JK Rowling ist auch sonst ganz böse

Wegen: Sklaverei. Statt Terfen.

Die Hauselfen. Die armen, armen Hauselfen. Wie viele Dinge in der Potterwelt sind auch diese nicht von ihr erfunden, sondern von existierenden Sagen und Legenden übernommen worden.

Am ehsten erinnern sie an die schottischen Brownies (gut, dass DER Name nicht…), aber auch Heinzel- oder Wichtelmänner und andere Hausgeister ähneln ihnen von der „Funktion“ her. Religionsgeschichtlich sind sie Mitteldinger zwischen Naturgeistern (Elfenartige, haben etwas wenig Ahnung von menschlichen Angelegenheiten, sind schnell gekränkt) und Ahnengeistern (sind mehr oder weniger an ein Haus oder eine Familie gebunden, kümmern sich um diese, bekommen kleinere Opfergaben wie Milch – niemals in diese „Fettnäpfchen“ treten, wegen schneller Gekränktheit).

Viele Geschichten berichten davon, dass solche hilfreichen Hausgeister aufhören zu helfen, sobald man ihnen Kleidung schenkt. Beim Märchen vom Schuster und den Wichteln machen Wichtel einem armen Schuster über Nacht aus Leder Schuhe, die der verkauft, so dass er sich neues Leder kaufen kann, das wieder zu Schuhen verabeitet wird. Eines Tages beobachten der Schuster und seine Frau heimlich die Wichtel – Hausgeistern bei der Arbeit zuzusehen ist meist das sicherste Verfahren, sie zu vergraulen – und sehen zwei nackte Wichtelmänner. Also näht die Frau ihnen passende Kleidung und ihr Mann macht zwei Paar Schuhe, worauf diese frohgemut verschwinden, weil wohlgekleidete Leute ja nicht mehr als Schuster arbeiten müssten. (Warum sie sich nicht selber Kleidung machen, ist nicht ganz klar.) Andere Geschöpfe dieser Art sind traurig, weil sie jetzt nicht mehr für ihre Menschen arbeiten dürften. Richtig erklärt wird das nie, weder, warum sie für Menschen arbeiten, noch, warum sie damit aufhören.

Meine Theorien:

  • wenn man ihnen Kleidung schenkt, merken sie, dass man sie beobachtet hat, und sind gekränkt. Passt nicht bei den Wichteln vom Schuster, aber bei anderen.
  • die Wichtel vom Schuster wollten Kleidung, durften sie aber nicht selbst herstellen, und durften auch nicht sagen, was sie als Gegenleistung wollen/brauchen. Wegen irgendeiner Art von Fluch.
  • es ist ein Stummer Handel – in grauer Vorzeit hat man sich so mit anderen Völkern ausgetauscht.
  • der ganze Vorgang ist Teil von Mysterien, die aus vorchristlichen Religionen stammen, und die Erklärung ist als Mysterium nicht überliefert.
  • bzw., wenn Zwerge ursprünglich Ahnengeister waren, ist die Kleidung vllt. eine Grabbeigabe – die Toten können UND müssen ins Jenseits, sobald ihre Grabbeigaben vollständig sind, aber manche von ihnen wären gerne im Diesseits geblieben.
  • nur Mägde und Knechte kriegen Kleidung als Lohn – Brownies und Heinzelmänner sind keine Angestellten, und reagieren gekränkt, wenn man sie behandelt.
  • Wichtel leben in einem Zustand vor dem Sündenfall, BIS man ihnen zu verstehen gibt, dass sie nackt sind (außer in den Geschichten, wo sie Trachten tragen), und das alles beruht auf der Bibel statt germanischen, keltischen oder wasfürwelchen Vorstellungen auch immer.

In all den Geschichten sind Hausgeister keine Sklaven oder Leibeigenen. Die Menschen, denen sie helfen, haben keinerlei Kontrolle über sie, es gibt keine Möglichkeit für Menschen, sie am Gehen zu hindern, und umgekehrt bestrafen Brownies, Heinzel und Artverwandte Menschen für Habgier. Also nicht mal annähernd Sklavenarbeit.

Aber jetzt schreibt Rowling über Zauberer und Hexen, die natürlich Kenntnisse und Fähigkeiten haben können, Hauselfen doch zu kontrollieren, und so, wie das geschildert wird, kommt das schon wie Sklaverei vor. Magiebegabte Menschen wissen, wie sie Hauselfen kontrollieren und vom Weglaufen abhalten können, und werden auch nicht für Habgier oder sonstwas bestraft.

So dass Hermine mit ihrem Hauselfen-Aktivismus vllt. doch keine SJW-Parodie ist. Andererseits wollen die Hauselfen nicht befreit werden. Ich halte das auf Rowlings Seite mehr für Gedankenlosigkeit als für eine politische Aussage wie: „Manche Leute sind gerne unterdrückt und ausgebeutet.“, und halte Leute, die diese Botschaft darin sehen, für ziemliche Eiferer.

Andererseits andererseits, selber Schuld. Das Konzept der Hauselfen scheint ihr selbst nicht klar zu sein. Was hat es im Potterversum mit dem Schenken von Kleidung auf sich? Wird damit ein Bann gebrochen, und wenn ja, warum Kleidung? Weiterhin – wie Cinema Sins schon meinte – was ist, wenn so ein Hauself die Wäsche macht? Muss man ihm immer extra sagen, dass die ihm nicht gehört? Oder was sonst signalisiert den Unterschied zwischen „geben“ und „schenken“? Der Trick, mit dem Harry Dobby befreite, hätte nicht funktioniert, wenn Malfoy die Socke 1. absichtlich Dobby geben müsste, bzw., um sie 2. Dobbys Eigentum werden zu lassen, oder 3., wenn die Socke vorher Malfoys Eigentum hätte sein müssen, um den Bann oder Zauber zu brechen. Ansonsten wäre jedes Kleidungsstück, was irgendwer irgendwo herumliegen lässt, und das ein Hauself findet, ein Kleidungsgeschenk. (Alternativ waschen Malfoys ihre Wäsche selbst, und in Hogwarts gibt es eine Wäscherei, die die Schüler selbst benutzen müssen.)

Und, wenn die Regel, wie Hauselfen ihre Freiheit erlangen, so vage sind, kann man annehmen, dass sich Rowling auch darüber nicht allzuviele Gedanken gemacht hat, wie Hauselfen überhaupt erst Hauselfen geworden sind. Im Unterschied zum Holunderstab, wo es anfangs so aussieht, dass man den Vorbesitzer töten muss, um ihn vollständig zu beherrschen, aber am Ende wird klar, es reicht, ihn zu besiegen.

Also denkt dran, liebe Kinder, immer mehr Gedanken machen, als Ihr denkt, dass Ihr sie Euch machen müsstet!

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