit zwischen „sexueller Belästigung“ und „Vergewaltigung“. Es gibt auch männerfeindliche Sexisten. M-W-D.

Genau deshalb halten sie sich in diesem Milieu so hartnäckig.

Leuten, die gesteigerten Wert darauf legen, dass immer gut gegendert wird, ist die Außenwirkung doch wichtiger? Na, toll. Kann man Moral doch nicht mit reiner Wortwahl erreichen.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass mit der Parteivorsitzenden Janine Wissler eine Frau in den Skandal involviert ist.

Die damalige Freundin eines der Beschuldigten? Wieso sollte das auch etwas ändern? Sie hat wohl deshalb mit ihm Schluss gemacht.

Es geht um dieselben alten sexistischen Strukturen und um dasselbe linke Mackertum und Selbstverständnis vom „überlegenen Mann“.

Wie gesagt, bei Dingen, die nicht schlimm genug sind, um zur Polizei zu gehen, aber schlimm genug, um nicht mehr als Parteigenossen zusammenzuarbeiten, ist der Mittelweg, das parteiintern zu regeln, sicher der beste. Und wenn die Linke als Partei keine Strukturen (tatsächlich: Strukturen) oder Regelungen hat, damit klarzukommen, ist das sicher ein Problem. Aber dazu bräuchte man irgendeine Skala, und selbst, wenn die einzelnen Punkte unterschiedlich sind. Ein anzüglicher Spruch ist für jemanden schon sehr übergriffig, für wen anderes noch lustig. Wer anderes hält nächtliche Besucher auf dem Balkon für romantisch, noch wer anderes ruft direkt die Polizei an: „Ich glaube, ich habe eben einen Einbrecher erschossen!“ Aber nicht für Pinkstinks. Ein SANDWICH und ein Glas Milch und später ein Anruf oder KOKS UND ALKOHOL, so dass die Frau gerade noch aktiv ist. Alle Männer sind Schweine. Oder, wenn man so denkt, dann sollte man nie versuchen, dass parteiintern zu regeln.

Im Herbst 1968 machte zum 24. Delegiertenkongress des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes eine Flugblattaktion des kurz zuvor gegründeten Weiberrats Furore. Darin schilderten linke Frauen, dass ihnen von linken Männern „das Maul gestopft wird“, sobald sie es aufmachen.

Hmmm, evt. ist es vllt. sogar so, dass die Linken der 68er gar nicht so nette Menschen waren, wie Meinhofs Selbstmord es vermuten ließe?

Unter anderem durch „sozialistischen Bumszwang, sexualrevolutionären Argumenten und sozialistischem Gelaber“. Beschwichtigung erfolgt durch „sozialistisches Schulterklopfen und väterliche Betulichkeit“.

Oder – man mag es kaum aussprechen – dass Linke generell nicht immer so ganz die Wahrheit sagen?

Und wenn frau dann nicht kuscht, ist sie „penisneidisch, frustriert, hysterisch, verklemmt, asexuell, lesbisch, frigid, zu kurz gekommen, irrational, lustfeindlich, hart, viril, spitzig, zickig“ und vieles mehr.

Dessenungeachtet hatten Frauen im Sozialismus den besseren Sex. Nein, keinen guten, aber den Vergleich mit Kapitalistensex, der ja richtig scheiße ist, kann man nur gewinnen.

Heute unterstellt man ihnen „parteischädigendes Verhalten“.

Ok, aber das ist jetzt nun wirklich kein Alleinstellungsmerkmal der Linken.

Mit dem Unterschied, dass sich linkes Mackertum nach wie vor mit Verweis auf die blütenreine, diskriminierungsfreie Weste verbittet, auf sein sexistisches Verhalten angesprochen zu werden. Unter anderem auch deshalb werde ich weiterhin mit meinem Slogan durch die Lande touren:
Die Emanzipation des Mannes steht immer noch aus.

Ja, dann.

Ernsthaft – die Idee, dass irgendeine Partei komplett aus Leuten bestünde, die die Parteiideale komplett verkörpern, ist naiv. Dass eine antisexistische Politik komplette sexuelle Spießigkeit nach sich zieht, ist sogar doppelt naiv: eine Beschränkung von Sexualität auf die Institution der Ehe ist keine linke Position, ergo wird es sexuelle Beziehungen zwischen linken Parteimitgliedern geben, ergo auch Situationen, wo man als außenstehendes Parteimitglied mit legalen Mitteln nicht entscheiden kann, was Flirten, sexuelle Belästigung oder gar Machtmissbrauch ist. Aber drittens: Emanzipation hieße auch die Emanzipation von seiner Partei. Welche Dinge man privat tun oder versuchen kann, sollte eher nicht politisch entschieden werden.

2 Gedanken zu “Linkes #metoo

  1. Herr Pickert sollte mal den Begriff „Schutzalter“ googeln.
    Als 40jähriger eine 17jährige bumsen ist strafrechtlich anders zu bewerten als Sex mit einer 13jährigen.

    Das Verhalten des Herrn G. ist übrigens das, was in rechten Kreisen als „Gutmenschentum“ bezeichnet wird.
    Bloß, weil man zu den „Guten“ (Linken) gehört, macht das nicht jede Tat zu einer guten Tat…

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